25.08.2010
Neuer
Online-Kurs: Burn-Out-Syndrom
Auf der
eLearning-Plattform naturheilseminare.com ist seit
kurzem ein neuer
Online-Kurs "Naturheilkundliche Vorbeuge und
Behandlung des Burn-Out-Syndroms" verfügbar.
Diese Internetseite hat es sich zur Aufgabe gemacht,
naturheilkundliche Kurse zu aktuellen medizinischen
Themen zu günstigen Konditionen anzubieten. So
finden sich auf der Seite neben einem kostenlosen
Basiskurs Kurse zur naturheilkundlichen Behandlung
von Allergien und chronischen bakteriellen
Infektionen.
Stress, Depressionen und
Burn-Out haben sich zur Volkskrankheit Nummer eins
entwickelt. Das Burn-Out-Syndrom findet sich
regelmäßig in den Top Ten der Ursachen für die
Arbeitsunfähigkeit – Tendenz steigend.
In diesem Intensivkurs
von Dr.Dr. Peter Schneider werden die Ursachen des
Burn-Out-Syndroms aus naturheilkundlicher Sicht
aufgezeigt und Möglichkeiten zur Vorbeuge und
Therapie erläutert. Der Kurs enthält fünf Videoclips
und ist sehr praxisnah und ausführlich.
Dr. Schneider ist
Anthropologe und Tierarzt und beschäftigt sich seit
über 30 Jahren mit den naturwissenschaftlichen
Hintergründen der Naturheilkunde. Seine Onlinekurse
resultieren aus jahrzehntelanger Erfahrung in
Forschung, Wissenschaft und Praxis sowie aus seiner
langjährigen Seminar- und Beratungstätigkeit.
Internetseite:
http://www.naturheilseminare.com
17.03.2010
Uniklinik Frankfurt setzt auf Natur
im Kampf gegen Krebs
Neue Fachrichtung Komplementäre Onkologie integriert
Naturheilverfahren in die schulmedizinische
Krebsbehandlung
Das Klinikum der J.W.
Goethe-Universität baut als erstes Onkologisches
Spitzenzentrum in Deutschland den Bereich
Komplementäre Onkologie aus. Schulmedizinische und
natürliche Therapieformen werden in der so genannten
Komplementären Onkologie am Universitären Centrum
für Tumorerkrankungen (UCT) zusammengeführt. Am UCT
arbeiten alle Krebsspezialisten eng zusammen, es ist
von der Deutschen Krebshilfe als Onkologisches
Spitzenzentrum ausgezeichnet.
Niedergelassene Ärzte und Patienten können sich ab
sofort in einer neu gegründeten Beratungsstelle über
Therapien aus der Naturheilkunde informieren. Die
wissenschaftliche Erforschung natürlicher
Behandlungsmethoden soll ebenso vorangetrieben
werden.
Komplementärmedizin
Die Komplementäre Onkologie versteht sich als Teil
der wissenschaftlichen Medizin und will Beschwerden
bei Tumorerkrankungen sowie Nebenwirkungen der
Krebsbehandlung lindern. Im Unterschied zur
Alternativmedizin werden die Therapien begleitend
und nicht ersatzweise zur Schulmedizin durchgeführt.
So genannte sanfte Therapien sollen die
schulmedizinische Behandlung unterstützen und die
persönliche Betreuung der Patienten fördern. Die
Verwendung einfacher und natürlicher Methoden
ermöglicht es Patienten und Angehörigen, selbst zum
Therapieerfolg beizutragen und im Kampf gegen den
Krebs aktiv zu werden. Beispielsweise belegen
Studien, dass Übelkeit als häufige Nebenwirkung
einer Chemotherapie durch Ingwer gelindert werden
kann. "Für die Komplementäre Onkologie ist es
wichtig die Kompetenz des Patienten und seine
Eigenverantwortung wahrzunehmen und zu stärken",
erklärt Dr. Jutta Hübner, Ärztliche Leiterin der
Komplementären Onkologie des Klinikums der J.W.
Goethe-Universität.
Die Komplementärmedizin umfasst viele weitere Felder
wie Pflanzenheilkunde und Nahrungsergänzungsmittel.
Jedoch können auch natürliche Behandlungsmittel
Neben- und Wechselwirkungen hervorrufen. So kann die
Einnahme von Johanniskraut während einer
Chemotherapie deren Wirkung negativ beeinflussen.
Deshalb sollten auch natürliche Behandlungsmethoden
speziell auf die jeweilige schulmedizinische
Krebsbehandlung abgestimmt werden. In der Ambulanz
für komplementäre Therapien des Klinikums der J.W.
Goethe-Universität können sich Betroffene ab sofort
durch persönliche Beratung über
Therapiemöglichkeiten informieren. Prof. Dr. Claus
Rödel, Klinischer Direktor des UCT bekräftigt: "Als
Onkologen wissen wir, dass viele Krebspatienten -
meist ohne Abstimmung mit Ihrem Arzt -
verschiedenste frei erhältliche Extrakte aus
Pflanzen und Tieren sowie Nahrungsergänzungsmittel
einnehmen. Hier im UCT wollen wir Patienten
ermöglichen, sich umfassend zu informieren - um auf
dieser Basis mit ihren Ärzten gemeinsam zu
entscheiden, was sinnvoll ist und was nicht." Prof.
Dr. Joachim Steinbach, Leiter des Dr.
Senckenbergischen Instituts für Neuroonkologie,
berichtet von seinen Erfahrungen mit Betroffenen:
"Unter den von mir betreuten Hirntumorpatienten
besteht in aller Regel ein großer Informations- und
Beratungsbedarf bezüglich komplementärmedizinischer
Methoden. Durch die Einrichtung der Komplementären
Onkologie können wir dem gerecht werden und zu
transparenten, sicheren und für Patienten wie Arzt
befriedigenden Lösungen kommen."
Ganzheitliche Krebsbehandlung am UCT
Die Komplementäre Onkologie ist Bestandteil des
ganzheitlichen Behandlungskonzepts des UCT.
Verschiedene medizinische Fachrichtungen wurden
vernetzt, um die bestmögliche Behandlungsstrategie
für den Patienten festlegen zu können. In der
Komplementären Onkologie soll neben der Beratung vor
allem die Erforschung von natürlichen
Behandlungsmethoden im Vordergrund stehen. "Wir
stehen hier noch ganz am Anfang. Viele wirksame
Krebsmedikamente wurden ursprünglich aus Pflanzen
gewonnen. Bei den meisten komplementärmedizinischen
Methoden steht ein Wirksamkeitsnachweis noch aus.
Das wollen wir ändern. Wahrscheinlich werden einige
Substanzen und Methoden wirksam sein, und viele
nicht. Es ist der Auftrag des UCT, hier einen
Beitrag in deren Erforschung zu leisten", berichtet
Prof. Dr. Hubert Serve, Wissenschaftlicher Direktor
des UCT.
