Archive for the ‘Umwelt’ Category

Das Anthropozän: unbequeme Fakten für ein menschengesteuertes Erdsystem – Studie in „Science“

Freitag, Januar 8th, 2016

Die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf der Erde markieren nach Auffassung einer internationalen Gruppe von Geowissenschaftlern und Vertretern anderer Disziplinen eine neue geologische Epoche: das Anthropozän. Die Forscher, darunter Prof. Dr. Reinhold Leinfelder von der Freien Universität Berlin, stufen als Beginn dieser Epoche die Mitte des 20. Jahrhunderts ein. Das Anthropozän sei charakterisiert durch die Verbreitung von Materialien wie elementarem Aluminium, Beton, Plastik, Flugasche und dem sogenannten Fallout von Kernwaffentests über den gesamten Planeten.

Dies werde begleitet von erhöhten Treibhausgas-Emissionen und in der Erdgeschichte beispiellosen transglobalen Arteninvasionen. Die Studie wurde im renommierten Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht.

In der Arbeit zeigen 24 Mitglieder der internationalen Anthropozän-Arbeitsgruppe, dass die Menschen das Erdsystem in einem dermaßen starken Ausmaß verändert haben, dass inzwischen eine Reihe von Signalen in Sedimenten und Eis zu beobachten sind. Diese Signale seien hinreichend unterschiedlich zur deutlich stabileren Holozän-Epoche der letzten 11.700 Jahre, welche die Entwicklung der menschlichen Zivilisation überhaupt erst erlaubte, um die Etablierung einer Anthropozän-Epoche in der erdgeschichtlichen Zeitskala zu rechtfertigen, heißt es in der Studie. Im Jahr 2016 wird die Anthropozän-Arbeitsgruppe weitere Erkenntnisse über das Anthropozän zusammentragen, die Empfehlungen darüber unterstützen sollen, ob diese neue Zeiteinheit formalisiert werden sollte, und – falls ja – wie sie auch formal definiert und charakterisiert werden könnte.

Hauptautor der Studie ist Colin Waters (Sekretär der Arbeitsgruppe, British Geological Survey). An der Studie beteiligt sind Jan Zalasiewicz (Leiter der Arbeitsgruppe, Leicester University) sowie eine Vielzahl weiterer Autoren, darunter Prof. Dr. Reinhold Leinfelder. Leinfelder ist Leiter der Arbeitsgruppe Geobiologie und Anthropozänforschung am Institut für Geologische Wissenschaften der Freien Universität. Ferner steht er dem Forschungsprojekt „Die Anthropozän-Küche“ am Exzellenzcluster Bild-Wissen-Gestaltung der Berliner Universitäten vor und ist Gründungsdirektor des im Bau befindlichen Berliner Hauses der Zukunft.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen, ob menschliche Aktivitäten die Erde in eine neue geologische Epoche – das Anthropozän – getrieben haben. Ihre Forschungsfragen lauten: In welchem Umfang werden menschliche Aktivitäten als messbare Signale in geologischen Schichten aufgezeichnet, und wie deutlich unterscheidet sich das Anthropozän weltweit von der deutlich stabileren Holozän-Epoche der letzten 11.700 Jahre, welche die Entwicklung der menschlichen Zivilisation überhaupt erst erlaubte.

Das Holozän war eine Zeit, während der sich menschliche Gesellschaften durch die schrittweise Domestizierung von Landschaften zur Nahrungsmittelproduktion, durch den Bau von Städten und durch die Entwicklung von Fertigkeiten zur Gewinnung von Wasser-, Mineral- und Energieressourcen des Planeten weiterentwickelten. Die von den Forschern nun vorgeschlagene Anthropozän-Epoche ist dahingegen als eine Zeit besonders rascher Umweltveränderungen charakterisiert; diese seien verursacht insbesondere durch den extrem raschen Anstieg der menschlichen Bevölkerung und den stark erhöhten Ressourcenverbrauch während der „Großen Beschleunigung“ von Mitte des 20. Jahrhunderts an.

Hauptautor Colin Waters vom Britischen Geologischen Dienst sagte: „Menschen beeinflussen die Umwelt schon lange, aber erst seit Kurzem gibt es diese schnelle, globale Verbreitung von neuen Materialien, darunter Aluminium, Beton und Kunststoffe, welche ihre Spuren in Sedimenten hinterlassen. Die Nutzung fossiler Brennstoffe hat Flugascheteilchen weltweit verbreitet, was mit der zeitlichen Verteilung des Maximums der durch atmosphärische Atomwaffentests erzeugten Radionuklide zusammenfällt.“ All dies zeige, dass das Anthropozän-Konzept auf realen Fakten basiert, unterstrich Jan Zalasiewicz von der University of Leicester, Ko-Autor und Vorsitzender der Arbeitsgruppe.

Reinhold Leinfelder, ebenfalls Ko-Autor betonte: „Wir produzieren jährlich fast so viel Plastik, wie es der Biomasse aller auf der Erde lebenden Menschen entspricht. Plastik findet sich bereits in allen Ablagerungsräumen der Erde, vom Gebirgstümpel bis zur Tiefsee und wird so als Technofossil zu einem der wichtigsten Leitfossilen des Anthropozäns werden.“ Neben rein vom Menschen geschaffenen, anthropogenen Sedimentschichten – also etwa Ablagerungen in Stauseen, Müll-Deponien oder Schuttbergen wie dem Berliner Teufelsberg – sei die Signatur des Menschen damit in allen Sedimentschichten nachweisbar, führte Reinhold Leinfelder aus. Deshalb sei eine formale Etablierung des Anthropozäns als Zeiteinhalt der Erdgeschichte geradezu erforderlich. „Das Anthropozän wäre also eine neue geologische Epoche, die als Konsequenz aller Aktivitäten einer technologisierten menschlichen Gesellschaft zu sehen ist und damit in ihrer Bedeutung weit über das Fach Geologie hinausgeht“, konstatierte der Geowissenschaftler Leinfelder

Studie:  Colin Waters et al. (2016) The Anthropocene is functionally and stratigraphically distinct from the Holocene. Science.

