Archive for the ‘Umwelt’ Category

Jakobskreuzkraut: Schön, aber giftig

Dienstag, August 30th, 2011

Zur Zeit wird das Lebersystem von Pferden, Rindern und auch des Menschen vielfach durch die Aufnahme von Jakobskreuzkraut über die Nahrung stark belastet. Die Aufnahme dieser Giftpflanze, die auch als Jakobsgreiskraut bekannt ist, oder ihrer Gifte kann zu chronischen Lebervergiftungen führen. Die Giftwirkung ist kumulativ.

Die in der Pflanze enthaltenen Giftstoffe (Senecio-Alkaloide) werden auch nach Heu- und Silagebereitung nicht abgebaut (siehe hierzu auch den  Beitrag „Schön, aber giftig“ von Udo Pollmer im Deutschlandradio Kultur). Menschen nehmen die Giftstoffe hauptsächlich über Honig auf.

Quelle:  „Energiemeridiane des Pferdes und ihre emotionalen Beziehungen

 

Sonne, Wind und Wellen – natürliche Grenzen erneuerbarer Energien

Donnerstag, April 21st, 2011

Am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena wurden erstmals mit Hilfe der Thermodynamik die natürlichen Grenzen erneuerbarer Energien und die möglichen Klimaauswirkungen bei deren Nutzung untersucht.

Die Analysen legen nahe, dass die Energie aus Wind und Wellen nur begrenzt verfügbar sein könnte und eine großflächige Nutzung dieser Energiequellen möglicherweise negativ auf deren Erzeugung durch das Klimasystem zurück wirkt. Auf Sonnenenergie basierende Energieumwandlungen könnten hingegen den zunehmenden menschlichen Energiebedarf auf der Erde langfristig und klimafreundlich abdecken.

Die Energieversorgung stellt eine der größten Herausforderungen für die Zukunft unserer Zivilisation dar. Während die klimaschonende Atomenergie ein Restrisiko ihrer Sicherheit erneut bestätigt, trägt die Verbrennung fossiler Brennstoffe unweigerlich zum Klimawandel bei. Alternative Energien aus natürlichen Quellen, wie Sonnen-, Wind – und Wellenenergie, sind hingegen risikoarm und werden als erneuerbar und klimafreundlich angesehen. Beide Aspekte, die Erneuerbarkeit und die Klimaverträglichkeit, wurden nun erstmals unter thermodynamischer Betrachtung des gesamten Erdsystems von Forschern des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena genauer untersucht.

Dr. Axel Kleidon, Leiter der unabhängigen Max-Planck-Forschungsgruppe „Biosphärische Theorie und Modellierung“, beruft sich auf die anerkannten Gesetze der Thermodynamik, einer etablierten physikalischen Theorie, um zwischen Wärmeenergie und sogenannter “Freier Energie” zu unterscheiden. „Nur die Freie Energie ist relevant für die Nutzung erneuerbarer Energien“, so Kleidon. Sie bezieht sich auf jenen Anteil einer Energieform, der genutzt werden kann, um physikalische Arbeit zu verrichten, wie zum Beispiel das Hochheben oder Beschleunigen einer Masse, aber auch für die Energieproduktion für die Menschheit. Die natürlichen Grenzen für die Erzeugung von Freier Energie aus natürlichen Quellen auf der Erde wurden bisher kaum beachtet und in der aktuellen Forschung zum Klimawandel und Erneuerbaren Energien stark vernachlässigt. Kleidon und seine Gruppe konnten berechnen, dass die Fähigkeit des Erdsystems, unterschiedliche Formen Freier Energie zu erzeugen, auf ungefähr 1.000 Terawatt begrenzt ist (1 Terawatt entspricht 1012 Watt und ist eine Einheit für den Energieverbrauch). „Nur etwa 0,6 Prozent der immensen Energiemenge von etwa 160.000 Terawatt Sonnenenergie, die als Strahlung die Erde erreicht, kann also als Freie Energie genutzt werden“, bestätigt Kleidon die geringe Effizienz der Umwandlung von Sonnenstrahlung in Freie Energie. Vom Menschen werden derzeit nur maximal 50 Terawatt Freier Energie verbraucht.

