Archive for the ‘Naturwissenschaft’ Category

Honig besiegt resistente Bakterien

Donnerstag, April 14th, 2011

Antimikrobielle Wirkung bei chronischen Wunden bestätigt.

Harrogate/Linz (14.04.2011) – Der Siegeszug von Krankheitserregern, die unempfindlich gegenüber Antibiotika sind, gehört zu den dringendsten Problemen der Medizin. Dass Honig ein geeignetes Mittel gegen Superbakterien und die von ihnen verursachten chronischen Wunden sein könnte, glauben britische Forscher nun belegt zu haben. Rose Cooper vom University of Wales Institute Cardiff http://www3.uwic.ac.uk berichtete am gestrigen Mittwoch beim Treffen der britischen Mikrobiologen http://www.sgm.ac.uk über den möglichen Wirkmechanismus.

Erreger purzeln ab

Erforscht wurde der sogenannte Manuka-Honig, den Bienen aus dem Nektar des in Neuseeland wachsenden Manuka-Baumes gewinnen. Einige Wundmittelprodukte verwenden ihn bereits aufgrund seiner antimikrobiellen Eigenschaften, obwohl die genaue Wirkung noch unbekannt ist. Die Forscher nahmen nun die Erreger Pseudomonas aeruginosa, A-Streptokokken und den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) unter die Lupe. Manuka kann das Wachstum dieser Bakterien hemmen, zeigte sich, weshalb der Honig eine gute Alternative bei Medikament-resistenten Wundinfektionen sein könne.

„Honig verhindert den Beginn einer akuten Infektion, indem er die Bakterien daran hindert, sich an das Gewebe zu heften. Zudem verhindert er auch, dass Bakterien einen Antibiotika-Schutz in Form eines Biofilms bilden“, erklärt Cooper. Weiters macht Manuka bestehende MRSA-Keime empfindlicher auf Antibiotika wie etwa Oxacillin, wodurch antibiotische Resistenz rückgängig gemacht werden kann. Die Wirkung existierender Antibotika könnte somit in Verbindung mit Manuka erhöht werden, schließen die Forscher.

Situation des Patienten entscheidet

Die Medizin kennt eine Reihe natürlicher antimikrobieller Wirkstoffe, erklärt Petra Apfalter vom Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin am Linzer Krankenhaus der Elisabethinen http://www.elisabethinen.or.at gegenüber pressetext. „Darunter befinden sich etwa Honig, Schokolade, Kräuterextrakte, Preiselbeersaft, Atemwegssirup oder Blasentee. Doch auch Penicillin ist bloß das Stoffwechselprodukt eines Schimmelpilzes“, so die Expertin. Bei einigen Naturmitteln beschränke sich die Wirkung darauf, den pH-Wert des Körpers zu senken – was in manchen Fällen selbst hochresistenten Bakterien zu schaffen mache.

Ob man ein natürliches Mittel oder ein Medikament verschreibt, hängt eindeutig von der klinischen Situation des Patienten ab, betont die Linzer Medizinerin. „Bei einem unkomplizierten Harnwegsinfekt wird man sicher nicht gleich mit großen Geschützen auffahren. Insgesamt muss man jedoch immer im Auge behalten: Wie krank ist der Patient?“

Quelle: pressetext.at

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag „Bakterien und Pilze

Prostata-Screening bringt eigentlich nichts

Montag, April 4th, 2011

Untersuchungen beeinflussen Anzahl der Diagnosen nicht

Stockholm (pte/04.04.2011) – Das Screening gegen Prostatakrebs rettet keine Leben. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie unter der Leitung des Karolinska Institutet http://ki.se gekommen. Diese Ergebnisse beruhen auf den Daten von 9.026 Männern, die 1987 über 50 oder über 60 Jahre alt waren und in Norrkoping lebten. Fast 1.500 dieser Männer wurden ausgewählt und zwischen 1987 und 1996 alle drei Jahre untersucht.

Für die aktuelle Studie wurden die ersten beiden Tests mittels digitaler Rectumuntersuchung durchgeführt, die weiteren mittels PSA-Test. Das Team um Gabriel Sandblom kommt zu dem Schluss, dass nach einem Beobachtungszeitraum von 20 Jahren keine signifikanten Unterschiede bei den Prostatakrebserkrankungen zwischen den untersuchten Männern und der Kontrollgruppe festgestellt werden konnten.

Die beliebteste Screening-Methode ist der PSA-Test. Rund 15 Prozent der Männer mit normalen PSA-Werten erkranken an Prostatakrebs. Zwei Drittel der Männer mit erhöhten Werten leiden jedoch nicht an Prostatakrebs. Eine ältere Studie legte nahe, dass für das Verhindern eines Todesfalls 1.410 Männer untersucht und 48 behandelt werden müssten.

Eine von vier Krebsdiagnosen betrifft die Prostata

Allein in Großbritannien entfällt laut BBC eine von vier Krebsdiagnosen auf Prostatakrebs. Im vergangenen Jahr sprach sich das UK National Screening Committee http://www.screening.nhs.uk gegen ein Routine-Screening aus. Anne Mackie vom UK National vom Screening Committee betonte, dass derzeit die potenziellen Nachteile größer seien als die Vorteile. In Großbritannien sterben rund 10.000 Patienten jährlich an Prostatakrebs. Ein Screening-Programm gibt es nicht. Männer über 50 Jahren können jedoch einen Test verlangen.