Quelle: Freie Universität Berlin

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie ♥

Gehölzfutter ist nicht nur Knabberspaß für Pferde

Mittwoch, Juli 15th, 2015

(aid) – Eine alte Bauernweisheit sagt: „Ist das Pferd krank, schick‘ es in den Wald!“ Was früher noch selbstverständlich war, wird heute nur noch in den seltensten Fällen praktiziert – wenn überhaupt. Denn die Bedeutung von Gehölzen in der Pferdefütterung wird häufig unterschätzt, obwohl Pferde einen bestimmten Anteil ihrer Futtergrundlage durch Laub und frische Triebe decken könnten. In freier Wildbahn und bei den wild gehaltenen Vierbeinern in den Naturschutzgebieten ist eine Mischbeweidung von Gräsern, Kräutern, Bäumen und Buschwerk durchaus typisch. Die wilden Artgenossen der domestizierten Hauspferde überleben ohne die Zugabe von Mineralfutter, decken ihren Bedarf an Spurenelementen und Mineralstoffen also aus der Natur.

Schon 2002 fanden Wissenschaftler im Rahmen einer Studie heraus, dass die Menge der Elemente Calcium, Kalium und Phosphor in den Baumrinden der im Gras oder Heu vergleichbar ist, jedoch der Anteil an Spurenelementen in den Rinden ungleich höher. Die Rinden von Bäumen, Büschen, Sträuchern und Hecken sind außerdem reich an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen und weisen hohe Rohprotein- und Energiewerte auf.

Zahlreiche Bäume und Büsche sind für die Verwendung in der Pferdefütterung durchaus geeignet:
So enthalten Birkenblätter einen hohen Anteil an Calcium und Zink. Sie wirken leicht desinfizierend und erhöhen die Harnausscheidung. Brombeerblätter werden von den Vierbeinern besonders gern verzehrt: Sie enthalten viel Mangan, Kalium und Calcium. Die in den Blättern enthaltenen Gerbstoffe können bei Kotwasser und Durchfällen die Schleimhäute im Magen und Darm positiv beeinflussen. Brombeerblätter sind ganzjährig verfügbar und können aufgrund ihrer keimhemmenden und antiviralen Wirkung durchaus regelmäßig verfüttert werden. Die Blätter der Himbeere sind Eisen- und Manganhaltig. Ihr Einsatzgebiet ist vergleichbar dem von Brombeerblättern, zusätzlich entfalten sie ihre positive Wirkung als kleiner Helfer in der Geburtsvorbereitung: Sie stärken die Wehenmuskulatur, wirken entspannend und krampflösend.

Magnesium, Eisen und Zink liefert die Erle. Auch ihre Rinde ist gerbstoffreich und kann innerlich wie äußerlich – letzteres beispielsweise bei Ekzemen und schlecht heilenden Wunden – angewendet werden. Die Haselnuss verfügt in den Blättern und in der Rinde über einen hohen Gehalt an Eisen, Mangan und Calcium. Ihre Knospen, die sogenannten „Kätzchen“, enthalten viele Aminosäuren. Sie ist bekannt für ihre blutungsstillende Wirkung.

Die Heckenrose mit ihren reifen Hagebutten ist besonders beliebt bei den Vierbeinern. Ihre Früchte sind reich an Vitamin C und K1, dem B-Komplex sowie ß-Carotin. Aufgrund ihrer entzündungshemmenden und gefäßerweiternden Wirkung sorgen sie für eine gute Durchblutung, mindern Beschwerden in den Gelenken und fördern das Hufwachstum. Viel Eisen und Mangan enthalten auch die Rinde und die Blätter der Linde. Beide Baumbestandteile wirken krampflösend, während die Blüten als klassisches Mittel gegen Erkältungskrankheiten gelten.

Die Weide mit ihren vielen verschiedenen Arten gilt als schmerzlindernd und blutverdünnend. Blätter, Blüten und Rinde weisen einen hohen Gehalt an Selen, Zink und Mangan auf – aber auch Salicylate, einer Vorstufe der in Schmerzmitteln enthaltenen Acetyl-Salicylsäure. Die natürlichen Salicylate werden erst im Darm aufgenommen und in der Leber in Acetyl-Salicylsäure verstoffwechselt. Auf diese Weise kann die Weide ihre volle Wirkung entfalten, ohne die Magenschleimhaut anzugreifen – wie das nicht selten bei synthetisch hergestellten Schmerzmitteln zu beobachten ist.

Diese und weitere „pferdegerechte Pflanzen“ bieten daher nicht nur unter dem Aspekt von Artenvielfalt und Naturschutz einen echten Mehrwert, sie stellen auch eine preiswerte, weil oftmals allseits verfügbare Basis einer gesunden, nachhaltigen Ernährung dar – nicht nur wilden Kollegen unserer Hauspferde.

Quelle: http://www.aid.de

Weitere Informationen:  aid-Heft „Pferdefütterung“, Bestell-Nr. 1592, Preis: 4,00 Euro, www.aid.de/shop/shop_detail.php?bestellnr=1592

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie ♥

Antibiotikaresistenzen können sich in der Umwelt weiter ausbreiten

Freitag, Juli 10th, 2015

Kernaussagen des dritten internationalen EDAR-Symposiums (EDAR = The Environmental Dimension of Antibiotic Resistance), das sich mit den Verbreitungswegen von Antibiotikaresistenzen und ihrem Vorkommen in der Umwelt beschäftigte. Das EDAR-3 Symposium fand Ende Mai mit insgesamt 155 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 30 Ländern aller Kontinente in Wernigerode/Harz statt.

„Global steigt der Einsatz von Antibiotika in Humanmedizin und Tierhaltung noch immer. Dies verstärkt die Gefahr der Entstehung von Bakterien mit übertragbaren Resistenzen gegen diese Wirkstoffe nicht nur in Krankenhäusern und Tierställen, sondern auch in der Umwelt“, so ein Fazit der EDAR-3 Tagung „The Environmental Dimension of Antibiotic Resistance“ Ende Mai 2015. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten in Wernigerode/Harz an fünf Tagen ihre aktuellen Forschungsergebnisse vor und diskutierten deren Auswirkungen. Sie stimmten darüber überein, dass es Verbindungen zwischen der Antibiotikaresistenzen in der Umwelt und Resistenzen von klinischen Pathogenen gibt, die es genauer zu erforschen gilt. Eingeladen hatte zu dieser dritten Tagung Prof. Dr. Kornelia Smalla vom Julius Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig. Die organisatorische Abwicklung des EDAR-Kongresses lag in den Händen der Conventus GmbH, Jena.

