Archiv für die Kategorie „Medizin“

Lebensweise bestimmt Darmflora

Mittwoch, 16. April 2014

Ein internationales Forscherteam analysiert erstmals Darmbakterien heute lebender Jäger und Sammler.

Die Darmflora beeinflusst zahlreiche Aspekte der Gesundheit und Nährstoffaufnahme beim Menschen, doch bisher konzentrierte sich die Forschung hauptsächlich auf „westliche“ Bevölkerungsgruppen. Ein internationales Forscherteam, dem auch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig angehören, hat nun erstmals die Darmflora einer modernen Jäger- und Sammlergesellschaft, der in Tansania lebenden Hadza, untersucht.

Dabei fanden die Forscher heraus, dass sich das Mikrobenprofil der Hadza von denen aller anderen bisher untersuchten Menschengruppen unterscheidet. Die Bakterien im Verdauungstrakt der Hadza spielen also möglicherweise eine entscheidende Rolle bei der Anpassung an ihre spezielle Ernährungs- und Lebensweise. Die Studie zeigt auch, wie die Darmflora bereits unseren Vorfahren dabei geholfen haben könnte, sich an die Lebensbedingungen während der Steinzeit anzupassen und zu überleben.

Bakterienpopulationen entwickelten sich gemeinsam mit dem Menschen über mehrere Millionen Jahre hinweg und halfen ihm dabei, sich an neue Umweltbedingungen und Nahrungsmittel anzupassen. Aus Studien zu den in Tansania lebenden Hadza können Wissenschaftler lernen, wie Menschen als Jäger und Sammler im selben Lebensraum und mit ähnlichen Nahrungsmitteln wie unsere Vorfahren in der Steinzeit überleben.

Unter der Leitung von Stephanie Schnorr und Amanda Henry vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig verglich ein interdisziplinäres Forscherteam Mikroorganismen aus dem Verdauungstrakt der Hadza mit denen von Italienern, die in einem städtischen Umfeld leben und die „westliche Bevölkerung“ repräsentieren. Das Ergebnis, welches kürzlich in Nature Communications veröffentlicht wurde, zeigt dass die Hadza im Vergleich zu den Italienern eine vielfältigere Darmflora, also mehr Bakterienarten, besitzen.

„Das ist für die menschliche Gesundheit äußerst relevant“, sagt Stephanie Schnorr. „Einige vor allem in Industrienationen vorkommende Krankheiten, wie zum Beispiel das Reizdarmsyndrom, Darmkrebs, Adipositas, Diabetes Typ 2, Morbus Crohn und andere, stehen in Verbindung mit der Verringerung der Diversität der mikrobiellen Darmflora.“
Die Darmbesiedlung ist sehr gut an die Verdauung unverdaulicher Fasern aus einer pflanzenreichen Kost angepasst und hilft den Hadza möglicherweise dabei, den faserreichen Nahrungsmitteln mehr Energie zu entnehmen.

Überraschenderweise haben die Forscher festgestellt, dass es bei den Hadza-Männern und -Frauen hinsichtlich der Art und Anzahl ihrer Darmbakterien erhebliche Unterschiede gibt. Dies wurde bisher bei keiner anderen menschlichen Bevölkerungsgruppe beobachtet. Während die Hadza-Männer Wild jagen und Honig sammeln, übernehmen die Frauen das Sammeln von Knollen und anderen pflanzlichen Nahrungsmitteln. Obwohl sie diese dann miteinander teilen, isst jedes Geschlecht ein wenig mehr von der selbst beschafften Nahrung.
„Die Unterschiede in der Darmflora der Geschlechter reflektieren diese geschlechtsspezifische Arbeitsteilung“, sagt Stephanie Schnorr. „Die Hadza-Frauen verfügen offensichtlich über mehr Bakterien zur Verarbeitung faserreicher pflanzlicher Nahrung, was sich direkt auf ihre Fruchtbarkeit und ihren Fortpflanzungserfolg auswirkt.“ Diese Befunde zeigen, welche Schlüsselrolle die Darmbesiedlung im Laufe der menschlichen Evolution gespielt hat, wenn es um die Anpassung an verschiedene Ernährungsweisen ging.

Die Zusammensetzung der mikrobiellen Flora im Verdauungstrakt der Hadza ist einzigartig. Sie enthält eine große Anzahl an Bakterien, wie Treponema, die in der „westlichen” Bevölkerung oft als Anzeichen für Krankheiten gedeutet werden. Andere Bakterien, wie Bifidobacterium, die in der „westlichen“ Bevölkerung als „gesund“ gelten, sind bei den Hadza vermindert. Dennoch treten bei den Hadza kaum durch ein Ungleichgewicht der Darmbakterien verursachte Autoimmunkrankheiten auf.

Unser Verständnis von „gesunden“ und „ungesunden“ Bakterien muss daher neu definiert werden, weil diese Unterscheidungen davon abhängen, in welcher Umwelt wir leben. Die genetische Vielfalt der Bakterien ist dabei möglicherweise das wichtigste Kriterium für eine gesunde und stabile Darmflora.
„Die Mikroorganismen, die uns besiedeln sind unsere ‚alten Freunde‘, die uns bei der Anpassung an verschiedene Lebensweisen und Umweltbedingungen unterstützen“, sagt Amanda Henry, die die Max-Planck-Forschungsgruppe für Pflanzliche Nahrungsstoffe und Nahrungsökologie von Homininen leitet. „Unsere Untersuchung der Darmflora der Hadza erweitert unser Wissen darüber, wie Mensch und Mikroorganismus sich an das Leben in der Savanne angepasst haben. Darüber hinaus zeigt sie, wie Darmbakterien unseren Vorfahren möglicherweise dabei geholfen haben, sich an die Lebensbedingungen während der Steinzeit anzupassen und zu überleben.“

Originalpublikation: Stephanie L. Schnorr, Marco Candela, Simone Rampelli, Manuela Centanni, Clarissa Consolandi, Giulia Basaglia, Silvia Turroni, Elena Biagi, Clelia Peano, Marco Severgnini, Jessica Fiori, Roberto Gotti, Gianluca De Bellis, Donata Luiselli, Patrizia Brigidi, Audax Mabulla, Frank Marlowe, Amanda G. Henry & Alyssa N. Crittenden Gut microbiome of the Hadza hunter-gatherers Nature Communications, 15. April 2014, Doi: 10.1038/ncomms4654

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

siehe hierzu auch den Beitrag “Das Bauchhirn bei Menschen und Tieren“.