Über das Klinikum der J.W. Goethe-Universität
Das Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt
am Main, gegründet im Jahr 1914, zählt zu den
führenden Hochschulkliniken Deutschlands. Es bietet
seinen Patientinnen und Patienten eine bestmögliche
medizinische Versorgung in 24 Fachkliniken. Der enge
Bezug zur Wissenschaft - Klinikum und Fachbereich
Medizin betreiben zusammen 24 Forschungsinstitute -
sichert den Patientinnen und Patienten eine zeitnahe
Umsetzung neuer Erkenntnisse in die therapeutische
Praxis. 1.250 Betten stehen zur Verfügung.
Zahlreiche Institute widmen sich
medizinisch-wissenschaftlichen Spezialleistungen.
Jährlich werden 46.000 stationäre und 170.000
ambulante Patienten betreut. Besondere
interdisziplinäre Kompetenz besitzt das
Universitätsklinikum unter anderem auf den Gebieten
der Neurowissenschaften, Onkologie und
kardiovaskulären Medizin. Auch als Standort für
Organ- und Knochenmarktransplantationen, Dialyse
sowie der Herzchirurgie nimmt es besondere Aufgaben
der überregionalen medizinischen Versorgung wahr.
3.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich
rund um die Uhr um die Patientinnen und Patienten.
Weitere Informationen über das Klinikum der J.W.
Goethe-Universität finden Sie unter
http://www.kgu.de.
Für weitere Informationen:
Dr. med. Jutta Hübner
Ärztliche Leiterin der Komplementären Onkologie
Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen (UCT)
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am
Main
Fon: (0 69) 63 01 - 58 14
Fax: (0 69) 63 01 - 50 91
E-Mail: jutta.huebner@kgu.de
03.12.2009
Studie belegt Zusammenhang zwischen
Tabakrauch und Verhaltensauffälligkeiten
bei Kindern
Neuherberg. Kinder, die während ihrer frühen
Entwicklung Tabakrauch ausgesetzt sind, können bis
zum Alter von etwa zehn Jahren
Verhaltensauffälligkeiten entwickeln. Dies haben
Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München
zusammen mit Kollegen der
Ludwig-Maximilians-Universität München im Rahmen der
GINI-Plus-Studie herausgefunden. Besonders negativ
macht sich der Einfluss des Tabakrauches während der
Schwangerschaft bemerkbar. Die Ergebnisse der Studie
sind in der aktuellen online-Ausgabe der
renommierten Fachzeitschrift Environmental Health
Perspectives veröffentlicht.
"Wir konnten zeigen, dass Kinder, die während der
Schwangerschaft und den ersten Lebensjahren
Tabakrauch ausgesetzt sind, im Schulalter gehäuft
Verhaltensauffälligkeiten entwickeln", sagt Dr.
Joachim Heinrich vom Institut für Epidemiologie am
Helmholtz Zentrum München. Dabei macht es für die
kindliche Entwicklung einen Unterschied, ob das Kind
erst nach der Geburt oder schon während der
vorgeburtlichen Entwicklung mit Tabakrauch
konfrontiert wurde.
Kinder, die ausschließlich vor der Geburt durch
Tabakrauch belastet wurden, haben der Studie zufolge
ein 1,9-fach erhöhtes Risiko,
Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln. Das Risiko
bei Kindern, die erst nach der Geburt Tabakrauch
exponiert waren, war immer noch um den Faktor 1,3
erhöht. Kinder, die sowohl vor als auch nach der
Geburt in einer Raucherumgebung aufwuchsen, hatten
ein 2-fach erhöhtes Risiko,
Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln. Dazu zählen
unter anderem Hyperaktivität,
Aufmerksamkeitsdefizite, oder Störungen in der
Beziehung mit Gleichaltrigen. Die Ergebnisse der
Studie wurden sorgfältig mit der sozialen Lage der
Familien abgeglichen. Ein Zusammenhang mit prekären
Familienverhältnissen konnte ausgeschlossen werden.
In der GINI-plus-Studie begleiten Heinrich und seine
Kollegen eine große Geburtenkohorte. Die Studie
schließt 5991 Kinder ein, die zwischen 1995 und 1998
geboren wurden. Umfangreiche Folgestudien werden
sich anschließen. Ein auf das Verhalten drei- bis
16jähriger Kinder ausgelegter standardisierter
SDQ-Fragebogen (Strength and Difficulties
Questionnaire) bewertet.
"Der Wert unserer Studie liegt nicht zuletzt in dem
prospektiven Untersuchungsansatz und der umfassenden
Befragung zu möglichen Belastungen der Ungeborenen,
Säuglinge und Kinder zu verschiedenen Zeiten",
berichtet Heinrich. Dies ermögliche es, die
Auswirkungen vor- und nachgeburtlicher
Rauchbelastung differenziert zu entschlüsseln.
Zur Absicherung ihrer Ergebnisse aus den Befragungen
kontrollierten die Wissenschaftler im Rahmen ihrer
Erhebung auch den Gehalt an Nikotin in der Raumluft
sowie Cotinin, einem Abbauprodukt von Nikotin, im
Urin der teilnehmenden Kinder. "Die Übereinstimmung
mit den Daten aus den Fragebögen lag bei über 93
Prozent", fasst Simon Rückinger, Erstautor der
Studie, zusammen.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass Tabakrauch auch
auf die Verhaltensentwicklung von Kindern
wesentlichen Einfluss nimmt. Dabei spielt der
Einfluss während der Schwangerschaft eine größere
Rolle als die Belastung der Kinder nach dieser
sensiblen Entwicklungsphase. Aber auch allein der
Aufenthalt von Kindern in verrauchten Räumen ist mit
einem erhöhten Risiko für Verhaltensauffälligkeiten
verbunden.
Weitere Informationen
Originalpublikation: Rückinger S, Rzehak P, Chen
C-M, Sausenthaler S, Koletzko S, Bauer C-P, Hoffmann
U, Kramer U, Berdel D, von Berg A, Bayer O, Wichmann
H.-E., von Kries R, Heinrich J: Prenatal and
Postnatal Tobacco Exposure and Behavioural Problems
in 10 Year Old Children: Results from the GINI-plus
Prospective Birth Cohort Study, Environmental Health
Perspectives doi:10.1289/ehp.0901209.
GINI: Die 1995 gestartete Studie GINI und ihre
Follow up-Studie GINI plus (German Infant Study on
the influence of Nutrition Intervention PLUS
environmental and genetic influences on allergy
development) untersuchen die Gesundheit von Kindern
in Deutschland. Ziel der prospektiven
Geburtskohortenstudie ist es, den Einfluss von
Ernährung, Umwelteinflüssen und genetischer
Prädisposition auf die Gesundheit von Kindern zu
untersuchen. Etwa 6000 Kinder im Alter von ein bis
zehn Jahren sind in die Studie einbezogen. Neben dem
Helmholtz Zentrum München beteiligen sich die
Ludwig-Maximilians-Universität München, die
Technische Universität München sowie das Institut
für Umweltmedizinische Forschung der Universität
Düsseldorf an der groß angelegten Studie.