Bekannt ist, dass ein wiederholter Einsatz von Antibiotika zu Resistenzen führen kann. Auch, dass Menschen und Tiere Antibiotika zum großen Teil wieder ausscheiden, die zusammen mit bereits antibiotikaresistenten Bakterien über Abwasser und Gülle in die Umwelt gelangen können, ist gut dokumentiert. Die Fähigkeiten von Bakteriengemeinschaften, sich an den Selektionsdruck durch Antibiotika anzupassen, werden derzeit intensiv erforscht. So spielen Prozesse, die unter dem Begriff „Horizontaler Gentransfer“ zusammengefasst werden, eine wichtige Rolle: Bakterien tragen mobile genetische Elemente, z. B. sogenannte Plasmide, mit denen sie genetische Informationen untereinander austauschen können. Diese mobilen Elemente können nicht nur ein Gen tragen, das zum Beispiel die Resistenz gegen ein bestimmtes Antibiotikum vermittelt, sondern auch gleichzeitig weitere Gene, die die Bakterien beispielsweise gegen andere Antibiotika, Desinfektionsmittel oder Metallverbindungen resistent machen. Dies führt zu Problemen, die als Ko-Selektion bezeichnet werden. Mehrere Experten referierten, dass Antibiotika, die vor allem in der Tierhaltung genutzt werden, bei Bakterien auch Resistenzen gegen andere Antibiotika „ko-selektieren“ können, die für die Humantherapie von Bedeutung sind.

Welche Antibiotika in verschiedenen Umweltbereichen, z. B. im Boden, auftreten und wie sie persistieren, wird wesentlich von ihrer chemischen Struktur bestimmt. In diesem Forschungsfeld arbeitete das Julius Kühn-Institut im Rahmen der DFG-Forschergruppe 566. Stellvertretend stellte Dr. Jan Siemens (Universität Bonn) vor, dass an die Bodenmatrix gebundene Antibiotika aus der Gruppe der Sulfonamide in kleinen Mengen über mehrere Monate freigesetzt werden. Zudem zeigte er einen Zusammenhang zwischen der Antibiotika-Konzentration im Boden und dem gehäuften Auftreten von Resistenzgenen und mobilen genetischen Elementen auf (siehe auch JKI-Presseinformation vom 1.7. 2014).

„Kläranlagen und Güllelager sind ohne Zweifel „hot spots“ der bakteriellen Evolution. Hier kommen hohe Bakterienkonzentrationen, ein breites Spektrum an Nährstoffen für Bakterien, verschiedene Antibiotika, aber auch Desinfektionsmittel oder Metallverbindungen zusammen. Dies begünstigt genetische Veränderungen in den Mikroorganismen“, fasst Prof. Smalla eine wichtige Erkenntnis aus den Redebeiträgen ihrer Wissenschaftskolleginnen und Kollegen zusammen. Prof. Dr. Fernando Baquero (CSIC-INTA, Madrid) wies darauf hin, dass bereits sehr geringe Konzentrationen von Antibiotika in der Umwelt beachtliche Effekte auf Bakteriengemeinschaften haben können.
Immer wieder wurden bei den Tagungsbeiträgen die enge Vernetzung unterschiedlicher Lebensräume (Agrar- und aquatische Ökosysteme) sowie die globale Dimension des Themas deutlich. Viele der präsentierten Daten weisen darauf hin, dass es verschiedene Übertragungswege zwischen Landwirtschaft und Humanmedizin gibt.

Die Mikrobiologin Smalla vom Julius Kühn-Institut forscht selbst an Themen, die Dr. Ed Topp (Quebec/Kanada) präsentierte. Alle die Pflanze besiedelnden Mikroorganismen, die auch als Mikrobiom bezeichnet werden, sind durch den Boden und damit auch durch die Nutzung von organischem Dünger (z. B. Gülle) und Beregnungswasser mit der Gesamtheit der Antibiotikaresistenz-vermittelnden Gene (Resistom) verknüpft. Topp konnte dies am Beispiel von Gemüsekulturen wie Tomate, Rettich, Möhre und Salat nachweisen. Trotz aller Fortschritte im Verständnis, warum sich Bakterien bei Selektionsdruck, z. B. durch ein Antibiotikum, genetisch so schnell anpassen können, bleiben doch noch viele Fragen offen. „Vor allem müssen wir die biotischen und abiotischen Faktoren, die die Häufigkeit und Übertragbarkeit von Antibiotikaresistenzgenen beeinflussen, weiter erforschen“, so Professor Smallas Fazit für die eigene Arbeit. Sie hofft, dass mit der heute möglichen Analytik und neuen Methoden die Übertragungswege der Resistenzgene sowie die wichtigsten Einflussfaktoren bereits in naher Zukunft besser verstanden werden.

EDAR-4 wird im Mai 2017 in East Lansing in den USA stattfinden. Prof. James Tiedje von der Michigan State University ist der Organisator.

Quelle: Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie ♥

Pferdemist richtig dokumentieren

Mittwoch, März 25th, 2015

(aid) – Auf größeren Pferdebetrieben gibt es einen Termin, der in jeder Woche regelmäßig stattfindet: Mistabholung. In Nordrhein-Westfalen sind es oft holländische oder belgische Unternehmer, die Pferdemist als Grundlage für die Champignonproduktion oder zur Düngerherstellung abholen. Kleinere Pferdehalter fahren ihren Mist meist zu einem Landwirt oder größeren Pferdehalter, der die Entsorgung übernimmt. Wieviel Mist sie tatsächlich abgeben, wissen die wenigsten. Weder die großen noch die kleinen Halter. Aus den Augen, aus dem Sinn ist allerdings hier nicht angesagt. Wenn schon der ökonomische Faktor, sprich „wieviel Mist gebe ich ab und wieviel zahle ich dafür?“ viele nicht interessiert, bleibt trotzdem die Verpflichtung, auch als Pferdehalter dazu beizutragen, dass Böden und Wasser geschont werden.