Diese thermodynamische Sichtweise für die Nutzung erneuerbarer Energien beinhaltet auch, dass verschiedene Arten erneuerbarer Energien unterschiedlich stark begrenzt sind. Wellen werden im Wesentlichen durch Wind erzeugt; Wind entsteht indirekt durch Wärmegradienten und somit letztlich aus der Sonnenenergie. Durch die schlechte Energieumwandlung der Sonnenenergie und wegen ihrer Abhängigkeiten vom Klimasystem sind die erneuerbaren Energiequellen Wind und Wellen daher nur in begrenzter Stärke produzierbar. Ein deutlich erhöhter Verbrauch dieser Energieformen, im Rechenbeispiel durch eine 1000fache Aufstockung heute existierender Anlagen, könnte nicht aufgefüllt werden und in der Folge sogar zu Rückkopplungen mit dem Klimasystem der Erde führen. Der Verbrauch der begrenzten Wind- und Wellenenergie würde dann über das Klimasystem die Regeneration dieser Energieformen zusätzlich drosseln.

Deutlich besser sieht es bei der Nutzung von Solarenergie aus. Die pflanzliche Photosynthese oder auch Solarkraftwerke können das Sonnenlicht direkt nutzen, um Freie Energie zu produzieren. Trifft die Sonnenstrahlung hingegen ungehindert auf die Erde und erwärmt lediglich den Boden, so ist die Freie Energie der Sonnenergie größtenteils verschwendet. „Damit erhöhen die Photosynthese und Solarzellen die Gewinnung Freier Energie innerhalb des Erdsystems“, erläutert Kleidon. Entscheidend hierbei: nur etwa 5 % der als Freien Energie nutzbaren Sonnenenergie wird bisher vom Mensch verbraucht, es gibt also noch viel Spielraum, diese Energiequelle stärker zu nutzen.

Quelle: Max-Planck-Institut für Biogeochemie, Jena; Forschungsgruppe „Biosphärische Theorie und Modellierung“

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag „Energiestoffwechsel und Milieutherapie

Klimawandel-Weltkarte – Größte CO2-Verursacher sind am wenigsten betroffen

Samstag, März 5th, 2011

Montreal/Potsdam (pte/05.03.2011/06:10) – Die Bewohner großer Teile Afrikas, Südostasiens, der arabischen Halbinsel und des zentralen Südamerikas werden in Zukunft am meisten unter dem Klimawandel leiden.

Das prognostizieren Forscher der McGill University http://www.mcgill.ca in der „Zeitschrift Journal Global Ecology and Biogeography“. Anhand einer Weltkarte zeigen sie, wie verletzlich Menschen gegenüber den zu erwartenden Folgen des Klimawandels sind.

Anders als für Pflanzen und Tiere sind die Klimawandel-Folgen für den Menschen noch wenig erforscht. Die kanadischen Wissenschaftler verbanden dazu Klimamodelle mit aktuellen Bevölkerungszahlen und deren Prognosen bis 2050. Obwohl laut den Modellen die Temperatur in niederen Breiten weniger als im Norden ansteigt, leidet deren Bevölkerung mehr darunter. „Just die Länder sind verletzlich, die am wenigsten am Klimawandel schuld sind – misst man den CO2-Ausstoß pro Kopf“, so Studienleiter Jason Samson.

Armut verschlimmert Hitze

„Die Verwundbarkeit einer Gesellschaft ergibt sich, indem man ihre zukünftige Entwicklung, die potentiellen Klimaänderungen sowie deren Wirkungen auf unterschiedliche
Sektoren betrachtet“, erklärt Jürgen Kropp vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) http://www.pik-potsdam.de, im pressetext-Interview.

Länder im Süden sind in mehrerer Hinsicht benachteiligt. „In vielen Ländern haben wir heute bereits marginale Umweltbedingungen. Oft fehlt dort auch ökonomische Kraft für Maßnahmen zu konkreter Anpassung. Zurück geht das oft historisch als Folge der Ausbeutung durch den Norden, aber auch durch heutige Korruption in den Staaten“, so Kropp.

Afrika braucht spezielle Klimaanpassung

Wie verwundbar einzelne Regionen sind, haben Forscher am PIK Potsdam jüngst am Beispiel Afrikas gezeigt. Kein Land des Kontinents liegt künftig auf der sicheren Seite, auch da schon heute zuwenig Nahrungsmittel für die Eigenversorgung produziert werden, so ihr Bericht in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Verbesserungspotenzial bestehe jedoch, weshalb man spezielle Formen der Klimaanpassung anpeilen sollte. Dazu zählen in den Augen der Forscher die Wiederherstellung ausgelaugter Böden, effiziente und bodenschonende Anbaumethoden, der integrierten Pflanzenschutz, bessere Infrastruktur und die Überwindung von Hürden für den Eintritt in den internationalen Markt.

