Archiv für die Kategorie „Medizin“

Homöopathie-Umfrage 2014: Jeder zweite Erwachsene hat schon einmal homöopathische Mittel verwendet

Dienstag, 15. Juli 2014

Karlsruhe (humannews) – Ergebnisse einer repräsentativen forsa*-Umfrage zeigen, dass Homöopathie für die Hälfte aller Deutschen ein wichtiges Thema ist. Zudem wird eine differenzierte Sichtweise zu verschiedenen Themen offenbar. Die Umfrage wurde von der Deutschen Homöopathie-Union, DHU, in Auftrag gegeben.

60 Prozent der Frauen verwenden Homöopathie – 81 Prozent sind damit zufrieden

Die DHU als größter deutscher Hersteller von Homöopathika will regelmäßig wissen, wie das Thema in der Bevölkerung gesehen wird. Die im März beauftragte forsa-Umfrage unter 1.000 erwachsenen Deutschen zeigt, dass 48 Prozent der erwachsenen Deutschen ab 18 Jahren schon homöopathische Mittel verwendet haben, darunter 60 Prozent der Frauen. Bei Befragten mit Abitur oder Studium sind es 63 Prozent. Zufrieden bis sehr zufrieden sind 76 Prozent der Homöopathie-Verwender; bei weiblichen Verwendern sind es sogar 81 Prozent.

Befragt nach Bekanntheit der 10 gängigsten Mittel führt Arnica mit 82 Prozent, gefolgt von Belladonna mit 57 Prozent und Calendula mit 55 Prozent. Das Schlusslicht bildet Hekla Lava mit 6 Prozent.

Interessanterweise sind die Unterschiede bei der Bekanntheit der Inhaltsstoffe zwischen den Geschlechtern nicht so groß. Bei Arnica sind es 87 Prozent (Frauen) zu 74 Prozent (Männer). Bei Hekla Lava sind es für beide Geschlechter 6 Prozent.

Zwei Drittel halten Medienkritik für überzogen

Auch kritische Berichte zur Homöopathie in den Medien waren Thema der forsa-Befragung. Die Kritik wird von gut der Hälfte aller Deutschen, 51 Prozent, als hilfreich gesehen für Menschen, die noch keine Erfahrung mit der Homöopathie haben. Als sachlich empfinden die Kritik nur jeweils etwa ein Drittel der Deutschen, gleich ob insgesamt oder Homöopathie-Verwender: beide je 37 Prozent. Für überzogen halten die Kritik 60 Prozent der Deutschen insgesamt und 69 Prozent der Homöopathie-Verwender.

Erfahrung wichtiger als Studien

Erstmals hat forsa die Homöopathie-Verwender gefragt, wie wichtig ihnen Wirksamkeitsstudien im Vergleich zu ihrer Erfahrung sind. 69 Prozent reicht ihre Erfahrung. 27 Prozent meinen, dass auch Studien sein müssten. Bei Verwenderinnen steigt der Wert noch einmal auf 72 Prozent bzw. sinkt auf 24 Prozent.

Tradition kommt im Osten besser an

Die DHU setzt bei der Herstellung ihrer Arzneimittel auf Tradition. Das Ergebnis offenbart einen interessanten Ost-West-Unterschied. So finden es 56 Prozent der Westdeutschen wichtig, dass die DHU ihre Heilpflanzen selbst anbaut. Im Osten sind es 67 Prozent.

Auch die Verschüttelung per Hand nach dem Vorbild Samuel Hahnemanns kommt im Osten besser an. Hier finden es 45 Prozent wichtig. Im Westen sind es 31 Prozent. West wie Ost hält es mit 66 bzw. 62 Prozent aber für bedeutsam, dass die weißen Kügelchen in kleinen Glasflaschen auf den Markt kommen und nicht etwa in Plastikgefäßen.

Mit 77 Prozent halten es die Ostdeutschen allerdings für ganz besonders wichtig, dass die Hersteller homöopathischer Arzneimittel anders auftreten als die chemische Konkurrenz, z. B. in der Werbung. Im Westen sind es immerhin noch 45 Prozent.

*forsa: Meinungen zur Homöopathie / Politik- und Sozialforschung GmbH, Berlin

Quelle: humannews

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie ♥

Stillende Mütter haben ein vermindertes Risiko für Typ-2-Diabetes

Montag, 5. Mai 2014

Potsdam-Rehbrücke – Wie Daten der Potsdamer EPIC*-Studie zeigen, haben Frauen, die gestillt haben, im Vergleich zu Frauen, die nicht gestillt haben, ein um ca. 40 Prozent verringertes Risiko, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. In der Studie durchgeführte Biomarker-Analysen weisen zudem darauf hin, dass eine lange Stillzeit mit einem langfristig verbesserten Stoffwechselprofil der Mutter einhergeht. Die Wissenschaftler um Susanne Jäger und Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) publizierten ihre Ergebnisse jetzt in der Fachzeitschrift Diabetologia (S. Jäger et al. 2014; DOI 10.1007/s00125-014-3247-3).

An der Studie waren neben Wissenschaftlern des DIfE und des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrums München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen − beide Verbundpartner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e. V. (DZD) − auch Forscher des Robert Koch-Instituts und der Charité in Berlin beteiligt.

In der vorliegenden Untersuchung werteten die Forscher die Daten von 1.262 Müttern aus, die sie im Rahmen der Potsdamer Langzeit-Beobachtungsstudie zwischen 1994 und 2005 erhoben hatten. Die Daten zur Stilldauer und zum Lebensstil erfassten die Epidemiologen mit Hilfe von Fragebögen. Zudem entnahmen sie zu Studienbeginn Blutproben und ermittelten die Körpermaße der Studienteilnehmerinnen durch direkte Messungen. Die Blutproben untersuchten sie hinsichtlich verschiedener Biomarker, die Rückschlüsse auf den Fett-, den Leber- und den Zuckerstoffwechsel sowie Entzündungsprozesse im Körper geben. Ziel war es, hierdurch Informationen über Stoffwechsel-Mechanismen zu erhalten, die dem beobachteten Zusammenhang zwischen Stillen und Typ-2-Diabetes zugrunde liegen.

