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Reizdarm oft Folge von Kindheitstrauma

Montag, April 2nd, 2012

Verdauung hochempfindlich auf psychische Belastungen.

Los Angeles/Wien (pte001) – Das häufig verbreitete Reizdarm-Syndrom tritt oft bei Menschen auf, die in der Kindheit Traumatisches erfahren haben – etwa körperlichen, sexuellen oder emotionalen Missbrauch. Das berichten Forscher der University of California http://ucla.eduin der Zeitschrift „Clinical Gastroenterology and Hepatology“. Sie befragten 300 erwachsene Reizdarm-Patienten nach psychologischen, gastrointestinalen und somatischen Symptomen. „Psychische Verletzungen, schlimme Erlebnisse wie auch fehlende Harmonie mit Eltern oder Erziehern erhöhen die Verletzlichkeit für funktionelle Darmstörungen“, sagt Studienautor Lin Chang.

Körper spürt Vernachlässigung

Zwischen zehn und 20 Prozent in westlichen Ländern leiden unter dem Reizdarm-Syndrom, das sich durch Blähungen, Völlegefühl und Übelkeit über Durchfälle und Verstopfung bis hin zu krampfartige Bauchschmerzen äußern kann. Das Leiden ist zwar nicht lebensbedrohlich, beeinträchtigt aber die Lebensqualität. Die Diagnose können Betroffene dank der sogenannten „Rom-III-Kriterien“ relativ unkompliziert selbst vornehmen, wobei die Wiederkehr, Länge und Frequenz der Bauchschmerzen und auch die Besserung der Symptome nach Stuhlgang oder Änderungen der Stuhlfrequenz oder -form eine Rolle spielen.

Während man bisher schon wusste, dass sexueller Missbrauch und Reizdarm oft zusammenhängen, weiteten die US-Forscher dies nun auf andere Traumen aus. Die beforschten Patienten berichteten viel öfter als die Kontrollgruppe von allgemeinem Trauma, körperlicher Bestrafung oder Vernachlässigung, zudem waren Ereignisse wie das Mitansehen von Gewalt oder geistige Krankheiten in der Familie häufiger. Gleiches galt auch für den bereits früher beforschten sexuellen Missbrauch. Am stärksten war der Zusammenhang allerdings beim emotionalen Missbrauch, zudem waren Frauen eher betroffen als Männer.

Löchriger Reizfilter

„Genau wie Migräne, Rücken- oder Blasenschmerz ist Reizdarm ein Ausdruck des Körpers, dass etwas nicht stimmt, wobei auch die Genetik mitspielen kann“, erklärt Harald Vogelsang von der Spezialambulanz für Gastroenterologie und Hepatologie am AKH Wien http://akhwien.at gegenüber pressetext. Nervenzellen im Darm und Gehirn sind eng miteinander verbunden. Üblicherweise wird die Reizweiterleitung gefiltert, damit man nicht jede Blähung spürt. „Stress oder schlimme Erlebnisse können beitragen, dass der Filter zu viele Löcher bekommt, was häufige Bauchschmerzen zur Folge hat“, so der Experte.

Die US-Studienautoren raten Ärzten, frühe Ereignisse und psychologische Symptome bei betroffenen Patienten gezielt anzusprechen, um so eher eine Symptomreduktion zu erreichen und das gesamte Wohlbefinden zu bessern. In der Praxis ist das schwer, stellt Vogelsang fest. „Ärzte sind geschult, auf gefährliche Symptome zu achten und funktionelle Probleme wie etwa Reizdarm zu übersehen oder wegzureden. Die Patienten wenden sich verängstigt ab und wechseln den Arzt. Die einzige Lösung wäre, dass sich jemand eine halbe Stunde Zeit zum Erklären nimmt, was angesichts der Ordinationsrealität jedoch unmöglich scheint.“

Entspannen wirkt Wunder

Behandeln Ärzte Reizdarm, so verschreiben sie meist zunächst Durchfallmittel oder stopfende Medikamente und empfehlen ballaststoffreiche Kost. Um psychische Grundprobleme zu behandeln, eignen sich laut Vogelsang Entspannungsmethoden wie etwa Hypnose gut. In schweren Fällen oder bei Therapieresistenz sind Psychotherapie oder Antidepressiva nötig.

Abstract unter http://www.cghjournal.org/article/S1542-3565%2811%2901333-4/abstract; Quelle: pressetext.com

Anmerkung: siehe hierzu die “Liminale Frequenztherapie (LFT) nach Dr.Dr. Peter Schneider

Soziale Anerkennung am Arbeitsplatz reduziert Risiko eines Burnouts

Dienstag, März 27th, 2012

Wenn Arbeitnehmer sich leistungsgerecht belohnt fühlen, ist das Risiko einer arbeitsbedingten Erschöpfung deutlich geringer. „Das bedeutet allerdings mehr als nur angemessene Bezahlung; wichtig ist vor allem die soziale Anerkennung, die Menschen für ihren Arbeitseinsatz erhalten“, konstatiert der Frankfurter Sozialpsychologe Prof. Dr. Dr. Rolf Haubl. Dies ist ein wichtiges Ergebnis einer jetzt veröffentlichten Studie, an der Wissenschaftler der Goethe-Universität, des Sigmund-Freud-Instituts und der Technischen Universität Chemnitz beteiligt waren.