Neues zur Tuberkulose in Deutschland – Welttuberkulosetag 2014 im RKI

Montag, 17. März 2014

Die Zahl der Tuberkulosen sinkt kaum noch, bei multiresistenten Erkrankungen steigen die Fallzahlen sogar geringfügig. Das zeigt der aktuelle jährliche Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose für 2012, mit dem das Robert Koch-Institut (RKI) die Situation in Deutschland umfassend darstellt. „Die gemeinsamen Anstrengungen in der frühen Erkennung und Prävention von der Tuberkulose müssen daher intensiviert werden“, sagt Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch-Instituts, anlässlich des Welttuberkulosetages am 24. März. „Der öffentliche Gesundheitsdienst braucht für die erforderlichen Maßnahmen auch ausreichende Ressourcen“, unterstreicht Burger.

Für das Jahr 2012 wurden dem Robert Koch-Institut insgesamt 4.220 Tuberkulosen übermittelt (4.317 im Jahr 2011). Damit sinken die Fallzahlen bereits das vierte Jahr in Folge kaum noch. Zuvor waren die Erkrankungszahlen jedes Jahr deutlich zurückgegangen. Im Jahr 2012 starben 146 Patienten an der Tuberkulose (144 im Jahr 2011). Die Zahl der Tuberkulosen bei Kindern, die seit 2009 kontinuierlich angestiegen waren, blieb 2012 mit 178 Fällen unverändert gegenüber 2011. Aufgrund ihrer besonderen Empfänglichkeit und der Gefahr besonders schwerer Verläufe, sowie auch als Indikator für bestehende Infektionsketten bedarf diese Gruppe aber weiterhin einer ganz besonderen Aufmerksamkeit.

Der Anteil von Erkrankungen durch multiresistente Stämme liegt 2012 bei 2,3 % (65 Fälle) und ist damit höher als im Mittel der 5 Jahre zuvor (2007-2011: 1,9%) Bei Multiresistenz sind mindestens die wichtigsten zwei Standardmedikamente Isoniazid und Rifampicin unwirksam.

In Ballungszentren und Großstädten liegt die Inzidenz (Zahl der gemeldeten Fälle pro 100.000 Einwohner) deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 5,2. Zwei aktuelle Veröffentlichungen in der Zeitschrift Eurosurveillance, an denen Wissenschaftler des RKI mitgearbeitet haben, zeigen die Bedeutung dieses Problems im europäischen Kontext. Das Epidemiologische Bulletin vom 17. März 2014 greift dieses Thema mit einem Beitrag zu den besonderen Herausforderungen für Ballungszentren am Beispiel München auf. Hier wird deutlich, welche umfassende soziale, administrative und sprachvermittelnde Unterstützung Gesundheitsämter zunehmend leisten müssen, um eine adäquate medizinische Versorgung von tuberkulosekranken und -gefährdeten Menschen zu ermöglichen. Das Motto der Weltgesundheitsorganisation für den Welttuberkulosetag 2014, ins Deutsche frei übertragen „Tuberkulose erkennen, verhindern, heilen: alle erreichen“, ist somit auch für Deutschland von Belang.

Tuberkulose bleibt eine medizinische, sozialmedizinische und gesellschaftliche Herausforderung insbesondere für die Gesundheitsämter und die behandelnden Ärzte. Ein Forum für den Austausch, den Blick auf bereits Erreichtes und bestehende und zukünftige Herausforderungen in Deutschland ermöglicht eine vom Bundesministerium für Gesundheit finanziell unterstützte Tagung zum Welttuberkulosetag „Neues zur Tuberkulose in Deutschland“ im Robert Koch-Institut am 17. März 2014. Für die Tagung, die zum ersten Mal stattfindet, haben sich etwa 200 Teilnehmer insbesondere aus Gesundheitsämtern, Praxen, Kliniken und Laboratorien angemeldet. Dies zeigt den großen Informationsbedarf zum Thema und unterstreicht die hohe Bedeutung, die Tuberkulose nach wie vor für die Gesundheit der Bevölkerung hat.

Quelle: Robert Koch-Institut, Berlin

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie ♥

Oxytocin hilft Patienten aus der Magersucht-Falle

Freitag, 14. März 2014

Hormon ändert Wahrnehmung von Essen, Körperform und Gesichtern.

London/Seoul (pte003) – Oxytocin, das oft auch als “Kuschelhormon” bezeichnet wird, könnte eine neue Behandlungsmethode für Anorexia nervosa bieten. Koreanische und britische Forscher haben in zwei Studien festgestellt, dass die Gabe des Hormons bei Magersucht-Patienten die Wahrnehmung von Essen, Körperform und Gesichtern ändert.

Auch soziale Probleme belasten

Magersucht ist eine jener psychischen Erkrankungen, die zu den meisten Todesfällen führt, einerseits durch Komplikationen, die durch die geringe Essensaufnahme hervorgerufen werden, andererseits durch Selbstmord. Menschen mit Anorexia nervosa haben Probleme mit der Essensaufnahme und Körperform, aber auch soziale Schwierigkeiten wie Angstzustände und eine Sensibilität gegenüber negativen Emotionen.