Wie die Forscher beobachteten, ist Stillen mit einem verminderten Risiko der Mutter für Typ-2-Diabetes verbunden und dies unabhängig vom sozialen Status und dem Lebensstil. Der zu Beginn der Studie ermittelte Body-Mass-Index** der Frauen, im Durchschnitt 20 Jahre nach der Geburt des letzten Kindes erhoben, konnte die beobachtete Risikobeziehung nach den vorliegenden Studiendaten nur zum Teil erklären. Die Biomarker-Analysen deuten darauf hin, dass längere Stillzeiten neben einem günstigen Einfluss auf das Körpergewicht auch mit einem verbesserten Stoffwechselprofil verbunden sind. So hatten Frauen, die lange gestillt haben, im Schnitt niedrigere Blutfettwerte und höhere Adiponectin-Spiegel. Adiponectin ist ein vom Fettgewebe freigesetztes Hormon, das sich günstig auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel auswirkt, indem es beispielsweise die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen verbessert.

„Dieses spräche dafür, dass Stillen sowohl das Körpergewicht als auch die Stoffwechsellage des Körpers verbessert, die wiederum das Risiko der stillenden Mütter für Typ-2-Diabetes verringert. Befunde anderer Untersuchungen stützen unsere Studienergebnisse“, sagt Matthias Schulze, der die Untersuchung leitete. „Stillen ist also nicht nur gut für die Kinder, auch die Mütter profitieren davon“, ergänzt Susanne Jäger, Erstautorin der Studie.

Literatur: Susanne Jäger, Simone Jacobs, Janine Kröger, Andreas Fritsche, Anja Schienkiewitz, Diana Rubin, Heiner Boeing and Matthias B. Schulze: Breast-feeding and maternal risk of type 2 diabetes: a prospective study and meta-analysis. Diabetologia 2014; DOI 10.1007/s00125-014-3247-3

Hintergrundinformationen:

* EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. Die EPIC-Studie ist eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 Studienteilnehmern im Erwachsenenalter beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie ist mit mehr als 27.000 Teilnehmern ein Teil der EPIC-Studie.

** Der Body-Mass-Index (BMI) ist ein Wert, um das Körpergewicht eines Menschen in Relation zu seiner Körpergröße zu bewerten. Die Formel für den BMI lautet: BMI = Körpergewicht in kg/(Körperlänge in m)2

Quelle: Deutsches Institut für Ernährungsforschung, Potsdam-Rehbrücke (DIfE)

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie ♥

 

Ernährung der Mutter vor der Geburt beeinflusst DNA des Kindes

Freitag, 2. Mai 2014

Epigenetische Auswirkungen erstmals beim Menschen nachgewiesen.

London/Houston (pte001) – Die Ernährung einer Mutter rund um den Zeitpunkt der Empfängnis kann die DNA ihres Kindes auf Dauer beeinflussen, wie die London School of Hygiene & Tropical Medicine in Kooperation mit dem Baylor College of Medicine http://bcm.edu ermittelt hat. Experimente hatten nachgewiesen, dass die Ernährung während der Schwangerschaft Gene aktivieren oder deaktivieren kann. Die Ergebnisse sind die ersten Beweise dafür, dass der Vorgang auch beim Menschen stattfindet.

Frauen zur Regen- und Trockenzeit begleitet

Die Forscher begleiteten Frauen in ländlichen Gebieten in Gambia. Dort ist das Klima in den verschiedenen Jahreszeiten sehr unterschiedlich. Die Folge sind große Unterschiede in der Ernährung zwischen trockenen und regenreichen Perioden. Das Team begleitete 84 Frauen, die auf dem Höhepunkt der Regenzeit schwanger wurden. Auch analysiert wurde ungefähr die gleiche Anzahl von Frauen, die auf dem Höhepunkt der Trockenperiode schwanger wurden. Das Team ermittelte die Nährstoffgehalte im Blut der Mütter und untersuchte die DNA der Kinder im Zeitraum von zwei bis acht Monaten nach der Geburt.

Laut dem leitenden Wissenschaftler Branwen Hennig von der London School of Hygiene & Tropical Medicine http://www.lshtm.ac.uk ist diese Studie der erste Nachweis beim Menschen, dass die Ernährung der Mutter zum Zeitpunkt der Empfängnis die Gene des Kindes dauerhaft verändern kann. Hennig zufolge spielt die Ernährung vor der Empfängnis und am Anfang der Schwangerschaft eine wichtige Rolle und kann Auswirkungen auf die Gesundheit der nächsten Generationen haben. “Frauen sollten sich daher vor der Empfängnis und während der Schwangerschaft ausgewogen ernähren.”

Ernährungsbedingte Veränderungen der DNA

Experimente mit Mäusen haben gezeigt, dass die Ernährung während der Trächtigkeit lebenslange Folgen auf die Nachkommen haben kann. Zum Beispiel wird die Farbe einer Maus durch die Ernährung des Muttertieres beeinflusst. Bei diesen epigenetischen Auswirkungen handelt es sich um Veränderungen der DNA, die Gene aktivieren und wieder deaktivieren.

Eine derartige Veränderung steht mit dem Anhängen von Bereichen der DNA an Methylgruppen in Zusammenhang. Kinder, die in der Regenzeit gezeugt wurden, verfügten konsistent über höhere Werte der Methylgruppen bei allen sechs untersuchten Genen. Sie hingen mit verschiedenen Nährstoffgehalten im Blut der Mutter zusammen.

Robert Waterland vom Baylor College of Medicine zufolge ist damit nachgewiesen, dass die Ernährung der Mutter epigenetische Auswirkungen haben kann. “Sie kann permanente Spuren im Genom des Kindes und allen Zellen des Körpers hinterlassen.” Laut Mitautor Andrew Prentice von der London School of Hygiene & Tropical Medicine ist es das Ziel der Wisssenschaftler, eine optimale Ernährung für zukünftige Mütter zu definieren, die Defekte im Methylierungsprozess verhindern kann.

Quelle: pressetext.com

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie ♥

Lebensweise bestimmt Darmflora

Mittwoch, 16. April 2014

Ein internationales Forscherteam analysiert erstmals Darmbakterien heute lebender Jäger und Sammler.