Im Rahmen der gerade abgeschlossenen Untersuchung wurden 2011 fast 900 Supervisoren der Deutschen Gesellschaft für Supervision e. V. (DGSv), die seit Jahren überwiegend Profit- und Non-Profit-Organisationen im sozialen Bereich wie Krankenhäuser, Schulen, Kinder- und Jugendhilfe beraten, nach ihrer Einschätzung zur Arbeitsbelastung befragt. Diese Expertinnen und Experten, von denen knapp die Hälfte bereits 2008 an einer ähnlichen umfangreichen Befragung teilgenommen hatten, bestätigten: Über alle Branchen hinweg sind die Arbeitsbedingungen so, dass viele Beschäftigte ihre psychische Gesundheit riskieren. Von Entwarnung kann keine Rede sein. Dazu das signifikante Zitat einer Supervisorin aus einem von 30 Intensivinterviews: „… als ich da hinkam, hatte die Leitungskraft 600 Überstunden. Und alles, was unter 100 war, bedeutet irgendwie, die arbeiten nicht richtig.“

Wie lassen sich Arbeitsbedingungen so gestalten, dass das Risiko eines Burnouts sinkt?

Arbeitgeber sollten in die Organisationskultur investieren, ist das Fazit der Studie. Dazu Haubl, der an der Goethe-Universität lehrt und forscht und gleichzeitig auch das Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt leitet: „Neben der leistungsgerechten Belohnung als einflussreichster Faktor kommt es besonders auf das Verhalten und die Einstellung der Vorgesetzten und der Kollegen an: Chefs, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur als Kostenfaktoren betrachten, sondern als eine Belegschaft mit produktiven Fähigkeiten, die sie nachhaltig zu entwickeln suchen, schützen ebenso vor überfordernden Arbeitsbedingungen, wie Kollegen, die sich halbwegs solidarisch verhalten.“

Die Untersuchung bestätigt übrigens nicht die immer wieder geäußerte Meinung, das Mitarbeiter mit wachsender Indifferenz gegenüber ihrer Arbeit reagieren, wenn sie sich überfordert fühlen. Im Gegenteil: „Die Befragten trafen in den Organisationen in der überwiegenden Mehrzahl auf Beschäftigte, für die Arbeit – noch – eine Sinn stiftende Funktion hat und die deshalb darunter leiden, wenn sie aufgrund eines herrschenden ökonomischen Effizienzdrucks gezwungen sind, Qualitätsstandards zu verletzen“, erläutert Prof. Dr. Günter G. Voss aus Chemnitz, der eine Professur für Industrie- und Techniksoziologie an der Technischen Universität Chemnitz innehat und gemeinsam mit Haubl das Forschungsteam leitet.

In den meisten Organisationen hat in den vergangenen Jahren die Arbeitsintensität eindeutig zugenommen: Arbeitsprozesse werden verdichtet und beschleunigt, Nischen beseitigt; die Zahl der prekären und befristeten Arbeitsverhältnisse nimmt zu.

Die Supervisoren, die für diese Studie befragt wurden, sind mit den turbulenten Veränderungen in der Arbeitswelt bestens vertraut. Ihre Einschätzungen sind besonders aussagekräftig, weil sie einerseits als kritische Zeitzeugen derartige Prozesse beobachten und ungeschönte Einblicke in das Innenleben von Organisationen haben, andererseits aber auch gemeinsam mit Einzelpersonen und Teams nach konstruktiven Handlungsalternativen suchen. Immer häufiger, so stellen die Befragten fest, wird Arbeitnehmern zugemutet, einander widersprechende Anforderungen – wie die zwischen Professionalität und Kosteneinsparung – ohne betriebliche Unterstützung auszuhalten und abzufedern. „Und das führt entweder dazu, sehenden Auges die eigene Gesundheit zu riskieren, um Karrierevorteile zu erlangen, oder es demoralisiert“, so Haubl. „Sollen Arbeitsplätze keine Gesundheitsrisiken sein, wie es die Weltgesundheitsorganisation in der Charta von Ottawa verlangt, bedarf es eines Einstellungswandels, der heute vielerorts noch in weiter Ferne liegt.“

Quelle: Goethe-Universität Frankfurt am Main

Anmerkung: siehe auch den Online-Kurs „Naturheilkundliche Vorbeuge und Behandlung des Burn-Out-Syndroms

Schon leichte Reize ändern den Informationsfluss im Gehirn

Freitag, März 23rd, 2012

Ein Kelch oder zwei Gesichter? Was wir in einer der bekanntesten optischen Illusionen zu sehen glauben, wechselt in Sekundenbruchteilen; und damit auch der Weg, den die Information im Gehirn nimmt. Wie dies möglich ist, ohne die zellulären Verknüpfungen des Netzwerks zu ändern, konnten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation, des Bernstein Zentrums Göttingen und des Deutschen Primatenzentrums in einer theoretischen Studie zeigen. Je nachdem, in welchem zeitlichen Muster Hirnareale kommunizieren, ändert sich der Informationsfluss. Um dessen Umorganisation auszulösen, genügt bereits ein leichter Reiz, etwa ein Duft oder Ton, zur rechten Zeit.

Wie Gehirnareale miteinander verschaltet sind, spielt bei der Informationsverarbeitung eine wichtige Rolle. Durch den Auf- und Abbau der Nervenverbindungen zwischen Hirnarealen kann diese Verarbeitung verändert werden. Doch solche Vorgänge sind viel zu langsam, um schnelle Veränderungen in der Wahrnehmung zu erklären.

Aus experimentellen Studien weiß man, dass die verantwortlichen Prozesse mindestens zwei Größenordnungen schneller sein müssen. Die Göttinger Wissenschaftler zeigen nun erstmals anhand von Computersimulationen, dass es möglich ist, in einem fest verschalteten Netzwerk den Informationsfluss auf einfache Weise zu verändern.