“Patienten mit Anorexie haben eine Reihe von sozialen Problemen, die oft in den frühen Teenager-Jahren auftreten, noch bevor sich die Krankheit manifestiert. Diese sozialen Probleme, die zu Isolation führen, könnten wichtig für das Verständnis über Beginn und Aufrechterhaltung von Anorexie sein. Durch die Gabe von Oxytocin als potenzielle Behandlung für Anorexie konzentrieren wir uns auf einige dieser zugrundeliegenden Probleme”, so Forscherin Janet Treasure vom King’s College London http://kcl.ac.uk .

Negativ-Sichtweise wird therapiert

In einem ersten Experiment wurden Patienten- und Kontrollgruppen Bilder gezeigt, die Essen, Körperform und Gewichte abbildeten. Vor der Gabe von Oxytocin hatten Magersucht-Patienten die Tendenz, sich stark auf für sie negative Bilder wie Essen mit vielen Kalorien oder dicke Körperformen zu konzentrieren.

Durch die Verabreichung des Hormons verschwand diese übermäßige Konzentration auf negative Reize. Die zweite Studie arbeitete mit Gesichtern, die verschiedene Emotionen zeigten. Nach der Gabe von Oxytocin war hier sichtbar, dass die Magersucht-Patienten sich nicht mehr so stark auf die Emotion Ekel konzentrierten.

“Unsere Untersuchungen zeigen, dass Oxytocin die unbewussten Tendenzen der Patienten reduziert, sich auf Essen, Körperform und negative Emotionen wie Ekel zu konzentrieren. Derzeit gibt es einen Mangel an effektiven pharmakologischen Behandlungen für Anorexia nervosa. Unsere Untersuchungen fügen wichtige Hinweise zur wachsenden Literatur über Oxytocin-Behandlungen für psychische Krankheiten hinzu, und deuten den Beginn einer neuen, bahnbrechenden Behandlungsmethode für Magersucht-Patienten an”, so Co-Autorin Youl-Ri Kim von der Inje University in Seoul.

Quelle: pressetext.com

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie ♥

Neuer Deutscher Herzbericht

Mittwoch, 29. Januar 2014

Herzmedizin-Fortschritte: Sterblichkeit nimmt weiter ab, immer bessere Versorgung.

Düsseldorf/Berlin – „In Deutschland geht die Sterblichkeit in Folge von Herzerkrankungen weiter zurück. Ursache ist die immer bessere kardiologische Versorgung, die inzwischen ein ausgezeichnetes Niveau erreicht hat. Hier gibt es noch regionale Unterschiede, an denen gearbeitet werden muss.
Auch alte Menschen profitieren immer mehr von den Entwicklungen der modernen Herz-Medizin“. So fasst DGK-Präsident Prof. Dr. Christian Hamm (Gießen) die zentralen Aussagen des aktuellen Deutschen Herzberichts zusammen, der heute in Berlin vorgestellt wurde. „Diese sektorenübergreifende Versorgungsanalyse, die bereits zum 25. Mal durchgeführt wurde, trägt sehr viel zum Verständnis der Trends in der herzmedizinischen Versorgung in Deutschland bei und liefert wesentliche Beiträge zu einer noch besseren Versorgungs-Planung.“

Wie viele Menschen in Deutschland an Herzkrankheiten erkranken

Herzkrankheiten machten im Jahr 2011 in Deutschland 8,2 Prozent (1.554.381 Fälle) der im Rahmen der Krankenhausdiagnose-Statistik erfassten Krankenhausaufnahmen (stationäre Morbiditätsziffer) aus. Von diesen Diagnosen entfielen 57,5 Prozent auf Männer und 42,5 Prozent auf Frauen.

Einige Ergebnisse im Detail:
- Bei den ischämischen, also durch gestörte Durchblutung bedingten Herzkrankheiten (Koronaren Herzkrankheit) betrug die Zahl der Krankenhauseinweisungen 806,5 pro 100.000 Einwohner. Die Zahl bei Männern war mehr als doppelt so groß wie bei Frauen.
- Beim akuten Myokard-Infarkt (ST-Strecken-Hebungs-Myokardinfarkt, „Herzinfarkt“) gab es 266 Krankenhausaufnahmen pro 100.000 Einwohner, die Zahl bei Männern betrug mit 349,7 das 1,9-fache jener der Frauen. Bei Frauen und bei Männern war die Zahl der Herzinfarktdiagnosen ansteigend.
- Wegen Herzklappenkrankheiten wurden 95,5 von 100.000 Einwohnern in ein Krankenhaus aufgenommen. Der Wert bei Männern lag um 16,2 Prozent höher als bei Frauen, insgesamt ist ein Anstieg zu verzeichnen. „Es zeigt sich, dass die Patienten heute dank neuer Verfahren häufiger behandelt werden können, eine symptomatische Verbesserung erfahren, aber auch nach einer Behandlung noch klappenkrank bleiben. Deshalb fallen sie nicht aus der Statistik heraus, sondern verbleiben darin“, kommentiert Prof. Hamm.
- In Folge von Herzrhythmusstörungen kam es bei 505,8 von 100.000 Einwohnern zu Krankenhausaufnahmen, die Zahl der Männer überstieg jener der Frauen um 14,9 Prozent. Bei der Morbiditätsziffer der Herzrhythmusstörungen ist ein Anstieg zu verzeichnen.
- Wegen Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) gab es 464,7 Krankenhauseinweisungen pro 100.000 Einwohner. Der Wert bei Männern lag um 4 Prozent unter jenem der Frauen. Prof. Hamm: „Die Herzsuffizienz ist die einzige Herzkrankheit, bei der die stationäre Krankheitshäufigkeit bei Frauen häufiger als bei Männern ist.“
- Angeborene Fehlbildungen des Kreislaufsystems führten zu insgesamt 26,8 Krankenhauseinweisungen pro 100.000 Einwohner. Hier lag die Ziffer bei Männern um 13,1 Prozent über der bei Frauen.

