Archive for the ‘Tiermedizin’ Category

Virotherapie gegen Leberkrebs und Leberfibrose

Dienstag, März 8th, 2011

Forscher des Klinikum rechts der Isar entwickeln einen neuen Therapieansatz.

Forscher der II. Medizinischen Klinik des Klinikums rechts der Isar der TU München (Direktor: Prof. Roland Schmid) haben eine Möglichkeit entdeckt, Leberzellkarzinome und Leberfibrosen gleichzeitig zu behandeln: Dr. Oliver Ebert und Dr. Jennifer Altomonte entwickelten die transarterielle VSV-Onkolyse, bei der ein für den Menschen unschädliches Virus verwendet wird, um Tumorzellen aufzulösen und gleichzeitig die chronisch geschädigte Leber zu behandeln. Die Bayerische Patentallianz stellt die Erfindung am 23. und 24. März 2011 zusammen mit anderen Patenten vor, für die Pharmaunternehmen Lizenzen erwerben können.

Leberzellkarzinome stellen weltweit die fünfthäufigste Krebsart dar und sind in den meisten Fällen die Folge einer chronischen Schädigung der Leberzellen, auch als Leberfibrose bekannt. Die Ursachen können Alkoholmissbrauch, eine Hepatitis, ein Medikamentenschaden oder eine Verfettung der Leber sein.

Die beiden Wissenschaftler der II. Medizinischen Klinik konnten in einer präklinischen Studie zeigen, dass eine Virotherapie mit VSV, dem so genannten Vesikulären Stomatitis Virus, eine sichere und wirksame Bekämpfung von Leberzellkarzinom und Leberfibrose ermöglicht. Der für den Menschen unschädliche Erreger wird gespritzt, vermehrt sich in den Tumorzellen und löst diese schließlich auf. Darüber hinaus führen die antifibrogenen Eigenschaften des Virus zu einer deutlichen Verbesserung der Fibrose, bei der sich das Gewebe der Leber krankhaft vermehrt, anschließend vernarbt und die Leberfunktion beeinträchtigt.

„Aufgrund unserer Ergebnisse können nun Medikamente entwickelt werden, die nach der klinischen Überprüfung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können: Sie bekämpfen die Fibrose als Ursache des Leberzellkarzinoms und gleichzeitig den Tumor“, erläutert Dr. Ebert.
Neuen Medikamenten auf Basis des VS-Virus wird ein großes Marktpotenzial vorhergesagt, da es bislang keine vergleichbaren Therapieansätze gibt.

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag „Die bakterielle Endosymbiose der Zellen

Mikroorganismen schützen Landkinder vor Asthma und Allergien

Donnerstag, Februar 24th, 2011

Bauernkinder leiden seltener an Asthma und Allergien, so viel ist bekannt. Und auch die Gründe scheinen für den „Normalbürger“ auf der Hand zu liegen: Die weniger sterile Umgebung schützt Mädchen und Jungen vor Überempfindlichkeiten. „Tatsächlich handelt es sich bei Asthma und Allergien um ein Zusammenspiel von genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen“, erklärt Dr. Jon Genuneit vom Institut für Epidemiologie an der Universität Ulm.

Gemeinsam mit den Ulmer Forschern Dr. Gisela Büchele und Nikolaos Sitaridis hat Genuneit jetzt neue Ergebnisse der sogenannten GABRIEL-Studie im New England Journal of Medicine publiziert. Offenbar schützen Mikroorganismen vor Asthma und Allergien. Die GABRIEL-Studie untersucht Ursachen und den Verlauf von Asthma im ländlichen Umfeld.

Die Geschichte der Erhebung, die von Forschergruppen in Baden-Württemberg und Bayern sowie den deutschsprachigen Regionen Österreichs, der Schweiz und in Polen durchgeführt wird, beginnt vor rund fünf Jahren. Die Wissenschaftler haben 10 000 Bauernkindern sowie Mädchen und Jungen aus der ländlichen Referenzgruppe Blutproben entnommen, außerdem sind die Kinder gemessen und gewogen worden. Von den Eltern ausgefüllte Fragebögen gaben Aufschluss über Aktivitäten der Mädchen und Jungen wie Kühe melken oder misten. Mit den so gewonnenen Daten konnten die Wissenschaftler zunächst bestätigen, dass ein bäuerliches Umfeld vor Asthma und Allergien schützt. Kontakte mit beispielsweise Rindern, Heu und Stroh scheinen diesen Effekt zu begünstigen. Allerdings müssen diese Einflüsse bereits während der Schwangerschaft der Bäuerin und in der frühkindlichen Phase bestehen.