Details der Studie wurden im British Medical Journal http://www.bmj.com/content/342/bmj.d1539 veröffentlicht.

Quelle: pressetext.redaktion

Anmerkung: über die Hintergründe der Problematik von Prostatatumoren siehe auch das Buch „Gedanken altern nicht„, ISBN: 978-3-8334-5446-2.

Selbstorganisation in sozialen Netzwerken – Wer nicht kooperiert, wird ausgegrenzt

Montag, April 4th, 2011

Arbeite ich mit meinen Kollegen zusammen oder nutze ich andere aus? Setze ich mich uneigennützig für andere Menschen ein? Welche Bedingungen Kooperation und prosoziales Verhalten fördern, das hat das Team um Juniorprofessor Dr. Dirk Semmann am Courant Forschungszentrum „Evolution des Sozialverhaltens“ der Universität Göttingen untersucht. Er leitet dort die Nachwuchsgruppe „Evolution of cooperation and prosocial behaviour“.

Die Wissenschaftler konnten nun erstmals experimentell nachweisen, dass dynamische soziale Netzwerke kooperatives Verhalten fördern und dass die natürliche Selektion so Kooperation begünstigen kann. Ihre Ergebnisse weichen jedoch teilweise von den Vorhersagen theoretischer Modelle ab. Sie werden heute (Montag, 4. April 2011) in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Ecology Letters“ veröffentlicht. Das Courant Forschungszentrum wird aus Mitteln der Exzellenzinitiative gefördert.

In dem Experiment spielten Studierende am Computer mit verschiedenen Partnern das sogenannte Gefangenendilemma, das ein zentraler Bestandteil der Spieltheorie ist. Dabei treffen zwei sich unbekannte Personen aufeinander, müssen sich für oder gegen eine Zusammenarbeit entscheiden und dabei Geld verdienen. Die Spielpartner müssen dabei abwägen, von welchem Verhalten sie am meisten profitieren, ohne vorab die Entscheidung des anderen zu kennen.

Die Göttinger Evolutionsbiologen simulierten zwei unterschiedliche Szenarien: Zum einen spielten die Probanden in einem statischen Netzwerk mit festgelegten Partnern, die sie nicht austauschen konnten. Dies entspricht der Situation mit Kollegen am Arbeitsplatz. Zum anderen spielten sie in einem dynamischen Netzwerk wie zum Beispiel bei Freundschaften, in dem die Partner ersetzt werden können. Die Probanden erfuhren in den insgesamt 30 Spielrunden nur die Ergebnisse der Entscheidungen mit ihrem jeweiligen Partner; sie erhielten keinen Überblick über das Geschehen im gesamten Netzwerk.

„In dynamischen sozialen Netzwerken wählten die Teilnehmer eine andere Strategie, als dies in theoretischen Modellen vorhergesagt wurde: Sie wählten häufig nicht kooperierende Personen ab und gingen lieber kooperative Langzeitbeziehungen ein“, so Katrin Fehl, Doktorandin in der Nachwuchsgruppe. Bislang war vermutet worden, dass Spieler auch nicht kooperierende Mitspieler behalten und sich auf deren Verhalten einstellen. Denn bei einem neuen, unbekannten Partner besteht die Gefahr, von ihm ausgenutzt zu werden.

Durch konstante Muster der Partnerabwahl veränderten die Teilnehmer ihr soziales Umfeld und beeinflussten die Struktur des dynamischen Netzwerkes: Es bildeten sich stabile Cliquen kooperativer Spieler mit Dreiecksbeziehungen heraus, in denen die eigenen Freunde auch untereinander befreundet waren. „Es besteht also eine enge Wechselwirkung zwischen der sozialen Umgebung und kooperativem Verhalten“, so Prof. Semmann. Im Spielverlauf machten kooperative Teilnehmer in dem dynamischen Netzwerk neue Erfahrungen, die ihre Verhaltenstrategie weiter festigte. Gleichzeitig wurden Spieler mit nicht-kooperativem Verhalten an den Rand des Netzwerks gedrängt. Die Partnerabwahl erzog Teilnehmer dazu, prosoziales Verhalten zu entwickeln.

Originalveröffentlichung:
Katrin Fehl, Daniel J. van der Post, Dirk Semmann (2011). Co-evolution of behaviour and social network structure promotes human cooperation. Ecology Letters. Doi: 10.1111/j.1461-0248.2011.01615.x

Quelle: Universität Göttingen

Wie Gene am Beginn eines neuen Lebens neu programmiert werden

Dienstag, März 15th, 2011

Epigenetische Markierungen auf dem Erbgut des Menschen bestimmen, ob ein Gen aktiviert wird oder stumm bleibt. Diese zusätzlichen Signale helfen, unsere Gene in jeder spezifischen Zelle des Körpers anders zu interpretieren. Die epigenetischen Markierungen werden kurz nach der Entstehung neuen Lebens in der befruchteten Eizelle völlig neu programmiert. Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Jörn Walter, Professor für Epigenetik an der Universität des Saarlandes, hat nun vollkommen neue Einblicke in die Vorgänge erlangt, die die epigenetische Reprogrammierung am Beginn eines neuen Lebens steuern. Die Ergebnisse der Studie erscheinen im Forschungsmagazin „Nature Communication“.