Das Institut für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum
München beschäftigt sich mit methodischen Fragen der
Quantifizierung kleiner Risiken, mit der Auswirkung
von Partikeln und Luftschadstoffen auf die Lunge und
das Herzkreislaufsystem sowie der regionalen
Verteilung und Entwicklung von Atemwegserkrankungen
und Allergien. Ein neuer Schwerpunkt des Instituts
ist die molekulare Analyse von komplexen
Erkrankungen (z.B. Asthma, Typ 2 Diabetes,
Herzinfarkt). Zentrales Ziel ist es, die Rolle von
Umwelteinflüssen und genetischen Veranlagungen auf
die menschliche Gesundheit mit epidemiologischen
Methoden zu untersuchen.
Das Helmholtz Zentrum München ist das deutsche
Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt. Als
führendes Zentrum mit der Ausrichtung auf
Environmental Health erforscht es chronische und
komplexe Krankheiten, die aus dem Zusammenwirken von
Umweltfaktoren und individueller genetischer
Disposition entstehen. Das Helmholtz Zentrum München
beschäftigt rund 1700 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in
Neuherberg im Norden Münchens auf einem 50 Hektar
großen Forschungscampus. Das Helmholtz Zentrum
München gehört der größten deutschen
Wissenschaftsorganisation, der
Helmholtz-Gemeinschaft an, in der sich 16
naturwissenschaftlich-technische und
medizinisch-biologische Forschungszentren mit
insgesamt 26500 Beschäftigten zusammengeschlossen
haben.
Sven Winkler
Helmholtz Zentrum München, Pressesprecher
089/3187-3946
e-Mail:
presse@helmholtz-muenchen.de
02.11.2009
FRANKFURT. Aus seltenen genetischen Defekten, die etwa 5
Prozent aller Alzheimer-Demenzen verursachen, können
Forscher viel über die Entstehung der Krankheit lernen.
Inzwischen weiß man, auf welche Mutationen die
charakteristischen, bereits von Alzheimer beschriebenen
Plaques und Fibrillen in den Nervenzellen bestimmter
Gehirnareale zurückzuführen sind. Der funktionelle
Zusammenhang zwischen diesen genetischen Defekten lag
aber bisher im Dunkeln. In Kooperation mit Kollegen aus
der Schweiz und Australien konnten Wissenschaftler des
Exzellenzclusters 'Makromolekulare Komplexe' der
Goethe-Universität nun erstmals zeigen, dass die
Mitochondrien - die 'Kraftwerke der Zelle' - dabei eine
zentrale Rolle spielen.
Plaques und Fibrillen sind das Ergebnis eines gestörten
Stoffwechsels im Gehirn: Proteine und ihre Bruchstücke
werden entweder nicht mehr richtig verarbeitet oder in
zu großer Menge produziert. Das Ergebnis sind
Verklumpungen in Form von Plaques aus dem
Amyloid-Protein sowie Bündel aus Tau-Protein
(Fibrillen). Verursacht werden sie durch Mutationen im
'Amyloid Precursor Protein' und im 'Presenelin-2' sowie
im 'Tau-Protein'. Durch Untersuchung von Mäusen, in
denen alle drei Mutationen eingebracht worden waren,
konnte das internationale Forscherteam nachweisen, dass
als Folge dieser Mutationen spezifische Defekte im
Energiestoffwechsel des Gehirns auftreten.
Wie die Forscher in der heutigen Online-Ausgabe der
renommierten Proceedings of the National Academy of
Sciences USA berichten, konnten sie bereits in einem
sehr frühen Krankheitsstadium Veränderungen in der
Atmungskette der Mitochondrien beobachten. Die Menge und
Aktivität der Proteinkomplexe, die für die Zellatmung
zuständig sind, änderte sich auffällig. Entscheidend war
aber, dass die Effekte der Mutationen, die zu Plaques
und Fibrillen führten, sich additiv verhielten. Daraus
konnte geschlossen werden, dass in jedem Fall schon zu
einem frühen Zeitpunkt Probleme in den Mitochondrien an
der Entstehung der Alzheimer Demenz beteiligt sind.
"Dieses Ergebnis zeigt wieder einmal, wie wichtig der
Frankfurter Forschungsschwerpunkt im Bereich der
mitochondrialen Biologie für das Verständnis und damit
mögliche Therapieansätze bei den neurodegenerativen
Erkrankungen im Alter ist," betont Prof. Ulrich Brandt,
dessen Arbeitsgruppe am Fachbereich Medizin an diesen
Arbeiten beteiligt war. Die Koordinatorin der Studie,
Prof. Anne Eckert, hat noch vor kurzem am
pharmakologischen Institut im Biozentrum der
Goethe-Universität geforscht und konnte mit dieser
Arbeit ihre Forschungen zur Alzheimer Demenz erfolgreich
an der Universität Basel fortsetzen.
Informationen: Prof. Ulrich Brandt, Zentrum der
Biologischen Chemie, Campus Niederrad (Klinikum), Tel:
(069) 6301-6926, brandt@zbc.kgu.de
Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke
Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt
am Main. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie
heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands.
Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren
historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein
einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das
historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend
entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der
schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000
eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren
nimmt die Goethe-Universität den deutschen Spitzenplatz
ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in
der Exzellenzinitiative zeigte sie sich als eine der
forschungsstärksten Hochschulen.
Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19
32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für
Wissenschaftskommunikation
Telefon (069) 798 - 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85
30,
E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de
Internet: www.uni-frankfurt.de
24.10.2009
Klostermedizin: Altes Heilwissen erforscht
Die medizinische Versorgung im Mittelalter lag vor allem in
den Händen der Nonnen und Mönche in den Klöstern. Die von
ihnen praktizierte Kräuterheilkunde intensiv zu erforschen,
ist zentrales Anliegen der Forschungsgruppe Klostermedizin.
Im Botanischen Garten der Universität mit seiner
umfangreichen Arzneikräutersammlung hat die Gruppe unlängst
ihr 10-jähriges Bestehen mit einem Symposium gefeiert.
Die Forschungsgruppe besteht seit 1999 und ist eine
Ausgründung aus dem Institut für Geschichte der Medizin an
der Universität Würzburg. Die Universität stellt Räume und
Ausstattung zur Verfügung. Der Sprecher der Gruppe, der
Medizinhistoriker Dr. Johannes Gottfried Mayer, ist auch in
die Lehre eingebunden und betreut Doktorarbeiten in der
Pharmazie und in der Medizin. Finanziert wird die
Forschungsgruppe zum größten Teil durch die Abtei Pharma
Vertriebs GmbH.