Bei Hausbesuchen wurden auch Staubproben aus den Kinderzimmern genommen. Dieser Umweltteil der GABRIEL-Studie steht im Zentrum der neuesten Publikation. „Auf diese Weise suchen wir eine Antwort auf die Frage, ob bestimmte Expositionen auf dem Bauernhof, also Bakterien und Pilze, erklären, dass Bauernkinder weniger Allergien und Asthma entwickeln als ihre Klassenkameraden“, so Genuneit. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass Bauernkinder offenbar einer größeren Vielfalt von Mikroorganismen ausgesetzt sind. Nun stellt sich die Frage, welche Mikroorganismen einen besonders positiven Einfluss auf die Entwicklung des Immunsystems haben. „Bisher haben wir dafür Anhaltspunkte, bewegen uns aber noch auf der Ebene von Gruppen“, erklärt Jon Genuneit. Um eigene Ergebnisse zu erhärten, beziehen sich die Forscher auch auf die so genannte PARSIFAL-Studie (Prevention of allergy risk factors for sensitisation in children related to farming and anthroposophic lifestyle), in der Wissenschaftler mit ähnlichem Forschungsinteresse Staubproben aus Matratzen untersucht haben.

In einem nächsten Schritt wollen die Epidemiologen Teilnehmer der GABRIEL-Studie jährlich befragen. Auftakt war im vergangenen Sommer. Die Forschungsfragen lauten unter anderem: Wie entwickeln sich Asthma und Allergien in der Pubertät? Hält der Schutz des bäuerlichen Umfelds an? Und welchen Einfluss hat das Rauchen auf die Entwicklung von Asthma bei Bauernkindern und der übrigen Landbevölkerung?
„Bei den mehr als 2000 kontaktierten Familien war die Bereitschaft, weiterhin an der Erhebung teilzunehmen, erfreulich hoch. Nur so können belastbare Forschungsergebnisse entstehen, die uns im Kampf gegen Asthma und Allergien weiterbringen“, erklärt Genuneit. Wurde die ursprüngliche GABRIEL-Studie noch mit EU-Geldern finanziert, erhält Jon Genuneit für die nächsten zwei Jahre Nachwuchsförderung von der Universität Ulm.

Literatur:
Markus J. Ege, M.D., Melanie Mayer, Ph.D., Anne-Cécile Normand, Ph.D., Jon Genuneit, M.D., William O.C.M. Cookson, M.D., D.Phil., Charlotte Braun-Fahrländer, M.D., Dick Heederik, Ph.D., Renaud Piarroux, M.D., Ph.D., and Erika von Mutius, M.D. for the GABRIELA Transregio 22 Study Group. N Engl J Med 2011; 364:701-709.

Anmerkung: siehe hierzu auch den Artikel „Allergien – Entstehung und Behandlung aus naturheilkundlicher Sicht

Chlamydien – Problemkeim und kaum Strategien

Donnerstag, Februar 17th, 2011

Chlamydieninfektionen sind mit etwa 300.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste sexuell übertragbare Erkrankung in Deutschland. Schätzungsweise 100.000 Frauen in Deutschland sind wegen einer unentdeckten Infektion mit diesen Keimen unfruchtbar. Maßnahmen zur Früherkennung sind vom Gesetzgeber längst vorgesehen, bis heute aber nicht praktikabel umgesetzt.

Etwa 100.000 Frauen in Deutschland sind unfruchtbar, weil sie beim Geschlechtsverkehr mit Chlamydien angesteckt wurden. Denn die Infektion mit Chlamydien verursacht meist keine spürbaren Symptome, kann aber bei der Frau dazu führen, dass die Eileiter sich entzünden und vernarben. Das Ergebnis ist Unfruchtbarkeit und ein hohes Risiko für Eileiter-Schwangerschaften. Ein Früherkennungs-Programm, das eine rechtzeitige Behandlung ermöglicht und die weitere Ausbreitung der Infektionen verhindern könnte, ist vom Gesetzgeber längst vorgesehen. Aber es ist bis heute kein praktikabler Weg gefunden worden, dieses Screening flächendeckend umzusetzen.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt, dass die Hindernisse auf dem Weg zu einem wirkungsvollen Chlamydien-Screening möglichst schnell beseitigt werden. Dazu gehören folgende Punkte:

• Angebot des Screenings für alle Frauen bis 34 Jahre. Bisher lag die Altersgrenze bei 25 Jahren. Dadurch werden viele Infektionen bei Frauen, die später noch schwanger werden wollen, übersehen.
• Angebot des Screenings auch für Männer, so wie es den Niederlanden und in Großbritannien üblich ist, denn Männer sind ebenso wie Frauen Träger unentdeckter Infektionen.
• Untersuchung des Zell-Abstriches aus dem Gebärmutterhals. Derzeit wird im Labor nur der Urin untersucht, was dazu führt, dass Infektionen der Vagina häufig übersehen werden.
• Wiedereinführung der Meldepflicht, die seit 2001 ausgesetzt wurde. Damit könnte überprüft werden, ob sich die Infektion, an der derzeit schätzungsweise 300.000 Frauen und Männer pro Jahr neu erkranken, weiter ausbreitet, oder ob sie durch Aufklärung, durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen beim Geschlechtsverkehr und durch ärztliche Früherkennung und Behandlung eingedämmt werden kann.