Link zu den Studien unter
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1466-8238.2010.00632.x/abstract
sowie
http://www.pnas.org/content/early/2011/02/23/1015078108.abstract

Quelle: pressetext.redaktion

Umweltkontaminanten in Lebensmitteln

Samstag, Januar 8th, 2011

BfR-Forschungsprojekt zur Aufnahme von Schwermetallen und Dioxinen abgeschlossen

Der Abschlussbericht des Forschungsprojektes „Lebensmittelbedingte Exposition gegenüber Umweltkontaminanten“ (LExUKon) liegt vor. In dem Projekt haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des Forschungs- und Beratungsinstituts für Gefahrstoffe (FoBiG) und der Universität Bremen berechnet, welche Mengen Cadmium, Blei, Quecksilber, Dioxine und polychlorierte Biphenyle (PCB) Verbraucherinnen und Verbraucher üblicherweise mit der Nahrung aufnehmen. Hauptquelle für die Cadmiumaufnahme sind demnach Gemüse und Getreide. Blei nehmen Verbraucherinnen und Verbraucher in erster Linie über Getränke und Getreide auf. Methylquecksilber ist hauptsächlich in Fisch enthalten, während für Dioxine und PCB vor allem Milchprodukte und Fleisch ausschlaggebend sind. „Diese Erkenntnisse sind für die Risikobewertung von hoher Bedeutung“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Damit können wir das Ausmaß einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung durch kontaminierte Lebensmittel besser abschätzen.“ Der Projektbericht ist als Broschüre erschienen und beim BfR erhältlich.

Über Lebensmittel nehmen Menschen nicht nur wertvolle Stoffe wie Vitamine und Mineralstoffe auf, sondern auch unerwünschte Stoffe, die in bestimmten Mengen der Gesundheit schaden können, so zum Beispiel sogenannte Umweltkontaminanten. Dazu zählen Schwermetalle und Dioxine, die über Verunreinigungen der Luft, des Wassers und des Bodens in Lebensmittel gelangen können. Um die Risiken solcher Stoffe abschätzen zu können, stellt sich die Frage, in welchen Mengen sie in Lebensmitteln vorkommen und in welchen Mengen Verbraucherinnen und Verbraucher diese Lebensmittel essen. Das stand im Mittelpunkt des Projektes LExUKon. Hier wurden standardisierte Methoden zur Auswertung von Verzehrsmengen und zu Gehaltsdaten von Lebensmitteln mit Umweltkontaminanten entwickelt und angewendet.

Möglich war dies auf der Grundlage von Daten aus der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) des Max Rubner-Instituts (MRI) und dem Lebensmittel-Monitoring des Bundesamtes für Verbraucherschutz (BVL). Dabei wurde die Aufnahme von Umweltkontaminanten über Lebensmittel für die Gesamtbevölkerung unter Berücksichtigung unterschiedlicher Verzehrsgewohnheiten sowie individueller Lebensstile ermittelt. So stellte sich zum Beispiel heraus, dass Verbraucherinnen und Verbraucher mit zunehmendem Alter mehr Fisch essen und damit unter anderem auch mehr Methylquecksilber aufnehmen als jüngere Personen.

Der Abschlussbericht des Forschungsprojektes ist als BfR-Broschüre erschienen. Er enthält Angaben dazu, in welchem Umfang Verbraucherinnen und Verbraucher die Umweltkontaminanten Cadmium, Blei, Quecksilber, Dioxine und PCB über Lebensmittel aufnehmen. Die Broschüre steht auf der Internetseite des BfR kostenlos zum Herunterladen zur Verfügung. Das Heft kann auch per Fax unter 030-18412-4970 und per E-Mail publikationen@bfr.bund.de bestellt werden.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Klimafreundliche Fabrik kommt zum Rohstoff Stroh

Dienstag, Dezember 7th, 2010

Mehr als 35 Millionen Tonnen Stroh fallen jährlich in Deutschland bei der Getreideproduktion an. Der größte Teil bleibt zur Düngung auf dem Feld. Sebastian Auth hat in seiner Diplomarbeit an der Fachhochschule Gießen-Friedberg eine Anlage entwickelt, die das Stroh zu Pellets verarbeitet. Sie lassen sich wie herkömmliche Holzpellets zum Heizen nutzen.

