Archive for the ‘Tiermedizin’ Category

Neue Hufrehe-Studie – Hohe Sterberate selbst bei trainierten Pferden

Mittwoch, Mai 25th, 2016

(aid) – Bisher zählten vor allem übergewichtige Ponys und wenig bewegte Freizeitpferde zu den potenziellen Kandidaten, an fütterungsbedingter Hufrehe zu erkranken. Doch inzwischen gelten auch gut trainierte Tiere als gefährdet, wie eine aktuelle Studie aus Dänemark belegt.

Hierfür untersuchten die Wissenschaftler insgesamt 110 Patienten mit tierärztlich festgestellter Hufrehe, von denen 41 an chronischer und 69 akut an Laminitis erkrankt waren sowie weitere 80 Tiere einer Kontrollgruppe ohne Hufrehe. Alle Pferde wurden über einen Zeitraum von einem Jahr beobachtet. Ziel der von der dänischen Veterinärin Nanna Luthersson und ihren Kollegen durchgeführten Analyse war die Ermittlung der Ursachen für das Auftreten und die Häufigkeit der Laminitis bei erstmalig erkrankten Pferden sowie die Beobachtung des Krankheitsverlaufs auch bei den chronischen Fällen über den Untersuchungszeitraum hinweg.

Die Studie lieferte einige interessante Ergebnisse: Einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen dem Geschlecht des Tieres und einer Entstehung der Hufrehe konnten die Wissenschaftler nicht feststellen. Sie bestätigt aber die Bedeutung der Weidegrasqualität und den Einfluss der Zucht respektive Rasse auf die Prävalenz von Hufrehe. Das Risiko einer solchen Erkrankung mit Todesfolge war vor allem für Pferde im mittleren oder moderaten Training höher als bei nicht in Arbeit stehenden Artgenossen.

Risikofaktoren sind die Aufnahme von hochkalorischen, energiereichen Leistungsgräsern und die Zugehörigkeit zu einer im Kaltbluttyp stehenden Pferderasse mit einem Stockmaß von weniger als 149 Zentimeter (z. B. Shetland-, Fell-, Welsh- oder Dartmoor-Ponys).

Andere Faktoren, wie das Gewicht des Tieres und die geschätzte Menge an aufgenommener Stärke, wurden nicht mit dem Auftreten der Krankheit in Verbindung gebracht.

Die Auswertung der Daten über den Verlauf der Erkrankung lieferte darüber hinaus ein besonders erschütterndes Resultat. 33 Prozent der Hufrehe-Patienten wurde innerhalb des zwölfmonatigen Untersuchungszeitraumes nach der Diagnose in Folge ihrer Laminitis-Erkrankung euthanasiert. In der Kontrollgruppe waren es im Vergleich nur 7,5 Prozent, die aus anderen Gründen eingeschläfert wurden.

Nach Aussage der Wissenschaftler legt der Befund die Vermutung nahe, dass die Besitzer der trainierten Pferde sich weniger tolerant gegenüber der Krankheitssituation zeigten. Es bestehe weniger Bereitschaft, die erkrankten Tiere zu therapieren bzw. am Leben zu erhalten.

Weitere Informationen: Journal of Equine Veterinary Science  (http://www.j-evs.com/article/S0737-0806(15)30012-5/abstract)

Quelle: Anke Klabunde, www.aid.de

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Invasion von Zellen durch pathogene Bakterien: Schlüssel zum Verständnis zur Herkunft der Eukaryote

Donnerstag, Februar 25th, 2016

Veröffentlichung in SCIENCE

Die Entstehung komplexer Zellen – sogenannter Eukaryoten – vor 2 Milliarden Jahren markierte einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der Lebewesen auf der Erde. Diese komplexen Zellen besaßen erstmals einen Zellkern, ein aufwändiges Membransystem und Energie-produzierende Organellen, sogenannte Mitochondrien, durch die die erfolgreiche Verbreitung der Algen, Pilze und schlussendlich auch des Menschen erst ermöglicht wurde. Wie aber kam es zu diesem Quantensprung in der Komplexität von Zellen?

Eine Gruppe aus amerikanischen, französischen und deutschen Wissenschaftler (um Prof. Dr. Andreas Weber) konnte nun einen Beitrag zur Beantwortung dieser Frage liefern. Die Arbeiten der beteiligten Forscher an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wurden durch das Excellenzcluster für Pflanzenwissenschaften (CEPLAS), dem neu gegründeten Sonderforschungsbereich zu Membransystemen (SFB 1208) und dem ausgelaufenen Transregio Endosymbiose (SFB TR 1) unterstützt. Die Frage nach der Entstehung von komplexen Zellen wurde lange Zeit kontrovers diskutiert, konnte jedoch schließlich größtenteils geklärt werden. Nach derzeitigem Wissensstand wurde unsere Erde zunächst von morphologisch einfachen prokaryotischen Lebensformen ohne Zellkern und Mitochondrium besiedelt. Prokaryoten werden in zwei Domänen eingeteilt, die Bakterien und Archaeen. Sie unterscheiden sich u.a. durch ihre genetische Ausstattung und die Art der Membranen, welche ihre Zellen umgeben.