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Eine ausführliche Stellungnahme ist auf der Homepage der DGGG publiziert.
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ANHANG – FAKTEN

KEIM UND ÜBERTRAGUNG

Die Infektion mit Chlamydien (hier gemeint ist immer die Spezies Chlamydia trachomatis) ist die häufigste sexuell übertragbare Erkrankung in Deutschland. Chlamydien werden durch Geschlechtsverkehr übertragen oder bei der Geburt von infizierten Müttern auf ihre neugeborenen Kinder. Bei Frauen ist zunächst der Gebärmutterhals infiziert; der Keim steigt dann durch die Gebärmutter bis in die Eileiter und in Einzelfällen sogar bis in den Bauchraum und bis zur Leber auf. Beim Mann können Harnröhre, Prostata und Nebenhoden infiziert werden. Häufig ruft die Infektion keine spürbaren Krankheitszeichen hervor. Deshalb sind viele Frauen und Männer Überträgerinnen und Überträger der Krankheit, ohne es zu wissen. Bei Neugeborenen ruft der Krankheitserreger Augen- und Lungenentzündungen hervor. In einer nicht repräsentativen Erhebung war etwa jede zehnte junge Frau mit dem Keim infiziert. Für die Infektionshäufigkeit bei Männern gibt es keine Zahlen.

SCREENING

Der Gesetzgeber hat vor vier Jahren beschlossen, dass die jährliche Untersuchung aller jungen Frauen zwischen 17 und 25 Jahren in den Katalog der so genannten „Regelleistungen“ der Krankenkassen aufgenommen wird. Vorgesehen war, dass einmal jährlich eine entsprechende Beratung und Untersuchung beim Frauenarzt-Besuch durchgeführt und dass ein Abstrich aus dem Gebärmutterhals genommen wird. Allerdings sind diese Maßnahmen aus verschiedenen Gründen nicht in die Praxis umgesetzt worden. Das derzeit vorgeschriebene Laborverfahren – die Untersuchung von Urinproben – ist zudem für die Diagnostik nicht optimal.

BEHANDLUNG

Die Behandlung der Chlamydieninfektion ist einfach. Die/derjenige, bei der/dem die Infektion festgestellt wurde, und alle ihre/seine Sexualpartner werden über kurze Zeit mit Antibiotika behandelt. Damit lässt sich die Infektion heilen und eine erneute Ansteckung verhindern, solange die Partnerschaft stabil ist. Bei Partnerwechsel lässt sich eine erneute Chlamydieninfektion durch die Verwendung von Kondomen mit großer Sicherheit verhindern.

Anmerkung: aus naturheilkundlicher Sicht gehören Infektionen mit Chlamydien zu den sog. „tuberkulinischen Krankheiten„.  Diese Infektionen lassen sich homöopathisch recht gut regulieren.

Bakterien als Tumor-Killer

Mittwoch, Januar 26th, 2011

Wissenschaftler erforschen, wie Salmonellen Tumoren abtöten können.

Seit längerem ist bekannt, dass Bakterien und Viren in der Lage sind, Tumoren zu beseitigen (siehe unter anderem den Artikel „Die bakterielle Endosymbiose der Zellen„).

Neuerdings wurde gefunden, dass Salmonellen in der Lage sind, Tumorzellen abzutöten. Andererseits sind Salmonellen gefürchtete Krankheitserreger; sie könnten jedoch zukünftig im Kampf gegen Krebs zu Verbündeten des Menschen werden. 

Dr. Siegfried Weiß und seine Kollegen vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig haben herausgefunden, wie Salmonellen in Tumoren einwandern und diese zerstören. Nun wollen die Forscher die immunologischen Botenstoffe identifizieren, die für diese Mechanismen verantwortlich sind, um die Einwanderung von Salmonellen in das Krebsgewebe gezielt stimulieren zu können. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Forschungsvorhaben mit 245.000 Euro.

Salmonellen haben einen schlechten Ruf: Sie vermehren sich ungehemmt in zu warm gelagerten Speisen und verursachen schwere Darmerkrankungen. Doch die Bakterien besitzen auch eine Eigenschaft, die sie für die Krebsforschung interessant macht: Sie können in einen Tumor einwandern und diesen für sie äußerst nährstoffreichen Ort besiedeln. Das mit den Salmonellen einströmende Blut sammelt sich im kranken Gewebe und es bildet sich eine so genannte Nekrose. Der Tumor stirbt ab – und das Festmahl für die Bakterien beginnt.