Viele Hirnareale  zeigen regelmäßige Nervenzellaktivität. „Die interagierenden Hirnbereiche verhalten sich wie Metronome, die mit der gleichen Geschwindigkeiten und in einem bestimmten zeitlichen Muster schlagen“, erklärt der Physiker und Leiter der Studie Dr. Demian Battaglia. Die Forscher konnten nun zeigen, dass dieses Muster den Informationsfluss bestimmt. „Beeinflusst man eines der Metronome, etwa durch einen äußeren Reiz, schlägt es danach mit einer anderen Geschwindigkeit oder in einem veränderten zeitlichen Muster mit den anderen Metronomen. Die anderen Areale stellen sich durch Selbstorganisationsprozesse darauf ein und spielen selbst in einem neuen Rhythmus. Darum genügt es, im Netzwerk eines der Areale zu beeinflussen, um die Funktionsweise des Netzwerks vollständig zu verändern“,  sagt Battaglia.

Der äußere Einfluss muss nicht besonders groß sein. „Wichtiger ist, dass der ‚Kick’ genau zum richtigen Zeitpunkt im Rhythmus erfolgt“, erklärt Battaglia. Der Prozess könnte in der  Wahrnehmung von wesentlicher Bedeutung sein: „Wir sind darauf gepolt, in einem Bild möglichst schnell Gesichter zu erkennen, selbst wenn da keine sind. Wenn aber ein Duft an Wein erinnert, sehen wir sofort den Kelch im Bild. Dadurch können wir uns auch schnell auf Dinge einstellen, die wir nicht erwartet haben, indem wir den Fokus unserer Aufmerksamkeit verschieben“, erläutert der Göttinger Forscher.

Als nächstes möchten die Wissenschaftler das Modell an anatomisch realistischeren Netzwerken testen. Außerdem erhoffen sie sich, dass davon auch experimentelle Studien inspiriert werden, wie Battaglia meint: „Es wäre fantastisch, wenn in einigen Jahren einzelne Bereiche im Gehirn so fein und exakt stimuliert werden können, dass die von uns theoretisch vorhergesagten Effekte durch bildgebende Verfahren messbar werden.“

Das Bernstein Zentrum  Göttingen ist Teil des Nationalen Bernstein Netzwerks Computational Neuroscience (NNCN). Das NNCN wurde vom BMBF mit dem Ziel gegründet, die Kapazitäten im Bereich der neuen Forschungsdisziplin Computational Neuroscience zu bündeln, zu vernetzen und weiterzuentwickeln. Das Netzwerk ist benannt nach dem deutschen Physiologen Julius Bernstein (1835-1917).

Original-Veröffentlichung: Battaglia D, Witt A, Wolf F, Geisel T (2012): Dynamic effective connectivity of inter-areal brain circuits. PLoS Comp Biol, 10.1371/journal.pcbi.1002438,
http://www.ploscompbiol.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pcbi.1002438

Quelle: Nationales Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience

Anmerkung: siehe hierzu die „Liminale Frequenztherapie (LFT) nach Dr.Dr. Peter Schneider

Hirntumore erfolgreicher behandeln mit einer Kombination aus Vitamin C und Strahlentherapie

Donnerstag, März 15th, 2012

Wissenschaftler der University of Otago in Wellington, Neuseeland,  haben kürzlich herausgefunden, dass Hirntumorzellen wesentlich  empfänglicher für Bestrahlung sind, wenn ihnen hochdosiertes Vitamin C  verabreicht wird. Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit dem Malaghan Institute in Wellington durchgeführt und in der Wissenschaftszeitschrift „Free Radical Biology and Medicine“ veröffentlicht.

Die Haupautorin der Studie, Dr. Patries Herst, untersuchte zusammen mit Dr. Melanie McConnell, wie sich hochdosiertes Vitamin C in Verbindung mit Bestrahlung auf das Überleben von Krebszellen des bösartigen Hirntumors Glioblastoma Multiforme (GBM) im Vergleich zum Überleben normaler Zellen auswirkt. Dabei fanden sie heraus, dass hochdosiertes Vitamin C selbst DNA-Schäden und Zelltod verursacht. Die Schädigungen waren noch wesentlich ausgeprägter, wenn das Vitamin kurz vor der Bestrahlung injiziert wurde.

Hirntumorpatienten haben schlechte Heilungschancen, da GBM-Tumore äußerst strahlenresistent sind. Ein Abtöten der Hirntumorzellen ist einfacher, wenn zuvor hochdosiertes Vitamin C verabreicht wurde, so Dr. Herst.

„Es herrschte lange Uneinigkeit über die Verwendung von hochdosiertem Vitamin C im Bereich der Krebsbehandlung. Das Vitamin tötet in Laborversuchen und Tiermodellen verschiedene Krebszellen. Es erzeugt aggressive freie Radikale im Tumorumfeld, nicht jedoch in der Umgebung von gesunden Zellen. Die freien Radikale schädigen die DNA, was letztlich zum Zelltod führt. Lediglich intravenöse Verabreichungen können jedoch eine so hohe Konzentration von Radikalen erzeugen, wie sie für das Abtöten von Krebszellen benötigt wird.

Die vielversprechenden Untersuchungsergebnisse wurden in klinischen Studien noch nicht auf ihre Aussagesicherheit geprüft. „Wenn sorgfältig durchgeführte klinische Studien bestätigen, dass hochdosiertes Vitamin C in Verbindung mit Bestrahlung die Heilungschancen von Patienten erhöht, könnte es sinnvoll sein, beide Behandlungsformen bei strahlenresistenten Krebsarten, wie Glioblastoma Multiforme, zu kombinieren,“ sagte Dr. Herst.

Quelle: Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

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Die Pein im Leib: Wenn das Bauchhirn den Schmerz erlernt

Donnerstag, März 15th, 2012

Der Mensch hat zwei Gehirne – eines im Kopf, ein zweites im Bauch. Die beiden Gehirne haben viele Gemeinsamkeiten, kommunizieren miteinander und funktionieren nach ähnlichen Spielregeln. »Darum sind manche Prozesse im Bauchhirn mit der Chronifizierung von Schmerzen im Zentralnervensystem vergleichbar und wie bei der Chronifizierung von Rückenschmerzen wirken auch bei Bauchschmerzen innere und äußere Faktoren zusammen, wenn die Pein zum Dauerbegleiter wird«, erklärt der Duisburger Schmerztherapeut Dr. Günther Bittel auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2012 in Frankfurt.