Die Darmflora beeinflusst zahlreiche Aspekte der Gesundheit und Nährstoffaufnahme beim Menschen, doch bisher konzentrierte sich die Forschung hauptsächlich auf „westliche“ Bevölkerungsgruppen. Ein internationales Forscherteam, dem auch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig angehören, hat nun erstmals die Darmflora einer modernen Jäger- und Sammlergesellschaft, der in Tansania lebenden Hadza, untersucht.

Dabei fanden die Forscher heraus, dass sich das Mikrobenprofil der Hadza von denen aller anderen bisher untersuchten Menschengruppen unterscheidet. Die Bakterien im Verdauungstrakt der Hadza spielen also möglicherweise eine entscheidende Rolle bei der Anpassung an ihre spezielle Ernährungs- und Lebensweise. Die Studie zeigt auch, wie die Darmflora bereits unseren Vorfahren dabei geholfen haben könnte, sich an die Lebensbedingungen während der Steinzeit anzupassen und zu überleben.

Bakterienpopulationen entwickelten sich gemeinsam mit dem Menschen über mehrere Millionen Jahre hinweg und halfen ihm dabei, sich an neue Umweltbedingungen und Nahrungsmittel anzupassen. Aus Studien zu den in Tansania lebenden Hadza können Wissenschaftler lernen, wie Menschen als Jäger und Sammler im selben Lebensraum und mit ähnlichen Nahrungsmitteln wie unsere Vorfahren in der Steinzeit überleben.

Unter der Leitung von Stephanie Schnorr und Amanda Henry vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig verglich ein interdisziplinäres Forscherteam Mikroorganismen aus dem Verdauungstrakt der Hadza mit denen von Italienern, die in einem städtischen Umfeld leben und die „westliche Bevölkerung“ repräsentieren. Das Ergebnis, welches kürzlich in Nature Communications veröffentlicht wurde, zeigt dass die Hadza im Vergleich zu den Italienern eine vielfältigere Darmflora, also mehr Bakterienarten, besitzen.

„Das ist für die menschliche Gesundheit äußerst relevant“, sagt Stephanie Schnorr. „Einige vor allem in Industrienationen vorkommende Krankheiten, wie zum Beispiel das Reizdarmsyndrom, Darmkrebs, Adipositas, Diabetes Typ 2, Morbus Crohn und andere, stehen in Verbindung mit der Verringerung der Diversität der mikrobiellen Darmflora.“
Die Darmbesiedlung ist sehr gut an die Verdauung unverdaulicher Fasern aus einer pflanzenreichen Kost angepasst und hilft den Hadza möglicherweise dabei, den faserreichen Nahrungsmitteln mehr Energie zu entnehmen.

Überraschenderweise haben die Forscher festgestellt, dass es bei den Hadza-Männern und -Frauen hinsichtlich der Art und Anzahl ihrer Darmbakterien erhebliche Unterschiede gibt. Dies wurde bisher bei keiner anderen menschlichen Bevölkerungsgruppe beobachtet. Während die Hadza-Männer Wild jagen und Honig sammeln, übernehmen die Frauen das Sammeln von Knollen und anderen pflanzlichen Nahrungsmitteln. Obwohl sie diese dann miteinander teilen, isst jedes Geschlecht ein wenig mehr von der selbst beschafften Nahrung.
„Die Unterschiede in der Darmflora der Geschlechter reflektieren diese geschlechtsspezifische Arbeitsteilung“, sagt Stephanie Schnorr. „Die Hadza-Frauen verfügen offensichtlich über mehr Bakterien zur Verarbeitung faserreicher pflanzlicher Nahrung, was sich direkt auf ihre Fruchtbarkeit und ihren Fortpflanzungserfolg auswirkt.“ Diese Befunde zeigen, welche Schlüsselrolle die Darmbesiedlung im Laufe der menschlichen Evolution gespielt hat, wenn es um die Anpassung an verschiedene Ernährungsweisen ging.

Die Zusammensetzung der mikrobiellen Flora im Verdauungstrakt der Hadza ist einzigartig. Sie enthält eine große Anzahl an Bakterien, wie Treponema, die in der „westlichen” Bevölkerung oft als Anzeichen für Krankheiten gedeutet werden. Andere Bakterien, wie Bifidobacterium, die in der „westlichen“ Bevölkerung als „gesund“ gelten, sind bei den Hadza vermindert. Dennoch treten bei den Hadza kaum durch ein Ungleichgewicht der Darmbakterien verursachte Autoimmunkrankheiten auf.

Unser Verständnis von „gesunden“ und „ungesunden“ Bakterien muss daher neu definiert werden, weil diese Unterscheidungen davon abhängen, in welcher Umwelt wir leben. Die genetische Vielfalt der Bakterien ist dabei möglicherweise das wichtigste Kriterium für eine gesunde und stabile Darmflora.
„Die Mikroorganismen, die uns besiedeln sind unsere ‚alten Freunde‘, die uns bei der Anpassung an verschiedene Lebensweisen und Umweltbedingungen unterstützen“, sagt Amanda Henry, die die Max-Planck-Forschungsgruppe für Pflanzliche Nahrungsstoffe und Nahrungsökologie von Homininen leitet. „Unsere Untersuchung der Darmflora der Hadza erweitert unser Wissen darüber, wie Mensch und Mikroorganismus sich an das Leben in der Savanne angepasst haben. Darüber hinaus zeigt sie, wie Darmbakterien unseren Vorfahren möglicherweise dabei geholfen haben, sich an die Lebensbedingungen während der Steinzeit anzupassen und zu überleben.“

Originalpublikation: Stephanie L. Schnorr, Marco Candela, Simone Rampelli, Manuela Centanni, Clarissa Consolandi, Giulia Basaglia, Silvia Turroni, Elena Biagi, Clelia Peano, Marco Severgnini, Jessica Fiori, Roberto Gotti, Gianluca De Bellis, Donata Luiselli, Patrizia Brigidi, Audax Mabulla, Frank Marlowe, Amanda G. Henry & Alyssa N. Crittenden Gut microbiome of the Hadza hunter-gatherers Nature Communications, 15. April 2014, Doi: 10.1038/ncomms4654

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

siehe hierzu auch den Beitrag “Das Bauchhirn bei Menschen und Tieren“.