Eine Krebs-Therapie mit aktiven Krankheitserregern war bislang undenkbar. Denn eine Infektion mit Salmonellen birgt ein hohes Risiko für den Patienten. Daher wollen die Wissenschaftler die Bakterien so abschwächen, dass sie zwar für die Krebs-Behandlung nutzbar werden – aber ohne eine gefährliche Darminfektion auszulösen. “Im Kampf gegen den Krebs ist die Deutsche Krebshilfe stets darum bemüht, neue und innovative Therapieansätze zu fördern“, betont Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. „Dass Tumoren von Bakterien angegriffen werden, ist schon länger bekannt. Doch dieses Phänomen aktiv zu nutzen, um die Heilungschancen von Krebs-Patienten zu verbessern, wäre ein großer Fortschritt in der Behandlung von Krebs.“

Möglich wird der gesundheitliche Nutzen der Salmonellen durch die Unterstützung des Immunsystems: Sobald patrouillierende Abwehrzellen die Krankheitserreger entdecken, wird Alarm ausgelöst. Um andere Immunzellen an den Ort der Infektion zu locken, senden die Abwehrzellen bestimmte Botenstoffe aus. Diese sorgen jedoch auch dafür, dass die Blutgefäße eines Tumors durchlässig werden. Durch diese Lücke in der Verteidigung können die Bakterien in den Tumor einwandern und diesen abtöten. Mit Hilfe welcher Botenstoffe sich die Bakterien Zutritt zum Tumor verschaffen, wollen die Forscher nun herausfinden. Vor diesem Hintergrund wollen sie zukünftig die Einwanderung der Bakterien in das Krebsgewebe gezielt stimulieren.

Für eine effiziente Therapie reicht nach Meinung der Forscher die Gabe von Salmonellen allein jedoch nicht aus. Denn die Bakterien fressen den Tumor nur von innen heraus auf, dessen äußere Randbereiche bleiben unbeeinträchtigt. Daher wollen die Wissenschaftler noch einen Schritt weiter gehen: „Genetisch veränderte Salmonellen könnten zudem einen Wirkstoff abgeben, der auch die restlichen Krebszellen schnell und effektiv zerstört. Außerdem würde durch diese Methode das umliegende, gesunde Gewebe nicht geschädigt, wie es bei einer herkömmlichen Chemotherapie der Fall ist“, erklärt Weiß. Bei den Versuchen der Arbeitsgruppe handelt es sich noch um Grundlagenforschung. Bis diese Erkenntnisse Krebs-Patienten zu Gute kommen, ist noch umfangreiche Forschungsarbeit nötig.

Quelle: unter Verwendung von Material der Deutschen Krebshilfe e.V.

Umweltkontaminanten in Lebensmitteln

Samstag, Januar 8th, 2011

BfR-Forschungsprojekt zur Aufnahme von Schwermetallen und Dioxinen abgeschlossen

Der Abschlussbericht des Forschungsprojektes „Lebensmittelbedingte Exposition gegenüber Umweltkontaminanten“ (LExUKon) liegt vor. In dem Projekt haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des Forschungs- und Beratungsinstituts für Gefahrstoffe (FoBiG) und der Universität Bremen berechnet, welche Mengen Cadmium, Blei, Quecksilber, Dioxine und polychlorierte Biphenyle (PCB) Verbraucherinnen und Verbraucher üblicherweise mit der Nahrung aufnehmen. Hauptquelle für die Cadmiumaufnahme sind demnach Gemüse und Getreide. Blei nehmen Verbraucherinnen und Verbraucher in erster Linie über Getränke und Getreide auf. Methylquecksilber ist hauptsächlich in Fisch enthalten, während für Dioxine und PCB vor allem Milchprodukte und Fleisch ausschlaggebend sind. „Diese Erkenntnisse sind für die Risikobewertung von hoher Bedeutung“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Damit können wir das Ausmaß einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung durch kontaminierte Lebensmittel besser abschätzen.“ Der Projektbericht ist als Broschüre erschienen und beim BfR erhältlich.

Über Lebensmittel nehmen Menschen nicht nur wertvolle Stoffe wie Vitamine und Mineralstoffe auf, sondern auch unerwünschte Stoffe, die in bestimmten Mengen der Gesundheit schaden können, so zum Beispiel sogenannte Umweltkontaminanten. Dazu zählen Schwermetalle und Dioxine, die über Verunreinigungen der Luft, des Wassers und des Bodens in Lebensmittel gelangen können. Um die Risiken solcher Stoffe abschätzen zu können, stellt sich die Frage, in welchen Mengen sie in Lebensmitteln vorkommen und in welchen Mengen Verbraucherinnen und Verbraucher diese Lebensmittel essen. Das stand im Mittelpunkt des Projektes LExUKon. Hier wurden standardisierte Methoden zur Auswertung von Verzehrsmengen und zu Gehaltsdaten von Lebensmitteln mit Umweltkontaminanten entwickelt und angewendet.