Die Idee entstand, als der Maschinenbaustudent ein Praktikum beim Ingenieurbüro PCM in Künzell nahe Fulda absolvierte. Dessen Geschäftsführer Wilhelm Röll habe seine Diplomarbeit maßgeblich initiiert. Die von Auth entwickelte Pelletieranlage ist komplett in einem genormten 45-Fuß-Überseecontainer montiert und deshalb mobil. So kann sie auf einem Container-Chassis direkt zum Rohstoff Stroh auf das Feld gebracht werden.
Ein Mischer löst die Strohballen auf, mischt und schneidet das Material vor. Nach einem Reinigungsprozess kappt eine Hammermühle den Rohstoff auf den gewünschten Pelletdurchmesser. Ein Konditionierer ermöglicht die Zugabe von Wasser, damit das Material den für die Weiterverarbeitung nötigen Feuchtigkeitsgrad bekommt. Gepresst werden die Pellets bei 90 Grad und anschließend langsam abgekühlt. Ein leistungsfähiges Dieselaggregat macht die Anlage autark. Der Produktionsprozess wird vollautomatisch durch einen zentralen Computer überwacht und gesteuert. Pro Stunde lassen sich mit der Anlage etwa 1,2 Tonnen Pellets herstellen.
Strohpellets haben einen Heizwert von 4,9 Kilowattstunden pro Kilogramm. Er liegt damit etwas höher als der von Holzpellets. Die Kosten der Energiegewinnung mit Strohpellets sind etwa ein Drittel niedriger als beim Einsatz von Heizöl. Die Preisvorteile gegenüber fossilen Energieträgern werden sich ausweiten, da Erdöl und Erdgas knapper und teurer werden. Ein großes Plus sieht Sebastian Auth in der CO2-Bilanz: bei der Verbrennung werde genau soviel Kohlendioxid freigesetzt, wie das Wachstum des Strohs verbrauche. Energieerzeugung mit Strohpellets sei also CO2-neutral und deshalb klimapolitisch erwünscht.
Als Käufer der mobilen Pelletieranlage sieht Auth Großlandwirte, Genossenschaften oder Kommunen. Auf Wunsch übernimmt PCM den Vertrieb der Pellets.
Der Diplom-Ingenieur, dessen Abschlussarbeit an der Fachhochschule die Professoren Dr. Rudolf Griemert (Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen) und Dr. Gerd Manthei (Fachbereich Maschinenbau, Mikrotechnik, Energie- und Wärmetechnik) betreuten, ist mittlerweile bei der PCM GmbH fest angestellt. Der 25-Jährige bereitet die Serienfertigung der mobilen Fabrik vor, die Anfang 2011 starten soll.
 
Anmerkung: siehe hierzu auch den Artikel „Energiestoffwechsel und Milieutherapie

Biofilme: Der perfekte Schleim

Dienstag, November 2nd, 2010

Das Erfolgsgeheimnis der meisten Bakterien ist, dass sie mit anderen Mikroorganismen zusammen in einer Schleimhülle leben. Die Mikrobiologen und Wasserforscher Prof. Dr. Hans-Curt Flemming und Dr. Jost Wingender von der Universität Duisburg-Essen (UDE) zeigen auf, was die Natur für eine komplexe und gleichzeitig geniale Matrix geschaffen hat.

Nur die wenigsten Bakterien auf der Welt kommen als winzige Einzelzellen in Wasser vor – die allermeisten führen ein Gemeinschaftsleben mit allen möglichen anderen Mikroorganismen in einer unansehnlichen Schleimhülle. Die aber birgt ihr Erfolgsgeheimnis.

Die Mikrobiologen und Wasserforscher Prof. Dr. Hans-Curt Flemming und Dr. Jost Wingender von der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben in einer jetzt publizierten Arbeit in „Nature Reviews Microbiology“ gezeigt, was die Natur da für eine komplexe und gleichzeitig geniale Matrix geschaffen hat. Sie ist eine der Ursachen dafür, dass so genannte Biofilme entstehen können: die älteste Form des Lebens auf der Erde. Zugleich ist sie die am weitesten verbreitete und die erfolgreichste – es gibt davon Milliarden von Tonnen.

Ihre Bausteine bestehen aus verschiedenen Biopolymeren, wie Proteine, Polysaccharide und Nucleinsäuren. Sie binden viel Wasser und bilden eine Matrix. In ihr können die verschiedenen Biofilm-Bewohner über längere Zeit hinweg in stabilen Anordnungen bleiben, „Mikrokonsortien“ genannt, in denen sie auch komplizierte Verbindungen abbauen können. Sie scheiden Enzyme aus, die in der Matrix hängen bleiben, so dass auch ihre Produkte in der Nähe bleiben und gut verwertet werden – auf diese Weise bilden sie gewissermaßen ein externes Verdauungssystem, das biologisch Verwertbares auf „mundgerechte Größe“ zerkleinert.