Zehn bis 25 Prozent aller schulpflichtigen Kinder leiden unter wiederkehrenden Bauchschmerzen. 90 Prozent dieser Kinder fehlen regelmäßig in der Schule, fast 30 Prozent verpassen mehr als zehn Prozent ihrer Schultage. Doch nur bei zehn Prozent der kleinen Patienten können die Ärzte eine klare Diagnose stellen. Nur selten wird eine bedeutsame körperliche Störung diagnostiziert, die spezifisch therapiert werden kann. Auch eindeutige psychische Einflußfaktoren lassen sich in den meisten Fällen nicht feststellen.

Die verbreitete Annahme, dass man wiederkehrende Bauchschmerzen ohne eindeutige Ursache nicht ernst nehmen müsse, weil diese sich »auswachsen« ist jedoch falsch: Etwa die Hälfte der betroffenen kleinen Patienten nimmt ihre Schmerzen ins Erwachsenenalter mit. Und oft kommen dann weitere Probleme dazu. »Viele Patienten mit chronischen Bauchschmerzen leiden zusätzlich unter Durchfällen, Schlafstörungen und anderen psychovegetativen Folgeerkrankungen«, weiß der Duisburger Schmerztherapeut Dr. Günther Bittel.

Bauchschmerz als Dauerbegleiter

Wie viele Menschen an chronischen Bauchschmerzen leiden, lässt sich schwer abschätzen. In Untersuchungen schwanken – je nach Definition und Kriterien – die Zahlen zwischen 2,5 und 30 Prozent der Bevölkerung. Frauen sind häufiger betroffen. Schwer vorhersehbar ist auch der Verlauf. Die Symptome können sich im Laufe der Zeit ändern, stärker oder schwächer werden, verschwinden und wiederkommen. Doch in den meisten Fällen bleiben die Beschwerden ein Dauerbegleiter. Totschlagdiagnosen und keine Therapie. Die Patienten machen allerdings oft die Erfahrung, dass ihre Beschwerden weder ernst genommen, noch adäquat behandelt werden. »Es werden Totschlagsdiagnosen wie »Reizdarm-Syndrom« und »somatoforme Störung« gestellt, kombiniert mit therapeutischem Nihilismus«, kritisiert Bittel. Dabei ist es sehr wohl möglich, häufige und wesentliche Ursachen der Beschwerden aufzudecken, etwa Laktose-, Fruktose- und Sorbit-Intoleranz, verzögerte Nahrungsmittelallergien, Gluten-Unverträglichkeit, Histamin-Intoleranz oder chronische Infektionen.  »Nötig dazu ist jedoch eine exakte Befunderhebung, eine klinische Untersuchung, ergänzt durch ein Ernährungs- und Schmerztagebuch sowie eine exakte Labordiagnostik«, sagt Bittel.

Mehr als eine Darmerkrankung

Bei chronischen Bauchschmerzen geht es um mehr als um eine reine Darmerkrankung. Der ganze Magen-Darm-Trakt ist betroffen. »Eine wichtige Rolle spielt dabei das so genannte Darmhirn, das kurz ENS genannte enterale Nervensystem«, erklärt der Duisburger Schmerztherapeut. Mit seinen 150 Millionen Nervenzellen ist das ENS das größte zusammenhängende Nervensystem außerhalb des Zentralnervensystems. In ihm laufen Prozesse nach ähnlichen Spielregeln ab wie im Rückenmark oder im Gehirn. »Darum ist es nicht verwunderlich, dass sich auch im Nervensystem unseres Magen-Darm-Traktes Chronifizierungsprozesse abspielen können, die der Entwicklung eines Schmerzgedächtnisses im Zentralnervensystem ähneln«, sagt Bittel. Wie bei der Chronifizierung von Schmerzen im Rücken, wirken auch bei der Chronifizierung von Bauchschmerzen innere und äußere Faktoren zusammen: emotionale Aspekte, Entzündungsprozesse, Ernährung aber auch die mikrobiellen Bewohner des Darms, die Mikroflora.

Multimodale Therapiekonzepte

Ähnlich wie bei anderen chronischen Schmerzformen, setzen Schmerztherapeuten auch bei chronischen Bauchschmerzen heute auf multimodale Therapien, also Behandlungen, in denen verschiedene Strategien miteinander kombiniert und den individuellen Bedürfnissen eines Patienten angepasst werden. »Diese modernen Ansätze, bei denen Medikamente, psychosomatische und psychotherapeutische Strategien mit Ernährungsmedizin, mikrobiologischen Therapien und Naturheilverfahren kombiniert werden, haben eine gute Erfolgsrate«, sagt Bittel.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie e.V.

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag „Das Bauchhirn bei Menschen und Tieren„.

Stress vor der Geburt beeinflusst Altern und Krankheitsrisiko

Dienstag, März 13th, 2012

Stress in der Schwangerschaft kann negative Folgen für das Ungeborene haben, aber auch sein späteres Leben nachhaltig beeinflussen.

Wie sich Stress auf die Alterung des Gehirns und dessen Anfälligkeit für altersbedingte Erkrankungen (z.B. Schlaganfall) auswirkt, wird in einem von der Europäischen Union mit drei Millionen Euro geförderten Projekt untersucht. Forscher aus Europa und den USA prüfen, ob psychischer Stress, die Gabe von Stresshormonen bei drohender Frühgeburt oder Mangelernährung der Mutter die Verarbeitung von Stresssignalen im Gehirn des Kindes langfristig verändert. Zwei Forschungsgruppen des Leibniz-Instituts für Altersforschung in Jena sind am BrainAge-Projekt beteiligt.