Möglich war dies auf der Grundlage von Daten aus der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) des Max Rubner-Instituts (MRI) und dem Lebensmittel-Monitoring des Bundesamtes für Verbraucherschutz (BVL). Dabei wurde die Aufnahme von Umweltkontaminanten über Lebensmittel für die Gesamtbevölkerung unter Berücksichtigung unterschiedlicher Verzehrsgewohnheiten sowie individueller Lebensstile ermittelt. So stellte sich zum Beispiel heraus, dass Verbraucherinnen und Verbraucher mit zunehmendem Alter mehr Fisch essen und damit unter anderem auch mehr Methylquecksilber aufnehmen als jüngere Personen.

Der Abschlussbericht des Forschungsprojektes ist als BfR-Broschüre erschienen. Er enthält Angaben dazu, in welchem Umfang Verbraucherinnen und Verbraucher die Umweltkontaminanten Cadmium, Blei, Quecksilber, Dioxine und PCB über Lebensmittel aufnehmen. Die Broschüre steht auf der Internetseite des BfR kostenlos zum Herunterladen zur Verfügung. Das Heft kann auch per Fax unter 030-18412-4970 und per E-Mail publikationen@bfr.bund.de bestellt werden.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Beratungspreis bei pferdemedizin.com bleibt auch im Jahr 2011 konstant günstig

Dienstag, Dezember 28th, 2010

Seit 2009 führt der Tierarzt Dr.Dr. Peter Schneider (pferdemedizin.com) die Beratung von Patientenbesitzern per Email und Telefon durch. Dieses Angebot wird sehr gerne wahrgenommen.

Die günstigen Kosten für eine Beratung in Höhe von 35 Euro pro Fall können auch im Jahr 2011 konstant gehalten werden, weil die erhöhten Begleitkosten durch ein höheres Beratungsaufkommen ausgeglichen werden konnten.

Die Pressemitteilung, in der diese innovative Dienstleistung beschrieben wird, finden Sie << hier >>

Fortschritte in der Chlamydien-Forschung: Wissenschaftler erkennen bislang unbekannte Besonderheiten

Mittwoch, Dezember 1st, 2010

Prof. Dr. Jan Rupp, Exzellenzcluster Entzündungsforschung, und sein Team haben herausgefunden, welche Einflüsse der Sauerstoffgehalt in den Schleimhäuten auf den Heilungsprozess einer Chlaymdien-Infektion hat. Durch diese Erkenntnisse wird deutlich, warum die Krankheit bislang oft nicht oder nur schwer therapierbar ist. Bisher galt als ungelöst, warum viele Bakterien die antibiotische Medikation überleben und dass, obwohl sie keine Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt haben. Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in PNAS veröffentlicht. Link zur Internetseite: http://www.pnas.org/content/107/45/19502.abstract

Die bakterielle Infektion mit Chlamydien ist die am häufigsten sexuell übertragbare Krankheit weltweit. Besonders Frauen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren sind von der Erst-Infektion betroffen. Die Erkrankung ist tückisch: Viele der Betroffenen bleiben symptomlos, die Infektion wird oft erst nach vielen Jahren bemerkt. Die Folgen können gravierend sein: Allein in Deutschland sind geschätzte mehr als 100.000 Frauen aufgrund einer chronischen Chlamydien-Infektion ungewollt kinderlos, mehr als 1 Million Frauen gilt als infiziert, die Zahlen der Erst-Infektionen steigen von Jahr zu Jahr drastisch an.

Prof. Dr. Jan Rupp, Exzellenzcluster Entzündungsforschung, hat jetzt mit seinem Team Besonderheiten über diese Bakterien-Spezies herausgefunden, die den Umgang und die Therapie mit den ungewollten Gästen revolutionieren können: „Chlamydien setzen sich in den Schleimhäuten von Männern und Frauen fest und können dort jahrelang unbemerkt leben. Wir haben jetzt entdeckt, dass die natürliche Immunantwort des Menschen gegen Chlamydien nur funktioniert, wenn genügend Sauerstoff in den Schleimhäuten vorhanden ist. Nur dann können Chlamydien effizient bekämpft werden, denn sie suchen sich bevorzugt eine sauerstoffarme Umgebung aus, in der sie sich einnisten und vermehren. Da der Sauerstoffgehalt im Eileiter der Frau, wie auch an anderen Stellen im menschlichen Körper, Schwankungen unterworfen ist, hängt es also von der jeweiligen momentanen Konstitution und Verfassung ab, ob die Chlamydien eine Chance zum Überleben haben, oder nicht. Treffen die Bakterien auf eine sauerstoffarme Umgebung, wachsen sie. Dieses Wachstum wird im Körper als Entzündung wahrgenommen. Es hat zur Folge, dass der Körper Botenstoffe zur Entzündungsbekämpfung schickt, die dann „vor Ort“ wiederum Sauerstoff verbrauchen und damit die Bedingungen für weiteres Chlamydien-Wachstum begünstigen. Und dies führt dann häufig zu langfristigen Entzündungen.“, erklärt Prof. Rupp.