Jede menschliche Zelle des Körpers enthält die komplette einzigartige genetische Information eines Individuums. Die circa 25000 bis 30000 Gene des Genoms sind in jeder Zelle auf eine ganz spezifische Art und Weise „an- oder abgeschaltet“. Ob die Gene in den verschiedenen Zellen aktiv sind oder stumm bleiben, entscheiden zusätzliche epigenetische Veränderungen, beispielsweise Methylgruppen (CH3-Gruppen), die an die DNS-Bausteine angeheftet werden. Das universelle Genom des Menschen ist in jeder Zelle des Körpers von einem charakteristischen Netz dieser epigenetischen Schalter überzogen.

Zum Beginn eines neuen Lebens werden die Epigenome umprogrammiert, um zunächst einmal das neue Genom auf seine vielen Aufgaben vorzubereiten, aber auch, um sicher zu stellen, dass epigenetische Fehler der Eltern nicht an die Folgegeneration weitergegeben werden. Nach dem Verschmelzen von Eizelle und Spermium werden daher die epigenetischen Markierungen der elterlichen Chromosomen auf eine neue epigenetische Programmstufe gesetzt. Diese umfassende Dekodierung wird als epigenetische Reprogrammierung bezeichnet.

Völlig neue Einblicke in die molekularen Mechanismen, die dabei ablaufen, hat nun ein internationales Wissenschaftler-Team unter der Leitung von Jörn Walter gewonnen. Der Professor für Epigenetik an der Universität des Saarlandes erläutert: „Damit sich ein Embryo normal entwickeln kann, ist eine kontrollierte epigenetische Dekodierung des mütterlichen und väterlichen Erbmaterials kurz nach der Entstehung neuen Lebens von zentraler Bedeutung.“ Die Forscher fanden jetzt heraus, dass bei der Reprogrammierung die Methylgruppen auf der DNA chemisch verändert werden. Hierdurch verändern die Chromosomen schlagartig ihre epigenetische Struktur. Die neuen Erkenntnisse über die molekularen Abläufe haben weitreichende Bedeutungen für viele Fragen der Entwicklungsbiologie und liefern vollkommen neue Ansatzmöglichkeiten, um epigenetisch bedingte Erbgutveränderungen im Verlauf des Lebens und daraus resultierende Erkrankungen zu entschlüsseln.

Kurz nach ihrer Befruchtung beginnt die Eizelle, die in Chromosomen geordneten Strukturen des väterlichen Erbmaterials erst zu „entpacken“ und dann epigenetisch zu dekodieren. Das mütterliche Erbmaterial bleibt dagegen weitgehend geschützt. Diese mütterliche „Dominanz“ über die väterlich vererbten Chromosomen wurde vor über zehn Jahren von den Autoren entdeckt. Das Forscherteam fand nun heraus, wie die epigenetische Dekodierung der väterlichen Chromosomen im frühen Embryonenstadium abläuft: Ein erster Schritt ist das zusätzliche Anhängen einer einfachen Hydroxyl-Gruppe (OH-Gruppe) an die bereits bekannte modifizierte Base 5-methyl-Cytosin. Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler den an diesem Vorgang beteiligten enzymatischen Prozess entschlüsseln. Sie wiesen nach, dass das Enzym Tet3 als ein zentrales Schaltenzym für den Umwandlungsprozess verantwortlich ist. Auch in der Frage, warum nur die vom Vater stammenden Chromosomen dekodiert werden, während die mütterlichen größtenteils geschützt sind, kamen die Wissenschaftler einen wesentlichen Schritt weiter: Sie konnten zeigen, dass die Eizelle ihr eigenes Erbgut vor dem Vorgang der Reprogrammierung durch ein Protein namens Stella schützt. Die mütterliche Eizelle bestimmt also mit sehr ausgeklügelten epigenetischen Werkzeugen über die Interpretation des väterlichen Genoms. Bereits vor zehn Jahren hatten die Wissenschaftler diesen Kampf der Geschlechter beschrieben – aber erst jetzt sind sie den Mechanismen auf die Spur gekommen. Die genauen biologischen Konsequenzen der massiven, einseitigen Umwandlung väterlicher Chromosomen bleiben zwar ein noch zu lösendes Rätsel, die Erkenntnisse der Forscher eröffnen aber vollkommen neue Perspektiven, diese in Zukunft zu lösen.

„Die schnelle Reprogrammierung der epigenetischen Information des väterlichen Genoms erfüllt vermutlich zwei „Aufgaben“: Zum Einen werden die epigenetischen Fehler des Vaters gelöscht und gleichzeitig wird das Genom für die Vielzahl der neuen Aufgaben vorbereitet, die für eine totipotente, also vollständige Entwicklung wichtig sind“, erläutert Jörn Walter. „Unsere Arbeit trägt dazu bei, die molekularen Signale und Schalter zu verstehen, die für die epigenetische Reprogrammierung entscheidend sind. Da epigenetische Programmfehler in unmittelbarem Zusammenhang mit der Entstehung komplexer Erkrankungen wie Krebs, Immun- und Stoffwechselerkrankungen oder Neuronalen Erkrankungen zu sehen sind, haben die von uns gefundenen Mechanismen eine vermutlich viel weitreichende Bedeutung als „nur“ für die Steuerung erster Lebensvorgänge“, sagt der Epigenetiker.