Um den Arzneipflanzenschatz der Klostermedizin, die auch als
traditionelle europäische Medizin verstanden werden kann,
möglichst komplett zu dokumentieren, versuchen die
Wissenschaftler alle Kräuter- und Arzneihandbücher von der
Spätantike (circa 60 nach Christus) bis ins 16. Jahrhundert
zu erfassen und zu analysieren. Dazu arbeiten sie die für
die Pflanzen damals üblichen Indikationen und Anwendungen
heraus und vergleichen diese mit dem heutigen modernen Stand
der Forschung. Gelegentlich ergeben sich darüber auch neue
Anwendungen für längst bekannte Arzneikräuter.
Ein Name für verschiedene Heilkräuter
Da es im Mittelalter keine feste Nomenklatur dafür gab,
sehen sich die Forscher bei dieser Arbeit nicht selten mit
ganz verschiedenen Namen für eine Pflanze konfrontiert: So
wird die Schlüsselblume unter anderem Primula veris,
Gichtkraut, Himmels- oder auch Petrusschlüssel genannt.
Schwieriger wird es noch, wenn eine Bezeichnung für
verschiedene Pflanzen verwendet wurde. Solidago zum
Beispiel, womit im Mittelalter Beinwell gemeint war, steht
in neuerer Zeit für die Goldrute. "Da geht man dann
furchtbar in die Irre, wenn man das nicht weiß", sagt
Johannes Mayer. Und nachdem die Kräuterbücher im Mittelalter
nur spärlich oder gar nicht bebildert waren, finden sich in
dieser Zeit auch nur selten Illustrierungen, die Aufschluss
geben könnten.
Besonders im 15. und 16. Jahrhundert ist es aber auch immer
wieder zu folgenreichen Verwechslungen gekommen. In ihrem
Bemühen, ihre Texte inhaltlich abzusichern, hätten die
Drucker in den nun neu erscheinenden Büchern versucht, alles
auf die alten Autoritäten, die Gelehrten aus der Antike, zu
beziehen, berichtet Mayer. So kam es zum Beispiel, dass der
Hopfen - Humulus lupulus - der in Europa erst im Mittelalter
zur Arzneipflanze wurde, plötzlich bei Erkältungskrankheiten
eingesetzt wurde - einer Indikation also, die die arabischen
Gelehrten in ihren medizinischen Schriften von alters her
Volubulis zugeschrieben hatten, womit allerdings der Efeu
gemeint war. "Und es hat 200 Jahre gedauert, bis das jemand
gemerkt hat."
Knapp 600 Heilpflanzen hat die Forschungsgruppe mittlerweile
grob erfasst, etwa 120 davon - von Baldrian über Beinwell,
Hopfen, Fenchel, Ingwer und Zimt - sind ausführlicher
bearbeitet. Die Ergebnisse fließen in eine ausführliche
Datenbank ein. Das bislang wichtigste Projekt, das Handbuch
der Klosterheilkunde, 2002 erstmals erschienen, liegt
mittlerweile in der 11. Auflage vor und wurde bereits 200
000 Mal verkauft. Aktuell arbeiten die Forscher daran, das
vorhandene Bildmaterial auszuwerten. "Durch die Abbildungen
kommt man auch an die Unterarten der Pflanzen ran. Deren
Besonderheiten zu erkennen, hätte man im Text keine Chance",
erklärt Mayer. "Aber im Bild erkennt man sofort: Das ist
eine ganz speziell Art von Königskerze."
In der Forschungsgruppe sind neben Johannes Mayer die beiden
Würzburger Pharmazeutinnen Heike Will und Katharina Mantel
beteiligt sowie der Altphilologe Dr. Konrad Goehl, der die
oft schwer zu entschlüsselnden Quellen zunächst aus dem
Lateinischen übersetzt und transkribiert. Dr. Bernhard
Uehleke (Freie Universität Berlin) bringt sich mit seiner
Expertise zu Naturheilverfahren ein, Dr. Sabine Anagnostou
(Universität Marburg) ist Spezialistin für Missionsmedizin,
also die Kenntnisse über Heilpflanzen, die die Mönche aus
den Kolonien mitgebracht haben. Nicht zuletzt ist der
Zisterzienserpater Dr. Herrman Josef Roth, promovierter
Biologe und Ordenshistoriker aus Bonn, ein "wichtiger und
kritischer Begleiter". Er sei ein ausgewiesener Experte zur
Geschichte der Benediktiner und Zisterzienser, berichtet
Johannes Mayer. Vor allem aber habe er für die
Forschergruppe schon manche Pforte geöffnet: "Durch ihn
bekommen wir Zugang zu Bibliotheken von Frauenklöstern, in
die wir sonst niemals reinkommen würden."
Kontakt: Dr. Johannes Gottfried Mayer, T (0931) 83264,
E-Mail: johannes.mayer@mail.uni-wuerzburg.de
1.10.2009
Warum wir häufiger Tango tanzen sollten
Der erotische Tanz hemmt Stresshormone und vermehrt
Testosteron, fand eine kolumbianische Psychologin an der
Goethe-Uni heraus
FRANKFURT. Tango tanzen hebt nicht nur die Stimmung,
sondern hat auch einen nachweisbaren Einfluss auf die
Ausschüttung von Stress- und Sexualhormonen. Während das
mit Stress assoziierte Hormon Cortisol beim Tanzen
abnimmt, schüttet der Körper beider Partner in erhöhtem
Maß das Sexualhormon Testosteron aus. Das fand die
kolumbianische Psychologin Cynthia Quiroga Murcia im
Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Goethe Universität
heraus. Wie sie in der Fachzeitschrift "Music and
Medicine" berichtet, entnahm sie 22 Paaren vor und nach
dem Tanzen Speichelproben, in denen sie die
Hormonkonzentration ermittelte und bat die Tänzerinnen
und Tänzer zusätzlich um eine Einschätzung ihrer
Emotionen mithilfe eines standardisierten Testbogens.
"Ich bin selbst Tango-Tänzerin und als Kolumbianerin,
die seit vier Jahren in Deutschland lebt, sehr
überrascht, dass das Tanzen hier eine geringe Rolle in
der Freizeitunterhaltung spielt", sagt Quiroga Murcia
über die Motivation zu ihrer Studie. Bei ihrem
Doktorvater Prof. Stephan Bongard stieß die
DAAD-Stipendiatin dabei sofort auf Interesse: Zusammen
mit Prof. Gunter Kreutz von der Universität Oldenburg
hatte Bongard vor einigen Jahren in einer anderen Studie
die emotionalen und hormonellen Effekte des Chorsingens
ergründet - und zwar im Vergleich zum passiven Hören von
Musik. "Die hormonellen Reaktionen können von einer
Vielzahl an Faktoren beeinflusst werden", erklärt
Bongard, der mit Kreutz ebenfalls an der Tango-Studie
beteiligt war. Zur hormollen und emotionalen Reaktion
auf das Tanzen gibt es bisher kaum wissenschaftliche
Untersuchungen.