Neues zur Tuberkulose in Deutschland – Welttuberkulosetag 2014 im RKI

Montag, 17. März 2014

Die Zahl der Tuberkulosen sinkt kaum noch, bei multiresistenten Erkrankungen steigen die Fallzahlen sogar geringfügig. Das zeigt der aktuelle jährliche Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose für 2012, mit dem das Robert Koch-Institut (RKI) die Situation in Deutschland umfassend darstellt. „Die gemeinsamen Anstrengungen in der frühen Erkennung und Prävention von der Tuberkulose müssen daher intensiviert werden“, sagt Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch-Instituts, anlässlich des Welttuberkulosetages am 24. März. „Der öffentliche Gesundheitsdienst braucht für die erforderlichen Maßnahmen auch ausreichende Ressourcen“, unterstreicht Burger.

Für das Jahr 2012 wurden dem Robert Koch-Institut insgesamt 4.220 Tuberkulosen übermittelt (4.317 im Jahr 2011). Damit sinken die Fallzahlen bereits das vierte Jahr in Folge kaum noch. Zuvor waren die Erkrankungszahlen jedes Jahr deutlich zurückgegangen. Im Jahr 2012 starben 146 Patienten an der Tuberkulose (144 im Jahr 2011). Die Zahl der Tuberkulosen bei Kindern, die seit 2009 kontinuierlich angestiegen waren, blieb 2012 mit 178 Fällen unverändert gegenüber 2011. Aufgrund ihrer besonderen Empfänglichkeit und der Gefahr besonders schwerer Verläufe, sowie auch als Indikator für bestehende Infektionsketten bedarf diese Gruppe aber weiterhin einer ganz besonderen Aufmerksamkeit.

Der Anteil von Erkrankungen durch multiresistente Stämme liegt 2012 bei 2,3 % (65 Fälle) und ist damit höher als im Mittel der 5 Jahre zuvor (2007-2011: 1,9%) Bei Multiresistenz sind mindestens die wichtigsten zwei Standardmedikamente Isoniazid und Rifampicin unwirksam.

In Ballungszentren und Großstädten liegt die Inzidenz (Zahl der gemeldeten Fälle pro 100.000 Einwohner) deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 5,2. Zwei aktuelle Veröffentlichungen in der Zeitschrift Eurosurveillance, an denen Wissenschaftler des RKI mitgearbeitet haben, zeigen die Bedeutung dieses Problems im europäischen Kontext. Das Epidemiologische Bulletin vom 17. März 2014 greift dieses Thema mit einem Beitrag zu den besonderen Herausforderungen für Ballungszentren am Beispiel München auf. Hier wird deutlich, welche umfassende soziale, administrative und sprachvermittelnde Unterstützung Gesundheitsämter zunehmend leisten müssen, um eine adäquate medizinische Versorgung von tuberkulosekranken und -gefährdeten Menschen zu ermöglichen. Das Motto der Weltgesundheitsorganisation für den Welttuberkulosetag 2014, ins Deutsche frei übertragen „Tuberkulose erkennen, verhindern, heilen: alle erreichen“, ist somit auch für Deutschland von Belang.

Tuberkulose bleibt eine medizinische, sozialmedizinische und gesellschaftliche Herausforderung insbesondere für die Gesundheitsämter und die behandelnden Ärzte. Ein Forum für den Austausch, den Blick auf bereits Erreichtes und bestehende und zukünftige Herausforderungen in Deutschland ermöglicht eine vom Bundesministerium für Gesundheit finanziell unterstützte Tagung zum Welttuberkulosetag „Neues zur Tuberkulose in Deutschland“ im Robert Koch-Institut am 17. März 2014. Für die Tagung, die zum ersten Mal stattfindet, haben sich etwa 200 Teilnehmer insbesondere aus Gesundheitsämtern, Praxen, Kliniken und Laboratorien angemeldet. Dies zeigt den großen Informationsbedarf zum Thema und unterstreicht die hohe Bedeutung, die Tuberkulose nach wie vor für die Gesundheit der Bevölkerung hat.

Quelle: Robert Koch-Institut, Berlin

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie ♥

Oxytocin hilft Patienten aus der Magersucht-Falle

Freitag, 14. März 2014

Hormon ändert Wahrnehmung von Essen, Körperform und Gesichtern.

London/Seoul (pte003) – Oxytocin, das oft auch als “Kuschelhormon” bezeichnet wird, könnte eine neue Behandlungsmethode für Anorexia nervosa bieten. Koreanische und britische Forscher haben in zwei Studien festgestellt, dass die Gabe des Hormons bei Magersucht-Patienten die Wahrnehmung von Essen, Körperform und Gesichtern ändert.

Auch soziale Probleme belasten

Magersucht ist eine jener psychischen Erkrankungen, die zu den meisten Todesfällen führt, einerseits durch Komplikationen, die durch die geringe Essensaufnahme hervorgerufen werden, andererseits durch Selbstmord. Menschen mit Anorexia nervosa haben Probleme mit der Essensaufnahme und Körperform, aber auch soziale Schwierigkeiten wie Angstzustände und eine Sensibilität gegenüber negativen Emotionen.

“Patienten mit Anorexie haben eine Reihe von sozialen Problemen, die oft in den frühen Teenager-Jahren auftreten, noch bevor sich die Krankheit manifestiert. Diese sozialen Probleme, die zu Isolation führen, könnten wichtig für das Verständnis über Beginn und Aufrechterhaltung von Anorexie sein. Durch die Gabe von Oxytocin als potenzielle Behandlung für Anorexie konzentrieren wir uns auf einige dieser zugrundeliegenden Probleme”, so Forscherin Janet Treasure vom King’s College London http://kcl.ac.uk .

Negativ-Sichtweise wird therapiert

In einem ersten Experiment wurden Patienten- und Kontrollgruppen Bilder gezeigt, die Essen, Körperform und Gewichte abbildeten. Vor der Gabe von Oxytocin hatten Magersucht-Patienten die Tendenz, sich stark auf für sie negative Bilder wie Essen mit vielen Kalorien oder dicke Körperformen zu konzentrieren.