Baumfressende Biofilme

Damit können sie alles abbauen, was biologisch abbaubar ist – so können Biofilme sogar Bäume fressen. Flemming: „Sie brauchen zwar lange dafür, aber sie siedeln sich darauf an und zersetzen sie.“ In der Matrix reichern sie nicht nur die gelösten Stoffe an, sondern auch die Partikel aus dem Abwasser. In Müllhalden vollbringen sie so auch die biologische Abfallbeseitigung.

Sie sind die globale Putzkolonne, Träger der Selbstreinigungskräfte im Boden, in Gewässern und technisch in allen Biofiltern genutzt. Gleichzeitig ist die Matrix ein perfektes Recycling-System, das auch abgestorbene Zellen nahezu vollständig wiederverwertet. Wenn Biofilme trockenfallen, hält die Matrix das Wasser zurück, das ihre Bewohner zum Leben brauchen. Bei Bedarf können sie diese Matrix auch umbauen und letzten Endes sogar als Nährstoff verwenden.

Allerdings gibt es keinen Bakterienstamm, der sämtliche Matrix-Bestandteile abbauen kann – so etwas wäre eine Naturkatastrophe, von der die gesamte Selbstreinigung des Planeten betroffen wäre. Aber das ist nicht zu befürchten. Im Laufe der Evolution haben sich so viele verschiedene Varianten dieser Bestandteile entwickelt, dass Enzyme nur Löcher in den Biofilm fressen, ihn aber nicht vollständig beseitigen.

Die Matrix ist sozusagen das „Haus für Biofilm-Bewohner“, ihre unmittelbare Umgebung. Sie gibt ihnen Halt, hilft ihnen bei der Ernährung und erlaubt ihnen, auch unter ungünstigsten Bedingungen am Leben zu bleiben. Flemming: „Es ist schon faszinierend, welche perfekte Funktion hinter so einem unansehnlichen Stück Natur steckt.“

Quelle: Universität Duisburg-Essen

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag „Bakterielle Biofilme im lebenden Organismus – Entstehung, Bedeutung und naturheilkundliche Regulation

Rindfleisch ist der Kaviar der Zukunft

Sonntag, Oktober 3rd, 2010

FAO kündigt Konsequenzen der hohen Produktionskosten an

Buenos Aires/Rom (pte/01.10.2010/13:40) – Rindfleisch wird in Zukunft so teuer sein, dass es zum exquisitem Luxusgut für Wohlhabende wird. Das prognostiziert die UN-Welternährungsorganisation FAO http://www.fao.org beim 18. internationalen Fleischkongress in Buenos Aires. „Die Erzeugung von Rindfleisch ist drei- bis fünfmal teurer als jene von Hühner- oder Schweinefleisch und kann nicht mit dem Wachstum der Weltbevölkerung und deren steigenden Rindfleischhunger mithalten. 2050 wird Rindfleisch das sein, was heute Kaviar ist oder Lachs vor 50 Jahren war“, so FAO-Sprecher Henning Steinfeld.

Zu viel Wasser und Treibhausgas

Steinfeld verweist dabei in erster Linie auf die hohen Kosten für die Umwelt, die sich künftig für die Fleischerzeuger bei gleichen Preisen nicht mehr bezahlt machen. Ein Kilo Rindfleisch braucht in der Erzeugung 16.000 Liter Wasser, Schweinefleisch dagegen nur 5.000 Liter und Hühnerfleisch knapp 4.000 Liter (siehe auch den ArtikelEnergiestoffwechsel und Milieutherapie„).
„Bisher ist Wasser im Freien umsonst und im auch Stallbetrieb günstig. Besonders im Süden wird es aber durch den Klimawandel immer knapper und teurer“, betont Josef Schmidhuber, International Policy Analyst bei der FAO, gegenüber pressetext.

Doch auch abseits des Wassers sind steigende Produktionskosten absehbar. „Falls die Welt den Klimaschutz ernstnimmt, wird auch die Rinds- und Schafzucht sowie die Milchproduktion die Preise für die entstehenden Ausstöße an Methan, N2O, CO2 und ähnliche Treibhausgase bezahlen müssen. Bei all diesen Kosten wird man den Konsumenten beteiligen müssen.“ In welcher Form ist noch ungewiss, denn Ideen wie etwa eine Rindfleischsteuer sind bislang noch heftig umstritten.