Mit der Verbringungsverordnung sollen deswegen die überbetrieblichen Nährstoffströme nachvollziehbar und damit auch kontrollierbar gemacht werden. Eine wichtige Maßnahme, die Pferdehalter – wie alle anderen Tierhalter – nicht als pure Gängelung ansehen sollten.

Jeder, der Wirtschaftsdünger oder Stoffe, die Wirtschaftsdünger enthalten, in Verkehr bringt, befördert oder mit ihnen handelt, muss umfangreiche Aufzeichnungen vornehmen. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise muss er der Landwirtschaftskammer als zuständiger Behörde bis zum 31. März mitteilen, dass er die genannten Stoffe in Verkehr bringt und auch melden, welche Mengen er eventuell aus anderen Bundesländern oder EU-Mitgliedsstaaten importiert hat. Von den Aufzeichnungs-, Mitteilungs- und Meldepflichten sind Betriebe befreit, die weniger als 200 t Frischmasse in Verkehr bringen, befördern oder aufnehmen, sagt die Verordnung.

200 Tonnen erreicht ein Betrieb, der etwa 500 bis 600 kg schwere Pferde hält mit 19 bis 23 Pferden und je nach Einstreumenge. Allerdings müssen auch Kleinbetriebe, die nicht der in NRW geltenden Verbringungsverordnung unterliegen, die Abgabe und Aufnahme von Wirtschaftsdüngern mit Lieferscheinen genau dokumentieren. Vielen kleineren Pferdehaltern ist das nicht bewusst. Die Lieferscheine  müssen zudem drei Jahre aufbewahrt werden, auch wenn es sich nur um kleine Mengen handelt, um die Einhaltung der Vorschriften der Düngeverordnung nachzuweisen.  Kleine Tierbestände machen eben auch Mist, der sich summiert.

Quelle: http://www.aid.de/

Weitere Informationen:
www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/ackerbau/duengung/duengeverordnung/vvoartikel.htm

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie ♥

Lebensweise bestimmt Darmflora

Mittwoch, April 16th, 2014

Ein internationales Forscherteam analysiert erstmals Darmbakterien heute lebender Jäger und Sammler.

Die Darmflora beeinflusst zahlreiche Aspekte der Gesundheit und Nährstoffaufnahme beim Menschen, doch bisher konzentrierte sich die Forschung hauptsächlich auf „westliche“ Bevölkerungsgruppen. Ein internationales Forscherteam, dem auch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig angehören, hat nun erstmals die Darmflora einer modernen Jäger- und Sammlergesellschaft, der in Tansania lebenden Hadza, untersucht.

Dabei fanden die Forscher heraus, dass sich das Mikrobenprofil der Hadza von denen aller anderen bisher untersuchten Menschengruppen unterscheidet. Die Bakterien im Verdauungstrakt der Hadza spielen also möglicherweise eine entscheidende Rolle bei der Anpassung an ihre spezielle Ernährungs- und Lebensweise. Die Studie zeigt auch, wie die Darmflora bereits unseren Vorfahren dabei geholfen haben könnte, sich an die Lebensbedingungen während der Steinzeit anzupassen und zu überleben.

Bakterienpopulationen entwickelten sich gemeinsam mit dem Menschen über mehrere Millionen Jahre hinweg und halfen ihm dabei, sich an neue Umweltbedingungen und Nahrungsmittel anzupassen. Aus Studien zu den in Tansania lebenden Hadza können Wissenschaftler lernen, wie Menschen als Jäger und Sammler im selben Lebensraum und mit ähnlichen Nahrungsmitteln wie unsere Vorfahren in der Steinzeit überleben.

Unter der Leitung von Stephanie Schnorr und Amanda Henry vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig verglich ein interdisziplinäres Forscherteam Mikroorganismen aus dem Verdauungstrakt der Hadza mit denen von Italienern, die in einem städtischen Umfeld leben und die „westliche Bevölkerung“ repräsentieren. Das Ergebnis, welches kürzlich in Nature Communications veröffentlicht wurde, zeigt dass die Hadza im Vergleich zu den Italienern eine vielfältigere Darmflora, also mehr Bakterienarten, besitzen.

„Das ist für die menschliche Gesundheit äußerst relevant“, sagt Stephanie Schnorr. „Einige vor allem in Industrienationen vorkommende Krankheiten, wie zum Beispiel das Reizdarmsyndrom, Darmkrebs, Adipositas, Diabetes Typ 2, Morbus Crohn und andere, stehen in Verbindung mit der Verringerung der Diversität der mikrobiellen Darmflora.“
Die Darmbesiedlung ist sehr gut an die Verdauung unverdaulicher Fasern aus einer pflanzenreichen Kost angepasst und hilft den Hadza möglicherweise dabei, den faserreichen Nahrungsmitteln mehr Energie zu entnehmen.

Überraschenderweise haben die Forscher festgestellt, dass es bei den Hadza-Männern und -Frauen hinsichtlich der Art und Anzahl ihrer Darmbakterien erhebliche Unterschiede gibt. Dies wurde bisher bei keiner anderen menschlichen Bevölkerungsgruppe beobachtet. Während die Hadza-Männer Wild jagen und Honig sammeln, übernehmen die Frauen das Sammeln von Knollen und anderen pflanzlichen Nahrungsmitteln. Obwohl sie diese dann miteinander teilen, isst jedes Geschlecht ein wenig mehr von der selbst beschafften Nahrung.
„Die Unterschiede in der Darmflora der Geschlechter reflektieren diese geschlechtsspezifische Arbeitsteilung“, sagt Stephanie Schnorr. „Die Hadza-Frauen verfügen offensichtlich über mehr Bakterien zur Verarbeitung faserreicher pflanzlicher Nahrung, was sich direkt auf ihre Fruchtbarkeit und ihren Fortpflanzungserfolg auswirkt.“ Diese Befunde zeigen, welche Schlüsselrolle die Darmbesiedlung im Laufe der menschlichen Evolution gespielt hat, wenn es um die Anpassung an verschiedene Ernährungsweisen ging.