Bereits während der Schwangerschaft bekommt das Ungeborene schon viel mit. Es nimmt Vibrationen, Licht und gedämpfte Geräusche wahr, merkt aber auch, ob seine Mutter glücklich oder stark gestresst ist. Beschleunigt sich z.B. der Herzschlag der Mutter oder steigt ihr Blutdruck an, dann kommt es zur vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen (Glucocorticoiden), die über die Nabelschnur auch an das Baby weitergegeben werden und bei ihm ebenfalls Stress hervorrufen. Aktuelle Studien zeigen, dass Störungen während der Schwangerschaft (pränataler Stress), wie psychischer Stress, Mangel- und Fehlernährung der Mutter oder die medikamentöse Einnahme von Stresshormonen (Cortison), den späteren Gesundheitszustand des heranwachsenden Menschen direkt beeinflussen und das Risiko für altersbedingte Krankheiten (z.B. Arteriosklerose, Diabetes, Demenz und Schlaganfall) erhöht. Im Mutterleib werden also bereits die Weichen für das weitere Leben gestellt und die Veranlagung für bestimmte Krankheiten geprägt.

Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena wollen nun – zusammen mit fünf europäischen Partnern in Deutschland, Belgien, Italien, Niederlande und Österreich und zusätzlich in den USA – untersuchen, wie sich Stress während der Schwangerschaft auf die Entwicklung des Gehirn auswirkt und welche Hinweise sich daraus auf die Alterung des Gehirns und dessen Anfälligkeit für alters-assoziierte Erkrankungen ergeben.

Die Forschergruppen untersuchen – vergleichend in verschiedenen Säugetierarten von Maus und Ratte über Pavian bis hin zum Mensch – den Einfluss von Cortison/Glucocorticoiden bei drohender Frühgeburt, psychischem Stress und Fehlernährung der Mutter während der Schwangerschaft auf das Altern der Nachkommen. Im Fokus steht dabei das Risiko des Nachwuchses, im Alter einen Schlaganfall zu erleiden.

„Diese vergleichende Betrachtung so unterschiedlicher Probandengruppen – von Frühchen über Senioren, die im Krieg zu Hungerszeiten geboren wurden, hin zu Nagetieren und Affen – ist einzigartig“, erklärt Dr. Jan P. Tuckermann vom FLI, “erlaubt sie uns doch so eine direkte Übertragung von Ergebnissen aus Tierexperimenten auf die Verhältnisse im Menschen.“ Seine Gruppe erforscht, wie körpereigene Glucocorticoide zum pränatalen Stress im Mutterleib mit beitragen und welche molekularen Mechanismen dabei eine Rolle spielen. Dazu untersuchen sie genetisch veränderte Mäuse mit eingeschränkter Glucocorticoid-Wirkung.

Die zweite Gruppe am FLI um Dr. Matthias Platzer, Leiter der Genomanalyse, untersucht, wie pränataler Stress die Genaktivität des Stresshormon-Rezeptors, den Glucocorticoid-Rezeptor (GR), beeinflusst. Dabei wird gezielt nach Änderungen im DNA-Methylierungsmuster (molekularer Schalter für die „Lesbarkeit“ und „Nicht-Lesbarkeit“ bestimmter Gen-Abschnitte) des GR-Gens geschaut.

„Mit dem BrainAge-Projekt wollen wir epigenetische Effekte von mütterlichem Stress auf die Erbanlagen ihrer Nachkommen identifizieren“, berichtet Dr. Platzer. „Wir untersuchen, ob die Veränderungen zwischen den verschiedenen Säugetierarten vergleichbar sind und ob sich daraus vielleicht sogar diagnostische Marker für uns Menschen ableiten lassen.“
Die zu erwartenden Ergebnisse werden dabei helfen, die molekularen Ursachen von vorgeburtlichem Stress besser zu verstehen und mögliche Risiken für altersbedingte Erkrankungen abzuleiten; ein wichtiger Punkt, um frühzeitig Maßnahmen zur Prävention einleiten zu können. Die beste Vorsorge ist jedoch, ungünstige Faktoren bereits während der Schwangerschaft völlig zu reduzieren.

„Wenn die Zeit im Mutterleib so wichtig für die Ausprägung von Veranlagungen für Gesundheit und Krankheit im späteren Leben ist, dann steht das im Widerspruch zu dem verzerrten Modebewusstsein und Schlankheitswahn während der Schwangerschaft oder dem psychischen Stress und Druck im Berufsleben, dem Schwangere in unserer Gesellschaft heute mitunter ausgesetzt sind,“ merken Platzer und Tuckermann dazu kritisch an.

Das internationale Forschungsprojekt BrainAge wird von Prof. Matthias Schwab vom Universitätsklinikum Jena (UKJ) koordiniert und von der Europäischen Union mit drei Millionen Euro gefördert. Davon stehen 627.000 Euro den beiden am Projekt beteiligten Gruppen des FLI unter Leitung von Dr. Matthias Platzer und Dr. Jan P. Tuckermann zur Verfügung, mit denen auch 2 neue Doktorandenstellen finanziert werden.

Quelle: Leibniz-Institut für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI)

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Immer mehr Migräne bei Kindern

Samstag, März 10th, 2012

Expertin: „Problem wird völlig übersehen“.

Wien (pte004) – Migräne und chronischer Kopfschmerz sind bei Kindern und Jugendlichen auf dem Vormarsch: Hatten in den 70er-Jahren nur 14 Prozent von ihnen Kopfschmerz-Erfahrung, sind es heute 60 bis 80 Prozent. Die Politik ignoriert das Thema völlig und es gibt kaum Behandlungszentren, warnen Experten.