Die aktuelle Studie ist unter folgendem Titel in „Nature Communication“ erschienen: „5-Hydroxymethylcytosine in the mammalian zygote is linked with epigenetic reprogramming“.

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag „ Ursachen und Therapie chronischer Krankheiten aus naturheilkundlicher Sicht

Virotherapie gegen Leberkrebs und Leberfibrose

Dienstag, März 8th, 2011

Forscher des Klinikum rechts der Isar entwickeln einen neuen Therapieansatz.

Forscher der II. Medizinischen Klinik des Klinikums rechts der Isar der TU München (Direktor: Prof. Roland Schmid) haben eine Möglichkeit entdeckt, Leberzellkarzinome und Leberfibrosen gleichzeitig zu behandeln: Dr. Oliver Ebert und Dr. Jennifer Altomonte entwickelten die transarterielle VSV-Onkolyse, bei der ein für den Menschen unschädliches Virus verwendet wird, um Tumorzellen aufzulösen und gleichzeitig die chronisch geschädigte Leber zu behandeln. Die Bayerische Patentallianz stellt die Erfindung am 23. und 24. März 2011 zusammen mit anderen Patenten vor, für die Pharmaunternehmen Lizenzen erwerben können.

Leberzellkarzinome stellen weltweit die fünfthäufigste Krebsart dar und sind in den meisten Fällen die Folge einer chronischen Schädigung der Leberzellen, auch als Leberfibrose bekannt. Die Ursachen können Alkoholmissbrauch, eine Hepatitis, ein Medikamentenschaden oder eine Verfettung der Leber sein.

Die beiden Wissenschaftler der II. Medizinischen Klinik konnten in einer präklinischen Studie zeigen, dass eine Virotherapie mit VSV, dem so genannten Vesikulären Stomatitis Virus, eine sichere und wirksame Bekämpfung von Leberzellkarzinom und Leberfibrose ermöglicht. Der für den Menschen unschädliche Erreger wird gespritzt, vermehrt sich in den Tumorzellen und löst diese schließlich auf. Darüber hinaus führen die antifibrogenen Eigenschaften des Virus zu einer deutlichen Verbesserung der Fibrose, bei der sich das Gewebe der Leber krankhaft vermehrt, anschließend vernarbt und die Leberfunktion beeinträchtigt.

„Aufgrund unserer Ergebnisse können nun Medikamente entwickelt werden, die nach der klinischen Überprüfung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können: Sie bekämpfen die Fibrose als Ursache des Leberzellkarzinoms und gleichzeitig den Tumor“, erläutert Dr. Ebert.
Neuen Medikamenten auf Basis des VS-Virus wird ein großes Marktpotenzial vorhergesagt, da es bislang keine vergleichbaren Therapieansätze gibt.

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag „Die bakterielle Endosymbiose der Zellen

Selbstversuch: Akupunkturanästhesie wirkt bei Leistenoperation

Sonntag, Februar 6th, 2011

Berlin – Akupunktur wirkt auch bei Operationen als Anästhetikum. Der Berliner Allgemeinmediziner Dr. Friedrich Molsberger prüfte im Selbstversuch die Wirkung von Akupunkturanästhesie bei einer Leistenbruchoperation. Dabei gewährleistete die Akupunktur mit Elektrostimulation die Anästhesie für einen Hautschnitt von sechs Zentimetern Länge und bis zu einer Tiefe von 15 Millimetern. Für die vollständige Anästhesie der gesamten Operation war die Akupunktur allerdings nicht ausreichend. Es mussten zusätzlich Medikamente zur Lokalanästhesie verabreicht werden, berichtet die Fachzeitschrift Forschende Komplementärmedizin in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 1, 2011).

Der erfahrene Akupunkteur und Dozent der Forschungsgruppe Akupunktur Friedrich Molsberger setzte sich selbst vor der Operation sechs Nadeln in beide Unterschenkel an jeweils drei Akupunkturpunkte. Die Nadeln wurden mit Kabeln verbunden und über eine Stunde lang elektrisch stimuliert. Das Verfahren geht auf den japanischen Chirurg Yamamoto zurück, der bereits chinesische Akupunktur mit Elektrostimulation zur alleinigen Betäubung bei Kaiserschnitten oder Blinddarmoperationen eingesetzt hatte. Doch handelt es sich bis heute um ein medizinisches Gebiet, das noch wenig erforscht ist. Der langjährige Dozent der Forschungsgruppe Akupunktur tolerierte den Schnitt des Skalpells in einer Länge von sechs Zentimetern und das Präparieren in die Tiefe von bis zu 15 Millimetern problemlos und ohne jede weitere Betäubung. Allerdings traten beim weiteren Schneiden in die Tiefe starke Schmerzen auf: „Es war nicht auszuhalten! Ich zuckte vor Schmerz, der Chirurg konnte nicht weiter arbeiten und musste Lokalanästhetikum nachspritzen“, berichtete Molsberger. Auf das Experiment hatte sich der bekannte Berliner Sportchirurg Dr. Jens Krüger eingelassen.