Die Zahlen von 2011, so Prof. Hamm, bestätigen die schon beim Vergleich von 1995 und 2010 festgestellten Entwicklungen: Abnahme bei der koronaren Herzkrankheit in allen Altersgruppen. Zunahme bei den Herzklappenerkrankungen jenseits des 75. Lebensjahres, bei den Herzrhythmusstörungen ab dem 45. Lebensjahr in allen Altersgruppen, und bei der Herzinsuffizienz – insbesondere jenseits des 75. Lebensjahres. „Die zunehmende Krankheitshäufigkeit bei einer Reihe von kardiologischen Erkrankungen bedeutet nicht, dass wir immer kränker werden“, so Prof. Hamm. „Zum einen wird unsere Gesellschaft immer älter, und einige Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems kommen im fortgeschrittenen Alter häufiger vor. Zum anderen widmen wir kardiologischen Krankheiten immer mehr Aufmerksamkeit, nicht zuletzt wegen der immer besseren Diagnosemethoden, was in der Folge zu häufigeren Diagnosestellung führt.“

Sterbeziffer geht bei Herzkrankheiten kontinuierlich zurück

Die Sterbeziffer (Verstorbene je 100.000 Einwohner) ist bei Herzkrankheiten im vergangen Jahrzehnt kontinuierlich zurückgegangen, allein zwischen 2010 und 2011 verringerte sie sich von 267,7 auf 257,4. Unter den ausgewählten Diagnosen ist die koronare Herzkrankheit die prognostisch ungünstigste, gefolgt vom akuten Myokardinfarkt und der Herzinsuffizienz. Die bereits 2010 beobachteten Geschlechtsunterschiede in der Sterblichkeit werden durch die neuen Daten bestätigt:
- Die Sterbeziffer bei ischämischen Herzkrankheiten lag in Deutschland bei 155,3 pro 100.000 Einwohner, wobei die Sterbeziffer der Männer (161,2) jene der Frauen (149,6) nur leicht überstieg.
- Die Sterbeziffer bei akutem Myokardinfarkt betrug 63,7, die der Männer (71,2) lag um 20,7 Prozent über jener der Frauen (56,4). „Ein vergleichbarer Unterschied fand sich auch in den Vorjahren“, kommentiert Prof. Hamm. „Somit scheinen Männer beim akuten Myokardinfarkt eine ungünstigere Prognose zu haben als Frauen.“
- Die Sterbeziffer bei Herzklappenkrankheiten lag bei 16,2. Sie betrug für Männer 13 und für Frauen 21. „Der Wert für die Frauen war somit um 61,5 Prozent höher. Dieser Unterschied ist unerwartet groß und muss weiter untersucht werden“, so Prof. Hamm.
- Die Sterbeziffer bei Herzrhythmusstörungen beträgt 28,9, bei Frauen 35,1 gegenüber 22,6 bei Männern. „Dieser Unterschied verläuft zu Ungunsten der Frauen, ist mit 55,3 Prozent unerwartet groß und nicht ohne weiteres erklärlich“, kommentiert Prof. Hamm.
- Die Sterbeziffer bei Herzinsuffizienz betrug 55,5, — 36,8 bei Männern und 73,5 bei Frauen. „Dieser Unterschied von etwa 100 Prozent ist unerwartet groß und erfordert weitere Analysen“, so Prof. Hamm.
- Die Sterbeziffer bei angeborenen Fehlbildungen des Kreislaufsystems betrug insgesamt 0,6, bei Männern etwa gleich viel wie bei Frauen.

Regionale Unterschiede bei Herzkrankheiten

„Eine Analyse der Morbiditätsziffern (Krankenhauseinweisungen) ergibt deutliche Unterschiede für die einzelnen Krankheitsbilder zwischen den verschiedenen Bundesländern und bestätigt die Ergebnisse der Vorjahre“, so Prof. Hamm. „Die gesamte stationäre Morbiditätsziffer war für die untersuchten Herzkrankheiten in Hamburg, Bremen und Baden-Württemberg am niedrigsten und in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg am höchsten.“
Die Spannweite zwischen der niedrigsten und der höchsten stationären Morbiditätsziffer pro 100.000 Einwohner reicht bei den ischämischen Herzkrankheiten von 617 in Hamburg bis 1069 in Sachsen-Anhalt. Beim akuten Myokardinfarkt lag die niedrigste (223) in Bayern und die höchste (379) in Bremen. Bei Herzklappenkrankheiten reichte die Spannweite von 71 in Bremen bis 123 in Brandenburg, bei Herzrhythmusstörungen von 418 in Bremen bis 606 in Brandenburg und bei der Herzinsuffizienz von 319 in Bremen bis 668 in Sachsen-Anhalt.

Prof. Hamm: „Die niedrigsten Sterbeziffern haben weiterhin Berlin, Hamburg, Baden Württemberg, die höchsten Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.“ Die höchste Sterbeziffer eines Landes bei den ischämischen Herzkrankheiten kann die niedrigste Sterbeziffer um mehr als das Doppelte übersteigen. Gleiches gilt beim akuten Myokardinfarkt oder bei den Herzklappenkrankheiten. Noch größer können die Unterschiede bei den Herzrhythmusstörungen oder bei der Herzinsuffizienz ausfallen.

