Caduceus


Naturheilkunde
 

 

"Health is a state of complete physical, mental and social well-being
and not merely the absence of disease or infirmity."

Gesundheitsdefinition in der WHO-Constitution, 1984

 

 

Der Organismus von Menschen und Tieren ist ein perfektes, sich selbst regulierendes und sich selbst regenerierendes System, das sich während der Jahrmillionen dauernden Evolution optimal an die Lebensbedingungen auf der Erde angepasst hat.

 

Schon vor über 100 Jahren war bekannt, wie der menschliche Organismus gesund erhalten werden kann (s.a. Moorbad Blenhorst: Ein naturheilkundlicher Bäderführer). Sogar im Alter haben wir unsere Gesundheit weitgehend selbst in der Hand; schließlich sind Alterungsprozesse nur zu einem Viertel durch die Gene bestimmt (DIE WELT vom 23. April 2005).

 

Naturheilkunde steht heute besonders für diejenigen Therapien, die nicht nach einem Standardrezept verfahren, sondern die Patienten als Individuen betrachten, die eine individuelle, auf den Einzelfall angepasste Behandlung benötigen.

 

Solche Behandlungsmethoden befinden sich vielfach im Gegensatz zur Krankenhausmedizin, die nicht zuletzt durch die Einführung von Fallpauschalen eine schematisierte Bezahlung von vertragsärztliche Leistungen nach Krankheitsbildern anstrebt.

 

Der deutsche Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e.V. (ZÄN) definiert daher als Naturheilverfahren alle Therapiemethoden, die nicht der universitären Medizin zugerechnet werden.

 

Dabei wird grundsätzlich zwischen der ärztlichen Medizin, den Behandlungen nach dem Heilpraktikergesetz und der Selbstbehandlung unterschieden. Dementsprechend lassen sich auch die Methoden als ärztliche Verfahren, nichtärztliche Behandlung und Volksmedizin unterscheiden.  

 

Innerhalb der Ärzteschaft sind die Naturheilverfahren vor allem bei den niedergelassenen Ärzten integriert. Nach Angaben des ZÄN sind rund 61.000 Ärzte in ärztlichen Fachgesellschaften der außeruniversitären Medizin organisiert (28.000: Akupunktur, 14.000: Naturheilverfahren, 8.000: Chirotherapie, 6.000: Homöopathie, über 5.000: sonstige Verfahren der Komplementärmedizin). Naturheilverfahren sind in Deutschland begehrt; 73% der Bevölkerung wünschen damit behandelt zu werden (Studie Allensbach, 2002).

 

Nach dem naturheilkundlichen Standardwerk von Friedrich Eduard Bilz (F.E. Bilz: Das neue Naturheilverfahren - Lehr- und Nachschlagebuch der naturgemäßen Heilweise und Gesundheitspflege. Verlag von F.E. Bilz, 34. Auflage, Leipzig, 1895) war die Erfindung, das Aufblühen und die Vervollkommnung der Naturheilmethode einer der bedeutendsten Fortschritte des 19. Jahrhunderts.

 

Nach Ansicht der Naturheilkunde heilt nicht der Arzt (auch nicht der Naturarzt), sondern die Heilung besorgt nach Bilz lediglich die dem Patienten inne wohnende „Lebenskraft“, d.h. die Natur.

 

Die alleinige Aufgabe des Arztes kann somit nur sein, „bei vorkommenden Krankheitsfällen die Natur des Betreffenden recht gehörig zu unterstützen, damit sie den in Unordnung geratenen Lebensprozeß wieder harmonisch gestaltet oder, mit anderen Worten, den Heilungsvorgang einleitet und ausführt. Das ist alles, was wir dabei thun können“.

 

Die Entwicklung der modernen universitären Medizin begann vor ca. 200 Jahren mit dem „Dampfmaschinenzeitalter“, dem sog. „1. Kondratieff“ (L.A. Nefiodow: Der fünfte Kondratieff - Strategien zum Strukturwechsel in Wirtschaft und Gesellschaft. Frankfurt am Main und Wiesbaden, 1991).

 

Seither gibt es sehr widersprüchliche Auffassungen über die „richtige“ und „falsche“ Medizin. Dies gilt für den Humanbereich ebenso wie für die Tiermedizin.

 

Die sog. „konventionelle“, universitäre Medizin lässt nur solche Therapiemethoden gelten, die sich zumeist in klinischen Studien als „Evidenz-basiert“ erwiesen haben; die sog. „Alternativmedizin“ setzt demgegenüber vor allem auf die Methoden der Erfahrungsheilkunde, die sich nach ihrer Meinung ja schließlich über Jahrhunderte bis Jahrtausende bewährt haben.

 

Die Naturheilkunde gilt deshalb bei vielen konventionellen Medizinern als wirkungslos und antiquiert, und die konventionelle Medizin wird von Alternativmedizinern häufig als Vergiftungs- und Unterdrückungsmedizin abgelehnt.

 

Seit einiger Zeit beginnen sich die beiden Richtungen der Medizin allerdings gegenseitig zu respektieren. Beide haben ihre Berechtigung; optimal ist ihre Verknüpfung zum Wohl der Patienten (s.a. das Buch "Leitfaden für eine naturheilkundliche Brustkrebstherapie"). 

 

Naturheilkunde bedeutet nicht nur Therapie, sondern auch Vorbeuge und Verhütung von Krankheiten.

 

Die hierbei zu beachtenden Gesetzmäßigkeiten waren ebenfalls bereits vor über 100 Jahren bekannt. Der erste Absatz in dem Kapitel „Allgemeine Grundsätze über das Naturheilverfahren“ in dem Buch von F.E. Bilz lautet:

 

Nicht nur in kranken, sondern schon in gesunden Tagen soll jedermann auf seinen körperlichen Zustand Obacht haben. Man muß befähigt werden, zu wissen, was dem Körper nützt und was ihm schadet. Denn es ist viel leichter, Krankheiten vorzubeugen, als zu heilen. Je mehr der funktionierende Organismus belauscht wird, desto weniger kommt man in die Lage, gegen Krankheiten einschreiten zu müssen. Aber selbst, wenn solche eintreten, muß der Kranke auch in die Lage versetzt werden, in gewisser Beziehung sein eigener Arzt zu sein. Zu diesem Behufe wähle man ein so einfaches Kranken-Behandlungsverfahren, dass fünf gesunde Sinne es zu fassen vermögen. Trotz der Einfachheit will es aber immer gelernt sein, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil nicht eines sich für alle schickt ...

Bevor wir nun auf die Einzelheiten einer Krankenkur eingehen und die Krankheiten speziell beleuchten, wollen wir die Verhaltungsmaßregeln, welche in gesunden Tagen zu beobachten sind, noch einmal kurz wiederholen. Denn wer naturgemäß lebt, kommt höchst selten in die Lage, krank zu sein. Deshalb soll auch das Hauptaugenmerk zunächst auf die Erhaltung der Gesundheit gerichtet werden ...“ (nähere Informationen hierzu in: Moorbad Blenhorst: Ein naturheilkundlicher Bäderführer).