Durch die Verabreichung des Hormons verschwand diese übermäßige Konzentration auf negative Reize. Die zweite Studie arbeitete mit Gesichtern, die verschiedene Emotionen zeigten. Nach der Gabe von Oxytocin war hier sichtbar, dass die Magersucht-Patienten sich nicht mehr so stark auf die Emotion Ekel konzentrierten.

“Unsere Untersuchungen zeigen, dass Oxytocin die unbewussten Tendenzen der Patienten reduziert, sich auf Essen, Körperform und negative Emotionen wie Ekel zu konzentrieren. Derzeit gibt es einen Mangel an effektiven pharmakologischen Behandlungen für Anorexia nervosa. Unsere Untersuchungen fügen wichtige Hinweise zur wachsenden Literatur über Oxytocin-Behandlungen für psychische Krankheiten hinzu, und deuten den Beginn einer neuen, bahnbrechenden Behandlungsmethode für Magersucht-Patienten an”, so Co-Autorin Youl-Ri Kim von der Inje University in Seoul.

Quelle: pressetext.com

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie ♥

Neuer Deutscher Herzbericht

Mittwoch, 29. Januar 2014

Herzmedizin-Fortschritte: Sterblichkeit nimmt weiter ab, immer bessere Versorgung.

Düsseldorf/Berlin – „In Deutschland geht die Sterblichkeit in Folge von Herzerkrankungen weiter zurück. Ursache ist die immer bessere kardiologische Versorgung, die inzwischen ein ausgezeichnetes Niveau erreicht hat. Hier gibt es noch regionale Unterschiede, an denen gearbeitet werden muss.
Auch alte Menschen profitieren immer mehr von den Entwicklungen der modernen Herz-Medizin“. So fasst DGK-Präsident Prof. Dr. Christian Hamm (Gießen) die zentralen Aussagen des aktuellen Deutschen Herzberichts zusammen, der heute in Berlin vorgestellt wurde. „Diese sektorenübergreifende Versorgungsanalyse, die bereits zum 25. Mal durchgeführt wurde, trägt sehr viel zum Verständnis der Trends in der herzmedizinischen Versorgung in Deutschland bei und liefert wesentliche Beiträge zu einer noch besseren Versorgungs-Planung.“

Wie viele Menschen in Deutschland an Herzkrankheiten erkranken

Herzkrankheiten machten im Jahr 2011 in Deutschland 8,2 Prozent (1.554.381 Fälle) der im Rahmen der Krankenhausdiagnose-Statistik erfassten Krankenhausaufnahmen (stationäre Morbiditätsziffer) aus. Von diesen Diagnosen entfielen 57,5 Prozent auf Männer und 42,5 Prozent auf Frauen.

Einige Ergebnisse im Detail:
- Bei den ischämischen, also durch gestörte Durchblutung bedingten Herzkrankheiten (Koronaren Herzkrankheit) betrug die Zahl der Krankenhauseinweisungen 806,5 pro 100.000 Einwohner. Die Zahl bei Männern war mehr als doppelt so groß wie bei Frauen.
- Beim akuten Myokard-Infarkt (ST-Strecken-Hebungs-Myokardinfarkt, „Herzinfarkt“) gab es 266 Krankenhausaufnahmen pro 100.000 Einwohner, die Zahl bei Männern betrug mit 349,7 das 1,9-fache jener der Frauen. Bei Frauen und bei Männern war die Zahl der Herzinfarktdiagnosen ansteigend.
- Wegen Herzklappenkrankheiten wurden 95,5 von 100.000 Einwohnern in ein Krankenhaus aufgenommen. Der Wert bei Männern lag um 16,2 Prozent höher als bei Frauen, insgesamt ist ein Anstieg zu verzeichnen. „Es zeigt sich, dass die Patienten heute dank neuer Verfahren häufiger behandelt werden können, eine symptomatische Verbesserung erfahren, aber auch nach einer Behandlung noch klappenkrank bleiben. Deshalb fallen sie nicht aus der Statistik heraus, sondern verbleiben darin“, kommentiert Prof. Hamm.
- In Folge von Herzrhythmusstörungen kam es bei 505,8 von 100.000 Einwohnern zu Krankenhausaufnahmen, die Zahl der Männer überstieg jener der Frauen um 14,9 Prozent. Bei der Morbiditätsziffer der Herzrhythmusstörungen ist ein Anstieg zu verzeichnen.
- Wegen Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) gab es 464,7 Krankenhauseinweisungen pro 100.000 Einwohner. Der Wert bei Männern lag um 4 Prozent unter jenem der Frauen. Prof. Hamm: „Die Herzsuffizienz ist die einzige Herzkrankheit, bei der die stationäre Krankheitshäufigkeit bei Frauen häufiger als bei Männern ist.“
- Angeborene Fehlbildungen des Kreislaufsystems führten zu insgesamt 26,8 Krankenhauseinweisungen pro 100.000 Einwohner. Hier lag die Ziffer bei Männern um 13,1 Prozent über der bei Frauen.

Die Zahlen von 2011, so Prof. Hamm, bestätigen die schon beim Vergleich von 1995 und 2010 festgestellten Entwicklungen: Abnahme bei der koronaren Herzkrankheit in allen Altersgruppen. Zunahme bei den Herzklappenerkrankungen jenseits des 75. Lebensjahres, bei den Herzrhythmusstörungen ab dem 45. Lebensjahr in allen Altersgruppen, und bei der Herzinsuffizienz – insbesondere jenseits des 75. Lebensjahres. „Die zunehmende Krankheitshäufigkeit bei einer Reihe von kardiologischen Erkrankungen bedeutet nicht, dass wir immer kränker werden“, so Prof. Hamm. „Zum einen wird unsere Gesellschaft immer älter, und einige Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems kommen im fortgeschrittenen Alter häufiger vor. Zum anderen widmen wir kardiologischen Krankheiten immer mehr Aufmerksamkeit, nicht zuletzt wegen der immer besseren Diagnosemethoden, was in der Folge zu häufigeren Diagnosestellung führt.“