„Mit Akupunktur lassen sich viele Erkrankungen sehr gut behandeln“, erklärte Molsberger. „Der Selbstversuch hat gezeigt, dass man mit Akupunktur auch Hautschnitte ohne Gabe von Medikamenten durchführen kann. Aber eine alleinige Anästhesie bei Operationen kann die Akupunktur nicht leisten. Da müssen wir die Kirche im Dorf lassen und der Schulmedizin für ihre modernen Möglichkeiten dankbar sein.“ Weitere Untersuchungen seien jetzt notwendig, um die Betäubungswirkung von Akupunktur bei Operationen besser zu erforschen und – zum Beispiel durch andere Punktauswahl und Stimulationsverfahren – zu optimieren.

Quelle: Forschungsgruppe Akupunktur

Epilepsie: Neue Untersuchungen zu den Ursachen und verbesserte Behandlung der medikamentenresistenten Formen

Donnerstag, Januar 27th, 2011

Forscher des Krankenhauses Frédéric Joliot (SHFJ: I2BM, CEA/Orsay) in Orsay (Ile-de-France) [1] und der Abteilung für Neurochirurgie des Sainte-Anne Krankenhauses in Paris [2] haben eine Diagnosemethode entwickelt, die es ermöglicht, genau die Hirnareale einzugrenzen, die für epileptische Anfälle verantwortlich sind.

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, bei der die Patienten unter epileptischen Anfällen leiden. Diese Anfälle entstehen durch Störungen im Gehirn, die auf eine kurz andauernde vermehrte Entladung von Nervenzellen zurückzuführen sind. Diese Anfälle können sich durch Krämpfe, Bewusstlosigkeit oder sogar Halluzinationen äußern [3].
In Frankreich leiden rund 500.000 Menschen an Epilepsie, d.h. knapp 1% der gesamten Bevölkerung. Ungefähr 60% dieser Patienten haben eine sogenannte partielle Epilepsie, von der 20-50% medikamentenresistent sind.

Die einzig mögliche Behandlung dieser Patienten ist der chirurgische Eingriff. Jedoch hängt der Erfolg dieser Operation von der Genauigkeit der Eingrenzung des Hirnareals ab, der für die epileptischen Anfälle verantwortlich ist. Aus diesem Grund ist die neue Diagnosemethode von großer Bedeutung. Sie beruht auf der Verbindung von Echoenzephalographie und Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Die PET-Untersuchung wird mit Fluor-Deoxyglucose [4] durchgeführt, die einen geringen Glukosestoffwechsel in den Regionen nachweisen kann, die für die epileptischen Anfälle verantwortlich sind.

Im Rahmen einer Studie werteten die Forscher die Ergebnisse der präoperativen Hirn-Tomographie von mehr als tausend Patienten aus. Diese neue Methode konnte bereits bei Operationen von Jungendlichen und Kindern getestet werden, die unter einer schweren Form der Epilepsie litten und für die keine therapeutische Lösung zur Verfügung stand. In 90% der Fälle führte die Operation zur Heilung. Die Ergebnisse wurden am 14. Dezember 2010 in der Fachzeitschrift Neurologyy veröffentlicht [5].

[1] Internetseite des Krankenhauses Frédéric Joliot: http://www-dsv.cea.fr/dsv/instituts/institut-d-imagerie-biomedicale-i2bm/services/service-hospitalier-frederic-joliot-shfj-p.-merlet/le-shfj
[2] Internetseite der Abteilung für Neurochirurgie des Sainte-Anne Krankenhauses: http://www.ch-sainte-anne.fr/site/soins/soinsNeuro/neurochirurgie/presentation.html
[3] Weitere Informationen über Epilepsie finden Sie auf der Webseite von Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Epilepsie
[4] Fluor-Deoxyglucose ist ein Glucose-Analogon. Der vollständige Name der Verbindung lautet 2-Fluor-2-deoxy-D-glucose. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite von Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Fluordesoxyglucose
[5] Originalpublikation: „FDG-PET improves surgical outcome in negative MRI Taylor-type focal cortical dysplasias“, Neurology – 14.12.2010 – http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21172840

Quelle: Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

 
Eine weitere Epilepsie-Langzeitstudie, die von der Universität Bonn durchgeführt wurde, ergab überraschende Ergebnisse.

In der Epilepsieforschung ist immer noch wenig bekannt darüber, wie und warum es zu epileptischen Anfällen kommt. Forscher der Universität Bonn liefern nun in einer neuen Studie wichtige Erkenntnisse darüber, welche Reaktionen im Gehirn eines Epilepsiepatienten ablaufen. Dabei haben sie nicht nur den Zeitraum, in dem ein Anfall geschieht, sondern auch normale Phasen untersucht und sind zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Die Studie ist in der Zeitschrift Chaos erschienen (doi: 10.1063/1.3504998).