„Kopfschmerz sieht man nur als Symptom, das durch Behandlung der grundlegenden Ursache ohnehin verschwindet. Das trifft auf akuten, nicht aber auf chronischen Kopfschmerz zu“, betont Çiçek Wöber-Bingöl, Leiterin des pädiatrischen Komitees der internationalen Kopfschmerz-Gesellschaft http://ihs-headache.org, am 16. Internationalen Wiener Schmerzsymposium.

Gefahr aus dem Eistee

Meist tritt Kopfschmerz bei Kindern gemeinsam mit Infekten auf, zunehmend jedoch auch als Migräne, an der drei bis fünf Prozent der Unter-Zwölfjährigen leiden, in der Pubertät bei Knaben sieben und bei Mädchen zwölf Prozent. Zu den Auslösern zählen zu wenig oder zu viel Schlaf, fehlendes Trinken, das Auslassen von Mahlzeiten, Schulstress, Ängste und Familienprobleme. „Vermutlich stehen Stress, Scheidungen und prekäre materielle Verhältnisse wesentlich hinter diesem Anstieg“, schätzt Wöber-Bingöl, die zugleich an der Wiener Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie die Kopfschmerzambulanz leitet.

Einige der gängigen Annahmen über Kopfschmerz-Verursacher sind schlichtweg falsch, so die Neurologin gegenüber pressetext. „Bei manchen Kindern tritt Spannungskopfschmerz immer dann auf, wenn sie zuvor Süßigkeiten oder Obstsalat verzehrt haben. Der Auslöser des Kopfwehs ist hier wohl die Unverträglichkeit bestimmter Inhaltsstoffe, nicht etwa der Heißhunger. Auch der oft überbordende Konsum von Eistee spielt eine Rolle. Die Eltern übersehen, dass die Kinder darin viel Teein konsumieren, das wie Koffein wirkt.“ Teils stecken hinter Kopfweh jedoch auch nicht erkannte Seh-, Lese- oder Lernstörungen.

Lebensstil überprüfen

Um solche Verursacher auszuschließen, muss der Arzt in der Anamnese sehr präzise vorgehen – „nicht nach Routineplan, sondern altersadaptiert und unter Berücksichtigung der Sorgen und Ängste der Eltern“, wie Wöber-Bingöl betont. Kindliche Migräne ist oft von Erbrechen, Bauchschmerzen oder Schwindel begleitet. Warnsignale bei Kleinkindern sind, wenn sie nicht mehr spielen, sich zurückziehen und hinlegen, zudem auch wiederholte Blässe oder Weinerlichkeit. Ist eine bildgebende Abklärung nötig, rät die Expertin zur MRT – aus Gründen des Strahlenschutzes, der Ergebnis-Genauigkeit und da die Eltern dabei sein können.

Die Migränetherapie muss bei der Aufklärung der Kinder und ihrer Eltern ansetzen, um typische Auslöser im Alltag zu vermeiden und den Lebensstil anzupassen. Wichtig sind hier etwa die Einschränkung von Teein und Koffein, regelmäßiges Trinken und Mahlzeiten, Verzicht auf Elektronik eine halbe Stunde vor dem Bettgehen, genügend Lernpausen und Abbau von Stressmomenten. „Ein Kind braucht morgens vom Aufstehen bis zum Verlassen der Wohnung 40 Minuten. Sind es immer nur 15 Minuten, ist der Effekt ähnlich wie wenn man ein Auto ständig von null auf 200 km/h beschleunigt“, sagt Wöber-Bingöl.

Besser ohne Medikamente

Bei Anzeichen einer Migräneattacke sollten Kinder von Reizen abgeschirmt werden und sich in ruhiger, abgedunkelter Umgebung hinlegen. Medikamente wirken im Grundschulalter aufgrund der kurzen Dauer der Attacken überhaupt nicht, viel besser sei Entspannen und Ablenken „Allein dadurch gelinge es bei drei von vier Kindern mit mehr als drei Kopfschmerzattacken pro Woche, die Häufigkeit auf eine Attacke in zwei Monaten zu reduzieren. Es ist wichtig, das Problem in der Kindheit und Jugend zu erkennen und Betroffene vorzubereiten, etwa was den richtigen Umgang mit Medikamenten betrifft. Sonst nehmen sie den Kopfschmerz ins Erwachsenenalter mit“, betont die Wiener Kopfschmerz-Spezialistin.

Quelle: pressetext.com

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Krebs in Deutschland

Dienstag, Februar 21st, 2012

Nach einer aktuellen Schätzung des Robert Koch-Instituts sind im Jahr 2008 rund 470.000 Menschen in Deutschland neu an Krebs erkrankt, das sind 70.000 bis 80.000 mehr als zehn Jahre zuvor. Für das Jahr 2012 rechnet das Robert Koch-Institut mit knapp 490.000 Erkrankungen.

Der wesentliche Grund für den Anstieg ist die zunehmende Zahl älterer Menschen, da die meisten Krebserkrankungen in höherem Alter auftreten. Hinzu kommt ein erwarteter Anstieg beim Brustkrebs in der ersten Phase des bundesweiten Mammographie-Screening-Programms. Brustkrebs macht bei den Frauen etwa ein Drittel aller Fälle aus, bei den Männern ist Prostatakrebs mit einem Anteil von etwa 25% nach wie vor die häufigste Krebsart. Hochgerechnet auf 2012 leben in Deutschland etwa 1,4 Millionen Menschen, bei denen die Diagnose Krebs innerhalb der letzten fünf Jahre gestellt wurde.