Sterbeziffer geht bei Herzkrankheiten kontinuierlich zurück

Die Sterbeziffer (Verstorbene je 100.000 Einwohner) ist bei Herzkrankheiten im vergangen Jahrzehnt kontinuierlich zurückgegangen, allein zwischen 2010 und 2011 verringerte sie sich von 267,7 auf 257,4. Unter den ausgewählten Diagnosen ist die koronare Herzkrankheit die prognostisch ungünstigste, gefolgt vom akuten Myokardinfarkt und der Herzinsuffizienz. Die bereits 2010 beobachteten Geschlechtsunterschiede in der Sterblichkeit werden durch die neuen Daten bestätigt:
- Die Sterbeziffer bei ischämischen Herzkrankheiten lag in Deutschland bei 155,3 pro 100.000 Einwohner, wobei die Sterbeziffer der Männer (161,2) jene der Frauen (149,6) nur leicht überstieg.
- Die Sterbeziffer bei akutem Myokardinfarkt betrug 63,7, die der Männer (71,2) lag um 20,7 Prozent über jener der Frauen (56,4). „Ein vergleichbarer Unterschied fand sich auch in den Vorjahren“, kommentiert Prof. Hamm. „Somit scheinen Männer beim akuten Myokardinfarkt eine ungünstigere Prognose zu haben als Frauen.“
- Die Sterbeziffer bei Herzklappenkrankheiten lag bei 16,2. Sie betrug für Männer 13 und für Frauen 21. „Der Wert für die Frauen war somit um 61,5 Prozent höher. Dieser Unterschied ist unerwartet groß und muss weiter untersucht werden“, so Prof. Hamm.
- Die Sterbeziffer bei Herzrhythmusstörungen beträgt 28,9, bei Frauen 35,1 gegenüber 22,6 bei Männern. „Dieser Unterschied verläuft zu Ungunsten der Frauen, ist mit 55,3 Prozent unerwartet groß und nicht ohne weiteres erklärlich“, kommentiert Prof. Hamm.
- Die Sterbeziffer bei Herzinsuffizienz betrug 55,5, — 36,8 bei Männern und 73,5 bei Frauen. „Dieser Unterschied von etwa 100 Prozent ist unerwartet groß und erfordert weitere Analysen“, so Prof. Hamm.
- Die Sterbeziffer bei angeborenen Fehlbildungen des Kreislaufsystems betrug insgesamt 0,6, bei Männern etwa gleich viel wie bei Frauen.

Regionale Unterschiede bei Herzkrankheiten

„Eine Analyse der Morbiditätsziffern (Krankenhauseinweisungen) ergibt deutliche Unterschiede für die einzelnen Krankheitsbilder zwischen den verschiedenen Bundesländern und bestätigt die Ergebnisse der Vorjahre“, so Prof. Hamm. „Die gesamte stationäre Morbiditätsziffer war für die untersuchten Herzkrankheiten in Hamburg, Bremen und Baden-Württemberg am niedrigsten und in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg am höchsten.“
Die Spannweite zwischen der niedrigsten und der höchsten stationären Morbiditätsziffer pro 100.000 Einwohner reicht bei den ischämischen Herzkrankheiten von 617 in Hamburg bis 1069 in Sachsen-Anhalt. Beim akuten Myokardinfarkt lag die niedrigste (223) in Bayern und die höchste (379) in Bremen. Bei Herzklappenkrankheiten reichte die Spannweite von 71 in Bremen bis 123 in Brandenburg, bei Herzrhythmusstörungen von 418 in Bremen bis 606 in Brandenburg und bei der Herzinsuffizienz von 319 in Bremen bis 668 in Sachsen-Anhalt.

Prof. Hamm: „Die niedrigsten Sterbeziffern haben weiterhin Berlin, Hamburg, Baden Württemberg, die höchsten Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.“ Die höchste Sterbeziffer eines Landes bei den ischämischen Herzkrankheiten kann die niedrigste Sterbeziffer um mehr als das Doppelte übersteigen. Gleiches gilt beim akuten Myokardinfarkt oder bei den Herzklappenkrankheiten. Noch größer können die Unterschiede bei den Herzrhythmusstörungen oder bei der Herzinsuffizienz ausfallen.

„Vergleichbare länderspezifische Unterschiede sehen wir seit Jahren, sie müssen aber mit Vorsicht interpretiert werden. Als Ursache für diese regionalen Unterschiede, was die Häufigkeit von und Sterblichkeit durch Herzerkrankungen betrifft, kommen eine Reihe von Faktoren in Betracht“, so Prof. Hamm. „Dazu gehören demographische Größen ebenso wie regionale Unterschiede in der Gesundheitsversorgung, geringere Ärztedichte, geringeres Gesundheitsbewusstsein und niedrigerer sozioökonomischer Status in der Bevölkerung in diesen Bundesländern.“ „Im Überblick setzten sich bei vielen Erkrankungen die Trends der vergangenen Jahre fort. Erwartungsgemäß geht die Häufigkeit der koronaren Herzkrankheit zurück, die Erkrankungszahlen bei der Herzinsuffizienz nehmen zu“, bilanziert Prof. Hamm. „Verbesserungen in der Mortalität und Morbiditätsstatistik sind zu erwarten, wenn auch die psycho-sozio-ökonomischen Faktoren der Gesundheit in der Bevölkerung berücksichtigt werden. Fragen der Prävention bezüglich Rauchen, Medikamententreue, Vorsorge sollten zur Verbesserung der Situation bevölkerungsbasiert im Vordergrund stehen.“