Diese Forschungsergebnisse sind neu und liefern wichtige Erkenntnisse für die nächsten Schritte. Prof. Rupp zu den Hintergründen der Forschungen: „Bisher wurden die Bakterien im Labor – und das bedeutet, mit Raumluft – untersucht. Im menschlichen Körper indes herrschen andere Sauerstoffbedingungen und deswegen haben wir unsere Forschungen unter diesen realen Bedingungen durchgeführt – und sind damit auch zu diesen ganz neuen Erkenntnissen gekommen. Wir werden jetzt weiter daran arbeiten heraus zu finden, wie die Zusammenhänge zwischen Immunkontrolle des Menschen und Sauerstoffgehalt im menschlichen Körper sind.“

Der Exzellenzcluster Entzündungsforschung

Der Exzellenzcluster Entzündungsforschung verfolgt einen einzigartigen interdisziplinären Forschungsansatz, um die Ursachen der chronischen Entzündung zu entschlüsseln und Therapien zur Heilung zu entwickeln. Der Forschungsverbund bündelt die Kompetenzen von rund 200 Genetikern, Biologen, Ernährungswissenschaftlern und Ärzten der Universitäten zu Kiel und Lübeck, des Forschungszentrums Borstel und des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie, Plön. Mehrere Millionen Menschen leiden allein in Deutschland an chronischer Entzündung der Lunge (Asthma), der Haut (Schuppenflechte), des Darms (Morbus Crohn) und des Gehirns (Morbus Parkinson). Auslöser ist eine Fehlsteuerung des Immunsystems: Unaufhörlich aktiviert es entzündliche Botenstoffe und Abwehrzellen, zerstört dadurch gesundes Gewebe. Die Zahl der Betroffenen steigt täglich. Dieses Phänomen der modernen Zivilisation ist zur Herausforderung für die Medizin des 21. Jahrhunderts geworden.

Quelle: Geschäftsstelle Exzellenzcluster Entzündungsforschung

Anmerkung: diese „neuen“ Erkenntnisse sind in der Naturheilkunde seit langem bekannt; siehe hierzu auch den Artikel über die Tuberkulinie. Außerdem haben Chlamydien nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere eine große Bedeutung (s.u.a. Animal-Health-Online).

Antibiotika bei Kindern: der Trend geht zum Abwarten

Mittwoch, November 17th, 2010

Resistenzen zwingen zu genauerem Blick auf Krankheitserreger

Wien (pte/17.11.2010/12:50) – Der ärztliche Reflex, Kindern bei Beschwerden aller Art Antibiotika zu verschreiben, ist zunehmend gebremst. Immer mehr richtet sich der Blick auf den Allgemeinzustand des Kindes und ob Abwarten die bessere Alternative darstellt. Das berichten Experten in Wien anlässlich des dritten europäischen Antibiotika-Tages http://ecdc.europa.eu/de/eaad am 18. November. „Der Tag soll vor allem Bewusstsein schaffen, dass man durch unkritische Antibiotikagabe nur Resistenzen Auftrieb gibt, die sich durch mangelnde Hygiene verbreiten“, erklärt Petra Apfalter vom Referenzzentrum für nosokomiale Infektionen und Antibiotikaresistenzen.

Abschied von alter Sicherheit

Dass ein derartiger Paradigmenwechsel bereits im Gange ist, bestätigt Karl Zwiauer, Primar der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Landesklinikum St. Pölten http://www.stpoelten.lknoe.at. Über Jahrzehnte bedeuteten Antibiotika Sicherheit für Eltern und Ärzte, zudem war ihre Verschreibung stets billig, schnell und einfacher als das Erklären anderer Therapien zur Abwehrstärkung. Aus dieser Sicherheit werde man nun unangenehm herausgeholt. „Antibiotika-Resistenzen sind auch in der Kindermedizin ein großes Thema geworden. Griff man früher bei jedem Fieber zum Antibiotikum, sieht man heute genauer nach“, so der Experte gegenüber pressetext.