Die Zusammensetzung der mikrobiellen Flora im Verdauungstrakt der Hadza ist einzigartig. Sie enthält eine große Anzahl an Bakterien, wie Treponema, die in der „westlichen” Bevölkerung oft als Anzeichen für Krankheiten gedeutet werden. Andere Bakterien, wie Bifidobacterium, die in der „westlichen“ Bevölkerung als „gesund“ gelten, sind bei den Hadza vermindert. Dennoch treten bei den Hadza kaum durch ein Ungleichgewicht der Darmbakterien verursachte Autoimmunkrankheiten auf.

Unser Verständnis von „gesunden“ und „ungesunden“ Bakterien muss daher neu definiert werden, weil diese Unterscheidungen davon abhängen, in welcher Umwelt wir leben. Die genetische Vielfalt der Bakterien ist dabei möglicherweise das wichtigste Kriterium für eine gesunde und stabile Darmflora.
„Die Mikroorganismen, die uns besiedeln sind unsere ‚alten Freunde‘, die uns bei der Anpassung an verschiedene Lebensweisen und Umweltbedingungen unterstützen“, sagt Amanda Henry, die die Max-Planck-Forschungsgruppe für Pflanzliche Nahrungsstoffe und Nahrungsökologie von Homininen leitet. „Unsere Untersuchung der Darmflora der Hadza erweitert unser Wissen darüber, wie Mensch und Mikroorganismus sich an das Leben in der Savanne angepasst haben. Darüber hinaus zeigt sie, wie Darmbakterien unseren Vorfahren möglicherweise dabei geholfen haben, sich an die Lebensbedingungen während der Steinzeit anzupassen und zu überleben.“

Originalpublikation: Stephanie L. Schnorr, Marco Candela, Simone Rampelli, Manuela Centanni, Clarissa Consolandi, Giulia Basaglia, Silvia Turroni, Elena Biagi, Clelia Peano, Marco Severgnini, Jessica Fiori, Roberto Gotti, Gianluca De Bellis, Donata Luiselli, Patrizia Brigidi, Audax Mabulla, Frank Marlowe, Amanda G. Henry & Alyssa N. Crittenden Gut microbiome of the Hadza hunter-gatherers Nature Communications, 15. April 2014, Doi: 10.1038/ncomms4654

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

siehe hierzu auch den Beitrag „Das Bauchhirn bei Menschen und Tieren„.

Jakobskreuzkraut – Aussamen verhindern

Mittwoch, April 16th, 2014

(aid) – In Deutschland gibt es ca. 25 von weltweit rund 1.200 vorkommenden Arten von Kreuzkraut, die alle mehr oder weniger stark giftig sind – nicht nur, aber auch für Pferde. Das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) zählt dabei zu den giftigsten Vertretern seiner Art.

Die auch Jakobs-Greiskraut, Spinnenkraut, Krötenkraut oder Zehrkraut genannte Pflanze beginnt im Frühjahr mit dem Wachstum. Bei Jungpflanzen im Rosettenstadium und bei starker Verbreitung ist besondere Vorsicht geboten, denn die juvenile Pflanze ist am giftigsten: Die Triebe enthalten in den ersten sechs bis sieben Wochen noch keine Bitter- und Geruchsstoffe, entfalten aber schon eine toxische Wirkung.

Die zweijährige Pflanze kann zwischen 30 und 120 cm hoch werden, bei einzelnen Beständen sind auch schon bis zu 180 cm gemessen worden. Sie blüht erst im zweiten Vegetationsjahr in der Zeit zwischen Juni und September. Die Blüten sind gelb und weisen 15 bis 20 mm breite Körbchen auf. Die Blattformen variieren in verschiedenen Wachstumsstadien von rundlich glatt bis stark gefiedert und kraus. Zerriebene Blätter riechen unangenehm. Jede Pflanze kann bis zu 150.000 flugfähiger Samen produzieren, die mit dem Wind oder durch den Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen verbreitet werden. Der Samen ist 15 bis 20 Jahre im Boden haltbar und damit auch keimfähig. Die komplette Pflanze ist stark giftig, wobei die Blüten die höchste Konzentration an Alkaloiden aufweisen.

Sie entwickelt auch im an- und im getrockneten sowie im welken Zustand noch ihre toxische Wirkung. Somit sind die Giftstoffe des Jakobskreuzkrauts auch im Heu und in Silage wirksam. Vor allem auf Pferdeweiden kann das Unkraut zum Problem werden, wenn diese nicht ausreichend gepflegt werden. Es gilt vor allem, die Samenbildung zu verhindern. Die Flächen müssen spätestens zu Blühbeginn gemäht werden. Das gilt auch für die Nachmahd. Einzelne Pflanzen können noch ausgerissen oder ausgestochen werden, wobei Handschuhe getragen werden sollten. Bei flächenhaftem Auftreten kann eine zweimalige Schnittnutzung vor der jeweiligen Blüte die Verbreitung verringern.

Die letale Dosis von Jakobskreuzkraut liegt bei Pferden zwischen 40 und 80 Gramm Frischgewicht je Kilogramm Körpergewicht. Die Symptome beim Pferd sind vielfältig und beginnen nicht selten mit einer nachlassenden Kondition sowie einem Gewichtsverlust aufgrund von Futterverweigerung. Häufiges Gähnen, zielloses Wandern (walking disease) sowie unkoordinierte Bewegungen sind weitere Anzeichen. Als charakteristisch gelten auch eine Gelbfärbung der Lidbindehäute, eine sich entwickelnde Blindheit sowie eine schwere Störung des Bewusstseins (hepatisches Koma). Bei akuten Vergiftungen kann der Tod innerhalb weniger Tage, bei der Aufnahme kleinerer Mengen über einen langen Zeitraum hinweg erst nach Wochen oder Monaten aufgrund der akkumulierenden Giftwirkung eintreten. Eine Behandlung der Tiere bei akuter oder chronischer Vergiftung ist meist aussichtslos.