„Vergleichbare länderspezifische Unterschiede sehen wir seit Jahren, sie müssen aber mit Vorsicht interpretiert werden. Als Ursache für diese regionalen Unterschiede, was die Häufigkeit von und Sterblichkeit durch Herzerkrankungen betrifft, kommen eine Reihe von Faktoren in Betracht“, so Prof. Hamm. „Dazu gehören demographische Größen ebenso wie regionale Unterschiede in der Gesundheitsversorgung, geringere Ärztedichte, geringeres Gesundheitsbewusstsein und niedrigerer sozioökonomischer Status in der Bevölkerung in diesen Bundesländern.“ „Im Überblick setzten sich bei vielen Erkrankungen die Trends der vergangenen Jahre fort. Erwartungsgemäß geht die Häufigkeit der koronaren Herzkrankheit zurück, die Erkrankungszahlen bei der Herzinsuffizienz nehmen zu“, bilanziert Prof. Hamm. „Verbesserungen in der Mortalität und Morbiditätsstatistik sind zu erwarten, wenn auch die psycho-sozio-ökonomischen Faktoren der Gesundheit in der Bevölkerung berücksichtigt werden. Fragen der Prävention bezüglich Rauchen, Medikamententreue, Vorsorge sollten zur Verbesserung der Situation bevölkerungsbasiert im Vordergrund stehen.“

Föderale Struktur erschweren Beschaffung und Vergleich von Gesundheitsdaten

In Deutschland, kritisiert der DGK-Präsident, „fehlen die häufig gewünschten vollständigen und validen Morbiditätsdaten. Die föderale Struktur der Bundesrepublik ist, gerade für wissenschaftliche Fragestellungen der Versorgungsforschung, ein großes Hindernis. Unterschiede bei der Systematik der Erfassung, beim Aggregieren der Daten oder an den verschiedenen Schnittstellen können das Bild verzerren. Deshalb leidet das deutsche Gesundheitswesen immer noch an mangelhafter Dokumentation von Diagnosen, von Krankheitsverläufen, von Morbiditäten und von Mortalität, auch und besonders im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“
Als Vorbilder in Europa gelten derzeit die skandinavischen Länder wie Dänemark, aber auch die Niederlande. „Dort gibt es für das Gesundheitsgeschehen eine zentrale Registrierung“, so Prof. Hamm. „Jeder Patient und dessen Krankheitsgeschichte lässt sich in diesen Ländern vom niedergelassenen Arzt über alle Krankenhausaufenthalte bis zum Tod nachverfolgen. Das erleichtert ungemein eine sinnvolle Planung mit dem Ziel, die Versorgung weiter zu verbessern.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie

Spinnenseide für Brustimplantate: Neue Beschichtung senkt das Risiko medizinischer Komplikationen

Dienstag, 28. Januar 2014

Brustimplantate aus Silikon kommen seit vielen Jahren in der Chirurgie zum Einsatz. Doch obwohl Silikon für derartige medizinische Anwendungen hervorragend geeignet ist, kommt es in der Folge nicht selten zu Komplikationen. Einer Forschergruppe um Prof. Dr. Thomas Scheibel an der Universität Bayreuth ist es jetzt gelungen, die Brustimplantate mit einer dünnen Haut aus biotechnologisch hergestellten Spinnenseidenproteinen zu überziehen. Dadurch können, wie die erfolgreich abgeschlossenen vorklinischen Tests zeigen, schmerzhafte Folgewirkungen erheblich verringert oder ganz vermieden werden. Im Fachjournal „Advanced Functional Materials“ stellen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse vor.

Implantate, deren Außenhülle aus Silikon besteht, dienen in vielen Fällen der plastischen Wiederherstellung einer Brust, die aufgrund einer Krebserkrankung amputiert wurde. Zudem sind sie unentbehrlich für Brustoperationen, die ohne vorherige Erkrankungen allein aus ästhetischen Gründen vorgenommen werden.

Wenn nun das Silikon mit einer Haut aus Spinnenseidenproteinen überzogen wird, die nicht dicker als 1 bis 5 Tausendstel Millimeter ist, werden die Funktion und die chirurgische Handhabbarkeit des Implantats dadurch in keiner Weise beeinträchtigt. Zugleich toleriert das körpereigene Gewebe die Oberfläche des Implantats viel besser als eine nicht beschichtete Silikonoberfläche, so dass sich das Risiko medizinischer Komplikationen erheblich verringert.

Zu diesen Komplikationen, die nicht selten in den ersten Monaten nach dem Einsatz unbeschichteter Silikonbrustimplantate auftreten, gehört insbesondere eine schmerzhafte Kapselfibrose. Dabei bildet sich um das Implantat eine Kapsel aus körpereigenem Narbengewebe, die häufig verhärtet und sich zusammenzieht. Oftmals muss sie operativ entfernt werden. Bei diesem Eingriff muss das Implantat ausgewechselt werden.

In den vorklinischen Tests mit den beschichteten Implantaten stellte sich heraus, dass die Seidenproteine die Neubildung von körpereigenem Binde- und Narbengewebe signifikant verringern. Die Kapsel, die um das Implantat herum entsteht, ist daher weniger stark und neigt auch weniger zu Verhärtungen. Darüber hinaus kommt es infolge der Seidenbeschichtung in erheblich weniger Fällen zu Entzündungsreaktionen oder zu Abstoßungsreaktionen des Immunsystems.

Die Grundlagen für die Herstellung der Spinnenseidenproteine sowie die Beschichtungstechnologie wurden unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Scheibel am Lehrstuhl für Biomaterialien der Universität Bayreuth entwickelt. Den Rahmen für diese Forschungsarbeiten bildeten ein Projekt des DFG-Sonderforschungsbereichs 840 „Von partikulären Nanosystemen zur Mesotechnologie“ an der Universität Bayreuth sowie ein vom Universitätsklinikum Würzburg gefördertes Vorhaben. Bei den Spinnenseidenproteinen, welche die Verträglichkeit der Brustimplantate erheblich verbessern, handelt es sich um eADF4(C16)-Moleküle, die von der Biotech-Firma AMSilk GmbH in Martinsried mittlerweile im Industriemaßstab produziert werden. AMSilk hat auch die Implantate beschichtet und dabei die hierfür in Bayreuth entwickelte Technologie umgesetzt. Bei ihren vorklinischen Studien haben die Bayreuther Biomaterialforscher eng mit Medizinern am Universitätsklinikum Leipzig sowie wiederum mit Wissenschaftlern der AMSilk GmbH zusammengearbeitet.
„Spinnenseide mit ihren außergewöhnlichen mechanischen Eigenschaften fasziniert Forscher seit vielen Jahrzehnten“, erklärt Prof. Scheibel. „Bereits in der Antike wurden positive wundheilungsfördernde Effekte beschrieben. Mit unserer neuen Studie ist es gelungen, das Potenzial biotechnologisch hergestellter Spinnenseidenproteine beispielhaft an einer Beschichtung für Silikonbrustimplantate zu zeigen. Die Ergebnisse ermutigen uns, weitere medizintechnische Anwendungen zu verfolgen.“