Um herauszufinden, ob die positiven psychobiologischen
Effekte des Tango-Tanzens eher auf die Musik, die
Bewegung oder die Berührung mit einem Partner
zurückgehen, untersuchte Cynthia Quiroga Murcia die
Faktoren getrennt und in verschiedenen Kombinationen. Es
zeigte sich, dass die Reduktion des Stresshormons
Cortisol vor allem der Musik zu verdanken ist, während
die Ausschüttung von Testosteron auf den Kontakt und die
Bewegung mit dem Partner zurückgeht. Treffen alle drei
Faktoren zusammen, sind die positiven hormonellen und
emotionalen Reaktionen am stärksten. Damit bestätigt
sich die empirische Erkenntnis von Paartherapeuten, die
Tango-Tanzen seit Neustem dazu einsetzen, verfahrene
Beziehungen zu retten.
Informationen: Cynthia Quiroga Murcia, Institut für
Psychologie, Campus Bockenheim, Tel: (069)798-23702,
Quiroga@psych.uni-frankfurt.de
Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke
Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt
am Main. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie
heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands.
Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren
historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein
einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das
historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend
entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der
schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000
eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren
nimmt die Goethe-Universität den deutschen Spitzenplatz
ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in
der Exzellenzinitiative zeigte sie sich als eine der
forschungsstärksten Hochschulen.
Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19
32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für
Wissenschaftskommunikation Telefon (069) 798 - 2 92 28,
Telefax (069) 798 - 2 85 30, E-Mail
hardy@pvw.uni-frankfurt.de
Internet: www.uni-frankfurt.de
30.09.2009
Eine neue Beobachtung stellt die Astronomen vor Rätsel.
Demnach scheint zwischen der Verteilung dunkler und
sichtbarer Materie in Galaxien ein unerwarteter
Zusammenhang zu bestehen. Die Studie erscheint in der
kommenden Ausgabe der Zeitschrift Nature. An dem
internationalen Projekt war auch ein Gastwissenschaftler
der Universität Bonn maßgeblich beteiligt. Seiner
Meinung nach lassen die Beobachtungen nur zwei Schlüsse
zu: Entweder die bisherigen Annahmen über die Natur der
dunklen Materie sind in einem wichtigen Punkt falsch -
oder es gibt die dunkle Materie gar nicht.
Galaxien rotieren so schnell, dass die Sterne in ihnen
eigentlich aufgrund der Fliehkraft auseinander getrieben
werden müssten. Das hat die Physikerin Vera Rubin schon
vor 40 Jahren bei Untersuchungen des Andromeda-Nebels
festgestellt. Eine rätselhafte Kraft scheint das jedoch
zu verhindern. Viele Forscher vermuten daher, dass die
so genannte dunkle Materie aufgrund ihrer Masseanziehung
die Galaxien zusammenhält. Bislang hat jedoch niemand
den mysteriösen Sternenkitt tatsächlich nachweisen
können.
Das liegt auch daran, dass dunkle Materie unsichtbar
ist. Nach der aktuellen Lehrmeinung kann sie im Prinzip
nur auf eine einzige Weise mit "normaler" Materie
interagieren: durch Gravitation, die Kraft also, die uns
auf dem Boden hält. Ein europäisches Forscherteam hat
nun jedoch eine erstaunliche Entdeckung gemacht, die
dieses Paradigma in Frage stellt. "Die dunkle und
sichtbare Materie in Galaxien scheinen sich auf eine
rätselhafte Weise miteinander auszutauschen", erklärt
Dr. Benoit Famaey. "Die dunkle Materie scheint irgendwie
viel zu genau zu 'wissen', wie die sichtbare Materie in
Galaxien verteilt ist."
Der Humboldt-Stipendiat absolviert momentan ein
Forschungssemester in der Arbeitsgruppe des Bonner
Physikers Professor Dr. Pavel Kroupa. Zusammen mit
Kollegen aus Belgien, Schottland und Italien hat er
berechnet, wie groß die Menge dunkler Materie in den
inneren Regionen verschiedener Galaxien anhand der
Beobachtungsdaten sein müsste. "Dabei haben wir eine
Beziehung zwischen den beiden Materieformen
festgestellt, die es eigentlich gar nicht geben dürfte",
sagt er.
Merkwürdigerweise scheinen sich die Sterne im Zentrum
großer Galaxien normal zu verhalten. Man kann sich eine
kugelförmige Grenzfläche denken, die das Zentrum
umschließt. Innerhalb dieser Grenzfläche braucht man die
dunkle Materie gar nicht. Außerhalb verläuft der
"Sternentanz" aber nicht mehr wie eigentlich erwartet.
Das europäische Forscherteam hat nun die Größe der
Grenzfläche zur Gesamtmasse der sichtbaren Materie in
Beziehung gesetzt, die von ihr umschlossen wird.
Erstaunlicherweise ist diese so genannte "Flächendichte"
konstant - ein völlig unerwartetes Ergebnis. Man kann es
nämlich so interpretieren, als würde die dunkle Materie
erst ab einer bestimmten Beschleunigung nötig.
"Irgendetwas geht da vor, das nicht in das bisherige
Paradigma passt", meint Benoit Famaey. Die Analysen
legen seiner Meinung nach zwei mögliche Erklärungen
nahe: Entweder sei die Interaktion zwischen normaler und
dunkler Materie komplexer als bislang gedacht. Oder -
und diese Lösung sei in vielerlei Hinsicht weit
einfacher - die Gravitationsgesetze von Newton und
Einstein müssten modifiziert werden. In den galaktischen
Dimensionen würden dann größere Gravitationskräfte
wirken. Der Israelische Wissenschaftler Mordehai Milgrom
hatte diese Überlegung bereits 1983 angestellt. "Die
jetzigen Beobachtungen decken sich genau mit dem, was
Milgrom vorhergesagt hat", erklärt Professor Dr. Pavel
Kroupa vom Bonner Argelander-Institut für Astronomie.
"Sie sind ein weiterer eindrucksvoller Hinweis, dass die
Newton'sche Gravitationstheorie so nicht stimmen kann."
"Unsere Analysen zeigen, dass die zusätzlich benötigten
Gravitationskräfte sehr stark mit der Verteilung der
sichtbaren Materie zusammen hängen", bestätigt Famaey.
"Durch eine Modifikation der Gravitationstheorie ließe
sich dieser Befund problemlos erklären - schließlich
wäre dann die sichtbare Materie die einzige Quelle der
Gravitation." Kroupa ergänzt: "Im Angesicht dieser
Resultate scheint es immer deutlicher zu werden, dass
die heute bekannte Physik der Galaxien und der
Kosmologie ernsthafte Lücken aufweist."
Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Kontakt:
Dr. Benoit Famaey
Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn
jetzt: Observatoire Astronomique de Strasbourg, France
Telefon: ++32 (0)475/3839-82
E-Mail:
benoit.famaey@astro.unistra.fr
Professor Dr. Pavel Kroupa
Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-6140 oder -3655
Mobil: 0177/9566127
E-Mail:
pavel@astro.uni-bonn.de
11.08.2009
Gesunde Lebensweise senkt das Risiko für chronische
Erkrankungen um 78 Prozent.