Quelle: www.aid.de

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie ♥

 

El Niño: Wahrscheinlichkeit für 2014 bei 76 Prozent

Donnerstag, Februar 13th, 2014

Neues Prognosemodell steigert Treffsicherheit und Vorhersagezeitraum.

Giessen (pte002) – Die El Niño-Southern Oscillation (ENSO) gilt als stärkstes Klimaphänomen, das in der Vergangenheit bereits des Öfteren verheerende Unwetter hervorgerufen hat. Um Umweltkatastrophen mit Tausenden Menschenopfern zu vermeiden, hat ein internationales Forscherteam rund um die Physiker Armin Bunde und Josef Ludescher von der Justus-Liebig-Universität in Giessen (JLU, http://uni-giessen.de) mithilfe moderner Methoden aus der Statistischen Physik ein revolutionäres neues Prognoseverfahren entwickelt. Dieses stellt bisherige Modelle sowohl in puncto Prognosezeitraum als auch Treffgenauigkeit deutlich in den Schatten. Demnach liegt die El-Niño-Wahrscheinlichkeit für das Jahr 2014 bei 76 Prozent.

„Unsere Methode bietet im Vergleich zu bisherigen Ansätzen zwei ganz klare Vorteile: Erstens erreichen wir eine höhere Trefferquote und zweitens lassen sich nun auch Prognosen für einen Zeitraum von bis zu einem vollen Jahr abgeben“, fasst Josef Ludescher die wesentlichen Eckpfeiler seines wissenschaftlichen Durchbruchs im Gespräch mit pressetext zusammen. Bislang sei eine derartige langfristige Vorhersage aufgrund des sogenannten „Spring Barriers“ völlig unmöglich gewesen. „Die ENSO wird von Jahr zu Jahr rund um die Monate April, Mai und Juni neu gestartet. Als maximaler Prognosezeitraum konnten somit lediglich sechs Monate erreicht werden“, erläutert der Experte.

Messdaten seit 1950er-Jahren

Um diese „Frühlingsbarriere“ überwinden zu können, griffen die findigen Wissenschaftler kurzerhand auf moderne Methoden der Statistischen Physik zurück. „Seit den 1950er-Jahren gibt es im tropischen Pazifik ein Messnetz zur Beobachtung der Wasser- und Lufttemperatur. Wir haben diese Messdaten genau analysiert und herausgefunden, dass schon im Jahr vor dem Ausbruch eines El Niño die Fernwirkung zwischen den Messwerten inner- und außerhalb der Zugbahn deutlich stärker wird“, schildert Ludescher die Herangehensweise. Dieser Effekt sei daraufhin für die Festlegung eines Prognose-Algorithmus genutzt worden.

In einer aktuellen Veröffentlichung im Fachjournal PNAS http://pnas.org/content/111/6/2064 zeigen die Forscher eindrucksvoll auf, wie sie mithilfe der neuen Methode korrekt vorhersagen konnten, dass 2012 und 2013 keine El-Niño-Ereignisse auftreten würden. „Unser Ansatz lässt vermuten, dass sich das im späteren Verlauf des Jahres 2014 ändern wird. Laut unserem Analysemodell liegt die Wahrscheinlichkeit eines derartigen Klimaphänomens während dieses Zeitraums bei 76 Prozent“, heißt es in der entsprechenden Publikation.

Verdoppelung bis 2090

Die El Niño-Southern Oscillation gilt als eines der stärksten Klimaphänomene, die das Wetter beeinflussen und in regelmäßigen Abständen verheerende Umweltkatastrophen hervorrufen können. Traditionell am größten ist die Gefahr dabei für die Bewohner der Erdsüdhalbkugel: Allein gegen Ende des 19. Jahrhunderts haben durch El-Niño-Ereignisse ausgelöste Dürren in Brasilien, Indien und China zwischen 30 und 50 Mio. Todesopfer gefordert. Aber auch in Nordamerika und Europa sind die Auswirkungen oft noch in Form strengerer Winter spürbar. Experten gehen davon aus, dass derartige Phänomene bis 2090 doppelt so häufig auftreten werden als im vergangenen Jahrhundert (pressetext berichtete: http://pte.com/news/20140120009 ).

Quelle: pressetext.com

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie

Unter nährstoffarmen Bedingungen steuern Viren die Größe und Struktur der mikrobiellen Population

Dienstag, Januar 21st, 2014

Wissenschaftler der Universität Oldenburg und des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ weisen in der aktuellen Vorab-Onlineausgabe des Journal of the International Society for Microbial Ecology (ISME v. 20.01.2014) nach, dass in extrem tiefen, alten und nährstoffarmen Meeressedimenten bis zu 225 mal mehr Viren als Mikroben leben. Damit stellen in diesen extremen Lebensräumen nicht mehr die bakteriellen Mikroorganismen die größte Fraktion der lebenden Biomasse dar, sondern Viren.

Diese Viren übernehmen die Rolle der Räuber in diesem außergewöhnlichen Biotop. Die Forscher fanden heraus, wie sich mit zunehmender Nährstoffarmut das Verhältnis von Viren zu Mikroben immer stärker hin zu den Viren verschiebt. „Schon seit einigen Jahren ist bekannt, dass die Masse aller lebenden Mikroben im Meeresboden mindestens genauso groß ist wie die der Bewohner der darüber liegenden Weltmeere“, sagt dazu Jens Kallmeyer vom GFZ. „Eine bisher vernachlässigte Unbekannte sind allerdings die Viren.“

In diesen extremen Lebensräumen  übernehmen Viren die Rolle von räuberischen Organismen: Sie steuern die Größe und Struktur der mikrobiellen Population. Die überraschend hohe Zahl der Viren wird damit erklärt, dass die zwar kleine aber aktive Mikrobenpopulation permanent neue Viren produziert, diese aber länger erhalten bleiben weil die wenigen Mikroben weniger Enzyme produzieren, welche die Viren zerstören. Bisherige Messungen im Meerwasser und oberflächennahen Sedimenten konnten zwar zeigen, dass Viren etwa zehnmal häufiger sind als Mikroben, aber aufgrund ihrer wesentlich kleineren Masse keine große Rolle bei der Gesamtmenge der lebenden Biomasse spielen. Außerdem wurde angenommen, dass hauptsächlich räuberische Organismen wie z.B. andere Einzeller, oder auch Würmer oder Schnecken die Größe der Mikrobenpopulation steuern. Die jetzt vorgestellten neuen Ergebnisse zeigen, dass diese einfachen Annahmen so nicht haltbar sind.