Literatur: Philip H. Zeplin, Nathalie C. Maksimovikj, Martin C. Jordan, Joachim Nickel, Gregor Lang, Axel H. Leimer, Lin Römer, Thomas Scheibel, Spider Silk Coatings as a Bioshield to Reduce Periprosthetic Fibrous Capsule Formation, In: Advanced Functional Materials; Article first published online: 13 Jan 2014 DOI: 10.1002/adfm.201302813 Die Publikation ist frei verfügbar (open access). Abstract: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/adfm.201302813/abstract

Quelle: Universität Bayreuth

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie

Stoffwechselstörung beschleunigt Multiple Sklerose

Freitag, 24. Januar 2014

Überfunktion des intrazellulären Energiehaushaltes als Ursache erkannt.

Neapel (pte008) – Eine Stoffwechselstörung in T-Zellen kann zu einer Verschlimmerung von Multipler Sklerose führen. Das haben Forscher der Abteilung für Medizin und Chirurgie an der Università di Salerno http://www.unisa.it und des zum Nationalen Forschungsrat CNR ehörenden Istituto di Endocrinologia e Oncologia Sperimentale http://www.ieos.cnr.it herausgefunden. Diese Erkenntnis bietet neue Möglichkeiten für eine gezieltere Diagnose und ein besseres Verständnis.

Abtötung der Biomembran Myelin

“Immunkrankheiten und chronische Entzündungen führen zu einer Zerstörung wichtiger Körperfunktionen durch das eigene Immunsystem”, erklärt Projektleiter Giuseppe Matarese. Bei der Multiplen Sklerose bedeute dies eine Abtötung der Biomembran Myelin, die eine wesentliche Funktion beim Schutz der Gehirnschaltkreise habe – mit Folgen wie Muskelschwäche, Lähmung oder Sehschwäche.

“Trotz großer Fortschritte bei der Ursachenforschung dieser Pathologie ist der hinter dem Immunverlust stehende Mechanismus noch weitgehend unbekannt”, unterstreicht der italienische Wissenschaftler. Die in Neapel durchgeführten klinischen Tests haben ergeben, dass die T-Zellen der Sklerose-Patienten eine übermäßige Stimulierung des intrazellulären Energiehaushaltes aufwiesen.

“Diese Erscheinung führt zu einer funktionalen Ermüdung bis hin zur Unfähigkeit, eine Entzündung der die Nerven schützenden Myelinschicht zu kontrollieren”, so Matareses CNR-Kollegin Veronica De Rosa. Außerdem wurde festgestellt, dass sich der Krankheitsverlauf mit zunehmendem Wachstum der T-Zellen abschwächt. Dieser Parameter könne deshalb als Prognosehilfe zur vorzeitigen Aufdeckung der oft kaum vorhersehbaren Pathologie genutzt werden.

Mehr Fälle in reicheren Ländern

Zu guter Letzt dürften die Studienergebnisse auch zur Beantwortung der Frage beitragen, warum Multiple Sklerose deutlich stärker in den reicheren Ländern verbreitet ist, wo der Stoffwechsel der Menschen allgemein intensiver als in weniger entwickelten Gesellschaften ausfällt”, verdeutlicht die Forscherin.

An der multidisziplinären Untersuchung hatten sich auch die Università degli Studi di Napoli und die University of California in Los Angeles beteiligt. Finanziert worden war sie überwiegend von der Fondazione Italiana Sclerosi http://www.aism.it , der italienischen Regierung und dem European Research Council. Einzelheiten können in der Fachzeitschrift “Nature Medicine” nachgelesen werden.

Quelle: pressetext.com

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag “Die tuberkulinische Konstitution als gemeinsame Ursache chronischer Erkrankungen und ihre naturheilkundliche Regulationstherapie” aus dem Jahr 2000

Schnelle Wundheilung mit Birken

Freitag, 24. Januar 2014

Freiburger Pharmazeutinnen haben die Wirkung eines natürlichen Extrakts aufgeklärt.

Seit Jahrhunderten gelten aus der Birke gewonnene Extrakte als traditionelle Heilmittel, die dafür sorgen, dass sich verletzte Haut schneller wiederherstellt. Prof. Dr. Irmgard Merfort vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Albert-Ludwigs-Universität und ihr Team haben auf molekularer Ebene geklärt, wie die wundheilende Wirkung eines Extraktes aus der äußeren, weißen Schicht der Rinde des Baumes zustande kommt. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftlerinnen in der Fachzeitschrift „Plos One“ veröffentlicht. Das Team kooperierte mit mehreren weiteren Einrichtungen und Instituten, so mit einer Arbeitsgruppe vom Institut für Molekulare Medizin und Zellforschung sowie dem Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Albert-Ludwigs-Universität und einer Arbeitsgruppe an der Hautklinik der Universität Hamburg.

In der ersten Phase der Wundheilung schütten die verletzten Hautzellen bestimmte Stoffe aus, die zu einer vorübergehenden Entzündung führen. Sie locken Fresszellen an, die eingedrungene Bakterien sowie totes Gewebe beseitigen. Die Freiburger Wissenschaftlerinnen stellten fest, dass der Birkenkork-Extrakt und besonders dessen Hauptbestandteil Betulin die Anzahl dieser Entzündungsstoffe vorübergehend erhöhen. Der Naturstoff aktiviert Proteine, die die Halbwertszeit von Boten-Ribonukleinsäure (mRNA) verlängern.