Potsdam-Rehbrücke - Wer niemals geraucht hat, nicht massiv
übergewichtig ist, pro Woche mehr als dreieinhalb Stunden
körperlich aktiv ist und sich gesund ernährt, hat im
Vergleich zu einer Person, die sich gegenteilig verhält, ein
um 78 Prozent vermindertes Risiko, chronisch zu erkranken.
Detailliert betrachtet, sinkt bei einer solchen gesunden
Lebensweise das Diabetesrisiko sogar um 93 Prozent und das
Herzinfarktrisiko um 81 Prozent. Das Schlaganfallrisiko
vermindert sich dabei immerhin noch um die Hälfte und das
Krebsrisiko um 36 Prozent. Dies ist das Ergebnis einer
großen Potsdamer Langzeitstudie, die Heiner Boeing vom
Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) leitet.
Neben Heiner Boeing hat auch der DIfE-Gastwissenschaftler
Earl S. Ford vom National Center for Chronic Disease
Prevention and Health Promotion in Atlanta, USA, maßgeblich
zur vorliegenden Untersuchung beigetragen. Die
Forschergruppe veröffentlichte ihr Ergebnis in der aktuellen
Ausgabe der Zeitschrift Archives of Internal Medicine (Ford
et al., 2009; 169:1-8).
Seit langem ist bekannt, dass der Lebensstil das Risiko für
chronische Erkrankungen beeinflusst. Ziel der vorliegenden
Studie war nun, die Einzel- sowie kombinierten Effekte der
vier wohl einflussreichsten Lebensstilfaktoren zu
untersuchen - nämlich den Raucherstatus, das Körpergewicht
in Relation zur Körpergröße, den Aktivitätsstatus und die
Ernährungsweise. Für ihre Berechnungen stuften die
Wissenschaftler die folgenden Merkmale als risikosenkend
ein: das Merkmal "niemals geraucht zu haben", ein
Körpergewicht mit einem Body Mass Index (BMI)* unter 30 zu
besitzen, mindestens dreieinhalb Stunden pro Woche
körperlich aktiv zu sein und das Merkmal "sich gesund zu
ernähren" - das heißt, mit vergleichsweise viel Obst, Gemüse
und Vollkornbrot, aber wenig Fleisch.
Grundlage der Studienergebnisse waren Daten von 23.153
weiblichen und männlichen Studienteilnehmern der Potsdamer
European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition
(EPIC). Im Schnitt waren die Frauen und Männer bei
Studieneintritt 49,3 Jahre alt. Die durchschnittliche
Nachbeobachtungszeit betrug etwa acht Jahre.
Neun Prozent der Studienteilnehmer erfüllten alle vier
Kriterien einer gesunden Lebensweise. Nur vier Prozent der
Probanden wiesen keine dieser positiven Merkmale auf. Den
meisten Teilnehmern konnten die Wissenschaftler ein bis drei
der Kriterienpunkte zuordnen. Generell galt: Je mehr der
vier Merkmale die Teilnehmer aufwiesen, desto geringer war
ihr Erkrankungsrisiko.
"Daneben untersuchten wir auch, welche Kombination der
gesundheitsförderlichen Lebensstilmerkmale besonders günstig
ist", sagt Heiner Boeing. "Wer einen BMI unter 30 aufweist,
vermindert allein hierdurch sein Risiko chronisch zu
erkranken um mehr als die Hälfte. Dies trifft besonders auf
das Typ-2-Diabetesrisiko zu. Ist man dann auch noch sein
Leben lang Nichtraucher, so vermindert sich das Risiko für
chronische Erkrankungen sogar um 70 Prozent. Aber auch
Raucher und Exraucher können ihr Risiko durch eine gesunde
Ernährung, ausreichend Bewegung und ein normales
Körpergewicht um bis zu 70 Prozent senken".
"Wie die Untersuchung zeigt, haben die Teilnehmer der
Potsdamer EPIC**-Studie deutlich von einer gesunden
Lebensweise profitiert. Dies belegt, wie wichtig es ist,
eine gesunde Lebensweise im Rahmen einer effektiven
Prävention chronischer Erkrankungen weiter in die
Bevölkerung zu tragen und mit gesundheitspolitischen
Maßnahmen zu unterstützen", so Boeing.
Hintergrundinformation:
Der *Body Mass Index, der auch kurz mit BMI bezeichnet wird,
ist ein Richtwert, mit dem man das Körpergewicht beurteilen
kann. Er berechnet sich, indem man das Körpergewicht in
Kilogramm durch das Quadrat der Körperhöhe teilt, die in
Metern gemessen wird (Einheit: kg/m2).
Die **EPIC-Studie ist eine prospektive, 1992 begonnene
Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und
anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes
untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative
Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000
Studienteilnehmern beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie mit
mehr als 27.500 Studienteilnehmern/innen im Erwachsenenalter
leitet Heiner Boeing vom Deutschen Institut für
Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE).
Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig,
dass die Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch nicht an
der zu untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren
für eine bestimmte Erkrankung lassen sich so vor ihrem
Entstehen erfassen, wodurch eine Verfälschung der Daten
durch die Erkrankung weitestgehend verhindert werden kann -
ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven Studien.
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der
Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen
ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für
Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu
entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas
(Fettsucht), Diabetes und Krebs.
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86
Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die
Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung
der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und
Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und
Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften.
Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert
an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung.
Bund und Länder fördern die Institute der
Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute
beschäftigen etwa 14.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
davon sind ca. 6.500 Wissenschaftler, davon wiederum 2.500
Nachwuchswissenschaftler. Näheres unter
www.leibniz-gemeinschaft.de
Kontakt:
Prof. Dr. Heiner Boeing
Abteilung Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49(0)33200-88 711
E-Mail: boeing@dife.de
Janine Kroeger
Abteilung Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49(0)33200-88 712
E-Mail: kroeger@dife.de
Dr. Gisela Olias
Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49(0)33 200-88 278/335
Fax: +49(0)33 200-88 503
E-Mail: olias@dife.de
16.06.2009
Wichtige Ergebnisse beim Senologie-Kongress 2009: Diät und
Bewegung können Brustkrebs verhindern helfen.
Frauen, die schlank und körperlich aktiv sind, erkranken
seltener an Brustkrebs. Und bereits erkrankte Frauen, die auf
ihr Gewicht achten und sich regelmäßig bewegen, haben größere
Chancen, wieder gesund zu werden. Das sind zwei der wesentlichen
Botschaften, die von der 29. Jahrestagung der Deutschen
Gesellschaft für Senologie in Düsseldorf ausgehen. Bei dem
Kongress diskutierten rund 3.000 Experten verschiedener
Fachrichtungen die neuesten Erkenntnisse rund ums Thema
Brustkrebs.