Literatur: Engelhardt, T., Kallmeyer, J., Cypionka, H., & Engelen, B. (2014): „High virus-to-cell ratios indicate ongoing production of viruses in deep subsurface sediments”, ISME Journal. doi: 10.1038/ismej.2013.245; 20.01.2014

Quelle: Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

♥ pferdemedizin.com – Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie

Kindliches Trauma hinterlässt bei manchen Opfern Spuren im Erbgut

Sonntag, Dezember 2nd, 2012

Gen-Umwelt-Interaktion bewirkt lebenslange Fehlregulation der Stresshormone.

Misshandelte Kinder sind erheblich gefährdet, angst- oder gemütskrank zu werden, weil der einwirkende hohe Stress die Regulation ihrer Gene dauerhaft verändern kann. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München dokumentieren nun erstmals, dass manche Varianten des FKBP5-Gens durch ein frühes Trauma epigenetisch verändert werden. Bei Menschen mit dieser genetischen Veranlagung verursacht das Trauma eine dauerhafte Fehlregulation des Stresshormonssystems.

Die Folge ist eine lebenslange Behinderung im Umgang mit belastenden Situationen für den Betroffenen, welche häufig zu Depression oder Angsterkrankungen im Erwachsenenalter führt.

Die Ärzte und Wissenschaftler erwarten sich von ihren aktuellen Erkenntnissen neue, auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Behandlungsmöglichkeiten, aber auch eine verstärkte gesellschaftliche Aufmerksamkeit, um Kinder vor einem Trauma und dessen Folgen zu schützen.

Viele Erkrankungen des Menschen sind das Ergebnis vom Zusammenwirken seiner individuellen Gene und den ihn umgebenden Umwelteinflüssen. Traumatisierende Ereignisse vor allem in der Kindheit stellen dabei starke Risikofaktoren für das Auftreten von psychiatrischen Erkrankungen im späteren Leben dar. Ob der einwirkende frühe Stress aber tatsächlich das Opfer krank macht, hängt entscheidend von dessen genetischer Veranlagung ab.

Arbeitsgruppenleiterin Elisabeth Binder vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie untersuchte daher das Erbmaterial von fast 2000 Afro-Amerikanern, die als Erwachsene oder auch bereits als Kinder mehrfach schwer traumatisiert wurden. Ein Drittel der Traumaopfer war erkrankt und litt mittlerweile unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Die Wissenschaftler wollten durch den Vergleich der genetischen Sequenzen von erkrankten und nicht erkrankten Traumaopfern den Mechanismus dieser Gen-Umweltinteraktion aufklären.

Ihre Untersuchung ergab, dass tatsächlich das Risiko an Posttraumatischer Belastungsstörung zu erkranken mit steigender Schwere der Misshandlung nur in den Trägern einer speziellen genetischen Variante im FKBP5-Gen zunahm. FKPB5 bestimmt, wie wirkungsvoll der Organismus auf Stresshormone reagieren kann, und reguliert so das gesamte Stresshormonsystems.

In Experimenten an Nervenzellen konnten die Max-Planck Forscher im Weiteren nachweisen, dass die von den Münchner Forschern entdeckte FKBP5-Variante für den betroffenen Menschen tatsächlich einen physiologischen Unterschied macht. Extremer Stress und somit hohe Konzentrationen an Stresshormon bewirken eine sogenannte epigenetische Veränderung: Von der DNA wird an dieser Stelle eine Methylgruppe abgespalten, was die Aktivität von FKBP5 deutlich erhöht. Diese dauerhafte Veränderung der DNA wird vor allem durch Traumata im Kindesalter erzeugt. So lässt sich bei Studienteilnehmern, die ausschließlich im Erwachsenenalter traumatisiert wurden, keine krankheitsassoziierte Demethylierung im FKBP5-Gen nachweisen.

Torsten Klengel, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie erklärt die Studienbefunde wie folgt: „Traumata im Kindesalter hinterlassen je nach genetischer Veranlagung dauerhafte Spuren auf der DNA: Epigenetische Veränderungen im FKBP5-Gen verstärken dessen Wirkung. Die mutmaßliche Konsequenz ist eine anhaltende Fehlsteuerung der Stress-Hormonachse beim Betroffenen, die in einer psychiatrischen Erkrankung enden kann. Entscheidend für das kindliche Traumaopfer ist aber, dass die Stress-induzierten epigenetischen Veränderungen nur dann auftreten können, wenn es auch diese spezielle DNA-Sequenz besitzt.“

Die aktuelle Studie verbessert unser Verständnis von psychiatrischen Erkrankungen als Folge der Interaktion von Umwelt- und genetischen Faktoren. Die Ergebnisse werden helfen, Menschen individualisiert zu behandeln, bei denen vor allem eine Traumatisierung in früher Jugend das Erkrankungsrisiko erheblich vergrößert hat.

Originalpublikation: Torsten Klengel, Divya Mehta, Christoph Anacker, Monika Rex–Haffner, Jens C. Pruessner, Carmine M. Pariante, Thaddeus W.W. Pace, Kristina B. Mercer, Helen S. Mayberg, Bekh Bradley, Charles B. Nemeroff, Florian Holsboer, Christine M. Heim, Kerry J. Ressler, Theo Rein, and Elisabeth B. Binder Allele–specific FKBP5 DNA demethylation: a molecular mediator of gene–childhood trauma interactions Nature Neuroscience, 3. Dezember 2012

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Anmerkung: siehe hierzu auch den Artikel „Das Bauchhirn bei Menschen und Tieren

Deutschlands Landwirtschaft 2021

Freitag, März 16th, 2012

Bioenergiesektor wesentlicher Einflussfaktor – Projektion des vTI-Modellverbunds.