Heutzutage gehen die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler davon aus, dass die Evolution von Eukaryoten aus prokaryotischen Vorfahren ein singuläres Ereignis war. Weitgehend Konsens herrscht weiterhin darüber, dass das Mitochondrium von einem alpha-Proteobakterium abstammt, das von einer Archaeen-Zelle aufgenommen wurde.

Zwei grundlegende Fragen bleiben aber: Wie konnte der Vorgänger des Mitochondriums von der Archaeen-Zelle aufgenommen werden und wie konnte er im gut geschützten Zytoplasma der Wirtszelle überleben?

Die Erkenntnisse einer schwedischen Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern lieferten kürzlich spannende Hinweise auf die Beantwortung dieser Fragen. Sie entdeckten eine neue Klasse der Archaeen, die mehr als 3000 Meter unter dem Meeresspiegel am Grunde des Nordpolarmeers entspringt und in der Nähe von heißen Quellen lebt. Diese sogenannten „Lokiarchaeota“ enthalten überraschenderweise Gene, die für den Prozess der Endozytose, also für die Aufnahme von Makromolekülen und vielleicht sogar ganzer Zellen aus der Umgebung benötigt werden. Diese Entdeckung liefert einen neuartigen Erklärungsansatz für ein langjähriges Rätsel: Wie konnte der Urahne der Mitochondrien Zugang zu der proto-eukaryotischen Zelle erhalten?

Wie nun die Gruppe aus amerikanischen, französischen und deutschen Wissenschaftlern in einer Perspektive im Magazin Science vorgeschlägt, könnte der mitochondriale Vorgänger in seinen zukünftigen Wirt einfach über einen Prozess ähnlich dem der Phagozytose unserer heutigen Eukaryoten (d.h. eine Zelle nimmt eine andere Zelle auf) eingedrungen sein. Wie aber konnte der Vorgänger im Inneren des Wirts überleben?

Weitere Hinweise hierzu kommen von Erkenntnissen aus alpha-Proteobakterien mit großen Genomen die außerhalb von Zellen leben, sich aber auch wie „Energieparastiten“ in Zellen verhalten können – ähnlich wie Rickettsia, der Verursacher von Typhus. Intrazelluläre bakterielle Pathogene wie die Vorfahren von Rickettsia und Clamydia, die auch heute noch den Menschen parasitieren, waren Neulinge in der Evolution der Lebewesen auf unserer Erde, da sie auf die Anwesenheit einer Phagozytose-Maschinerie angewiesen waren um in ihre Zielzelle einzudringen.
Weiterhin mussten sie sich gegen das angeborene Immunsystem der Wirtszellen verteidigen. Die intrazellulären bakteriellen Pathogene entwickelten molekulare Werkzeuge, so genannte Effektoren, um den Angriff durch die Abwehrmechanismen des Wirtes nach der Invasion zu verhindern.

Aus diesem Grund scheint es wahrscheinlich, dass an der Entstehung der Eukaryoten proto-Eukaryoten ähnlich den „Lokiarchaeota“ beteiligt waren, die über Phagozytose alpha-Proteobakterien aufgenommen haben, die das Abwehrsysteme des Wirts umgehen konnten. Über die Jahre hat sich der Wirt den Eindringling zu Nutze gemacht der schließlich zum Mitochondrium wurde.

Ein ähnliches, aber komplexeres Szenario wird von Ball et al. (2016) für die endosymbiontische Entstehung des Chloroplasten in Algen und Pflanzen vorgeschlagen, die sich etwa 1 Milliarde Jahre später vollzog.

In diesem Fall handelt es sich um eine komplexe Symbiose, bei der ein intrazelluläres pathogenes Bakterium aus der Ordnung der Chlamydiales und ein photosynthetisches Cyanobakterium gemeinsam in eine eukaryotische Wirtszelle eingedrungen sind. Das pathogene Bakterium ging schließlich verloren, nachdem es einige Schlüsselgene an den Wirt abgegeben hat, z.B. diejenigen für den photosynthestischen Kohlenstoff-Export und die Stärke-Gewinnung. Das Cyanobakterium wurde schließlich zu dem bemerkenswerten Zellorganell, welches nun den Eukaryoten ermöglicht, Sonnenlicht in Nahrung und Energie umzuwandeln.

Diese aktuellen Erkenntnisse legen nahe, dass es einen gemeinsamen Mechanismus gibt, durch den die Herkunft der eukaryotischen Organellen – der Mitochondrien und Chloroplasten – erklärt werden kann. Intrazelluläre pathogene Bakterien waren in beiden Fällen für die Entstehung der Organellen grundlegend. Im Falle des Mitochondriums war die Spenderzelle selbst ein Pathogen mit der Fähigkeit der Abwehr des Wirts zu entgehen. Im Fall der Chloroplasten ermöglichte das Pathogen das Eindringen des Cyanobakteriums und schützte es zunächst vor dem Immunsystem des Wirts, bis die Voraussetzungen zur Etablierung von Chloroplasten gegeben waren.

Publikation:  Steven G. Ball, Debashish Bhattacharya, and Andreas P. M. Weber. In the press. Pathogen to powerhouse: how did the precursors to the mitochondrion and the nucleus evade host defense? Science. [publication date Feb. 12, 2016]

Quelle: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

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Biofilme – Das Tauziehen der Bakterien

Dienstag, November 3rd, 2015

Mechanische Kräfte kontrollieren die Architektur von bakteriellen Biofilmen.

Biofilme lösen als bakterielle Rückzugsgebiete Probleme bei der Antibiotikabehandlung sowie bei der Reinigung von medizinischen Schläuchen aus und tragen zur Verbreitung von resistenten Krankheitserregern bei.

Ein Biofilm entsteht, wenn sich Bakterien an Oberflächen anheften und dort vermehren. Er kann – auch wenn ursprünglich aus einem einzelnen Bakterium entstanden – Zellen mit verschiedenen Eigenschaften entwickeln. Es ist jedoch nur wenig darüber bekannt, wie diese Heterogenität zur Strukturbildung solcher Biofilme beiträgt.

Kölner Biophysiker/innen der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Berenike Maier konnten nun zeigen, wie Unterschiede in der physikalischen Interaktion zwischen Bakterien zu einer Sortierung der Zellen führen und damit die Architektur von Biofilmen bestimmen. In ihrer Veröffentlichung in der Fachzeitschrift eLife zeigte ein Team um den Biophysiker Enno Oldewurtel, wie spezifische mechanische Kräfte den Schlüssel zur Struktur in Biofilmen bilden.

Bakterien mit unterschiedlichen Oberflächenstrukturen organisierten sich dabei wie beim Tauziehen: Die Zellen bewegten sich in die Richtung, in der sie die stärkste Kraft zu anderen Bakterien aufbauen konnten.
Das Bakterium Neisseria gonorrhoeae kontrolliert die Wechselwirkung zwischen den Zellen durch sogenannte Pili. Diese stäbchenartigen Strukturen wirken wie Enterhaken zwischen den Zellen: Pili verschiedener Zellen verhaken sich und verkürzen sich anschließend. Hierdurch wirken zwischen den Bakterien mechanische Kräfte. Mittels gezielter genetischer Modifikationen gelang es dem Forschungsteam, den Grad der Verhakung und damit die Wechselwirkungskräfte zwischen den Zellen zu steuern. Diese Kräfte wurden mit Methoden der Nanotechnologie gemessen. Mischt man nun Bakterien, die unterschiedlich stark miteinander wechselwirken, so sortieren sich die Zellen nach den mechanischen Kräften, die sie aufeinander ausüben.

Die unterschiedliche mechanische Interaktion kann also die Architektur von Biofilmen bestimmen. Ähnliche Mechanismen sind bereits für die Trennung von Zellen in der embryonalen Entwicklung bekannt. Die Arbeit deckt damit eine grundlegende Gemeinsamkeit der Entwicklungsprozesse von Biofilmen und Embryonen auf: Differentielle physikalische Wechselwirkungen zwischen den Zellen sind für die Sortierung wichtig. Für die Zukunft lautet nun die Frage, inwieweit diese Zellsortierung die Widerstandsfähigkeit des Biofilms gegenüber äußeren Einflüssen stärkt.

Originalveröffentlichung:
Enno R. Oldewurtel, Nadzeya Kouzel, Lena Dewenter, Katja Henseler, Berenike Maier (2015). Differential interaction forces govern bacterial sorting in early biofilms. eLife, DOI 10.7554/eLife.10811

Quelle: Universität zu Köln (siehe hierzu auch den Beitrag „Bakterielle Biofilme im lebenden Organismus„)

Pferden auf den Zahn gefühlt – Bodennahe Fütterung wichtig für Zahngesundheit

Mittwoch, September 9th, 2015

(aid) – In der freien Natur verbringen wilde oder verwilderte Pferde viel Zeit mit der Aufnahme von Futter – bis zu 18 Stunden am Tag sind sie damit beschäftigt, eine Vielzahl an Futterpflanzen zu fressen. Obwohl sie häufig ihre Köpfe heben, um potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen, grasen und kauen sie fast ausschließlich mit gesenkter Kopfhaltung.

Domestizierte Pferde – vor allem diejenigen, die viel Zeit in ihren Stallungen verbringen – leben ein wesentlich anderes Leben. Dafür erhalten sie nicht selten große Mengen an energiereichem Getreide, für deren Verwertung nur wenig Zeit erforderlich ist. Das Raufutter wird in Netzen angeboten; zumeist weit über dem Boden platziert. Diese verschiedenen Futterarten, die oft wenig kauintensiv sind und bei physiologisch ungünstiger Kopfhaltung aufgenommen werden, stellen die drei Hauptfaktoren für Zahnprobleme in der modernen Pferdehaltung dar.

Die zwei Paar Schneidezähne im Maul eines Pferdes sind messerscharf und sind dazu da, die Pflanzenhalme zu erfassen und abzureißen. Im hinteren Bereich des Kiefers befinden sich die flacheren Mahlzähne, die Prämolaren (Vormahlzahn) und Molaren. Diese Backenzähne zermahlen die Nahrung durch seitliche Kieferbewegungen. Aufgrund des deutlich schmaleren Unterkiefers ist eine Seitwärtsbewegung erforderlich, damit die Abnutzung der oberen Molaren gleichmäßig erfolgt. Zähne, die nicht ebenmäßig abgenutzt werden, können Haken, Spitzen und Kanten entwickeln.

Das Futter wilder Pferde scheint oftmals gröber zu sein und deutlich längere Mahlbewegungen zu erfordern. Freilebende Equiden, wie Zebras und Przewalski-Pferde, weisen deutlich weniger ausgeprägte laterale Zahnspitzen auf als Hauspferde. Der Grund hierfür ist das häufig strukturarme Futterangebot, das schneller und mit einem deutlich geringeren Kieferausschlag sowie niedrigerer Kaufrequenz konsumiert wird.

Diese Ernährungsform der Pferde erfordert daher eine regelmäßige Zahnbehandlung, um die Haken und Kanten zu eliminieren. Im Laufe der Zeit bewirkt die Fütterung von Heu und Getreide aus erhöhten Krippen und Netzen eine unnatürliche Kopfhaltung und hat damit ebenfalls Einfluss auf einen ungleichmäßigen Zahnverschleiß.

Für die Mehrzahl der domestizierten Pferde ist ein Fütterungsmanagement nach dem Modell ihrer wilden Artgenossen nicht immer und dauerhaft umsetzbar – auch wenn das vielleicht zu weniger Zahnproblemen führen würde. Daher sollten die Zähne der Hauspferde mindestens ein- oder zweimal im Jahr überprüft und notwendige Zahnkorrekturen vorgenommen werden. Auf erhöhte Futtertröge und -tische hingegen sollte verzichtet und sowohl Rau- als auch Kraftfutter grundsätzlich nur bodennah verfüttert werden.

Quelle: Anke Klabunde, http://www.aid.de/

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Koppen hilft den Pferden beim Stressabbau

Mittwoch, August 12th, 2015

(aid) – Bisher gilt Koppen bei Pferden als Verhaltensanomalie, ist bei Besitzern solcher Tiere wenig beliebt und wird daher zumeist mit mehr oder minder drakonischen Maßnahmen bekämpft. Doch nun muss die Pferdewelt wohl umdenken, denn eine Studie von Agroscope, der Universitäten Neuenburg und Bern sowie der ETH Zürich kam zu einem erstaunlichen Ergebnis: Tiere mit dieser Verhaltensstörung reagieren zwar empfindlicher und stärker auf Stress, scheinen den Stress aber über das Koppen auch besser abbauen zu können.

Beim Aufsetzkoppen setzt ein Pferd seine oberen Schneidezähne auf einen festen Gegenstand auf, wie etwa den Rand einer Krippe („Krippensetzer“) oder der Boxentür. Dabei wird der Hals stark gebogen. Durch das Anspannen der unteren Halsmuskulatur wird der Schlundkopf geöffnet, woraufhin Luft in die Speiseröhre dringt. Dabei entsteht in der Regel ein rülpsendes Geräusch. Einige Pferde erfassen den Gegenstand auch mit den Zähnen, andere kommen ganz ohne solche „Hilfsmittel“ aus – sie sind in der Lage, allein durch eine ruckartige Bewegung mit dem Kopf zu koppen. Diese und andere Stereotypen treten ausschließlich bei nicht frei lebenden Tieren auf.

Dabei weisen die sich wiederholenden, ständig gleichbleibenden Handlungen ohne ersichtliches Ziel nicht selten einen zwanghaften Charakter auf. Diese Form des Hospitalismus ist oftmals die Folge von Dauerstress, der meist durch eine nicht artgerechte Haltungsform und die damit verbundene schlechte Lebensqualität begründet ist. Eine genetische Disposition, Langeweile und eine nicht ausgewogene Fütterung, aber auch häufige Konfliktsituationen gelten als mögliche Auslöser dieses krankhaften Verhaltens.

Eine erst kürzlich veröffentlichte Studie untersuchte die physiologische Antwort auf Stress von koppenden und nicht verhaltensauffälligen Vergleichspferden. Dazu verwendeten die Wissenschaftler einen Hormon-Stimulationstest, den sie bei 22 koppenden und 21 Tieren einer Kontrollgruppe durchführten. Den Pferden wurde dabei eine proportional zum Körpergewicht dosierte, synthetische Variante des Hormons ACTH (adrenocorticotropes Hormon) gespritzt, das wie in einer tatsächlichen Stress-Situation die Freisetzung des Stresshormons Kortisol stimuliert. Dieser Test erlaubt die Messung einer physiologischen Stressreaktion auf einen standardisierten Auslöser, ohne dass die Pferde sich dessen bewusst wären.

Im Ergebnis zeigte die Untersuchung einen deutlich höheren Kortisol-Gehalt im Speichel koppender Pferde als bei den Tieren der Vergleichsgruppe. Ein weiteres Phänomen beeindruckte die Wissenschaftler: Die sieben Kopper, die während des dreistündigen Tests gerade nicht koppten, wiesen einen noch höheren Kortisol-Wert auf.

Kopper reagieren deutlich sensibler und stärker auf Stress als andere Pferde. Allerdings scheint diese Verhaltensanomalie auch eine Strategie zu sein, um besser mit Stress umgehen zu können. Pferde am Koppen zu hindern, scheint daher eine kontraproduktive Maßnahme im Kampf gegen die Verhaltensstörung zu sein. Vielmehr sollten Pferdebesitzer zu einer Verbesserung der Lebensqualität ihrer koppenden Vierbeiner beitragen, so die Empfehlungen der Schweizer Wissenschaftler.

Quelle: Anke Klabunde, http://www.aid.de/

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Antibiotikaresistenz: Ökosystem dient als Speicher

Dienstag, Juli 21st, 2015

Untersuchungen am Lago Maggiore liefern wissenschaftlichen Nachweis.

Verbania (pte012) – Krankheitserregende Bakterienstämme können je nach den Bedingungen ihres natürlichen Habitats eine mehr oder weniger starke Antibiotikaresistenz entwickeln. Das hat das zum Nationalen Forschungsrat CNR gehörende Istituto per lo Studio degli Ecosistemi http://www.ise.cnr.it in seiner neuesten Studie zur Resistenz gegen Antibiotika herausgefunden.

Gefahr von Pandemien

Der massive und unkontrollierte Einsatz von Antibiotika hat in vergangener Zeit zu einem deutlichen Anstieg der durch resistente Bakterien ausgelösten Todesfälle geführt. Dadurch entstehen den nationalen Gesundheitsdiensten jedes Jahr hohe Kosten. Es besteht die Gefahr, dass sich in Europa nicht mehr bekämpfbare Pandemien ausbreiten.

„Die genaue Kenntnis unserer natürlichen Umgebung ist sehr wichtig, da die gegen Antibiotka resistenten Bakterien sich nicht nur in ihr entwickeln, sondern auf Dauer einer Selektion unterliegen und somit eine erhöhte Widerstandsfähigkeit bilden“, so Projektleiter Andrea Di Cesare. Sie biete den richtigen Weg, um die Wirksamkeit neuer Antibiotika und den sinnvollen Gebrauch bestehender Antibiotika sicherzustellen.

Bisherige Waffen nutzlos

Das natürliche Habitat der patogenen Keime kann zur Verminderung der Wirksamkeit einer Antibiotika-Behandlung beitragen. Im Rahmen einer zweijährigen Untersuchung in den Wassern des Lago Maggiore wurden verschiedene Bakterienarten in Korrelation mit ökologischen und mikrobiologischen Variablen gestellt. Dabei hat sich gezeigt, dass sich dort ein großer Bestand an Bakterienstämmen gebildet hat, die gegen bisher weit verwendete Antibiotika wie Tetrazykline und Solfonamide resistent sind.

Dies gilt laut den Forschern auch für Beta-Laktame und Aminoglykoside, die keinen direkten Zusammenhang mit bestimmten Umweltfaktoren aufweisen. Einzelheiten der wissenschaftlichen Untersuchung sind in der Fachzeitschrift „Molecular Ecology“ http://onlinelibrary.wiley.com unter dem Titel „Constitutive Presence of Antibiotic Resistance Genes within the Bacteria Community of a large Subalpine Lake“ veröffentlicht.

Quelle: pressetext.com

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Gehölzfutter ist nicht nur Knabberspaß für Pferde

Mittwoch, Juli 15th, 2015

(aid) – Eine alte Bauernweisheit sagt: „Ist das Pferd krank, schick‘ es in den Wald!“ Was früher noch selbstverständlich war, wird heute nur noch in den seltensten Fällen praktiziert – wenn überhaupt. Denn die Bedeutung von Gehölzen in der Pferdefütterung wird häufig unterschätzt, obwohl Pferde einen bestimmten Anteil ihrer Futtergrundlage durch Laub und frische Triebe decken könnten. In freier Wildbahn und bei den wild gehaltenen Vierbeinern in den Naturschutzgebieten ist eine Mischbeweidung von Gräsern, Kräutern, Bäumen und Buschwerk durchaus typisch. Die wilden Artgenossen der domestizierten Hauspferde überleben ohne die Zugabe von Mineralfutter, decken ihren Bedarf an Spurenelementen und Mineralstoffen also aus der Natur.

Schon 2002 fanden Wissenschaftler im Rahmen einer Studie heraus, dass die Menge der Elemente Calcium, Kalium und Phosphor in den Baumrinden der im Gras oder Heu vergleichbar ist, jedoch der Anteil an Spurenelementen in den Rinden ungleich höher. Die Rinden von Bäumen, Büschen, Sträuchern und Hecken sind außerdem reich an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen und weisen hohe Rohprotein- und Energiewerte auf.

Zahlreiche Bäume und Büsche sind für die Verwendung in der Pferdefütterung durchaus geeignet:
So enthalten Birkenblätter einen hohen Anteil an Calcium und Zink. Sie wirken leicht desinfizierend und erhöhen die Harnausscheidung. Brombeerblätter werden von den Vierbeinern besonders gern verzehrt: Sie enthalten viel Mangan, Kalium und Calcium. Die in den Blättern enthaltenen Gerbstoffe können bei Kotwasser und Durchfällen die Schleimhäute im Magen und Darm positiv beeinflussen. Brombeerblätter sind ganzjährig verfügbar und können aufgrund ihrer keimhemmenden und antiviralen Wirkung durchaus regelmäßig verfüttert werden. Die Blätter der Himbeere sind Eisen- und Manganhaltig. Ihr Einsatzgebiet ist vergleichbar dem von Brombeerblättern, zusätzlich entfalten sie ihre positive Wirkung als kleiner Helfer in der Geburtsvorbereitung: Sie stärken die Wehenmuskulatur, wirken entspannend und krampflösend.

Magnesium, Eisen und Zink liefert die Erle. Auch ihre Rinde ist gerbstoffreich und kann innerlich wie äußerlich – letzteres beispielsweise bei Ekzemen und schlecht heilenden Wunden – angewendet werden. Die Haselnuss verfügt in den Blättern und in der Rinde über einen hohen Gehalt an Eisen, Mangan und Calcium. Ihre Knospen, die sogenannten „Kätzchen“, enthalten viele Aminosäuren. Sie ist bekannt für ihre blutungsstillende Wirkung.

Die Heckenrose mit ihren reifen Hagebutten ist besonders beliebt bei den Vierbeinern. Ihre Früchte sind reich an Vitamin C und K1, dem B-Komplex sowie ß-Carotin. Aufgrund ihrer entzündungshemmenden und gefäßerweiternden Wirkung sorgen sie für eine gute Durchblutung, mindern Beschwerden in den Gelenken und fördern das Hufwachstum. Viel Eisen und Mangan enthalten auch die Rinde und die Blätter der Linde. Beide Baumbestandteile wirken krampflösend, während die Blüten als klassisches Mittel gegen Erkältungskrankheiten gelten.

Die Weide mit ihren vielen verschiedenen Arten gilt als schmerzlindernd und blutverdünnend. Blätter, Blüten und Rinde weisen einen hohen Gehalt an Selen, Zink und Mangan auf – aber auch Salicylate, einer Vorstufe der in Schmerzmitteln enthaltenen Acetyl-Salicylsäure. Die natürlichen Salicylate werden erst im Darm aufgenommen und in der Leber in Acetyl-Salicylsäure verstoffwechselt. Auf diese Weise kann die Weide ihre volle Wirkung entfalten, ohne die Magenschleimhaut anzugreifen – wie das nicht selten bei synthetisch hergestellten Schmerzmitteln zu beobachten ist.

Diese und weitere „pferdegerechte Pflanzen“ bieten daher nicht nur unter dem Aspekt von Artenvielfalt und Naturschutz einen echten Mehrwert, sie stellen auch eine preiswerte, weil oftmals allseits verfügbare Basis einer gesunden, nachhaltigen Ernährung dar – nicht nur wilden Kollegen unserer Hauspferde.

Quelle: http://www.aid.de

Weitere Informationen:  aid-Heft „Pferdefütterung“, Bestell-Nr. 1592, Preis: 4,00 Euro, www.aid.de/shop/shop_detail.php?bestellnr=1592

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Antibiotikaresistenzen können sich in der Umwelt weiter ausbreiten

Freitag, Juli 10th, 2015

Kernaussagen des dritten internationalen EDAR-Symposiums (EDAR = The Environmental Dimension of Antibiotic Resistance), das sich mit den Verbreitungswegen von Antibiotikaresistenzen und ihrem Vorkommen in der Umwelt beschäftigte. Das EDAR-3 Symposium fand Ende Mai mit insgesamt 155 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 30 Ländern aller Kontinente in Wernigerode/Harz statt.

„Global steigt der Einsatz von Antibiotika in Humanmedizin und Tierhaltung noch immer. Dies verstärkt die Gefahr der Entstehung von Bakterien mit übertragbaren Resistenzen gegen diese Wirkstoffe nicht nur in Krankenhäusern und Tierställen, sondern auch in der Umwelt“, so ein Fazit der EDAR-3 Tagung „The Environmental Dimension of Antibiotic Resistance“ Ende Mai 2015. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten in Wernigerode/Harz an fünf Tagen ihre aktuellen Forschungsergebnisse vor und diskutierten deren Auswirkungen. Sie stimmten darüber überein, dass es Verbindungen zwischen der Antibiotikaresistenzen in der Umwelt und Resistenzen von klinischen Pathogenen gibt, die es genauer zu erforschen gilt. Eingeladen hatte zu dieser dritten Tagung Prof. Dr. Kornelia Smalla vom Julius Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig. Die organisatorische Abwicklung des EDAR-Kongresses lag in den Händen der Conventus GmbH, Jena.

Bekannt ist, dass ein wiederholter Einsatz von Antibiotika zu Resistenzen führen kann. Auch, dass Menschen und Tiere Antibiotika zum großen Teil wieder ausscheiden, die zusammen mit bereits antibiotikaresistenten Bakterien über Abwasser und Gülle in die Umwelt gelangen können, ist gut dokumentiert. Die Fähigkeiten von Bakteriengemeinschaften, sich an den Selektionsdruck durch Antibiotika anzupassen, werden derzeit intensiv erforscht. So spielen Prozesse, die unter dem Begriff „Horizontaler Gentransfer“ zusammengefasst werden, eine wichtige Rolle: Bakterien tragen mobile genetische Elemente, z. B. sogenannte Plasmide, mit denen sie genetische Informationen untereinander austauschen können. Diese mobilen Elemente können nicht nur ein Gen tragen, das zum Beispiel die Resistenz gegen ein bestimmtes Antibiotikum vermittelt, sondern auch gleichzeitig weitere Gene, die die Bakterien beispielsweise gegen andere Antibiotika, Desinfektionsmittel oder Metallverbindungen resistent machen. Dies führt zu Problemen, die als Ko-Selektion bezeichnet werden. Mehrere Experten referierten, dass Antibiotika, die vor allem in der Tierhaltung genutzt werden, bei Bakterien auch Resistenzen gegen andere Antibiotika „ko-selektieren“ können, die für die Humantherapie von Bedeutung sind.

Welche Antibiotika in verschiedenen Umweltbereichen, z. B. im Boden, auftreten und wie sie persistieren, wird wesentlich von ihrer chemischen Struktur bestimmt. In diesem Forschungsfeld arbeitete das Julius Kühn-Institut im Rahmen der DFG-Forschergruppe 566. Stellvertretend stellte Dr. Jan Siemens (Universität Bonn) vor, dass an die Bodenmatrix gebundene Antibiotika aus der Gruppe der Sulfonamide in kleinen Mengen über mehrere Monate freigesetzt werden. Zudem zeigte er einen Zusammenhang zwischen der Antibiotika-Konzentration im Boden und dem gehäuften Auftreten von Resistenzgenen und mobilen genetischen Elementen auf (siehe auch JKI-Presseinformation vom 1.7. 2014).

„Kläranlagen und Güllelager sind ohne Zweifel „hot spots“ der bakteriellen Evolution. Hier kommen hohe Bakterienkonzentrationen, ein breites Spektrum an Nährstoffen für Bakterien, verschiedene Antibiotika, aber auch Desinfektionsmittel oder Metallverbindungen zusammen. Dies begünstigt genetische Veränderungen in den Mikroorganismen“, fasst Prof. Smalla eine wichtige Erkenntnis aus den Redebeiträgen ihrer Wissenschaftskolleginnen und Kollegen zusammen. Prof. Dr. Fernando Baquero (CSIC-INTA, Madrid) wies darauf hin, dass bereits sehr geringe Konzentrationen von Antibiotika in der Umwelt beachtliche Effekte auf Bakteriengemeinschaften haben können.
Immer wieder wurden bei den Tagungsbeiträgen die enge Vernetzung unterschiedlicher Lebensräume (Agrar- und aquatische Ökosysteme) sowie die globale Dimension des Themas deutlich. Viele der präsentierten Daten weisen darauf hin, dass es verschiedene Übertragungswege zwischen Landwirtschaft und Humanmedizin gibt.

Die Mikrobiologin Smalla vom Julius Kühn-Institut forscht selbst an Themen, die Dr. Ed Topp (Quebec/Kanada) präsentierte. Alle die Pflanze besiedelnden Mikroorganismen, die auch als Mikrobiom bezeichnet werden, sind durch den Boden und damit auch durch die Nutzung von organischem Dünger (z. B. Gülle) und Beregnungswasser mit der Gesamtheit der Antibiotikaresistenz-vermittelnden Gene (Resistom) verknüpft. Topp konnte dies am Beispiel von Gemüsekulturen wie Tomate, Rettich, Möhre und Salat nachweisen. Trotz aller Fortschritte im Verständnis, warum sich Bakterien bei Selektionsdruck, z. B. durch ein Antibiotikum, genetisch so schnell anpassen können, bleiben doch noch viele Fragen offen. „Vor allem müssen wir die biotischen und abiotischen Faktoren, die die Häufigkeit und Übertragbarkeit von Antibiotikaresistenzgenen beeinflussen, weiter erforschen“, so Professor Smallas Fazit für die eigene Arbeit. Sie hofft, dass mit der heute möglichen Analytik und neuen Methoden die Übertragungswege der Resistenzgene sowie die wichtigsten Einflussfaktoren bereits in naher Zukunft besser verstanden werden.

EDAR-4 wird im Mai 2017 in East Lansing in den USA stattfinden. Prof. James Tiedje von der Michigan State University ist der Organisator.

Quelle: Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

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Altes Pferd – was nun?

Mittwoch, April 29th, 2015

Haltung und Fütterung anpassen.

(aid) – Offenbar sind immer mehr Pferdebesitzer bereit, ihren Vierbeinern einen wohlverdienten Ruhestand zuzugestehen. Deutschlands Pferde werden nämlich immer älter. Nach aktuellen Schätzungen wächst die Zahl älterer und alter Tiere zusehends, etwa 150.000 bis 200.000 Pferde und Ponys sollen es derzeit sein. In der tierärztlichen Praxis sind laut einer Studie 30 Prozent der Pferdepatienten 15 Jahre und älter, zehn Prozent sogar 20 Jahre und mehr. Dabei ist „alt sein“ nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit Krankheit und Gebrechlichkeit. Im Gegenteil: Übermut wird durch Gelassenheit ersetzt, Elastizität weicht Erfahrung und Kraft wird kompensiert durch Geschick – Mehrwerte, mit denen die Pferdesenioren gegenüber ihren jüngeren Artgenossen trumpfen können.

Dennoch stellen ältere Pferde andere Ansprüche an Haltung, Fütterung und Training als die jungen Vierbeiner. Die körperlichen und geistigen Fähigkeiten bauen sich mit der Zeit immer mehr ab. Hormonhaushalt und Stoffwechsel werden instabiler. Nicht selten wird auch der Verdauungsapparat anfälliger für Funktionsstörungen. Besonders optisch verändern sich die Tiere mit zunehmenden Jahren. Der natürliche Alterungsprozess zeigt sich meist zuerst im Exterieur: So wird an Augen, Nasenrücken und Maul das Fell sukzessive grauer, die Konturen des Kopfes wirken schärfer. Bei manchen Pferden senkt sich der Rücken ab.

Mit den körperlichen Einschränkungen verändert sich oftmals auch das Verhalten der Tiere: Die Flexibilität des alten Pferdes in Bezug auf seine Reaktionsfähigkeit lässt nach. Es ist häufig nicht mehr so gut in der Lage, auf Umweltreize adäquat zu reagieren und sich auf verändernde Situationen einzustellen. Die visuelle Wahrnehmung nimmt ab, auch die Leistungsfähigkeit des Gehörs lässt altersbedingt nach. Schließlich wird auch die Feinmotorik der Bewegungen zunehmend eingeschränkter.

Das Hauptziel in der Betreuung alter Pferde ist daher die Erhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität. Dies betrifft nicht nur eine art-, sondern vor allem altersgerechte Haltung, eine ausgewogene, angepasste Fütterung, ein gemäßigtes Trainings- bzw. Bewegungsprogramm sowie ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement.

Doch auch im Umgang mit dem Pferdesenior sollten die Besitzer ihre eigenen Ansprüche herunterfahren und den Anforderungen ihrer Vierbeiner vermehrt ihr Augenmerk schenken. Vermeintliche Verhaltensanomalien, vorschnell als Altersdemenz oder -sturheit interpretiert, erscheinen bei einem Perspektivenwechsel unter einem ganz neuen Licht: Wenn sich aufgrund einer zunehmend eingeschränkten Herz- und Lungenfunktion die Leistungsfähigkeit verringert, vorschnelle Ermüdungserscheinungen und eventuell sogar Kurzatmigkeit auftreten, reduziert das Pferd ganz automatisch sein Aktionslevel. Mancher Vierbeiner zeigt sich mit den Jahren auch deutlich ängstlicher und/oder weist eine vermehrte Schreckhaftigkeit auf. Dies kann ein Hinweis auf eine nachlassende Sinnesleistung sein.

http://www.aid.de/

Weitere Informationen:  aid-Heft „Pferdefütterung“, Bestell-Nr. 1592, Preis: 4,00 Euro, www.aid.de/shop/shop_detail.php?bestellnr=1592

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Erholung für Pferdeweiden im Frühjahr – Risiko durch Überweiden

Donnerstag, April 9th, 2015

(aid) – Pferdeweiden, die lange in den Herbst hinein und über Winter genutzt wurden, neigen häufig zur Überweidung. Wenngleich die Entwicklung positiv zu bewerten ist, Pferde auch im Winter ins Freie zu bringen, sollten Pferdehalter einige Vorsichtsmaßnahmen beachten, um gesundheitlichen Problemen ihrer Pferde vorzubeugen.

Die Gefahr für Hufrehe steigt beispielsweise mit zunehmendem Fruktangehalt des verbliebenen Aufwuchses. Eine kritische Phase stellt dabei das zeitige Frühjahr dar: an sonnigen Tagen wird durch die Photosynthese viel Energie gebunden und in Form pflanzeneigener Speicherstoffe eingelagert. Fruktane sind wasserlösliche Zuckermoleküle und dienen der Pflanze als Speicher und Frostschutz. Sind die Temperaturen gleichzeitig noch so niedrig, dass das Wachstum der Gräser noch nicht voll eingesetzt hat, kann es zu besonders hohen Fruktankonzentrationen kommen. An wüchsigen, warmen Tagen mit wenig Sonne ist demgegenüber das Risiko am geringsten.

Fruktane tragen zur Übersäuerung des Dickdarms bei, die Darmflora wird gestört und es gelangen Endotoxine ins Blut. Diese können dann einen Reheschub auslösen. Das Auftreten von Kotwasser ist ein Warnzeichen für eine gestörte Darmflora. Gefährdet sind eher vorbelastete und dicke Pferde, für trainierte Pferde mit Normalgewicht  ist die Gefahr weniger ausgeprägt.

Die Einrichtung einer Portionsweide, also die Abteilung und alternierende Nutzung von Weideparzellen, kann den ungenutzten Stücken Erholung und somit besseren Aufwuchs verschaffen, so dass die Fruktan-Konzentration sinkt. Dennoch: die Begrenzung der Menge des aufgenommenen Grases ist besonders bei Risikopferden angezeigt. Für alle Pferde gilt: schrittweises Anweiden im Frühjahr ist die beste Vorsorge. Sollte innerhalb dieser Phase wieder eine Pause entstehen, sollte das Anweiden wiederholt werden. Auch die Heumenge ist entsprechend anzupassen: Bei gutem Aufwuchs kann eine Stunde Koppelgang durchaus ein Kilogramm Heu ersetzen.

Quelle: Friederike Heidenhof, http://www.aid.de/

Weitere Informationen: aid-Heft „Pferdefütterung“, Bestell-Nr. 1592, Preis: 4,00 Euro
www.aid.de/shop/shop_detail.php?bestellnr=1592

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