Archive for September, 2010

Wie man Alzheimer erkennt

Donnerstag, September 30th, 2010

Nahestehende sehen die Krankheit früher als Ärzte

Yverdon-les-Bains/Basel (pte/30.09.2010/12:10) – Angehörige und Freunde bemerken erste Demenzanzeichen viel früher als der Arzt. Das berichten Mediziner der Washington University http://medschool.wustl.edu in der Zeitschrift „Brain“. „Nichts ist für Menschen mit Demenz so schlimm wie nicht um ihre Krankheit zu wissen. Wenngleich die Diagnose selbst erst der Arzt stellt, können Angehörige Verdachtssymptome schon durch wenige Schlüsselfragen erkennen“, erklärt Birgitta Martensson von der Schweizerischen Alzheimervereinigung http://www.alz.ch im pressetext-Interview.

Fragen enttarnen Symptome

Acht Fragen stellten die US-Forscher den Nahestehenden von Patienten über diese. Dabei ging es um Veränderungen bei Finanzentscheidungen, um nachlassendes Interesse an Hobbys, um ständig wiederholte Fragen oder Aussagen, um Probleme in der Bedienung von Geräten und um das Vergessen des laufenden Monats oder Jahres. Auch nach dem Verlust des Überblicks über die eigenen Ausgaben wurde gefragt, nach dem plötzlichen Vergessen von Vereinbarungen und Terminen sowie nach dem Neuauftreten ständiger Erinnerungslücken.

Demenzverdacht gibt es bei den Patienten, deren Angehörige zwei oder mehr Fragen mit „Ja“ beantworteten. „In wenigen Minuten kann man so kostengünstig erheben, wer weitere Untersuchungen zur Abklärung braucht“, so Studienleiter James Galvin. Die Methode ist zudem äußerst verlässlich. In einem Versuch mit 250 Personen war die Fragemethode weit treffsicherer als ein Demenz-Screening beim Arzt, bei dem sich Patienten etwa Wörter oder Objekte merken sollen. Das zeigte eine Biomarker-Untersuchung im Anschluss an die Tests.

Nahestehende wissen mehr als Betroffene

Alzheimer-Screening durch Befragung der Angehörigen wird auch in Europa immer wichtiger. Forscher um Michael Ehrensperger und Andreas Monsch von der Memory Clinic, Akutgeriatrie des Universitätsspitals Basel http://www.memoryclinic.ch stellen heuer in der Zeitschrift „International Psychogeriatrics“ eine Methode vor, die auf der Beurteilung von sieben Feststellungen durch Angehörige basiert. Dazu gehören die Erinnerung an Dinge wie Geburtstage oder Adressen der Familie und Freunde, an jüngst vergangene Ereignisse und Gespräche oder an den Ort, an den man Dinge abgelegt hat, sowie das Neulernen von Dingen im Allgemeinen. „Es geht hier um ein Screening, nicht um die Diagnose selbst“, stellt Monsch gegenüber pressetext klar.

Fremdanamnese hat hohen Wert für den Demenz-Erstverdacht, betont Martensson. „Menschen mit Demenz verhalten sich mit fremden Personen – etwa mit dem Arzt – oft anders als im Alltag. Angehörige und nahe Freunde durchschauen viel eher, wenn Betroffene ihre auftretenden Probleme ignorieren oder verheimlichen.“ Dass Patienten ihre Symptome verbergen, ist verständlich. „Das gleiche machen manche Menschen, die mit dem Alter Sehprobleme bekommen: Sie suchen Entschuldigungen und Erklärungen statt einen Optiker aufzusuchen,“ so die Sprecherin der Alzheimervereinigung.