„Auf die Entwicklung der Landwirtschaft in Deutschland übt der Bioenergiesektor einen großen Einfluss aus“, sagt Dr. Frank Offermann, Sprecher des Modellverbunds des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI). „Dies gilt sowohl für den Agrarhandel als auch für die Anbaustrukturen und die Umweltwirkungen der Landwirtschaft.“
Die agrarökonomischen Institute innerhalb des Thünen-Instituts erstellen alle zwei Jahre Projektionen der erwarteten Entwicklungen im deutschen Agrarsektor. Dabei stützen sie sich auf ökonomische Modelle (Betriebs-, Regions- und Marktmodelle; sog. Modellverbund). Bei den Projektionen wird davon ausgegangen, dass sich während des Untersuchungszeitraums die derzeitige Agrarpolitik nicht ändert. Zusätzlich werden bestimmte Annahmen zur Entwicklung äußerer Einflussfaktoren, wie zum Beispiel globales Wirtschaftswachstum, getroffen. Diese sogenannte „vTI-Baseline“ stellt somit keine Prognose dar, sondern bildet ein Referenzszenario, mit dem sich die Auswirkungen verschiedener Politikoptionen analysieren lassen.

Die diese Woche veröffentlichte vTI-Baseline 2011 – 2021 wurde in enger Abstimmung mit Fachreferaten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) erstellt. Erstmals wurden in Kooperation mit dem Thünen-Institut für Agrarrelevante Klimaforschung auch die Umweltwirkungen der Landwirtschaft ausführlich dargestellt.

Die Projektion zeigt, dass das Handelsbilanzdefizit der EU bei Agrarprodukten weiter ansteigt (von 21 auf 35 Mrd. Euro), weil verstärkt Ölsaaten und Getreide als Rohstoffe für die Produktion von Biotreibstoffen importiert werden müssen. Ansonsten würden die Beimischungsverpflichtungen der EU-Biokraftstoffrichtlinie nicht eingehalten werden.

Diese politisch festgelegten Beimischungsverpflichtungen beeinflussen neben den Weltmarktpreisen die Entwicklung der Erzeugerpreise. Im Baseline-Szenario liegen die projizierten Erzeugerpreise für pflanzliche Produkte in Deutschland weiterhin auf vergleichsweise hohem Niveau. Höhere Preise für Vorleistungen einschließlich Futter verteuern die tierische Erzeugung weltweit.

Bei den Milchprodukten werden die Binnenmarktpreise durch die steigende Nachfrage auf dem Weltmarkt zusätzlich gestützt.

Nach den Modellanalysen hat die Förderung des Biomasseanbaus zur Energiegewinnung den größten Einfluss auf die Entwicklung der landwirtschaftlichen Flächennutzung in Deutschland. Unter den getroffen Annahmen wird der Energiemaisanbau bis 2021 von 450 000 ha im Jahresdurchschnitt 2006-2008 auf etwa 1,4 Mio. ha ausgedehnt, wofür stillgelegte Flächen genutzt sowie die Getreide- und Ölsaatenproduktion vermindert werden. Die Milcherzeugung wird bis zum Jahr 2021 bei weitgehend stabilen Preisen nach dem Wegfall der Milchquoten um rund 7 % erhöht. Wie schon in der Vergangenheit wird sich die Milchproduktion weiterhin stärker auf die günstigen Grünlandstandorte konzentrieren.

Im Vergleich zum Zeitraum 2006 bis 2008 geht das durchschnittliche Betriebseinkommen pro Arbeitskraft in der vTI-Baseline leicht zurück, liegt aber deutlich über dem Niveau der letzten zehn Jahre. Während die Einkommen in Milchviehbetrieben (-4 %) und sonstigen Futterbaubetrieben (-15 %) rückläufig sind, können Ackerbaubetriebe infolge des relativ hohen Preisniveaus für Getreide und Ölsaaten und neuer Einkommensmöglichkeiten aus dem Anbau von Energiemais ihr vergleichsweise überdurchschnittliches Einkommensniveau aus dem Basisjahrzeitraum halten. Unter den getroffenen Annahmen profitieren Veredlungsbetriebe (+21 %) von steigenden Schweine- und Geflügelfleischpreisen, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Betriebsergebnisse der Veredlungsbetriebe von einer hohen Volatilität gekennzeichnet und im Basisjahrzeitraum häufig unterdurchschnittlich ausgefallen sind.

Die Ammoniak-Emissionen in Deutschland stagnieren etwa auf Höhe der EU-rechtlich festgelegten Emissionsobergrenze. Um die Obergrenze gesichert und dauerhaft zu unterschreiten, müssen die Emissionen weiter gemindert werden. Steigende Hektarerträge und der Ausbau der Energiepflanzenproduktion lassen eine erhöhte N-Düngungsintensität und einen Anstieg des Stickstoffsaldos um ca. 10 % erwarten. In Regionen und Betrieben mit intensiver Tierhaltung wird sich die dort bestehende Stickstoffproblematik bis 2021 nicht entschärfen. Eine zunehmende Rolle spielen auch die Gärreste aus der Biogaserzeugung, die bei geringer Verwertung des Stickstoffs ebenfalls die Salden erhöhen und zudem eine neue Quelle für Ammoniak-Emissionen darstellen.

Der Bericht „vTI-Baseline 2011 – 2021: Agrarökonomische Projektionen für Deutschland“ kann kostenlos von der Homepage des Thünen-Instituts heruntergeladen werden unter http://www.vti.bund.de/fileadmin/dam_uploads/vTI/Publikationen/Landbauforschung_Sonderhefte/lbf_sh355.pdf.
Der Bericht kann auch als Druckexemplar für 10 Euro beim Thünen-Institut (landbauforschung@vti.bund.de) erworben werden. Offermann, F. et al. (2012): vTI-Baseline 2011 – 2021: Agrarökonomische Projektionen für Deutschland. Landbauforschung , Sonderheft Nr. 355, Braunschweig.

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

♥ Pferdemedizin.com – Tiermedizinische Beratungen für Naturheilkunde und Homöopathie