Durch die Therapiefortschritte ist der Anteil der Todesfälle unter den Krebspatienten weiter gesunken. Vor 1980 starben mehr als zwei Drittel an ihrer Krebserkrankung, heute sind es weniger als die Hälfte.
Im Zentrum für Krebsregisterdaten des RKI werden die Daten der Landeskrebsregister auf Bundesebene zusammengeführt, qualitätsgeprüft und ausgewertet. Gemeinsam mit der Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) veröffentlicht das RKI alle zwei Jahre den Bericht „Krebs in Deutschland“. Die 8. Auflage enthält wie gewohnt einleitende Kapitel, unter anderem zur Krebsregistrierung, zur Methodik sowie zur zusammenfassenden Darstellung und Einordnung der Ergebnisse. Danach folgt auf je zwei Doppelseiten ein Überblick über die epidemiologische Datenlage zu den wichtigsten Krebserkrankungen, erstmals auch zu Leberkrebs, zu Krebserkrankungen der Gallenblase und Gallenwege sowie zum Plasmozytom (eine Form von Blutkrebs). Die Krebserkrankungen im Kindesalter werden in einem eigenen Kapitel dargestellt.

Krebsregister sind unverzichtbar, etwa für die Suche nach Ursachen von Krebs, für Aussagen zu Überlebensaussichten, als Planungsgrundlage für die onkologische Versorgung oder für die Evaluation von Früherkennungsprogrammen, wie das Mammographie-Screening. Durch das 2009 in Kraft getretene Bundeskrebsregisterdatengesetz sind deutliche Fortschritte in der Analyse und Darstellung des Krebsgeschehens erreicht worden. So sind die Bundesländer seither verpflichtet, dem Robert Koch-Institut flächendeckende und vollzählige Daten aus den Landeskrebsregistern zu übermitteln. Für die aktuelle Ausgabe konnte das Robert Koch-Institut erstmals auf Daten zurückgreifen, die auf der Grundlage des neuen Gesetzes geliefert wurden.

Bislang können die bundesweiten Neuerkrankungszahlen nur geschätzt werden. Die Datengrundlage für die Schätzung hat sich in den letzten Jahren stetig verbessert. Zählen statt Schätzen wird allerdings erst möglich, wenn aus allen Bundesländern flächendeckende und ausreichend vollzählige Daten zu allen Krebslokalisationen übermittelt werden. Für 2008 liegen in Deutschland bereits für eine Bevölkerung von mehr als 50 Millionen Einwohnern belastbare Daten zu Krebsneuerkrankungen vor.
„Krebs in Deutschland“ kann kostenlos bei RKI, GEKID oder den Landeskrebsregistern bestellt werden und ist im Internet unter http://www.krebsdaten.de abrufbar. Das Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut erweitert derzeit das Informationsangebot zum epidemiologischen Krebsgeschehen, insbesondere mit einer überarbeiteten Internetpräsenz.

Quelle: Robert Koch-Institut

siehe auch „Leitfaden für eine naturheilkundliche Brustkrebstherapie“ 

Jeder Schritt zählt: Müßiggang kann Diabetes-Folgen noch verstärken

Dienstag, Februar 21st, 2012

Studie von Sportmedizinern der Uni Münster ergab: Patienten mit peripherer Neuropathie bewegen sich viel zu wenig.

Betroffene beschreiben es als Kribbeln, Stechen oder taubes Gefühl in den Füßen. Von einer peripheren Neuropathie sind zwischen zehn und 20 Prozent aller Diabetiker betroffen. Die Ursache: Durch den dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel werden die Empfindungsnerven geschädigt.

Bewegung ist bekanntlich ein ideales Mittel, um Glukose im Blut abzubauen. „Doch je schwerer ihre Symptome sind, desto inaktiver werden die Patienten“, bedauert Prof. Dr. Klaus Völker, Direktor des Instituts für Sportmedizin der Universität Münster. Seine Feststellung beruht auf einer kürzlich an dem Institut abgeschlossenen Untersuchung.

In Zusammenarbeit mit einer diabetologischen Schwerpunktpraxis führten die Wissenschaftler eine Studie mit insgesamt 73 Testpersonen durch. Die Hälfte davon litt an einer mehr oder weniger starken peripheren diabetischen Neuropathie. Der Schweregrad der Erkrankung wurde mit einem standardisierten Test gemessen: Dabei üben die Wissenschaftler mit verschiedenen, immer dünneren Nylonfäden an bestimmten Stellen des Fußes so weit Druck aus, bis der starre Faden sich biegt. Abhängig davon, welche Fadenstärke der Patient noch spürt, kann bestimmt werden, ob bei ihm die Erkrankung leicht, mittelschwer oder bereits schwer ausgeprägt ist. Als weiteres diagnostisches Instrument kam eine Kraftmessplatte zum Einsatz. Während der Patient auf ihr steht, werden seine Bewegungsschwankungen aufgezeichnet. „Eine schwere Neuropathie beeinträchtigt zugleich den Gleichgewichtssinn. Dadurch erhöht sich die Sturzgefahr“, warnt der Sportmediziner. Anschließend erhielten alle Teilnehmer einen Schrittzähler, mit dem eine Woche lang ihre Alltagsaktivität gemessen wurde.