Die Forscher in der Universitätsklinik für Epileptologie haben untersucht, wie Hirnregionen bei Epilepsiepatienten miteinander kommunizieren und wie sich diese Kommunikation bei einem Anfall verändert. Dazu haben sie die Hirnaktivität mit Elektroden im Schädel gemessen. Das Besondere an der Studie: Die Wissenschaftler haben nicht nur, wie bislang üblich, wenige Minuten während des Anfalls gemessen, sondern über mindestens zwei Tage, im längsten Fall sogar über zehn Tage. Diese lange Dauer der Untersuchung ist bislang einzigartig. Zumal die Patienten sich während der Untersuchung verhielten wie in ihrem normalen Alltag auch: Sie schauten fern, lasen oder telefonierten. Insgesamt wurden 13 Patienten untersucht.

Über ihre Messungen konnten die Forscher rekonstruieren, wie die Regionen im Gehirn miteinander kommunizieren. Dabei achteten sie unter anderem darauf, wie sich Aktivitätsänderungen in einer Region auf die Aktivität anderer Regionen auswirkten. Mit Hilfe dieser Netzwerkanalysen hoffen die Forscher in Zukunft, Anfälle besser vorher zu sehen. „Man sollte meinen, dass man mit diesen Methoden Vorboten für Anfälle im Gehirn sieht. Aber das ist bislang nicht der Fall“, erklärt die Leiterin der Untersuchung Marie-Therese Kuhnert. Sie promoviert über dieses Thema.

Tag-Nacht-Wechsel deutlicher als epileptischer Anfall

Tagsüber ist die Kopplung verschiedener Regionen im Gehirn gering, nachts arbeiten sie eher im Gleichklang. Während eines epileptischen Anfalls, so wird angenommen, ist die Gleichschaltung jedoch noch viel stärker. Überraschenderweise zeigten die Netzwerkanalysen aber, dass Veränderungen der Kommunikation zwischen den Hirnregionen durch den Tag-Nacht-Wechsel oder auch durch Medikamente viel deutlicher waren als vor oder sogar während epileptischer Anfälle. „Wir müssen nun die ’normalen‘ Phasen zwischen den Anfällen besser verstehen“, betont Kuhnert. „Wir wollen aber auch die Analysemethoden weiter verbessern, um mögliche Veränderungen vor einem epileptischen Anfall besser zu erkennen.“

Die Untersuchung stößt international auf großes Interesse. Gerade hat Marie-Therese Kuhnert zusammen mit ihrem Doktorvater Professor Dr. Klaus Lehnertz und dem Direktor der Bonner Universitätsklinik für Epileptologie Professor Dr. Christian Elger ihre Ergebnisse im aktuellen Journal „Chaos“ publiziert. Dabei waren die Forscher vom Ausgang ihrer Untersuchung selbst überrascht. „Vor allem hätten wir nicht gedacht, dass die Netzwerkänderungen bei epileptischen Anfällen so gering sind“, erklärt Marie-Therese Kuhnert.

Literatur: Long-term variability of global statistical properties of epileptic brain networks; Marie-Therese Kuhnert, Christian E. Elger, Klaus Lehnertz; Chaos Band 20, Ausgabe 4 (doi: 10.1063/1.3504998)

Quelle: Universität Bonn

Anmerkung: die Epilepsie lässt sich übrigens unterstützend gut naturheilkundlich mit Hilfe der „Liminalen Frequenztherapie“ (LFT) behandeln.

Bakterien als Tumor-Killer

Mittwoch, Januar 26th, 2011

Wissenschaftler erforschen, wie Salmonellen Tumoren abtöten können.

Seit längerem ist bekannt, dass Bakterien und Viren in der Lage sind, Tumoren zu beseitigen (siehe unter anderem den Artikel „Die bakterielle Endosymbiose der Zellen„).

Neuerdings wurde gefunden, dass Salmonellen in der Lage sind, Tumorzellen abzutöten. Andererseits sind Salmonellen gefürchtete Krankheitserreger; sie könnten jedoch zukünftig im Kampf gegen Krebs zu Verbündeten des Menschen werden. 

Dr. Siegfried Weiß und seine Kollegen vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig haben herausgefunden, wie Salmonellen in Tumoren einwandern und diese zerstören. Nun wollen die Forscher die immunologischen Botenstoffe identifizieren, die für diese Mechanismen verantwortlich sind, um die Einwanderung von Salmonellen in das Krebsgewebe gezielt stimulieren zu können. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Forschungsvorhaben mit 245.000 Euro.

Salmonellen haben einen schlechten Ruf: Sie vermehren sich ungehemmt in zu warm gelagerten Speisen und verursachen schwere Darmerkrankungen. Doch die Bakterien besitzen auch eine Eigenschaft, die sie für die Krebsforschung interessant macht: Sie können in einen Tumor einwandern und diesen für sie äußerst nährstoffreichen Ort besiedeln. Das mit den Salmonellen einströmende Blut sammelt sich im kranken Gewebe und es bildet sich eine so genannte Nekrose. Der Tumor stirbt ab – und das Festmahl für die Bakterien beginnt.