Vielerorts schon heute zu teuer

„In vielen Ländern ist Rindfleisch ohnehin schon Luxus“, so Schmidhuber. Die Bewohner reicher Ländern könnten sich 20 Kilo pro Jahr mühelos leisten, was in armen Ländern – von Hirtengesellschaften abgesehen – nicht der Fall sei. Europa wird in den Augen des Experten auch in Zukunft zu reich sein, um aus Kostengründen ganz auf Rindfleisch verzichten zu müssen und langfristig weniger als zehn Kilo zu konsumieren. „Hier werden eher andere Gründe zum Fleischverzicht führen, etwa die gesundheitlichen Bedenken oder die hohen Getreidepreise durch die Verfütterung an die Tiere.“ Global werde der Rindfleischkonsum weiter zunehmen, doch deutlich weniger stark als bisher.

Für die Fleischproduktion ist laut FAO-Meinung technischer Fortschritt Gebot der Stunde. „Es geht darum, mit weniger Getreide und sonstigem Input auszukommen“, so Schmidhuber. In Europa habe die Futterverwertung in den vergangenen Jahren bereits enorme Fortschritte gemacht, die in vielen Teilen der Welt noch ausstehen. Auch genetische Maßnahmen hält der Experte für möglich, obgleich man hier in Europa bald an Akzeptanzgrenzen stoße. „Wichtig ist auch die Steigerung der Tierhygiene. Bisher gibt es viele Tierkrankheiten, die einen massiven Antibiotika-Einsatz und bis zu fünfprozentige Verluste mit sich ziehen. Steigt die Tiergesundheit, sinken die Kosten durch derartige Ausfälle.“

Jahreskonsum: Zwölf Kilo

Durchschnittlich verbraucht jeder Erdenbürger derzeit zehn Kilogramm Rindfleisch pro Jahr. Industrieländer kommen auf über 20 Kilo und Entwicklungsländer auf sechs Kilo, wobei nur bei letzteren die Tendenz steigt. Während das Konferenz-Gastgeberland Argentinien mit 56 Kilogramm eindeutiger Rekordhalter ist, beschränkt sich der Verbrauch in Deutschland seit 2002 durchgehend auf zwölf Kilo Rindfleisch pro Jahr und Person.

„Der Verzehr beträgt dabei 68 Prozent des Verbrauchs“, erklärt Heike Harstik, Hauptgeschäftsführerin des Verbands der deutschen Fleischwirtschaft http://www.v-d-f.de, gegenüber pressetext. Für die Situation in 40 Jahren sei vieles denkbar. „Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Rindfleischpreis steigen wird“, so die Fleischexpertin.

Quelle: pressetext.deutschland

Können gefährliche pflanzliche Krankheitserreger in Biogasanlagen überleben?

Montag, September 6th, 2010

Die Humboldt-Universität zu Berlin präsentiert zusammen mit Projektpartnern (Julius Kühn-Institut, Universität Rostock, Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioenergie Beratung Bornim) Ergebnisse auf der 57. Deutschen Pflanzenschutztagung in Berlin.

Immer mehr nachwachsende Rohstoffe werden in Biogasanlagen vergoren. Die Rückstände aus diesen Gärungen, die Gärreste, sind für die Landwirtschaft wertvolle organische Dünger. Die verwendeten Pflanzensubstrate wie Weizen und Mais können mit gefährlichen Viren, Bakterien oder Pilzen infiziert sein. Die Krankheitserreger müssen durch die Gärung abgetötet werden. Sonst besteht das Risiko, dass der Landwirt die Erreger mit den Gärresten wieder auf dem Feld ausbringt und für die neue Aussaat ein hoher Infektionsdruck besteht. Welchen Einfluss die anaerobe Vergärung in Laborbiogasanlagen auf die Abtötung der Schaderreger hat, stellen die Projektpartner während der 57. Deutschen Pflanzenschutztagung in Berlin vor.

Insgesamt zeigen die Laborergebnisse, dass nicht nur die thermische Stabilität des Krankheitserregers selbst eine Rolle spielt, sondern ebenso das Substrat (ganze Pflanze oder Korn) und die Lagerzeit der Gärreste nach der Vergärung. Vor allem an Mais und Getreide als Substrat wurden verschiedene Fusarium-Arten (Taubährigkeit), Claviceps purpurea (Mutterkorn), Tilletia caries (Weizensteinbrand), Alternaria alternata (an Mais und Roggen) oder Sclerotinia sclerotiorum (Weißstängeligkeit an Raps) getestet.

Viele Erreger werden nach einer sechsstündigen Inkubation bei 37 Grad Celsius abgetötet (S. sclerotiorium, R. solani, F. avenaceum (bei Mais), F. verticillioides (bei Mais), T. caries, C. purpurea). Andere getestete pilzliche Erreger benötigten längere Inkubationszeiten und waren erst nach 24 bzw. 138 Stunden komplett abgetötet. Bei den meisten Pathogenen führte die Lagerung der Gärreste zu einer Verringerung der Vermehrungsfähigkeit der Sporen. So wurden nach vierwöchiger Lagerung bei allen getesteten pilzlichen Erregern an Mais und Getreide keine lebensfähigen Schadpilze mehr festgestellt.