Antibiotika haben bei Virusinfekten keine Wirkung. Zudem versagen besonders die breit wirkenden Mittel immer öfters bei bakteriellen Erregern (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/101110038/ ). „Der Trend geht deshalb in Richtung Abwarten, ob man die Selbstheilung durch ein Antibiotikum überhaupt unterstützen muss oder nicht“, so Zwiauer. Für die Ärzte bedeutet das in der Praxis eine Herausforderung. „Viel Aufklärungsarbeit ist somit nötig, denn die Eltern müssen ins Boot geholt werden. Zudem benötigt das Zuwarten auch mehr Zeit, etwa für Nachuntersuchungen 24 oder 48 Stunden später, bevor man sich für eine etwaige Behandlung entscheidet.“

Pflanzenmedizin und Hühnersuppe

Hilfreich für dieses Vorgehen seien Erregertests. „Bei Kindern, deren Allgemeinzustand gut und der Sinn von Antibiotika zweifelhaft ist, sind Abstriche oder der zweiminütige CRP-Schnelltest sinnvoll. Letzteren gibt es mittlerweile in jeder Praxis, doch nicht überall bezahlt die Krankenkasse“, so der Mediziner. Abwarten bedeute nicht Nichtstun. „Sinnvoll ist in vielen Fällen eine frühzeitige Basistherapie, die das lokale und systemische Immunsystem stärkt. Dazu gehören hochwertige Phytotherapeutika, die antiviral und antimikrobiell wirken und künftig mehr Bedeutung bekommen werden, jedoch auch t Bettruhe und Fiebernlassen.“ Selbst die Hühnersuppe werde medizinisch zunehmend anerkannt.

Den Hintergrund für diese Entwicklung veranschaulicht der in Abu Dhabi tätige Labormediziner Oskar Janata. „Aktuell gibt es keine Antibiotika mit neuen Wirkprinzipien, während die Erreger gleichzeitig immer weniger auf die verfügbaren Mittel reagieren.“ In ganz Europa habe seit 2002 die Variante des Darmbakteriums Escherichia coli, die das an Resistenzen wesentlich beteiligte Enzym ESBL erzeugt, dramatisch zugenommen. Zudem reagierten die Erreger immer weniger auf Fluochinolone und Cephalosproine der dritten Generation. Als Problem der Zukunft speziell für Intensivstationen sieht der Experte den bis zu zwei Wochen persistieren Erreger Acinetobacter, gegen den es kein Gegenmittel gibt.

Händewaschen stoppt die Übertragung

Eine Maßnahme, die als Folge der Resistenzen gemeinsam mit dem kritischen Antibiotikaeinsatz einen erneuten Aufschwung erleben wird, ist das Händewaschen. „Die Hände gehören zu den wichtigsten Übertragungswegen resistenter Keime. Die Qualität des Händewaschens im Spital und auch zuhause wurde infolge der Schweinegrippe wiederentdeckt. Studien zeigen, dass Seife und Wasser vergleichbar gut wirksam sind wie konventionelle Antiseptika mit Alkohol. Beide können die Erreger zu 100 Prozent eliminieren“, betont Janata.

Quelle: pressetext.redaktion

Anmerkung: siehe hierzu auch den Artikel „Über die Bedeutung zellwandfreier Bakterienformen“

Multiresistente Tuberkulose geht mit HIV eine fatale Allianz ein

Donnerstag, November 11th, 2010

Multiresistente TB und HIV – eine tickende Zeitbombe

Die Tuberkulose ist hierzulande fast vergessen, doch in Osteuropa und Afrika betrachten Experten die Krankheit als tickende Zeitbombe. Der Grund: Multiresistente Erregerstämme gehen mit HIV eine fatale Allianz ein.
In Osteuropa war die nach wie vor steigende Prävalenz von multiresistenten TB-Erregern stets das Hauptproblem. Durch den Vormarsch von AIDS steigen dort nun aber auch die Raten von TB/HIV-Koinfektionen. In Afrika dagegen war bisher HIV die größte Herausforderung und bahnte der TB-Koinfektion den Weg. Kürzlich berichteten Forscher in Südafrika jedoch zusätzlich von der Ausbreitung total resistenter TB Erreger (TDRs). So nähern sich die Problemlagen in beiden Regionen an und stellen die Experten vor völlig neue Herausforderungen.
Im Oktober 2007 vereinbarten die Gesundheitsminister der WHO-Euroregion in der „Berlin Declaration on Tuberculosis“, einen effizienten Kampf gegen die Krankheit zu führen. Dennoch ist die Lage in Teilen Osteuropas und Afrikas immer noch alarmierend.
Das Koch-Metschnikow-Forum möchte auf aktuelle Probleme und Defizite hinweisen, aber auch politische, finanzielle und wissenschaftliche Unterstützung für erfolgreiche Initiativen gegen MDR-TB gewinnen.
Ein Symposium am 13. November 2010  erlaubt Einblicke in aktuellste Daten, Entwicklungen und Initiativen.
Hoch kompetente Vertreter betroffener Staaten geben Informationen aus erster Hand zur TB-Bekämpfung in ihren Ländern und stehen für Fragen zur Verfügung.
Das Programm findet sich hier. Wir würden uns freuen, Sie begrüßen zu dürfen.
Quelle: Koch-Metschnikow-Forum
Anmerkung: zellwandfreie Mycobakterien (die Erreger der Tuberkulose) werden seit langem als Cofaktor, wenn nicht sogar als Hauptursache von AIDS diskutiert (siehe auch http://www.pferdemedizin.com/cwd/)