Eine Krebs-Therapie mit aktiven Krankheitserregern war bislang undenkbar. Denn eine Infektion mit Salmonellen birgt ein hohes Risiko für den Patienten. Daher wollen die Wissenschaftler die Bakterien so abschwächen, dass sie zwar für die Krebs-Behandlung nutzbar werden – aber ohne eine gefährliche Darminfektion auszulösen. “Im Kampf gegen den Krebs ist die Deutsche Krebshilfe stets darum bemüht, neue und innovative Therapieansätze zu fördern“, betont Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. „Dass Tumoren von Bakterien angegriffen werden, ist schon länger bekannt. Doch dieses Phänomen aktiv zu nutzen, um die Heilungschancen von Krebs-Patienten zu verbessern, wäre ein großer Fortschritt in der Behandlung von Krebs.“

Möglich wird der gesundheitliche Nutzen der Salmonellen durch die Unterstützung des Immunsystems: Sobald patrouillierende Abwehrzellen die Krankheitserreger entdecken, wird Alarm ausgelöst. Um andere Immunzellen an den Ort der Infektion zu locken, senden die Abwehrzellen bestimmte Botenstoffe aus. Diese sorgen jedoch auch dafür, dass die Blutgefäße eines Tumors durchlässig werden. Durch diese Lücke in der Verteidigung können die Bakterien in den Tumor einwandern und diesen abtöten. Mit Hilfe welcher Botenstoffe sich die Bakterien Zutritt zum Tumor verschaffen, wollen die Forscher nun herausfinden. Vor diesem Hintergrund wollen sie zukünftig die Einwanderung der Bakterien in das Krebsgewebe gezielt stimulieren.

Für eine effiziente Therapie reicht nach Meinung der Forscher die Gabe von Salmonellen allein jedoch nicht aus. Denn die Bakterien fressen den Tumor nur von innen heraus auf, dessen äußere Randbereiche bleiben unbeeinträchtigt. Daher wollen die Wissenschaftler noch einen Schritt weiter gehen: „Genetisch veränderte Salmonellen könnten zudem einen Wirkstoff abgeben, der auch die restlichen Krebszellen schnell und effektiv zerstört. Außerdem würde durch diese Methode das umliegende, gesunde Gewebe nicht geschädigt, wie es bei einer herkömmlichen Chemotherapie der Fall ist“, erklärt Weiß. Bei den Versuchen der Arbeitsgruppe handelt es sich noch um Grundlagenforschung. Bis diese Erkenntnisse Krebs-Patienten zu Gute kommen, ist noch umfangreiche Forschungsarbeit nötig.

Quelle: unter Verwendung von Material der Deutschen Krebshilfe e.V.

Vermeidbare Risikofaktoren für Brustkrebs identifiziert

Mittwoch, Januar 19th, 2011

19.01.2011  – Etwa 30 Prozent aller Fälle von Brustkrebs nach den Wechseljahren ließen sich durch mehr Bewegung und den Verzicht auf Hormonersatztherapie vermeiden, errechneten Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum.

Viele Risikofaktoren für Brustkrebs sind gut dokumentiert und erforscht: So sind sich Wissenschaftler heute sicher, dass z.B. eine frühe erste Regelblutung, ein spätes Eintreten der Wechseljahre sowie auch das gehäufte Auftreten von Brustkrebs in der Familie mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko einhergehen.

Jedoch haben weder die einzelne Frau noch die Medizin einen Einfluss darauf, ob weibliche Verwandte an Brustkrebs erkranken oder in welchem Alter die Wechseljahre beginnen – diese Risikofaktoren lassen sich nicht beeinflussen. Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum um Privatdozentin Dr. Karen Steindorf und Professor Dr. Jenny Chang-Claude suchten gemeinsam mit Professor Dr. Dieter Flesch-Janys im Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf nach Risikofaktoren, die durch Änderungen im Lebensstil und Verhalten beeinflusst werden können.

„58.000 Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Brustkrebs“, sagt Jenny Chang-Claude. „Da stellt sich die zentrale Frage, ob und welche Verhaltensänderungen dazu beitragen können, die Erkrankungsrate zu senken. Mit unserer Studie wollten wir herausfinden, welchen Anteil an der Zahl der Erkrankungsfälle diese beeinflussbaren Faktoren haben.“

Die Forscher konzentrierten sich auf Aspekte wie die Einnahme von Hormonen zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden („Hormonersatztherapie“), auf körperliche Aktivität, Übergewicht und Alkoholkonsum. All diese Lebensstilfaktoren galten aufgrund vorangegangener Untersuchungen als mögliche Risikofaktoren für die Entstehung von Brustkrebs.

In der von der Deutschen Krebshilfe geförderten MARIE-Studie untersuchten die Epidemiologen 6386 weibliche Kontrollpersonen sowie 3074 Patientinnen, die nach dem Eintritt der Wechseljahre an Brustkrebs erkrankt waren. Anhand dieser Daten wurde der Anteil an Krebsfällen berechnet, die sich auf einen bestimmten Risikofaktor (bzw. auf eine bestimmte Kombination mehrerer Risikofaktoren) zurückführen lassen.