Auch Clavibacter michiganensis ssp. sepedonicus, die bakterielle Ringfäule an Kartoffel, ein weltweit gefürchteter, unter Quarantäne stehender Pilz, wurde untersucht. Zwar ist die wirtschaftliche Bedeutung der Kartoffel als „Nachwachsender Rohstoff“ gering, aber das Risikopotenzial, das von dieser Krankheit ausgeht, ist extrem hoch. Aus den bisherigen Ergebnissen lässt sich nicht ableiten, dass die anaerobe Vergärung eine risikofreie Variante zur Verwertung von Kartoffelpartien ist, die mit der bakteriellen Ringfäule befallen sind. Der Kartoffelkrebs, Synchytrium endobioticum, – ebenfalls unter Quarantäne stehend – wurde selbst nach 138-stündiger Vergärung nicht vollständig inaktiviert. Auch eine anschließende Lagerung der Gärreste brachte keinen 100%igen Erfolg im Labor.

Die Überprüfung in Praxisbiogasanlagen steht jetzt an. Werden die Ergebnisse bestätigt, können Anforderungen an den Gärungsprozess formuliert werden, damit Gärreste hygienisch unbedenklich sind und Böden und damit Kulturpflanzen nicht zusätzlich mit Krankheitserregern infiziert werden.

Quelle: Julius Kühn-Institut

Gene von antibiotikaresistenten Tieren können auf Menschen übertragen werden

Montag, Mai 31st, 2010

Nach einer neuen Studie, die an der Universität von Hong Kong durchgeführt wurde und im Journal of Medical Microbiology veröffentlicht ist, können Gene von antibiotikaresistenten Tieren auf Menschen übertragen werden. Die Antibiotikaresistenz kann daher sozusagen mit dem Fleisch von Tieren mitgegessen werden.

>> nähere Infos

Die französische Agentur Afsset empfiehlt Vorsichtsmaßnahmen bei der Nanotechnologie

Freitag, April 2nd, 2010

Die französische Agentur für die gesundheitliche Sicherheit in der Umwelt und am Arbeitsplatz (Affset) hat am 24. März 2010 die Ergebnisse einer Studie zur Bewertung der mit Nanomaterialien verbundenen Risiken für die Bevölkerung und die Umwelt veröffentlicht.

Im Rahmen dieser Studie wurden einige hundert Konsumgüter untersucht, die Nanopartikel enthalten. Darunter Produkte des täglichen Bedarfs, wie Textilien, Kosmetika, Lebensmittel, Sportartikel oder Baumaterialien. Zur Erarbeitung einer neuen Methode zur Einschätzung von Gesundheitsrisiken hat sich die Agentur dabei auf die nachfolgenden 4 Produkte konzentriert, die häufig verwendet werden und verschiedene Expositionswege bieten: über die Haut, die Atmung und die Nahrungsaufnahme.

– Antibakterielle Socken: Diese enthalten in den Textilfasern Silber-Nanopartikel, um so schlechte Gerüche zu vermeiden. Im Rahmen der Studie konnte festgestellt werden, dass diese Partikel „oxidativen Stress“ verursachen können, was zu einer Schädigung der Zellen führen kann. Die Risiken für die Gesundheit sind also nicht unerheblich. Beim Waschen dieser Socken werden schätzungsweise 18 Tonnen Nano-Silber in die Gewässer gespült (vorausgesetzt jeder 10. Franzose würde 10 Paar Socken pro Jahr kaufen). Eine solche Verbreitung sollte nicht außer Acht gelassen werden, da diese Silber-Nanopartikel für bestimmte Tierarten nachgewiesenermaßen gefährlich sind, so die Wissenschaftler.

– Selbstreinigender Zement: Dieser enthält Nano-Titandioxid, wodurch der Zement selbstreinigend wird, da er organische Ablagerungen abbaut. Bei Versuchen mit Ratten führte eine hohe Konzentration dieser Verbindungen zur Bildung von Krebszellen und zu Lungenentzündungen. Die Auswirkungen auf die Umwelt (durch die Freisetzung von Titandioxid bei der Nutzung von Gebäuden) sind noch weitgehend unerkannt.