"Regelmäßige Bewegung ist Prophylaxe und Therapie
gleichermaßen", sagte
Kongresspräsident Prof. Dr. Ulrich Kleeberg aus Hamburg. "Wir
wissen seit
Menschengedenken, dass körperliche Aktivität unser Befinden
verbessert. Aber
wir wissen erst seit einigen Jahren, dass Bewegung unser
hormonelles System
beeinflusst. Ein Zuviel an Hormonen wie dem Insulin, das auch
bei Diabetes
eine maßgebliche Rolle spielt, kann sowohl die Krebsentstehung
begünstigen
als auch das Krebswachstum fördern." Zum Beispiel steigert
häufiger Genuss
von Süßigkeiten die körpereigene Produktion von Insulin und so
genannten
Insulin-Wachstumsfaktoren und erhöht damit das Risiko,
Brustkrebs zu
bekommen - bei stark übergewichtigen Frauen sogar um das
doppelte.
Eine Diät allein, das haben verschiedene Studien belegt, reicht
zur
Risikoreduktion nicht aus. Erst die Kombination aus regelmäßiger
körperlicher
Aktivität und begrenzter Kalorienzufuhr senkt den
Blutzuckerspiegel und damit
auch die Brustkrebsgefahr nachhaltig. Brustkrebs-Spezialisten
empfehlen, fünf
Mal wöchentlich für mindestens 30 Minuten aktiv zu werden. "Die
Frauen
müssen keinen Leistungssport betreiben. Zügiges Gehen ist sehr
wirksam;
aber auch schon Gartenpflege und die Arbeit im Haushalt haben
ihren Effekt",
sagt Prof. Kleeberg. Beim Essen ist es neuen Studien zu Folge
unerheblich, ob
Fette, Ballaststoffe oder Eiweiß eingespart wird - Hauptsache,
die
Kalorienzufuhr wird überhaupt begrenzt.
Bei bereits erkrankten Frauen hat der Lebensstil Einfluss auf
den Verlauf der
Erkrankung. Weniger Essen und regelmäßige Bewegung können die
Krebssterblichkeit und das Risiko, dass der Krebs nach
erfolgreicher
Behandlung wieder zurück kommt, um die Hälfte reduzieren. Prof.
Kleeberg:
"Damit hat eine gesunde Lebensführung praktisch die gleiche
Wirksamkeit wie
die modernen medikamentösen Behandlungsverfahren."
Behandlung in Brustzentren
In Deutschland gibt es inzwischen 230 zertifizierte
Brustzentren, in denen
Ärzte verschiedener Fachrichtungen (Gynäkologie, Radiologie,
Chirurgie,
Pathologie, Innere Medizin, Radioonkologie und Plastische
Chirurgie)
Patientinnen mit Brustkrebs behandeln. "Nur in solchen
interdisziplinären
Einrichtungen ist es möglich, die jeweils aktuellsten
Erkenntnisse zu Diagnostik
und Therapie, ihre Ursachenforschung, Früherkennung und
Nachsorge in
Kooperation mit den Selbsthilfeinitiativen zu bündeln", sagte
Prof. Dr.
Diethelm Wallwiener, Präsident der Deutschen Gesellschaft für
Senologie und
Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik Tübingen. Der
Erfolg, so
Wallwiener, gebe den Initiatoren Recht: Über 80 Prozent der
Brustkrebspatientinnen werden inzwischen in zertifizierten
Zentren mit
geprüfter Qualität behandelt - Tendenz steigend. "Die Frauen in
Deutschland
haben mit den Füßen abgestimmt", freute sich Prof. Wallwiener.
Mammographie-Screening erfolgreich
Das 2002 in Deutschland eingeführte Mammographie-Screening hat
sich sehr
erfolgreich entwickelt: 66 Prozent der Frauen zwischen 50 und 69
Jahren, die
alle zwei Jahre per Post zu der Röntgenuntersuchung eingeladen
werden,
nehmen an der Früherkennungsuntersuchung teil. Mit dem Verlauf
und
Ergebnis der Untersuchung sind 90 Prozent so zufrieden, dass sie
auch beim
nächsten Mal wieder mitmachen wollen, 89 Prozent würden die
Untersuchung
auch einer Freundin oder Bekannten empfehlen. Das sind
Ergebnisse einer
ersten Studie, die von der Frauenselbsthilfe nach Krebs und der
Women's
Health Coalition (WHC) durchgeführt wurde. An der Befragung
haben sich
3.226 Frauen beteiligt. "Wir haben aber gleichzeitig auch ein
großes Wissensund
Informationsdefizit bei den Frauen festgestellt", erklärte Hilde
Schulte,
Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe. "Mehr als jede zweite
von ihnen
glaubte, dass mit dem Screening Brustkrebs verhindert werden
kann. Das ist
mit einer Untersuchungsmethode natürlich nicht möglich. Hier ist
insgesamt
noch viel Aufklärungsarbeit notwendig, aber wir befinden uns auf
einem guten
Weg."
Beste Versorgung weltweit
"Wir haben die beste Versorgung von Brustkrebspatientinnen auf
der ganzen
Welt!" Diese optimistische Auffassung vertrat Prof. Dr. Rolf
Kreienberg,
Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik Ulm und
Präsident der
Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG).
Leitlinien,
die Ärzten eine qualitätsgesicherte Diagnose und Therapie
ermöglichen und
auch für Patientinnen verständlich sind, zertifizierte
Brustzentren, ein
Krebsregister und umfassende Nachsorgeprogramme (so genannte
Disease
Management Programme, DMP) seien die Eckpfeiler einer optimalen
Betreuung von Brustkrebspatientinnen. "All das haben wir, die
Strukturen sind
da", so Prof. Kreienberg.
Pressekontakt
Deutsche Gesellschaft für Senologie
Pressestelle - Scantinental
Christian Wagner
Tollensestrasse 30, 14167 Berlin
Tel. ++49 (0)30 84 77 00-0
Mobil: 0172/300 68 73
Fax ++49 (0)30 812 00 80
E-Mail: senologie@scantinental.com
Internet:
www.senologie.org
Stefanie Schlüter, Pressestelle
Deutsche
Gesellschaft für Senologie
Die Harnschau gehört zu den wichtigsten Diagnoseverfahren in der
abendländischen Medizingeschichte: Vom ausgehenden Mittelalter
bis ins 19. Jahrhundert spielte sie in der ärztlichen Praxis und
im Alltag der Menschen eine überragende Rolle, wie Michael
Stolberg in der Einleitung schreibt: "Sie galt hochgelehrten
Professoren ebenso wie einfachen Bauern als die beste
Möglichkeit, die verborgenen Krankheitsprozesse im menschlichen
Körper zu entschlüsseln."
Von Hippokrates ist der Lehrsatz überliefert, dass bei Patienten
mit "durchscheinendem weißen Harn die Krankheit mühselig"
verlaufe, was sich am meisten bei Hirnkranken zeige. Farbe und
Konsistenz des Harns sowie Beimengungen, das waren die
wichtigsten Anhaltspunkte für die Diagnose.