Biofilme: Der perfekte Schleim

Dienstag, November 2nd, 2010

Das Erfolgsgeheimnis der meisten Bakterien ist, dass sie mit anderen Mikroorganismen zusammen in einer Schleimhülle leben. Die Mikrobiologen und Wasserforscher Prof. Dr. Hans-Curt Flemming und Dr. Jost Wingender von der Universität Duisburg-Essen (UDE) zeigen auf, was die Natur für eine komplexe und gleichzeitig geniale Matrix geschaffen hat.

Nur die wenigsten Bakterien auf der Welt kommen als winzige Einzelzellen in Wasser vor – die allermeisten führen ein Gemeinschaftsleben mit allen möglichen anderen Mikroorganismen in einer unansehnlichen Schleimhülle. Die aber birgt ihr Erfolgsgeheimnis.

Die Mikrobiologen und Wasserforscher Prof. Dr. Hans-Curt Flemming und Dr. Jost Wingender von der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben in einer jetzt publizierten Arbeit in „Nature Reviews Microbiology“ gezeigt, was die Natur da für eine komplexe und gleichzeitig geniale Matrix geschaffen hat. Sie ist eine der Ursachen dafür, dass so genannte Biofilme entstehen können: die älteste Form des Lebens auf der Erde. Zugleich ist sie die am weitesten verbreitete und die erfolgreichste – es gibt davon Milliarden von Tonnen.

Ihre Bausteine bestehen aus verschiedenen Biopolymeren, wie Proteine, Polysaccharide und Nucleinsäuren. Sie binden viel Wasser und bilden eine Matrix. In ihr können die verschiedenen Biofilm-Bewohner über längere Zeit hinweg in stabilen Anordnungen bleiben, „Mikrokonsortien“ genannt, in denen sie auch komplizierte Verbindungen abbauen können. Sie scheiden Enzyme aus, die in der Matrix hängen bleiben, so dass auch ihre Produkte in der Nähe bleiben und gut verwertet werden – auf diese Weise bilden sie gewissermaßen ein externes Verdauungssystem, das biologisch Verwertbares auf „mundgerechte Größe“ zerkleinert.

Baumfressende Biofilme

Damit können sie alles abbauen, was biologisch abbaubar ist – so können Biofilme sogar Bäume fressen. Flemming: „Sie brauchen zwar lange dafür, aber sie siedeln sich darauf an und zersetzen sie.“ In der Matrix reichern sie nicht nur die gelösten Stoffe an, sondern auch die Partikel aus dem Abwasser. In Müllhalden vollbringen sie so auch die biologische Abfallbeseitigung.

Sie sind die globale Putzkolonne, Träger der Selbstreinigungskräfte im Boden, in Gewässern und technisch in allen Biofiltern genutzt. Gleichzeitig ist die Matrix ein perfektes Recycling-System, das auch abgestorbene Zellen nahezu vollständig wiederverwertet. Wenn Biofilme trockenfallen, hält die Matrix das Wasser zurück, das ihre Bewohner zum Leben brauchen. Bei Bedarf können sie diese Matrix auch umbauen und letzten Endes sogar als Nährstoff verwenden.

Allerdings gibt es keinen Bakterienstamm, der sämtliche Matrix-Bestandteile abbauen kann – so etwas wäre eine Naturkatastrophe, von der die gesamte Selbstreinigung des Planeten betroffen wäre. Aber das ist nicht zu befürchten. Im Laufe der Evolution haben sich so viele verschiedene Varianten dieser Bestandteile entwickelt, dass Enzyme nur Löcher in den Biofilm fressen, ihn aber nicht vollständig beseitigen.

Die Matrix ist sozusagen das „Haus für Biofilm-Bewohner“, ihre unmittelbare Umgebung. Sie gibt ihnen Halt, hilft ihnen bei der Ernährung und erlaubt ihnen, auch unter ungünstigsten Bedingungen am Leben zu bleiben. Flemming: „Es ist schon faszinierend, welche perfekte Funktion hinter so einem unansehnlichen Stück Natur steckt.“

Quelle: Universität Duisburg-Essen

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag „Bakterielle Biofilme im lebenden Organismus – Entstehung, Bedeutung und naturheilkundliche Regulation