Ein Gen muss zunächst in mRNA übersetzt werden, damit der Bauplan für ein Protein vom Erbgut abgelesen werden kann. Durch das Mittel verdreifacht sich die Zeit, in der die mRNA eines bestimmten Botenstoffs stabil ist. Dieser sorgt dafür, dass mehr von dem jeweiligen Protein, hier von den Entzündungsstoffen, hergestellt werden kann. Der Birkenkork-Extrakt und Betulin stabilisieren darüber hinaus auch die mRNA weiterer Botenstoffe.

In der zweiten Phase der Wundheilung wandern die Zellen der Haut und schließen die Verletzung. Der Naturstoff begünstigt dies: Der Birkenkork-Extrakt und seine Bestandteile Betulin sowie Lupeol aktivieren Proteine, die am Umbau des Aktin-Zytoskeletts beteiligt sind. Dieses gibt der Zelle mithilfe des Strukturproteins Aktin ihre Form. Auf diese Weise bewirken die Stoffe aus der Birke, dass Keratinozyten – die in der oberen Hautschicht hauptsächlich vertretenen Zellen – schneller in die Wunde wandern und sie ausfüllen können.

Literatur: Ebeling, S./Naumann, K./Pollok, S./Vidal-y-Sy, S./Wardecki, T./Nascimento, J. M./ Boerries, M./Schmidt, G./Brandner, J. M./Merfort, I. (2013): From a traditional medicinal plant to a rational drug: understanding the clinically proven wound healing efficacy of birch bark extract. In: PLOS ONE. DOI: 10.1371/journal.pone.0086147

Quelle: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie

Unter nährstoffarmen Bedingungen steuern Viren die Größe und Struktur der mikrobiellen Population

Dienstag, 21. Januar 2014

Wissenschaftler der Universität Oldenburg und des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ weisen in der aktuellen Vorab-Onlineausgabe des Journal of the International Society for Microbial Ecology (ISME v. 20.01.2014) nach, dass in extrem tiefen, alten und nährstoffarmen Meeressedimenten bis zu 225 mal mehr Viren als Mikroben leben. Damit stellen in diesen extremen Lebensräumen nicht mehr die bakteriellen Mikroorganismen die größte Fraktion der lebenden Biomasse dar, sondern Viren.

Diese Viren übernehmen die Rolle der Räuber in diesem außergewöhnlichen Biotop. Die Forscher fanden heraus, wie sich mit zunehmender Nährstoffarmut das Verhältnis von Viren zu Mikroben immer stärker hin zu den Viren verschiebt. „Schon seit einigen Jahren ist bekannt, dass die Masse aller lebenden Mikroben im Meeresboden mindestens genauso groß ist wie die der Bewohner der darüber liegenden Weltmeere“, sagt dazu Jens Kallmeyer vom GFZ. „Eine bisher vernachlässigte Unbekannte sind allerdings die Viren.“

In diesen extremen Lebensräumen  übernehmen Viren die Rolle von räuberischen Organismen: Sie steuern die Größe und Struktur der mikrobiellen Population. Die überraschend hohe Zahl der Viren wird damit erklärt, dass die zwar kleine aber aktive Mikrobenpopulation permanent neue Viren produziert, diese aber länger erhalten bleiben weil die wenigen Mikroben weniger Enzyme produzieren, welche die Viren zerstören. Bisherige Messungen im Meerwasser und oberflächennahen Sedimenten konnten zwar zeigen, dass Viren etwa zehnmal häufiger sind als Mikroben, aber aufgrund ihrer wesentlich kleineren Masse keine große Rolle bei der Gesamtmenge der lebenden Biomasse spielen. Außerdem wurde angenommen, dass hauptsächlich räuberische Organismen wie z.B. andere Einzeller, oder auch Würmer oder Schnecken die Größe der Mikrobenpopulation steuern. Die jetzt vorgestellten neuen Ergebnisse zeigen, dass diese einfachen Annahmen so nicht haltbar sind.

Literatur: Engelhardt, T., Kallmeyer, J., Cypionka, H., & Engelen, B. (2014): „High virus-to-cell ratios indicate ongoing production of viruses in deep subsurface sediments”, ISME Journal. doi: 10.1038/ismej.2013.245; 20.01.2014

Quelle: Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie

Verabreichung der natürlichen Substanz Spermidin stoppt Demenz

Sonntag, 1. Dezember 2013

Der altersabhängige Rückgang der Erinnerungsfähigkeit kann durch die Verabreichung der natürlichen Substanz Spermidin gestoppt werden. Das ist das Ergebnis einer Studie von Prof. Dr. Stephan Sigrist von der Freien Universität Berlin sowie dem Exzellenzcluster Neurocure und Prof. Dr. Frank Madeo von der Karl-Franzens-Universität Graz. Die Studie wurde vorab in der Online-Version in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Neuroscience“ veröffentlicht.

Die Biologen konnten nachweisen, dass die körpereigene Substanz Spermidin einen zellulären Reinigungsprozess auslöst, infolge dessen die Erinnerungsleistung älterer Gehirne von Fruchtfliegen wieder auf jugendliches Niveau steigt.

Erinnerungsprozesse bei tierischen Organismen wie Fliegen oder Mäusen sind auf molekularer Ebene denen des Menschen ähnlich. Sigrists und Madeos Forschung kann einen Beitrag dazu leisten, Mittel zu entwickeln, die das Einsetzen von Demenzerkrankungen verzögern.
Als Auslöser der altersabhängigen Demenz werden aggregierte (verklumpte) Proteine vermutet. Diese reichern sich in alten Gehirnen von Fliegen, Mäusen und Menschen vermehrt an. Das Molekül Spermidin, dessen Anti-Aging-Wirkung bereits 2009 in Madeos Grazer Forschungsgruppe entdeckt wurde, setzt die sogenannte Autophagie in Gang, einen Reinigungsvorgang auf zellulärer Ebene. Proteinaggregate und weiterer zellulärer Abfall werden den Lysosomen, den Verdauungsapparaten in Zellen, zugeführt und dort aufgelöst.