Unterschiedlich bewerteten die Ärzte zum Beispiel Beimengungen,
die sich am Boden des Harnglases absetzten, in der Flüssigkeit
schwebten oder an ihrer Oberfläche blieben. Letztere wurden
bisweilen als Zeichen für Kopfkrankheiten gedeutet, erstere
deuteten auf Leiden hin, die unterhalb der Rippen angesiedelt
waren.
Mangelware: Historische Untersuchungen zur Harnschau
"Trotz der überragenden Bedeutung der Harnschau hat sich die
jüngere medizinhistorische Forschung erstaunlich wenig für
dieses Thema interessiert", so Michael Stolberg. Den besten
Überblick biete bis heute ein Buch von Camille Vieillard aus dem
Jahr 1903. Warum das so ist? Weil die Harnschau heute für
Scharlatanerie und Quacksalberei steht. Weil die Auffassung
vorherrscht, dass sie nichts zum medizinischen Fortschritt
beigetragen, sondern ihn aufgehalten hat.
Stolberg hat trotzdem gute Gründe dafür, sich mit der Harnschau
zu befassen: "Die moderne Medizingeschichte beschränkt sich
nicht darauf, Fortschritt und Entdeckungen zu beschreiben.
Vielmehr will sie die medizinischen Vorstellungen und Praktiken
der Vergangenheit aus dem jeweiligen gesellschaftlichen,
kulturellen und politischen Kontext heraus begreifen."
Darum geht es in seinem Buch nicht nur um die theoretischen
Grundlagen und die praktische Anwendung der Harnschau im
medizinischen Alltag. Anhand von Texten und Bildern untersucht
er auch die Gründe für das tiefe Vertrauen, das die Menschen
über Jahrhunderte hinweg in die Harnschau hatten, und zeigt die
Motive für die langsam erwachsende Kritik an der Harnschau auf.
Michael Stolberg: "Die Harnschau. Eine Kultur- und
Alltagsgeschichte", Böhlau-Verlag Köln, Weimar, Wien 2009, 285
Seiten, gebunden, 26,90 Euro, ISBN 978-3-412-20318-4
Kontakt: Prof. Dr. Dr. Michael Stolberg, Institut für Geschichte
der Medizin, T (0931) 31-83090,
michael.stolberg@mail.uni-wuerzburg.de
Robert Emmerich, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit,
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Eine gemeinsame Studie des Lehrstuhls für Naturheilkunde der
Universität Duisburg Essen und der Carstens-Stiftung zeigt erstmals
die Wirksamkeit des blutigen Schröpfens beim Karpaltunnel-Syndrom.
Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden unter nächtlichem
Ruheschmerz der Hand, Taubheitsgefühlen und Kribbeln in Daumen,
Mittel- und Zeigefinger (Brachialgie). Häufig diagnostiziert ist ein
Karpaltunnel-Syndrom, welches in vielen Fällen mit Nackenschmerzen
und Verspannungen im Schulterbereich assoziiert ist.
Die Forschergruppe um Professor Andreas Michalsen (vormals leitender
Oberarzt in Essen, jetzt Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin)
hat sich die kürzlich entdeckte Verbindung zur Schulter zunutze
gemacht. In einer randomisierten kontrollierten Therapiestudie, die
nun im „Journal of Pain“ veröffentlicht wurde, sind 52 Brachialgie-Patienten
in zwei Gruppen unterteilt worden. Bei einer Gruppe wurde eine
einmalige blutige Schröpfbehandlung im Schulterbereich durchgeführt,
die Kontrollgruppe wurde mit einem Wärme spendenden Ingwersack
behandelt.
Nach sieben Tagen Beobachtungszeit gingen die Beschwerden der
Schröpfgruppe um 60 Prozent zurück, in der Kontrollgruppe lediglich
um 23 Prozent. Neben verringerten Schmerzen in der Hand berichteten
die Patienten über weniger Taubheits- und Kribbelgefühle,
verringerte Nackenschmerzen und eine Verbesserung der funktionellen
Beweglichkeit und physischen Lebensqualität.
Mehr als Placebo Die Erwartungen an den Erfolg der Therapie waren in
beiden Gruppen gleich hoch, ein Indiz dafür, dass die
Schröpfbehandlung über reine Placeboeffekte hinausgeht. Ernste
Nebenwirkungen wurden in keiner der Gruppen beobachtet. Die
Schröpfbehandlung wurde von den Patienten gut vertragen und nicht
als schmerzhaft empfunden. Ungeklärt bleibt, ob die positiven
Effekte über einen längeren Zeitraum anhalten.
Professor Michalsen erklärt sich den Wirkmechanismus wie folgt: „Die
Behandlung basiert vermutlich auf dem Prinzip der aus der Anatomie
bekannten Reflexzonen. Das Schröpfen fördert die Durchblutung und
muskuläre Spannungslösung in einem bestimmten Areal, in dieser
Studie im Schulterdreieck. Dies wiederum hat günstige reflektorische
Effekte auf den betroffenen Nerv.“
Karpaltunnel-Syndrom
Der Karpaltunnel (Handwurzelkanal) ist eine kleine Vertiefung am
Handgelenk. Durch diese wird, neben verschiedenen Sehnen, ein Nerv
geführt, der vor allem die ersten drei Finger der Hand versorgt. Ist
diese Leiterbahn verengt, entsteht Druck auf den Nerv, die
Reizweiterleitung funktioniert nicht mehr störungsfrei und es kommt
zu Missempfindungen, wie Kribbeln, Taubheit und Schmerzen. Neben
einer mechanischen Überbeanspruchung der Hand können Verspannungen
des Bindegewebes im Schulterdreieck Auslöser für eine Verengung des
Karpaltunnels sein.
Konventionelle Behandlung
Die konventionelle Behandlung des Karpaltunnel-Syndroms besteht im
Anlegen von Handgelenksschienen, der Gabe von oralen
Entzündungshemmern oder der lokalen Injektion von Cortisonpräparaten.
Helfen diese Interventionen nicht, wird meist ein operativer
Eingriff empfohlen.
Blutiges Schröpfen
Beim blutigen Schröpfen werden die Schröpfköpfe an Hautstellen
angesetzt, die zuvor mit einer kleinen Kanüle oder Lanzette
eingeritzt wurden.
Pilotstudie
Die Ergebnisse aus Essen bestätigen eine Pilotstudie aus dem Jahre
2006. Die Studie wurde ebenfalls von der Carstens-Stiftung gefördert
und in Zusammenarbeit mit der Charité Berlin und dem Evangelischen
Krankenhaus Rüdersdorf durchgeführt.
Ansprechpartner
Prof. Dr. Andreas Michalsen
Immanuel Krankenhaus Berlin
Stiftungsprofessur für klinische Naturheilkunde der Charité/Berlin
Königstrasse 63
14109 Berlin
E-Mail: a.michalsen@immanuel.de
Tel.: 030 80505 691
Rainer Lüdtke
Karl und Veronica Carstens-Stiftung
Referat: Biometrie in der Komplementärmedizin
Am Deimelsberg 36
45276 Essen
E-Mail: r.luedtke@carstens-stiftung.de
Tel: 0201 56305 16