Föderale Struktur erschweren Beschaffung und Vergleich von Gesundheitsdaten

In Deutschland, kritisiert der DGK-Präsident, „fehlen die häufig gewünschten vollständigen und validen Morbiditätsdaten. Die föderale Struktur der Bundesrepublik ist, gerade für wissenschaftliche Fragestellungen der Versorgungsforschung, ein großes Hindernis. Unterschiede bei der Systematik der Erfassung, beim Aggregieren der Daten oder an den verschiedenen Schnittstellen können das Bild verzerren. Deshalb leidet das deutsche Gesundheitswesen immer noch an mangelhafter Dokumentation von Diagnosen, von Krankheitsverläufen, von Morbiditäten und von Mortalität, auch und besonders im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“
Als Vorbilder in Europa gelten derzeit die skandinavischen Länder wie Dänemark, aber auch die Niederlande. „Dort gibt es für das Gesundheitsgeschehen eine zentrale Registrierung“, so Prof. Hamm. „Jeder Patient und dessen Krankheitsgeschichte lässt sich in diesen Ländern vom niedergelassenen Arzt über alle Krankenhausaufenthalte bis zum Tod nachverfolgen. Das erleichtert ungemein eine sinnvolle Planung mit dem Ziel, die Versorgung weiter zu verbessern.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie

Spinnenseide für Brustimplantate: Neue Beschichtung senkt das Risiko medizinischer Komplikationen

Dienstag, 28. Januar 2014

Brustimplantate aus Silikon kommen seit vielen Jahren in der Chirurgie zum Einsatz. Doch obwohl Silikon für derartige medizinische Anwendungen hervorragend geeignet ist, kommt es in der Folge nicht selten zu Komplikationen. Einer Forschergruppe um Prof. Dr. Thomas Scheibel an der Universität Bayreuth ist es jetzt gelungen, die Brustimplantate mit einer dünnen Haut aus biotechnologisch hergestellten Spinnenseidenproteinen zu überziehen. Dadurch können, wie die erfolgreich abgeschlossenen vorklinischen Tests zeigen, schmerzhafte Folgewirkungen erheblich verringert oder ganz vermieden werden. Im Fachjournal „Advanced Functional Materials“ stellen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse vor.

Implantate, deren Außenhülle aus Silikon besteht, dienen in vielen Fällen der plastischen Wiederherstellung einer Brust, die aufgrund einer Krebserkrankung amputiert wurde. Zudem sind sie unentbehrlich für Brustoperationen, die ohne vorherige Erkrankungen allein aus ästhetischen Gründen vorgenommen werden.

Wenn nun das Silikon mit einer Haut aus Spinnenseidenproteinen überzogen wird, die nicht dicker als 1 bis 5 Tausendstel Millimeter ist, werden die Funktion und die chirurgische Handhabbarkeit des Implantats dadurch in keiner Weise beeinträchtigt. Zugleich toleriert das körpereigene Gewebe die Oberfläche des Implantats viel besser als eine nicht beschichtete Silikonoberfläche, so dass sich das Risiko medizinischer Komplikationen erheblich verringert.

Zu diesen Komplikationen, die nicht selten in den ersten Monaten nach dem Einsatz unbeschichteter Silikonbrustimplantate auftreten, gehört insbesondere eine schmerzhafte Kapselfibrose. Dabei bildet sich um das Implantat eine Kapsel aus körpereigenem Narbengewebe, die häufig verhärtet und sich zusammenzieht. Oftmals muss sie operativ entfernt werden. Bei diesem Eingriff muss das Implantat ausgewechselt werden.

In den vorklinischen Tests mit den beschichteten Implantaten stellte sich heraus, dass die Seidenproteine die Neubildung von körpereigenem Binde- und Narbengewebe signifikant verringern. Die Kapsel, die um das Implantat herum entsteht, ist daher weniger stark und neigt auch weniger zu Verhärtungen. Darüber hinaus kommt es infolge der Seidenbeschichtung in erheblich weniger Fällen zu Entzündungsreaktionen oder zu Abstoßungsreaktionen des Immunsystems.

Die Grundlagen für die Herstellung der Spinnenseidenproteine sowie die Beschichtungstechnologie wurden unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Scheibel am Lehrstuhl für Biomaterialien der Universität Bayreuth entwickelt. Den Rahmen für diese Forschungsarbeiten bildeten ein Projekt des DFG-Sonderforschungsbereichs 840 „Von partikulären Nanosystemen zur Mesotechnologie“ an der Universität Bayreuth sowie ein vom Universitätsklinikum Würzburg gefördertes Vorhaben. Bei den Spinnenseidenproteinen, welche die Verträglichkeit der Brustimplantate erheblich verbessern, handelt es sich um eADF4(C16)-Moleküle, die von der Biotech-Firma AMSilk GmbH in Martinsried mittlerweile im Industriemaßstab produziert werden. AMSilk hat auch die Implantate beschichtet und dabei die hierfür in Bayreuth entwickelte Technologie umgesetzt. Bei ihren vorklinischen Studien haben die Bayreuther Biomaterialforscher eng mit Medizinern am Universitätsklinikum Leipzig sowie wiederum mit Wissenschaftlern der AMSilk GmbH zusammengearbeitet.
„Spinnenseide mit ihren außergewöhnlichen mechanischen Eigenschaften fasziniert Forscher seit vielen Jahrzehnten“, erklärt Prof. Scheibel. „Bereits in der Antike wurden positive wundheilungsfördernde Effekte beschrieben. Mit unserer neuen Studie ist es gelungen, das Potenzial biotechnologisch hergestellter Spinnenseidenproteine beispielhaft an einer Beschichtung für Silikonbrustimplantate zu zeigen. Die Ergebnisse ermutigen uns, weitere medizintechnische Anwendungen zu verfolgen.“

Literatur: Philip H. Zeplin, Nathalie C. Maksimovikj, Martin C. Jordan, Joachim Nickel, Gregor Lang, Axel H. Leimer, Lin Römer, Thomas Scheibel, Spider Silk Coatings as a Bioshield to Reduce Periprosthetic Fibrous Capsule Formation, In: Advanced Functional Materials; Article first published online: 13 Jan 2014 DOI: 10.1002/adfm.201302813 Die Publikation ist frei verfügbar (open access). Abstract: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/adfm.201302813/abstract

Quelle: Universität Bayreuth

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie

Stoffwechselstörung beschleunigt Multiple Sklerose

Freitag, 24. Januar 2014

Überfunktion des intrazellulären Energiehaushaltes als Ursache erkannt.