Nachdem den Fruchtfliegen Spermidin zugefüttert wurde, minimierte sich die Menge der Proteinaggregate in ihren Gehirnen deutlich und ihre Erinnerungsfähigkeit nahm zu. Messbar ist dies, weil Fliegen durch klassische Pawlow’sche Konditionierung lernen, sich an das Gelernte erinnern und ihr zukünftiges Verhalten danach ausrichten.

Beim Menschen lässt die Erinnerungsfähigkeit ab etwa dem 50. Lebensjahr nach. Dieser Schwund beschleunigt sich mit zunehmendem Alter. Aufgrund steigender Lebenserwartung nehmen altersinduzierte Demenzerkrankungen drastisch zu.  Die Spermidinkonzentration hingegen nimmt mit dem Alter bei Fliegen auch bei Menschen ab.

Sollte es gelingen, mit Spermidin als Nahrungsergänzung das Einsetzen von Demenzerkrankungen zu verzögern, würde dies für den einzelnen Patienten und die Gesellschaft einen Durchbruch bedeuten. Patientenstudien sind das nächste Ziel von Stephan Sigrist und Frank Madeo.

Der Exzellenzcluster NeuroCure ist eine Kooperation der Charité – Universitätsmedizin Berlin und den biologischen/biochemischen Wissenschaften ihrer Trägeruniversitäten, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin, sowie mit drei außeruniversitären Forschungsinstituten.

Literatur: Varun K Gupta, Lisa Scheunemann, Tobias Eisenberg, Sara Mertel, Anuradha Bhukel, Tom S Koemans, Jamie M Kramer, Karen S Y Liu, Sabrina Schroeder, Hendrik G Stunnenberg, Frank Sinner, Christoph Magnes, Thomas R Pieber, Shubham Dipt, André Fiala, Annette Schenck, Martin Schwaerzel, Frank Madeo & Stephan J Sigrist (2013): Restoring polyamines protects from age-induced memory impairment in an autophagy-dependent manner, Nature Neuroscience, Advance Online Publication, 1 September 2013, doi:10.1038/nn.3512.

Quelle: Freie Universität Berlin

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie

Gezielte Ernährung stoppt Sehkraftverlust

Donnerstag, 26. September 2013

Augenmediziner am Uniklinikum Leipzig belegen mit Langzeitstudie Wirksamkeit von Lutein und Omega-3-Fettsäuren bei AMD.

Durch eine gezielte Ernährung lässt sich die altersbedingte Makuladegeneration, kurz AMD, wirksam beeinflussen und die Sehkraft sogar verbessern. Das belegen Augenmediziner am Uniklinikum Leipzig in einer Langzeitstudie. Über ein Jahr wurden dafür erstmals 200 Teilnehmer mit einer speziellen Diät behandelt und begleitet. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse stützen die Erkenntnis: Die bisher kaum behandelbare trockene Makuladegeneration lässt sich durch unsere Ernährung beeinflussen.

Jeder dritte Deutsche über 60 ist davon betroffen: Durch die altersbedingte Makulaveränderung schwindet die Sehkraft. Die bisher nicht heilbare Erkrankung schränkt die Betroffenen im Alltag ein, da lesen oder fernsehen nur noch bedingt gut gelingt.

Etwa  4,5 Millionen Menschen sind allein in Deutschland  betroffen, Auslöser sind Ablagerungen und Veränderungen der Blutgefäße an der Netzhaut. „Wir wissen, dass diese nicht nur altersbedingt sind, sondern auch durch die Lebensführung beeinflusst werden“, erklärt Prof. Jens Dawczynski, stellvertretender Direktor der Augenklinik am Uniklinikum Leipzig und Leiter der Studie.

Essgewohnheiten lassen sich im Gegensatz zum Alterungsprozess aber gut beeinflussen. „Deshalb haben wir in unserer LUTEGA-Studie geprüft, ob bestimmte Nährstoffe die gestörten Stoffwechselprozesse am Auge wirksam wieder verbessern können.“ Untersucht wurde der Effekt einer täglichen Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels mit einer Kombination aus Lutein, Zeaxanthin und Omega-3-Fettsäuren. In der placebokontrollierten, doppelblinden Studie wurden bei 200 Studienteilnehmern mit einer trockenen  Form der AMD-Erkrankung über 12 Monate hinweg die Konzentration der Stoffe im Blut ebenso gemessen wie die Beschaffenheit der Makula und die Sehkraft.

„Das Ergebnis hat unsere Hoffnungen bestätigt“, so Prof. Dawczynski. „Wir haben einen deutlichen Anstieg der Makulapigmente als Folge der Nahrungsergänzungsmitteleinnahme gesehen. Damit wird das mit einem Schwund dieser Pigmente verbundene Voranschreiten der Makuladegeneration gestoppt bzw. verlangsamt.“ Auch die Sehkraft der Studienteilnehmer hat sich als Folge der Nährstoffzufuhr stabilisiert und leicht verbessert. Diese Ergebnisse der Studie wurden aktuell in der Zeitschrift Graefes Journal of Clinical & Experimental Ophthalmologie veröffentlicht.

„Wir wissen damit jetzt sicher, dass wir die bisher kaum behandelbare trockene Makuladegeneration  wirksam  durch eine einfache, gezielte Diätberatung beeinflussen können“, zeigt sich Prof. Jens Dawczynski  begeistert. „Das ist eine große Chance und Hoffnung für unsere Patienten.“

Auch wenn in der Studie die  Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln untersucht wurde, kann der Effekt auch durch natürliche Nahrungsmittel erzielt werden. Das benötigte Lutein steckt vor allem in grünem Gemüse wie Grünkohl oder Brokkoli, Omega 3 Fettsäuren in Seefisch. „Eine ebenfalls gerade erschienene amerikanische Studie zeigt, dass die Stoffe  über das Essen sogar besser aufgenommen werden als über eine Kapsel“, so der Leipziger Augenmediziner.

Quelle: Universitätsklinikum Leipzig

Petrissima – Shopping for Ladies