Das Ergebnis: „Die Patienten mit schwerer Neuropathie waren fast zwei Drittel des Tages völlig inaktiv. Beim Rest der Zeit maßen wir eine nur leichte Aktivität“, berichtet Prof. Völker. „Die Betroffenen sitzen zu viel. Dabei geht es nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern zunächst einmal darum, die Bewegungsangebote, die der Alltag bietet, auch zu nutzen.“

Also: öfter spaziergehen und den Aufzug links liegen lassen. Die gemessenen 5.000 Schritte am Tag seien zu wenig, betont der Experte. Zwischen 7.500 und 10.000 sollten es auf jeden Fall sein. Völker empfiehlt Diabetikern darüber hinaus das Walken oder Schwimmen in einer Gruppe, aber auch ein moderates Krafttraining gehe in Ordnung. Da Diabetes mit einer erhöhten Gefährdung des Herz-Kreislauf-Systems einhergeht, sollten die Patienten jedoch keinesfalls ohne vorherige ärztliche Untersuchung und Beratung mit dem Training beginnen. „In speziellen Diabetes-Sportgruppen werden zudem die sensomotorischen Fähigkeiten trainiert. So dienen Übungen zum Ertasten von verschiedenen Untergründen dazu, den Gleichgewichtssinn zu schulen. Dadurch wird die Sturzgefahr vermindert“, so der Sportmediziner. In Münster bieten Vereine wie der „Verein für Gesundheitssport und Sporttherapie“ spezielle Sportkurse für Diabetiker an; Auskunft erteilt auch der Stadtsportbund.

Quelle: Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

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Neuer Body-Adiposity-Index (BAI) ist nicht aussagekräftiger als altbekannter Body-Mass-Index (BMI)

Dienstag, Februar 21st, 2012

Potsdam-Rehbrücke – Unter Führung von Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke und Norbert Stefan von der Medizinischen Klinik IV der Universität Tübingen haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) verschiedene Methoden zur Einschätzung des Körperfettanteils miteinander verglichen.

Nach den aktuellen Ergebnissen ist eine Messung des Taillenumfangs besser geeignet, den prozentualen Körperfettanteil abzuschätzen, als der neue Body-Adiposity-Index (BAI), der in der Studie auch dem Body-Mass-Index (BMI) nicht überlegen war. Auch das Diabetes-Risiko lässt sich laut Studie präziser anhand des Taillenumfangs beurteilen.

Das Wissenschaftlerteam veröffentlichte nun seine Daten in der Fachzeitschrift Diabetologia (M. Schulze et al., 2012; DOI: 10.1007/s00125-012-2499-z).
Erst im letzten Jahr hatten amerikanische Forscher die neue Gleichung* für den BAI entwickelt, der dazu dienen soll, den prozentualen Körperfettanteil einfach, preiswert und genau abschätzen zu können. Der neue Index berücksichtigt neben der Körperlänge den Hüftumfang einer Person. Mittlerweile hat der BAI weltweit viel Aufmerksamkeit bekommen und wird von vielen Mitarbeitern im Gesundheitswesen verwendet, um die Körperfettmasse zu beurteilen, in der Annahme, dass er aussagekräftiger sei als der BMI.

Da bislang nur wenige wissenschaftliche Daten zum BAI vorliegen, verglichen die Forscher um den Ernährungsepidemiologen Matthias Schulze und den Mediziner Norbert Stefan die Aussagekraft des neuen Index mit der Aussagekraft von Hüftumfangs- und Taillenumfangs-Messungen sowie der Aussagekraft des BMI. Hierfür nutzten sie die Daten von 138 männlichen und 222 weiblichen Studienteilnehmern des „Tübinger Lebensstil-Interventions-Programms“ (TULIP), von 9.729 Männern und 15.438 Frauen, die an der Potsdamer European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC)-Studie teilnehmen, sowie von 5.573 männlichen und 5.628 weiblichen Teilnehmern der „Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg“ (KORA)-Studie. Die gemeinschaftliche Nutzung der drei großen Studien ist vor allem durch die enge Zusammenarbeit im Rahmen des DZD möglich geworden.

Als Goldstandard für den Vergleich der verschiedenen Messmethoden dienten Magnet-Resonanz-Tomographie-Messungen, die den Körperfettanteil sehr genau bestimmen und von der Arbeitsgruppe um Fritz Schick im Rahmen der Tübinger Studie durchgeführt worden waren.

„In der aktuellen Studie konnten wir zeigen, dass der BAI dem altbekannten BMI bei der Einschätzung des prozentualen Körperfettanteils nicht überlegen ist und der BMI sogar in einer engeren Beziehung zur Körperfettverteilung steht als der BAI“, sagt Matthias Schulze. „Insbesondere bei männlichen Studienteilnehmern war die Einschätzung des prozentualen Körperfettanteils mit Hilfe des BAI ungenau.“ Auch bei der Bestimmung des Diabetes-Risikos der Studienteilnehmer sei der BMI dem BAI überlegen. Allerdings besaßen beide Indizes hinsichtlich der Diabetes-Risiko-Einschätzung eine geringere Aussagekraft als der gemessene Taillenumfang.

„Unserer Ansicht nach kommt der BAI somit nicht als Alternative zum BMI in Betracht. Das Messen des Bauchumfangs zusätzlich zum BMI ist dagegen sinnvoll“, sagt Norbert Stefan.

Hintergrundinformation:
– Die Formel für den Body-Adiposity-Index lautet: BAI = Hüftumfang in cm/(Körperlänge in m)1,5 – 18 = prozentualer Körperfettanteil
– Die Formel für den Body-Mass-Index lautet: BMI = Körpergewicht in kg/(Körperlänge in m)2 = prozentualer Körperfettanteil

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung e.V. (DZD).
Die Leibniz-Gemeinschaft vereint 86 Einrichtungen, die anwendungsbezogene Grundlagenforschung betreiben und wissenschaftliche Infrastruktur bereitstellen. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Einrichtungen rund 16.800 Menschen – darunter 7.800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – bei einem Jahresetat von insgesamt knapp 1,4 Milliarden Euro. Die Leibniz-Gemeinschaft zeichnet sich durch die Vielfalt der in den Einrichtungen bearbeiteten Themen und Disziplinen aus. Die Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft bewahren und erforschen das natürliche und kulturelle Erbe. Darüber hinaus sind sie Schaufenster der Forschung, Orte des Lernens und der Faszination für die Wissenschaft. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de.

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