Neapel (pte008) – Eine Stoffwechselstörung in T-Zellen kann zu einer Verschlimmerung von Multipler Sklerose führen. Das haben Forscher der Abteilung für Medizin und Chirurgie an der Università di Salerno http://www.unisa.it und des zum Nationalen Forschungsrat CNR ehörenden Istituto di Endocrinologia e Oncologia Sperimentale http://www.ieos.cnr.it herausgefunden. Diese Erkenntnis bietet neue Möglichkeiten für eine gezieltere Diagnose und ein besseres Verständnis.

Abtötung der Biomembran Myelin

“Immunkrankheiten und chronische Entzündungen führen zu einer Zerstörung wichtiger Körperfunktionen durch das eigene Immunsystem”, erklärt Projektleiter Giuseppe Matarese. Bei der Multiplen Sklerose bedeute dies eine Abtötung der Biomembran Myelin, die eine wesentliche Funktion beim Schutz der Gehirnschaltkreise habe – mit Folgen wie Muskelschwäche, Lähmung oder Sehschwäche.

“Trotz großer Fortschritte bei der Ursachenforschung dieser Pathologie ist der hinter dem Immunverlust stehende Mechanismus noch weitgehend unbekannt”, unterstreicht der italienische Wissenschaftler. Die in Neapel durchgeführten klinischen Tests haben ergeben, dass die T-Zellen der Sklerose-Patienten eine übermäßige Stimulierung des intrazellulären Energiehaushaltes aufwiesen.

“Diese Erscheinung führt zu einer funktionalen Ermüdung bis hin zur Unfähigkeit, eine Entzündung der die Nerven schützenden Myelinschicht zu kontrollieren”, so Matareses CNR-Kollegin Veronica De Rosa. Außerdem wurde festgestellt, dass sich der Krankheitsverlauf mit zunehmendem Wachstum der T-Zellen abschwächt. Dieser Parameter könne deshalb als Prognosehilfe zur vorzeitigen Aufdeckung der oft kaum vorhersehbaren Pathologie genutzt werden.

Mehr Fälle in reicheren Ländern

Zu guter Letzt dürften die Studienergebnisse auch zur Beantwortung der Frage beitragen, warum Multiple Sklerose deutlich stärker in den reicheren Ländern verbreitet ist, wo der Stoffwechsel der Menschen allgemein intensiver als in weniger entwickelten Gesellschaften ausfällt”, verdeutlicht die Forscherin.

An der multidisziplinären Untersuchung hatten sich auch die Università degli Studi di Napoli und die University of California in Los Angeles beteiligt. Finanziert worden war sie überwiegend von der Fondazione Italiana Sclerosi http://www.aism.it , der italienischen Regierung und dem European Research Council. Einzelheiten können in der Fachzeitschrift “Nature Medicine” nachgelesen werden.

Quelle: pressetext.com

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag “Die tuberkulinische Konstitution als gemeinsame Ursache chronischer Erkrankungen und ihre naturheilkundliche Regulationstherapie” aus dem Jahr 2000

Schnelle Wundheilung mit Birken

Freitag, 24. Januar 2014

Freiburger Pharmazeutinnen haben die Wirkung eines natürlichen Extrakts aufgeklärt.

Seit Jahrhunderten gelten aus der Birke gewonnene Extrakte als traditionelle Heilmittel, die dafür sorgen, dass sich verletzte Haut schneller wiederherstellt. Prof. Dr. Irmgard Merfort vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Albert-Ludwigs-Universität und ihr Team haben auf molekularer Ebene geklärt, wie die wundheilende Wirkung eines Extraktes aus der äußeren, weißen Schicht der Rinde des Baumes zustande kommt. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftlerinnen in der Fachzeitschrift „Plos One“ veröffentlicht. Das Team kooperierte mit mehreren weiteren Einrichtungen und Instituten, so mit einer Arbeitsgruppe vom Institut für Molekulare Medizin und Zellforschung sowie dem Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Albert-Ludwigs-Universität und einer Arbeitsgruppe an der Hautklinik der Universität Hamburg.

In der ersten Phase der Wundheilung schütten die verletzten Hautzellen bestimmte Stoffe aus, die zu einer vorübergehenden Entzündung führen. Sie locken Fresszellen an, die eingedrungene Bakterien sowie totes Gewebe beseitigen. Die Freiburger Wissenschaftlerinnen stellten fest, dass der Birkenkork-Extrakt und besonders dessen Hauptbestandteil Betulin die Anzahl dieser Entzündungsstoffe vorübergehend erhöhen. Der Naturstoff aktiviert Proteine, die die Halbwertszeit von Boten-Ribonukleinsäure (mRNA) verlängern.

Ein Gen muss zunächst in mRNA übersetzt werden, damit der Bauplan für ein Protein vom Erbgut abgelesen werden kann. Durch das Mittel verdreifacht sich die Zeit, in der die mRNA eines bestimmten Botenstoffs stabil ist. Dieser sorgt dafür, dass mehr von dem jeweiligen Protein, hier von den Entzündungsstoffen, hergestellt werden kann. Der Birkenkork-Extrakt und Betulin stabilisieren darüber hinaus auch die mRNA weiterer Botenstoffe.

In der zweiten Phase der Wundheilung wandern die Zellen der Haut und schließen die Verletzung. Der Naturstoff begünstigt dies: Der Birkenkork-Extrakt und seine Bestandteile Betulin sowie Lupeol aktivieren Proteine, die am Umbau des Aktin-Zytoskeletts beteiligt sind. Dieses gibt der Zelle mithilfe des Strukturproteins Aktin ihre Form. Auf diese Weise bewirken die Stoffe aus der Birke, dass Keratinozyten – die in der oberen Hautschicht hauptsächlich vertretenen Zellen – schneller in die Wunde wandern und sie ausfüllen können.

Literatur: Ebeling, S./Naumann, K./Pollok, S./Vidal-y-Sy, S./Wardecki, T./Nascimento, J. M./ Boerries, M./Schmidt, G./Brandner, J. M./Merfort, I. (2013): From a traditional medicinal plant to a rational drug: understanding the clinically proven wound healing efficacy of birch bark extract. In: PLOS ONE. DOI: 10.1371/journal.pone.0086147

Quelle: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie