Archive for the ‘Tiermedizin’ Category

Akademien empfehlen neue Maßnahmen in der Antibiotika-Forschung

Dienstag, Januar 29th, 2013

Einer steigenden Zahl an Infektionen durch Antibiotika-resistente Bakterien stehen weltweit immer weniger wirksame Antibiotika gegenüber. Damit wird die erfolgreiche Behandlung infizierter Patienten immer schwieriger. Die Akademie der Wissenschaften in Hamburg und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina geben in ihrer heute veröffentlichten Stellungnahme „Antibiotika-Forschung: Probleme und Perspektiven“ acht Empfehlungen, die Wege aufzeigen, die weitere Ausbreitung von Resistenzen zu verhindern und dringend benötigte Antibiotika zu entwickeln.

„Die Entwicklung gibt großen Anlass zur Sorge. Wir haben den Fokus in der Stellungnahme auf den Beitrag der Forschung und die erforderlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gelegt“, sagt Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Sprecher der Arbeitsgruppe „Infektionsforschung und Gesellschaft“ der Akademie der Wissenschaften in Hamburg. „Es bedarf“, so Lohse weiter, „wirklicher Anreize für eine neue und intensivere Antibiotika-Forschung und damit eine schnellere Entwicklung von Medikamenten.“

„Das Thema stellt eine Aufgabe an die gesamte Gesellschaft“, sagt Prof. Dr. Jörg Hacker, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften. Es erfordere nicht nur stärkere Forschungsanstrengungen und eine schnellere Umsetzung der Ergebnisse in die Anwendung, sondern auch einen Dialog darüber, wie verantwortungsbewusst Antibiotika eingesetzt werden und Resistenzen vermieden werden können. „Hierfür richten wir einen Runden Tisch ein, zu dem wir alle relevanten Partner einladen werden.“

Das weltweite Auftreten von Antibiotika-Resistenzen gehört nach Einschätzung der WHO zu den größten Gefahren für die menschliche Gesundheit. Schätzungen gehen jährlich von rund 25.000 Patienten allein innerhalb der EU aus, die an den Folgen einer Infektion mit Antibiotika-resistenten Bakterien sterben.

Die gesamte Stellungnahme ist als eBook frei zugänglich unter: http://www.degruyter.com/isbn/9783110306675

Die Stellungnahme als Broschur: Antibiotika-Forschung: Probleme und Perspektiven. Stellungnahme der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, Berlin (De Gruyter) 2013 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg 2), 77 S., 29,95 EUR, ISBN 978-3-11-030667-5

Der Akademie der Wissenschaften in Hamburg gehören herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Disziplinen aus dem norddeutschen Raum an. Als Arbeitsakademie will sie dazu beitragen, die Zusammenarbeit zwischen Fächern, Hochschulen und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen zu intensivieren und den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit zu fördern. http://www.awhamburg.de

Die Leopoldina nimmt als Nationale Akademie der Wissenschaften Deutschlands mit ihren rund 1.500 Mitgliedern zu den wissenschaftlichen Grundlagen politischer und gesellschaftlicher Fragen unabhängig und öffentlich Stellung. Sie vertritt die deutsche Wissenschaft in internationalen Gremien und handelt zum Wohle der Menschen und der Gestaltung ihrer Zukunft. http://www.leopoldina.org

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Die Rolle von Spiegelneuronen in der Handlungsbewertung

Donnerstag, Juli 5th, 2012

Eine aktuelle Studie des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung (HIH) am Universitätsklinikum Tübingen belegt, dass Spiegelneurone möglicherweise eine zentrale Rolle bei sozialen Interaktionen und deren Störungen spielen (PNAS 02.07.2012).

Stellen Sie sich ein Elfmeterschießen vor. Cristiano Ronaldo scheint in die linke untere Ecke zu zielen, und Iker Casillas, der Torhüter des spanischen Teams, taucht in diese Ecke, doch der Ball landet in der anderen Ecke. Tor! Wie reagieren Sie als begeisterter Fußballfan auf diesen Ereignisablauf? Anhänger der portugiesischen Mannschaft werden sehr wahrscheinlich jubeln und sich freuen, während Fans des spanischen Teams vor Schreck erstarren und niedergeschlagen reagieren dürften. Offensichtlich kann ein und derselbe Handlungsablauf sehr unterschiedliche Konsequenzen für den Beobachter haben, je nachdem, welchen Wert die Ereignisse für ihn haben.

Daher ist für die Deutung der Handlungen von anderen nicht nur das Verstehen der Ziele, die der andere verfolgt sowie eine genaue Beschreibung der kennzeichnenden Parameter der ausgeführten Bewegungen erforderlich, sondern auch eine Bewertung der Relevanz der beobachteten Handlung für den Beobachter.

Wie bewältigt das Gehirn diese, mit Handlungsinterpretationen verbundenen Herausforderungen? Die Entdeckung der Spiegelneurone vor 20 Jahren schien eine Antwort auf diese Frage zu geben. Beschrieben wurden Spiegelneurone als  spezielle Neurone in prämotorischen und parietalen Anteilen der Großhirnrinde von Affen, die mit der Bewegungsplanung befasst sind. Spiegelneurone reagieren sowohl, wenn der Affe eine zielgerichtete Handlung ausführt, als auch dann, wenn der Affe sieht, wie dieselbe Handlung von anderen durchgeführt wird. Mit anderen Worten: Die Beobachtung einer Handlung aktiviert ein Nervenzellsystem, das zu anderen Zeiten für die Ausführung einer vergleichbaren Handlung verantwortlich ist. Wir verstehen, was andere tun, indem wir neuronale Schaltkreise in Resonanz versetzen, die uns die Generierung vergleichbarer Bewegungen erlauben.

Aber wie wird der beobachteten Handlung der subjektive Wert zugeschrieben? Dieser Frage gingen Vittorio Caggiano und Mitarbeiter am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, Tübingen, mit Unterstützung von Kollegen der Universität Parma in ihrer Untersuchung von Spiegelneuronen in prämotorischen Teilen der Hirnrinde nach.
In ihren Experimenten wurden die Reaktionen von Spiegelneuronen aufgezeichnet, während Affen beobachteten, wie ein Experimentator zielgerichtete Handlungen mit unterschiedlichen Konsequenzen für den Affen ausführte.

Die Autoren fanden heraus, dass die Reaktionen von Spiegelneuronen durch den Wert, den die beobachtete Handlung für den zuschauenden Affen hatte, moduliert wurden. Genauer gesagt: Wenn der Affe eine schmackhafte Belohnung für das Betrachten der Handlung in Aussicht hatte, zeigten viele Spiegelneurone weitaus stärkere beobachtungsbedingte Reaktionen. War dieselbe Handlung hingegen mit einer weniger schmackhaften Belohnung verbunden, so waren die Reaktionen typischerweise deutlich schwächer.

Diese Beobachtung deutet klar darauf hin, dass Spiegelneurone in der prämotorischen Großhirnrinde alle Schlüsselinformationen repräsentieren, die für die Bewertung der Handlungen des Gegenübers erforderlich sind. Sie unterstreicht damit die zentrale Rolle, die Spiegelneurone für die Vermittlung sozialer Interaktionen und ihrer Störungen, wie zum Beispiel Autismus, spielen  dürften.

Originaltitel der Publikation: Mirror neurons encode the subjective value of an observed action, Published ahead of print, 02.07.2012 in PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences),  doi: 10.1073/pnas.1205553109,
Autoren: Vittorio Caggiano, Leonardo Fogassi, Giacomo Rizzolatti, Antonio Casile, Martin A. Giese, Peter Thier

Quelle: Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)

Anmerkung: siehe hierzu auch den Artikel „Kommunikation mit Tieren

Medizingeographie: IfL-Karte zeigt Borreliose-Risiko im deutschlandweiten Vergleich

Montag, April 30th, 2012

Leipzig/Bonn. – In Deutschland erkranken in jedem Jahr etwa 100.000 Menschen an der durch Zeckenstiche übertragenen Lyme-Borreliose. Am größten ist das Infektionsrisiko in Brandenburg, Sachsen und Bayern. In den Ballungsräumen an Rhein und Ruhr tritt die Krankheit deutlich seltener auf. Das zeigt eine jetzt vom Leibniz-Institut für Länderkunde veröffentlichte Karte auf der Grundlage von Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Die Lyme-Borreliose, benannt nach einem Ort im US-Bundesstaat Connecticut, kann zu chronischen Entzündungen des Nervensystems, des Herzmuskels und der Gelenke führen. Die Krankheit verläuft nur sehr selten tödlich, verursacht aber hohe Kosten für das Gesundheitssystem. Allein im dritten Jahresquartal der Jahre 2007 bis 2009 wurden im Schnitt gut 300.000 Behandlungsfälle abgerechnet. Die Zahl der jährlichen kassenärztlichen Abrechnungsfälle in Deutschland liegt inzwischen bei einer Million. Das ergaben aktuelle Auswertungen des Umweltmediziners und Geographen Prof. Dr. Thomas Kistemann vom Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn. Die Ergebnisse seiner Studie sind jetzt auf Nationalatlas aktuell nachzulesen. Die vom Leibniz-Institut für Länderkunde erstellte Karte verdeutlicht die regional unterschiedliche Verbreitung der Erkrankung in Deutschland.

Danach nimmt ihre Häufigkeit von Norden nach Süden zu, gleichzeitig zeichnet sich ein deutliches Ost-West-Gefälle ab. Die höchsten Behandlungsraten finden sich in Brandenburg, Sachsen und Bayern entlang der Grenzen zu Polen und Tschechien. Hier weist die Statistik teilweise über tausend abgerechnete Behandlungen je 100.000 Einwohner im dritten Jahresquartal aus. Wesentlich niedriger ist die Zahl der Erkrankungen dagegen in den Großstädten: Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Borellien, einem spiralförmigen Bakterium, ist hier etwa um den Faktor zehn geringer. Der Grund: Zecken halten sich bevorzugt im Übergangsbereich zwischen Wald und Wiese auf, einem Lebensraum, der sich in den letzten Jahrzehnten durch die fortschreitende Zersiedelung der Landschaft, aber auch durch Brachen und Sturmschäden deutlich ausgeweitet hat.

Kistemann rechnet wie die meisten Experten mit einer Zunahme der Infektionen mit Lyme-Borreliose und steigenden Kosten für das Gesundheitssystem in den nächsten zehn Jahren. Klimaveränderungen gelten als eine der Ursachen für die Ausbreitung der Krankheit. So begünstigen beispielsweise milde Winter die Dichte und Aktivität der Zeckenpopulation.

Der vollständige Artikel ist auf Nationalatlas aktuell abrufbar. In der Online-Zeitschrift veröffentlicht das Leibniz-Institut für Länderkunde regelmäßig Kartenbeiträge zu Ereignissen aus Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Politik und Umwelt. Alle Karten, Diagramme und Fotos sind dort online verfügbar und stehen zusätzlich als PDF-Dokumente zum Download bereit. Auf Wunsch können die Materialien in Druckqualität zur Verfügung gestellt werden. Die PDF-Datei für den Beitrag findet sich >> hier.

Quelle: Leibniz-Institut für Länderkunde

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag „Die ganzheitlich-energetische Therapie der chronischen Borreliose beim Pferd

Deutschlands Landwirtschaft 2021

Freitag, März 16th, 2012

Bioenergiesektor wesentlicher Einflussfaktor – Projektion des vTI-Modellverbunds.

„Auf die Entwicklung der Landwirtschaft in Deutschland übt der Bioenergiesektor einen großen Einfluss aus“, sagt Dr. Frank Offermann, Sprecher des Modellverbunds des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI). „Dies gilt sowohl für den Agrarhandel als auch für die Anbaustrukturen und die Umweltwirkungen der Landwirtschaft.“
Die agrarökonomischen Institute innerhalb des Thünen-Instituts erstellen alle zwei Jahre Projektionen der erwarteten Entwicklungen im deutschen Agrarsektor. Dabei stützen sie sich auf ökonomische Modelle (Betriebs-, Regions- und Marktmodelle; sog. Modellverbund). Bei den Projektionen wird davon ausgegangen, dass sich während des Untersuchungszeitraums die derzeitige Agrarpolitik nicht ändert. Zusätzlich werden bestimmte Annahmen zur Entwicklung äußerer Einflussfaktoren, wie zum Beispiel globales Wirtschaftswachstum, getroffen. Diese sogenannte „vTI-Baseline“ stellt somit keine Prognose dar, sondern bildet ein Referenzszenario, mit dem sich die Auswirkungen verschiedener Politikoptionen analysieren lassen.

Die diese Woche veröffentlichte vTI-Baseline 2011 – 2021 wurde in enger Abstimmung mit Fachreferaten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) erstellt. Erstmals wurden in Kooperation mit dem Thünen-Institut für Agrarrelevante Klimaforschung auch die Umweltwirkungen der Landwirtschaft ausführlich dargestellt.

Die Projektion zeigt, dass das Handelsbilanzdefizit der EU bei Agrarprodukten weiter ansteigt (von 21 auf 35 Mrd. Euro), weil verstärkt Ölsaaten und Getreide als Rohstoffe für die Produktion von Biotreibstoffen importiert werden müssen. Ansonsten würden die Beimischungsverpflichtungen der EU-Biokraftstoffrichtlinie nicht eingehalten werden.

Diese politisch festgelegten Beimischungsverpflichtungen beeinflussen neben den Weltmarktpreisen die Entwicklung der Erzeugerpreise. Im Baseline-Szenario liegen die projizierten Erzeugerpreise für pflanzliche Produkte in Deutschland weiterhin auf vergleichsweise hohem Niveau. Höhere Preise für Vorleistungen einschließlich Futter verteuern die tierische Erzeugung weltweit.

Bei den Milchprodukten werden die Binnenmarktpreise durch die steigende Nachfrage auf dem Weltmarkt zusätzlich gestützt.

Nach den Modellanalysen hat die Förderung des Biomasseanbaus zur Energiegewinnung den größten Einfluss auf die Entwicklung der landwirtschaftlichen Flächennutzung in Deutschland. Unter den getroffen Annahmen wird der Energiemaisanbau bis 2021 von 450 000 ha im Jahresdurchschnitt 2006-2008 auf etwa 1,4 Mio. ha ausgedehnt, wofür stillgelegte Flächen genutzt sowie die Getreide- und Ölsaatenproduktion vermindert werden. Die Milcherzeugung wird bis zum Jahr 2021 bei weitgehend stabilen Preisen nach dem Wegfall der Milchquoten um rund 7 % erhöht. Wie schon in der Vergangenheit wird sich die Milchproduktion weiterhin stärker auf die günstigen Grünlandstandorte konzentrieren.

Im Vergleich zum Zeitraum 2006 bis 2008 geht das durchschnittliche Betriebseinkommen pro Arbeitskraft in der vTI-Baseline leicht zurück, liegt aber deutlich über dem Niveau der letzten zehn Jahre. Während die Einkommen in Milchviehbetrieben (-4 %) und sonstigen Futterbaubetrieben (-15 %) rückläufig sind, können Ackerbaubetriebe infolge des relativ hohen Preisniveaus für Getreide und Ölsaaten und neuer Einkommensmöglichkeiten aus dem Anbau von Energiemais ihr vergleichsweise überdurchschnittliches Einkommensniveau aus dem Basisjahrzeitraum halten. Unter den getroffenen Annahmen profitieren Veredlungsbetriebe (+21 %) von steigenden Schweine- und Geflügelfleischpreisen, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Betriebsergebnisse der Veredlungsbetriebe von einer hohen Volatilität gekennzeichnet und im Basisjahrzeitraum häufig unterdurchschnittlich ausgefallen sind.

Die Ammoniak-Emissionen in Deutschland stagnieren etwa auf Höhe der EU-rechtlich festgelegten Emissionsobergrenze. Um die Obergrenze gesichert und dauerhaft zu unterschreiten, müssen die Emissionen weiter gemindert werden. Steigende Hektarerträge und der Ausbau der Energiepflanzenproduktion lassen eine erhöhte N-Düngungsintensität und einen Anstieg des Stickstoffsaldos um ca. 10 % erwarten. In Regionen und Betrieben mit intensiver Tierhaltung wird sich die dort bestehende Stickstoffproblematik bis 2021 nicht entschärfen. Eine zunehmende Rolle spielen auch die Gärreste aus der Biogaserzeugung, die bei geringer Verwertung des Stickstoffs ebenfalls die Salden erhöhen und zudem eine neue Quelle für Ammoniak-Emissionen darstellen.

Der Bericht „vTI-Baseline 2011 – 2021: Agrarökonomische Projektionen für Deutschland“ kann kostenlos von der Homepage des Thünen-Instituts heruntergeladen werden unter http://www.vti.bund.de/fileadmin/dam_uploads/vTI/Publikationen/Landbauforschung_Sonderhefte/lbf_sh355.pdf.
Der Bericht kann auch als Druckexemplar für 10 Euro beim Thünen-Institut (landbauforschung@vti.bund.de) erworben werden. Offermann, F. et al. (2012): vTI-Baseline 2011 – 2021: Agrarökonomische Projektionen für Deutschland. Landbauforschung , Sonderheft Nr. 355, Braunschweig.

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

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Die Pein im Leib: Wenn das Bauchhirn den Schmerz erlernt

Donnerstag, März 15th, 2012

Der Mensch hat zwei Gehirne – eines im Kopf, ein zweites im Bauch. Die beiden Gehirne haben viele Gemeinsamkeiten, kommunizieren miteinander und funktionieren nach ähnlichen Spielregeln. »Darum sind manche Prozesse im Bauchhirn mit der Chronifizierung von Schmerzen im Zentralnervensystem vergleichbar und wie bei der Chronifizierung von Rückenschmerzen wirken auch bei Bauchschmerzen innere und äußere Faktoren zusammen, wenn die Pein zum Dauerbegleiter wird«, erklärt der Duisburger Schmerztherapeut Dr. Günther Bittel auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2012 in Frankfurt.

Zehn bis 25 Prozent aller schulpflichtigen Kinder leiden unter wiederkehrenden Bauchschmerzen. 90 Prozent dieser Kinder fehlen regelmäßig in der Schule, fast 30 Prozent verpassen mehr als zehn Prozent ihrer Schultage. Doch nur bei zehn Prozent der kleinen Patienten können die Ärzte eine klare Diagnose stellen. Nur selten wird eine bedeutsame körperliche Störung diagnostiziert, die spezifisch therapiert werden kann. Auch eindeutige psychische Einflußfaktoren lassen sich in den meisten Fällen nicht feststellen.

Die verbreitete Annahme, dass man wiederkehrende Bauchschmerzen ohne eindeutige Ursache nicht ernst nehmen müsse, weil diese sich »auswachsen« ist jedoch falsch: Etwa die Hälfte der betroffenen kleinen Patienten nimmt ihre Schmerzen ins Erwachsenenalter mit. Und oft kommen dann weitere Probleme dazu. »Viele Patienten mit chronischen Bauchschmerzen leiden zusätzlich unter Durchfällen, Schlafstörungen und anderen psychovegetativen Folgeerkrankungen«, weiß der Duisburger Schmerztherapeut Dr. Günther Bittel.

Bauchschmerz als Dauerbegleiter

Wie viele Menschen an chronischen Bauchschmerzen leiden, lässt sich schwer abschätzen. In Untersuchungen schwanken – je nach Definition und Kriterien – die Zahlen zwischen 2,5 und 30 Prozent der Bevölkerung. Frauen sind häufiger betroffen. Schwer vorhersehbar ist auch der Verlauf. Die Symptome können sich im Laufe der Zeit ändern, stärker oder schwächer werden, verschwinden und wiederkommen. Doch in den meisten Fällen bleiben die Beschwerden ein Dauerbegleiter. Totschlagdiagnosen und keine Therapie. Die Patienten machen allerdings oft die Erfahrung, dass ihre Beschwerden weder ernst genommen, noch adäquat behandelt werden. »Es werden Totschlagsdiagnosen wie »Reizdarm-Syndrom« und »somatoforme Störung« gestellt, kombiniert mit therapeutischem Nihilismus«, kritisiert Bittel. Dabei ist es sehr wohl möglich, häufige und wesentliche Ursachen der Beschwerden aufzudecken, etwa Laktose-, Fruktose- und Sorbit-Intoleranz, verzögerte Nahrungsmittelallergien, Gluten-Unverträglichkeit, Histamin-Intoleranz oder chronische Infektionen.  »Nötig dazu ist jedoch eine exakte Befunderhebung, eine klinische Untersuchung, ergänzt durch ein Ernährungs- und Schmerztagebuch sowie eine exakte Labordiagnostik«, sagt Bittel.

Mehr als eine Darmerkrankung

Bei chronischen Bauchschmerzen geht es um mehr als um eine reine Darmerkrankung. Der ganze Magen-Darm-Trakt ist betroffen. »Eine wichtige Rolle spielt dabei das so genannte Darmhirn, das kurz ENS genannte enterale Nervensystem«, erklärt der Duisburger Schmerztherapeut. Mit seinen 150 Millionen Nervenzellen ist das ENS das größte zusammenhängende Nervensystem außerhalb des Zentralnervensystems. In ihm laufen Prozesse nach ähnlichen Spielregeln ab wie im Rückenmark oder im Gehirn. »Darum ist es nicht verwunderlich, dass sich auch im Nervensystem unseres Magen-Darm-Traktes Chronifizierungsprozesse abspielen können, die der Entwicklung eines Schmerzgedächtnisses im Zentralnervensystem ähneln«, sagt Bittel. Wie bei der Chronifizierung von Schmerzen im Rücken, wirken auch bei der Chronifizierung von Bauchschmerzen innere und äußere Faktoren zusammen: emotionale Aspekte, Entzündungsprozesse, Ernährung aber auch die mikrobiellen Bewohner des Darms, die Mikroflora.

Multimodale Therapiekonzepte

Ähnlich wie bei anderen chronischen Schmerzformen, setzen Schmerztherapeuten auch bei chronischen Bauchschmerzen heute auf multimodale Therapien, also Behandlungen, in denen verschiedene Strategien miteinander kombiniert und den individuellen Bedürfnissen eines Patienten angepasst werden. »Diese modernen Ansätze, bei denen Medikamente, psychosomatische und psychotherapeutische Strategien mit Ernährungsmedizin, mikrobiologischen Therapien und Naturheilverfahren kombiniert werden, haben eine gute Erfolgsrate«, sagt Bittel.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie e.V.

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag „Das Bauchhirn bei Menschen und Tieren„.

Kaiserschnitt erhöht das Risiko für Typ 1 Diabetes

Dienstag, Februar 14th, 2012

Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen, haben laut der BABYDIAB-Studie ein mehr als doppelt so hohes Typ 1 Diabetes-Risiko als Kinder, die spontan entbunden wurden.

In der Langzeit-Studie der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München wurde der Einfluss von Umweltfaktoren auf die Entwicklung der Erkrankung bei 1.650 Kindern aus Risikofamilien untersucht. Die Studienteilnehmer wurden von Geburt an durchschnittlich 11 Jahre lang beobachtet. Eine Erklärung sehen die Forscher in der Tatsache, dass eine Entbindung per Kaiserschnitt die Zusammensetzung der kindlichen Darmflora verändert und damit die Entwicklung von Autoimmunität begünstigt.

Laut der Studie haben Kinder, deren Mutter oder Vater an Typ 1 Diabetes erkrankt ist und die per Kaiserschnitt geboren wurden, ein Diabetes-Risiko von 4,8 Prozent, bis zum 12. Lebensjahr daran zu erkranken. Dagegen liegt das Risiko von Kindern mit familiärer Vorbelastung, die vaginal entbunden wurden, bei 2,2 Prozent. Das erhöhte Diabetes-Risiko bei Kaiserschnitt trat unabhängig davon auf, ob es sich um eine Mehrlingsschwangerschaft, Frühgeburt oder um das Erstgeborene handelte. Auch der Geburtsmonat und Rauchen während der Schwangerschaft hatten keinen Einfluss.

Ein größeres Diabetes-Risiko durch Kaiserschnitt war auch nachweisbar bei Kindern mit bestimmten Varianten des Gens IFIH1 (Interferon induced with helicase C domain 1), das die Entwicklung von Typ 1 Diabetes beeinflusst. Das Protein IFIH1 ist für die Erkennung von Virus-RNA zuständig und reguliert somit die angeborene Immunabwehr gegenüber Viren. Man nimmt an, dass eine Virusinfektion das IFIH1 Gen aktiviert und es dadurch zur Ausschüttung des immunstimulierenden Proteins Interferon kommt. Dies hemmt zwar die Virusvermehrung, jedoch lockt es auch die zytotoxischen T-Zellen an, die – so nimmt man an – Betazellen erkennen und zerstören.

Somit scheinen Virusinfektionen die Entwicklung von Typ 1 Diabetes zu fördern. Bei Kindern mit bestimmten Varianten dieses Gens steigt das Risiko für die Autoimmunerkrankung bei einem Kaiserschnitt sogar um etwa das Dreifache (9,1 Prozent gegenüber 2,8 Prozent bei spontaner Entbindung).

Ein Kaiserschnitt beeinflusst jedoch nicht das Risiko für die Entstehung von Inselautoimmunität und die Bildung von Autoantikörpern. Diese sind gegen die Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse gerichtet und sind Vorboten der Manifestation des Diabetes. Allerdings beschleunigt die Geburt per Kaiserschnitt offenbar die Entstehung von Diabetes nach dem Auftreten erster Autoantikörper.
„Eine Erklärung für diese Ergebnisse ist die Tatsache, dass die Entbindung per Kaiserschnitt auf die Beschaffenheit der kindlichen Darmflora und damit auf das Immunsystem einwirkt“, erläutert Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Studienleiterin und Leiterin der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München.

Unter den Mikroorganismen, die den Darm besiedeln, lassen sich bei Kindern, die per Kaiserschnitt auf die Welt kamen, zum Beispiel weniger Bifidobakterien nachweisen. „Somit ähnelt die Darmflora dieser Kinder der gestörten Darmflora von Diabetikern“, so Ziegler weiter. Bei den Bifidobakterien handelt es sich um die wichtigste Gruppe der nützlichen Darmbakterien. Sie sind auch in der Vagina gesunder Frauen zu finden, so dass sie bei einer vaginalen Entbindung vom Säugling aufgenommen werden können. Diese Mikroorganismen erfüllen neben der Bekämpfung von Krankheitskeimen und Schadstoffen vielfältige Aufgaben für das Immunsystem: So versorgen sie unter anderem die Immunzellen im Darm mit wichtigen Informationen zur Bekämpfung von Erregern, bilden Vitamine wie das Vitamin K und fördern den Aufbau der Darmschleimhaut.

Als Folge-Studie zu BABYDIAB läuft derzeit die TEENDIAB-Studie: Sie erforscht bei Kindern mit familiärer Vorbelastung die Entstehung von Typ 1 Diabetes. Teilnehmen können Kinder im Alter von acht Jahren bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, deren Vater oder Mutter beziehungsweise ein Geschwisterkind an Typ 1 Diabetes erkrankt ist. Sie haben somit ein erhöhtes Risiko, später selbst diese Stoffwechselerkrankung zu entwickeln. Bei den Studienteilnehmern wird das individuelle Krankheitsrisiko für Typ 1 Diabetes ermittelt.

Quelle: Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München

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Neue Erkenntnisse zur Entstehung von Epilepsie

Sonntag, Februar 12th, 2012

Forscher identifizieren einen ursächlichen Defekt.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten erstmals entschlüsseln, welche speziellen Störungen der Nervenzellen an der Entstehung von fokalen, therapieresistenten Epilepsien beteiligt sind. Ursächlich ist unter anderem die Verminderung bestimmter zellulärer Transportproteine, welche die korrekte Signalverarbeitung zwischen den Nervenzellen verhindert. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of Physiology* veröffentlicht.

Epilepsie ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Betroffen ist etwa ein Prozent der Bevölkerung. Eine sogenannte Übererregbarkeit der Nervenzellen führt dazu, dass eine zunächst kleine Gruppe von ihnen viel zu oft zu große Impulse weitergeben. Dadurch können größere Nervenzellverbände gleichzeitig erregt werden und ein epileptischer Krampfanfall ist die Folge.

Privatdozent Dr. Rudolf Deisz vom Institut für Zell- und Neurobiologie am Campus Charité Mitte und sein Forschungsteam konnten erstmals einen der ursächlichen molekularen Mechanismen im menschlichen Gewebe aufklären. Sie zeigten, dass in der Ursprungszone des Anfalls die Funktion bestimmter zellulärer Ionentransporter beeinträchtigt ist. Die Konsequenz ist eine Fehlverteilung von Chloridionen an den Nervenzellen, wodurch die korrekte Signalweitergabe durch den hemmenden Überträgerstoff GABA im Zentralnervensystem gestört wird. Letztlich wird also durch die Fehlverteilung von Chloridionen eine gesteigerte Nervenzellaktivität ermöglicht, da der Chloridgradient über der Zellmembran entscheidend für die Effektivität der hemmenden GABA Wirkung ist.

Bisher wurde angenommen, dass ein Defekt der GABA-Rezeptoren selbst für die gestörte Hemmung verantwortlich ist. Mit der aktuellen Studie konnte das Forscherteam diese weit verbreitete Theorie zur Epilepsieentstehung widerlegen. Gleichzeitig liefern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Erklärung dafür, dass die meist verordneten Medikamente bei vielen Patientinnen und Patienten versagen.

„Unsere Ergebnisse zeigen nicht nur eine entscheidende, ursächliche Störung bei der Epilepsie“, erklärt Privatdozent Dr. Deisz. „Wir sind zuversichtlich, damit auch einen Ansatzpunkt zur Entwicklung wirksamerer Medikamente für die Behandlung der Epilepsie gefunden zu haben.“

Literatur: Rudolf A. Deisz, Thomas-N. Lehmann, Peter Horn, Christoph Dehnicke, Robert Nitsch: Components of neuronal chloride transport in rat and human neocortex. (2011) J Physiol 589.6 1317–1347.

Anmerkung: da aus naturheilkundlicher Sicht der Blasenmeridian an der Entstehung von Epilepsie maßgeblich beteiligt ist, siehe hierzu auch den Beitrag „Energiemeridiane und ihre emotionalen Beziehungen

Antibiotikaresistente Bakterien im Stall – welches Risiko besteht für den Menschen?

Mittwoch, Februar 8th, 2012

Resistenzen sind in der Klinik und im Stall gleichermaßen zu bekämpfen.

Nicht nur in den Krankenhäusern, auch in Beständen von Nutztieren nehmen die Resistenzen von Bakterien gegen Antibiotika zu. Resistente Stämme sind dabei sowohl unter krankmachenden Keimen als auch unter nicht krankmachenden Bakterien, sogenannten Kommensalen, zu beobachten.

Diese Entwicklung überrascht nicht. Denn immer, wenn Antibiotika eingesetzt werden, entsteht ein Selektionsdruck, und Bakterienstämme, die Abwehrmechanismen gegen die eingesetzten Antibiotika entwickelt haben, können sich ausbreiten. Das ist in den Tierställen nicht anders als in den Kliniken.

Funde von resistenten Keimen sind keine neue Erkenntnis: Antibiotikaresistente Bakterien wurden sowohl in Nutztierbeständen (Geflügel, Schwein, Rind) als auch auf Lebensmittelproben (Schweinefleisch, Geflügelfleisch und Rohmilch) nachgewiesen. „Sowohl in der Klinik als auch in der Tierhaltung muss der Einsatz von Antibiotika auf das therapeutisch notwendige Maß beschränkt werden“, sagt der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Im Bereich der Nutztierbestände müssen wir durch die Aufzucht robuster Tiere und verbesserte Haltungsbedingungen, zu denen eine gute Impfprophylaxe, eine verbesserte Hygiene und gutes Stallmanagement gehören, dafür sorgen, dass die Tiere insgesamt gesünder sind und möglichst keine Antibiotikabehandlungen benötigen.“

Eine Untersuchung aus Nordrhein-Westfalen zeigt, dass ein genereller Zusammenhang zwischen Behandlungsintensität und Betriebsgröße nicht erkennbar ist.
Durch den Einsatz von Antibiotika entstehen nicht vorwiegend neue Antibiotikaresistenzen bei Bakterien. Vielmehr haben Bakterien, die meist zufällig durch Mutation resistent geworden sind, bei der Anwendung von Antibiotika einen Vorteil gegenüber nichtresistenten Stämmen und vermehren sich stärker als nichtresistente Keime.

Aus dem Resistenzmonitoring ist dem Bundesinstitut für Risikobewertung seit längerem bekannt, dass in den Nutztierbeständen und aus von  ihnen gewonnenen Lebensmitteln wie Fleisch Zoonoseerreger, zum Beispiel Salmonella und Campylobacter, nachgewiesen werden, die auch gegen moderne Antibiotika wie die Fluorchinolone oder Cephalosporine resistent sind. Diese Antibiotika sollten bei der Behandlung von Nutztieren zurückhaltend eingesetzt werden. Untersuchungen von Geflügel-, Schweine- und Rinderbeständen zeigen außerdem, dass in den letzten Jahren das Auftreten von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) und ESBL-tragenden Bakterien zunimmt.

Die bei Nutztieren nachgewiesenen MRSA machen jedoch nur einen sehr kleinen Anteil der Erkrankungen des Menschen aus. Betroffen davon sind überwiegend Personen, die beruflichen Kontakt zu Nutztieren haben. Bei den im Krankenhaus erworbenen Infektionen mit MRSA handelt es sich fast ausschließlich um Stämme, die nur beim Menschen vorkommen. In welchem Umfang die beim Menschen auftretenden Infektionen mit ESBL-bildenden Bakterien ihren Ursprung in der Tierproduktion haben, ist derzeit Gegenstand der Forschung. Bisher gibt es keine Belege für eine direkte Infektionskette. Aus molekularbiologischen Untersuchungen ist aber abzuleiten, dass ein Gesundheitsrisiko für den Menschen von ESBL-bildenden Bakterien aus der Tierhaltung ausgeht. Daher gilt es zu verhindern, dass die antibiotikaresistenten Keime aus dem Tierstall über Lebensmittel oder den Kontakt mit Tieren zum Problem für den Menschen werden.

Aus diesem Grund wurde in einer konzertierten Aktion des Bundesministeriums für Gesundheit, des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bereits 2008 die Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie (DART) initiiert. Ziel ist es, durch ein Bündel von Maßnahmen sowohl in der Humanmedizin als auch in den Nutztierbeständen die Resistenzen gegen Antibiotika einzudämmen. Dazu werden im human- wie im veterinärmedizinischen Bereich Daten zur Antibiotikaresistenzsituation und -entwicklung bei bakteriellen Krankheitserregern erhoben. Auf Basis dieser Erkenntnisse sollen Ärzte und Tierärzte im Falle einer notwendigen Behandlung von Mensch und Tier gezielt die richtigen Wirkstoffe so effizient wie möglich einsetzen.

Im Bereich der Nutztierhaltung und Lebensmittelgewinnung geht es vor allem darum, durch vorbeugende Maßnahmen die Gesundheit der Nutztiere zu erhalten oder zu stärken, so dass Infektionen der Nutztiere verhindert werden. Dazu gehören unter anderem die konsequente Bekämpfung von Zoonoseerregern in den Beständen, eine gute Hygiene im Stall, eine gute Betreuung der Tiere und gezielte Impfprogramme. Durch die verbesserte Tiergesundheit kann die Antibiotikagabe zur Behandlung von Erkrankungen minimiert werden. Zugleich soll eine bessere Erfassung der Anwendung von Antibiotika im Veterinärwesen die Kontrolle des Einsatzes vereinfachen.

Derzeit ist nach Auffassung des Bundesinstituts für Risikobewertung das Risiko für den Verbraucher gering, bei Beachtung der Regeln der Küchenhygiene über Lebensmittel eine Infektion mit antibiotikaresistenten Erregern zu erwerben, die nicht behandelt werden kann. Durch eine gemeinsame Anstrengung von Behörden, Tierärzten und Nutztierbetrieben soll diese noch günstige Situation unbedingt zumindest erhalten bleiben.

Quelle: BfR – Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

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Pferdemedizin.com: Beratungspreis bleibt auch 2012 konstant günstig

Dienstag, Januar 31st, 2012

Seit 2009 führt der Tierarzt Dr.Dr. Peter Schneider (pferdemedizin.com) die Beratung von Patientenbesitzern per Email und Telefon durch. Dieses Angebot wird sehr gerne wahrgenommen.

Der günstige Preis für eine Beratung in Höhe von 35 Euro pro Fall wird auch 2012 konstant gehalten. Die Pressemitteilung, in der diese innovative Dienstleistung beschrieben wird, finden Sie << hier >> .

Eifersüchtige Pferde – Forscherteam zeigt: Gefühl beugt Konflikten vor und sichert Gruppenhierarchie

Samstag, Januar 28th, 2012

Eifersucht begegnet uns überall – als Ausdruck von Verlustangst, als Ursache von Tobsuchtsanfällen oder als gängiges Mordmotiv in TV-Krimis. Klar ist, Eifersucht kann die Beziehung zwischen zwei Personen schwerwiegend belasten oder sogar gefährden.

Dennoch gehen Wissenschaftler mittlerweile davon aus, dass das Gefühl evolutionär sinnvoll ist. Dafür spricht, dass auch Tiere eifersüchtig sein können. Im Gegensatz zu Menschen geht es eifersüchtigen Tieren aber zumeist darum, ihre Ressourcen zu sichern: das Futter oder die eigene Stellung innerhalb einer Gruppe. Entsprechend betrifft Eifersucht vor allen Dingen Tierarten, die in größeren Sozialverbänden zusammenleben. So zum Beispiel auch Pferde, wie jetzt zwei Wissenschaftlerinnen der Universitäten in Regensburg und Greifswald nachweisen konnten.

Dr. Konstanze Krüger vom Institut für Zoologie der Universität Regensburg und Gudrun Schneider vom Institut für Zoologie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald beobachteten dazu vier Gruppen von verwilderten Pferden – insgesamt 84 Esperia-Ponies – in den italienischen Abruzzen. Die 84 Pferde gehörten zu einer Gesamtpopulation von etwa 300 Tieren.
Krüger und Schneider stellten dabei fest, dass besonders ranghohe Stuten einschreiten, wenn sich Gruppenmitglieder, mit denen sie häufig sozialen Kontakt haben, anderen Tieren nähern oder sich mit diesen „beknabbern“ – ein Zeichen für Zuneigung. Die hierarchisch höher gestellten Stuten treiben die „Störenfriede“ einfach nur davon oder „beknabbern“ sich nach ihrem Einschreiten selber mit der „befreundeten“ Stute. Die Intervention richtet sich ausschließlich gegen die fremden Tiere und nicht gegen den etablierten Sozialpartner.

Die Wissenschaftlerinnen entdeckten diese Form des Einschreitens vor allen Dingen im Falle von friedlichen Interaktionen. Nur zweitrangig waren Interventionen bei aggressiven Konflikten zwischen ihren Sozialpartnern und anderen Tieren. Ganze 67 Interventionen bei friedfertigen Kontakten durch insgesamt 64 Stuten zählten die beiden Forscherinnen, wobei lediglich acht Interventionen im Falle von aggressiven Auseinandersetzungen beobachtet wurden.

Krüger und Schuster kommen zu dem Schluss, dass es für ranghohe Stuten von großem Vorteil ist, ihre eigenen Sozialpartner in der Gruppe von Kontakten mit anderen Tieren abzuhalten. „Auch hier geht es um Ressourcen – nämlich um die Zahl der Sozialpartner, mit denen weitere Ressourcen und Nachkommen verteidigt und die Stellung in der Hierarchie der Gruppe gesichert werden kann“, so Krüger. „Die ranghohen Stuten wollen ohne größeren Aufwand und ohne allzu hohes Risiko verhindern, dass ihre – niedriger gestellten – Sozialpartner zu anderen Pferden „abwandern“ können.“

Der Aufbau und die Sicherung von Kontakten und Partnerschaften ist eine gängige Strategie von sozial lebenden Tieren, um den gemeinsamen Zugang zu Ressourcen zu sichern, der Gefahr von Angriffen durch Feinde zu begegnen oder um Konflikte um die Hierarchie innerhalb der eigenen Gruppe zu reduzieren. Krüger und Schneider gehen davon aus, dass dabei einige Tierarten, wie zum Beispiel Pferde, in höherem Maße erfolgreich sind, und auf diese Weise aufwändigen Interventionen bei aggressiven Konflikten vorbeugen können. Diese Überlegungen werden durch die Beobachtung gestützt, dass sich bei Pferden auch andere Konfliktlösungsmechanismen wie Versöhnungen, Schlichtungen oder das Spenden von Trost beobachten lassen.

Die Ergebnisse der beiden Zoologinnen sind in der renommierten Fachzeitschrift “Animal Behaviour“ erschienen .

Quelle: Universität Regensburg

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