– Sonnencremes: Auch diese enthalten Titandioxid-Nanopartikel als Filtermittel für die UV-Strahlung. Die Hersteller haben immer wieder beteuert, dass Sonnencremes die Hautschicht nicht durchdringen. Afsset konnte jedoch durch jüngste Studien belegen, dass die Titandioxid-Nanopartikel auch in die tieferen Schichten der Epidermis eindringen. Die Abgabe an die Umwelt wird für Frankreich auf 230 Millionen Tonnen pro Jahr geschätzt. Jedoch müssen die Auswirkungen dieser in Kosmetikartikeln enthaltenen Substanzen noch untersucht werden.

– Puderzucker (Tafelsalz): dieser kann Nanosiliziumdioxid enthalten, um die Verklumpung der Kristalle zu verhindern. Eventuelle Gefahren für die Gesundheit des Menschen und für die Ökosysteme sind derzeit nicht bekannt.

Mit dieser Studie zeigt die Affset auf, dass einige Produkte möglicherweise gefährlich für die Gesundheit und die Umwelt sein können. Angesichts dieser Unsicherheiten ist das oberste Prinzip der Agentur: „Sofortiges Handeln im Namen des Vorsorge-Prinzips“. Zu diesem Zweck empfiehlt sie folgende Maßnahmen:

– Die Absicherung der Rückverfolgbarkeit von Nanomaterialien. Dies wird über die Verpflichtung der Industrie zur Anzeigepflicht erreicht.

– Eine klare Etikettierung, auf der das Vorhandensein von Nanomaterialien in den Produkten und deren mögliche Freisetzung bei der Benutzung vermerkt sein müssen.

– Das Anwendungsverbot für bestimmte Nanomaterialien, bei denen die Gefährdung höher eingestuft wird als der Nutzen.

– Stärkere Harmonisierung der französischen und europäischen Rechtsgrundlagen, mit dem Ziel der Vereinheitlichung der bewährtesten Praktiken: Deklarierung, Autorisierung und gegebenenfalls Ersetzung.

Ein weiteres Ziel der Afsset ist die Erarbeitung einer neuen Methode zur Bewertung der Risiken von Nanomaterialien für die Gesundheit. Mit der Unterstützung seiner Arbeitsgruppe will sie in 2 Jahren ein vereinfachtes Bewertungssystem vorstellen. Aktuell gehen nur 2% der veröffentlichten Studien auf die Gesundheits- und Umweltsrisiken von Produkten ein.

Die Agentur empfiehlt ebenfalls eine Normung der Eigenschaften von Nanomaterialien. Der Schwerpunkt sollte dabei auf der Untersuchung der Toxikologie, der Ökotoxikologie und der Messung der Exposition liegen. Vor diesem Hintergrund koordiniert die Afsset das auf 3 Jahre angelegte europäische Programm „Nanogenotox“, dessen Ziel darin besteht, die toxische Wirkung von 14 Nanomaterialien auf die Gene und die DNA zu untersuchen. 18 Einrichtungen aus 13 Ländern arbeiten bei diesem Projekt zusammen, u. a. Frankreich und Deutschland. Die französischen Akteure sind:

– Afssa – nationale Agentur für Lebensmittelsicherheit
– INRS – nationales Institut für Forschung und Sicherheit
– CEA – Zentrum für Atomenergie und alternative Energien
– Pasteur Institut in Lille
– CNRS – nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung
– Afssaps – nationale Agentur für die Sicherheit von Gesundheitsprodukten
– LNE – nationale Verpackungsprüf- und Forschungsstelle
– Ineris – nationales Institut für Industrie und Umweltrisiken

Das Gesamtbudget des Programms „Nanogenotox“ beläuft sich auf 6,2 Millionen Euro und wird zu 45% von der EU-Kommission und zu 55 % von den Ländern selbst finanziert. Das französische Ministerium für Sport und Gesundheit übernimmt den Beitrag für Frankreich.

Quellen:
– „NANOGENOTOX : Lancement par l’Afsset d’une action conjointe européenne pour la caractérisation du potentiel génotoxique des nanomatériaux“, Artikel von der Afsset – 18.03.2010
http://www.afsset.fr/index.php?pageid=452&newsid=545&MDLCODE=news
– „Nanomatériaux: le principe de précaution réaffirmé“, Artikel des französischen Ministeriums für Forschung und Hochschulbildung – 24.03.2010
http://www.science.gouv.fr/fr/actualites/bdd/res/3572/nanomateriaux-le-principe-…
– „Nanoproduits : le principe de précaution préconisé“, Artikel aus Le Monde – 24.03.2010
http://www.lemonde.fr/planete/article/2010/03/24/nanoproduits-le-principe-de-pre…

Redakteur: Philippe Rault, philippe.rault@diplomatie.gouv.fr