Von den veränderbaren Lebensstilfaktoren steigerten vor allem die Einnahme von Hormonersatztherapie und mangelnde körperliche Aktivität das Erkrankungsrisiko für Brustkrebs. Alkoholkonsum und Übergewicht zeigten einen geringeren Einfluss auf das Brustkrebsrisiko. So sind 19,4 Prozent der Fälle von invasivem Brustkrebs nach den Wechseljahren auf Hormonpräparate zurückzuführen, 12,8 Prozent auf den Mangel an körperlicher Aktivität. Beide Faktoren zusammengenommen sind für 29,8 Prozent der Krebsfälle verantwortlich. Betrachteten die Forscher gesondert die Gruppe der Patientinnen mit Tumoren, die Rezeptoren für Geschlechtshormone ausbilden („rezeptorpositiver Brustkrebs“), so liegt dieser Wert sogar bei 37,9 Prozent. Diese Ergebnisse, so betonen die Studienleiterinnen, spiegeln die Situation in Deutschland mit unseren typischen Lebensgewohnheiten wider und könnten in Ländern mit anderen Lebensstilen von den hier ermittelten Werten abweichen.

Die nicht zu beeinflussenden Faktoren wie Familiengeschichte oder der Zeitpunkt der ersten und der letzten Regelblutung bedingen zusammen 37,2 Prozent aller Fälle von bösartigem Brustkrebs nach den Wechseljahren. „Das heißt, dass zwei Faktoren, die jede Frau selbst in der Hand hat, für vergleichbar viele Fälle von Brustkrebs nach den Wechseljahren verantwortlich sind wie die nicht-beeinflussbaren Faktoren“, sagt Karen Steindorf. „Ließen sich in diesen beiden Bereichen Verhaltensänderungen herbeiführen, könnten fast 30 Prozent aller Fälle von Brustkrebs nach den Wechseljahren verhindert werden.“ Die DKFZ-Forscherinnen raten den Frauen daher zu mehr Bewegung und einem Verzicht auf Hormonersatztherapie, wo sie nicht unbedingt nötig ist.

Population attributable risk of invasive postmenopausal breast cancer and breast cancer subtypes for modifiable and non-modifiable risk factors. Benjamin B.E. Barnes, Karen Steindorf, Rebecca Hein, Dieter Flesch-Janys und Jenny Chang-Claude: Cancer Epidemiology 2010, DOI: 10.1016/j.canep.2010.11.003

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Die über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Krebs überhaupt entsteht. Sie entwickeln neue Ansätze, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
 
Anmerkung: siehe hierzu auch das Buch „Leitfaden für eine naturheilkundliche Brustkrebstherapie

Gesunde Ernährung lässt Menschen zehn Jahre länger leben

Donnerstag, Dezember 23rd, 2010

Senioren: Wer viel Milch und Käse zu sich nimmt, stirbt früher

College Park (pte/23.12.2010/11:00) – Ältere Menschen, die sich gesund ernähren, leben länger. Forscher der University of Maryland http://www.umd.edu/ sind zu dem Ergebnis gekommen, dass jene, die wenig Fett zu sich nahmen und viel Obst und Gemüse aßen, ihr Sterberisiko um mehr als zehn Jahre senken konnten.

Höchstes Sterberisiko

Das Forscherteam um Amy Anderson verglich die Ernährungsgewohnheiten von 2.500 US-Amerikanern zwischen 70 und 79 Jahren. Jene Teilnehmer, die viel Eis, Käse und Milch zu sich nahmen, verfügten über das höchste Sterberisiko. Die im Journal of the American Dietetic Association http://www.adajournal.org/ veröffentlichte Studie wies nach, dass zwölf zusätzliche Menschen pro 100 Personen zehn Jahre länger lebten, wenn sie sich gesund ernährten.

Die Teilnehmer wurden in sechs verschiedene Gruppen aufgeteilt, die dem entsprachen, wie oft sie bestimmte Lebensmittel zu sich nahmen. Folgende Gruppen wurden gebildet: gesunde Lebensmittel; fettreiche Milchprodukte; Fleisch, Frittiertes und Alkohol; Müsli zum Frühstück; weißes Mehl, Süßigkeiten und Nachspeisen.

Gesünder leben

Die Teilnehmer der ersten Gruppe ernährten sich bewusster: Mehr fettarme Milchprodukte, Obst, Vollkorn, Geflügel, Fisch und Gemüse. Sie lebten auch gesünder, rauchten seltener und gestalteten ihr Leben aktiver als andere Teilnehmer. Sie aßen weniger Fleisch, Frittiertes, Süßigkeiten, kalorienreiche Getränke und zusätzliches Fett. In der zweiten Gruppe standen mehr Eis, Käse, Vollfettmilch und Joghurt auf dem Speiseplan. Dafür gab es weniger Geflügel, fettarme Milchprodukte, Reis und Nudeln.

Es zeigte sich laut BBC ganz allgemein, dass jene, die sich vorwiegend mit fettreichen Milchprodukten ernährten, über ein höheres Sterberisiko verfügten als jene, die sich gesund ernährten. Keine klaren Unterschiede konnten zwischen gesunder Ernährung, Müsli zum Frühstück und weißem Mehl festgestellt werden.

Quelle: pressetext.com
Anmerkung: siehe hierzu auch das Buch „Gedanken altern nicht“