Je früher, desto besser

Obwohl es für Demenz noch keine Heilung gibt, hat ihre möglichst frühe Diagnose große Bedeutung. Martensson berichtet, dass Demenzpatienten im Rückblick die Phase vor der Diagnose als ihre schlimmste Zeit bezeichnen. „Erst wer über seine Diagnose Bescheid weiß, kann Information und Hilfe holen und etwa medikamentöse oder nicht-medikamentöse Therapien in Anspruch nehmen, die den Verlauf verzögern“, so Martensson. Ausschließen könne man durch die Abklärung zudem Krankheiten mit ähnlichen Symptomen, wie etwa Altersdepression oder Hirntumor.

Was viele Menschen vor einer Demenz-Diagnose zurückschrecken lässt, sind die vielen Missverständnisse rund um die Krankheit. „In den Köpfen schwirren die Symptome im Spätstadium, etwa dass Bekannte zu Unbekannten werden oder Verhaltensstörungen massiv werden. Zwischen Ausbruch und Endstadium liegen jedoch meist viele Jahre, in denen Patienten noch entscheidungs- und handlungsfähig sind, ohne fremde Hilfe leben und oft sogar neue Aktivitäten aufnehmen. Zudem erleben viele das Endstadium der Demenzkrankheit gar nicht, weil sie vorher an einer anderen Alterskrankheit sterben“, betont Martensson.

Quelle: pressetext.schweiz

Kommentar: aus naturheilkundlicher Sicht liegt die Ursache von M. Alzheimer primär in einer Blockade des Blasenmeridians (siehe das Buch „Gedanken altern nicht„, 3. erw. Auflage 2010, ISBN: 978-3-8334-5446-2)

Körpergewicht: Entscheidende Gene verändern sich während des Lebens

Freitag, September 17th, 2010

Umweltreize und -bedingungen spielen eine entscheidende Rolle

Baltimore (pte/17.09.2010/12:10) – Die Gene eines Menschen spielen eine wichtige Rolle bei der Festlegung der Form unseres Körpers. Diese Rolle dürfte jedoch bei der Zeugung nicht für immer fixiert worden sein. Andrew Feinberg von der Johns Hopkins University School of Medicine und Daniele Fallin of the Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health gehen davon aus, dass es im Laufe des Lebens zu chemischen Veränderungen der Gene kommen kann, die bestimmen, wie dick ein Mensch wird. Die ererbten DNA-Sequenzen werden dabei nicht verändert.

Umwelt verändert Gene

Die aktuelle Studie ist laut NewScientist die erste, die anhaltende chemische Veränderungen der Gene mit Fettsucht und dem Körpergewicht in Zusammenhang bringt. Diese Forschungsergebnisse verstärken den Eindruck, dass nicht nur die Gene wichtige Körpereigenschaften bestimmen. Umweltreize und -bedingungen können ebenfalls eine Rolle spielen, indem sie die Genaktivität verändern. Diese epigenetischen Veränderungen beeinflussen, ob Gene aktiv sind oder nicht. Die DNA-Sequenz ist davon nicht betroffen.

Diese neuen Forschungsergebnisse beziehen sich auf epigenetische Veränderungen bei der Methylierung. Durch das Hinzufügen von Methylgruppen zur DNA können Gene aktiviert oder deaktiviert werden und die Aktivität eines Gens eingeschränkt werden. Feinberg und Fallin bildeten die Methylierung der DNA von 74 Erwachsenen ab, die einer ganzen Reihe von Körpertypen entsprachen. Die Wissenschaftler suchten nach Mustern, die anhaltend sind und bereits früh im Leben oder sogar im Mutterleib festgelegt wurden.

In einem ersten Schritt wurde die DNA der Freiwilligen erstmals 1991 sequenziert. Danach wählten die Forscher 227 Bereiche mit Methylierungsmustern aus, die innerhalb der Mitglieder der Gruppe besonders große Unterschiede aufwiesen. Die gleichen Personen wurden 2002 erneut untersucht, um festzustellen, welche Muster sich nicht verändert hatten. Variationen in diesen Mustern müssten demnach bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt erfolgt sein.

Es zeigte sich jedoch, dass nur 119 der 227 entscheidenden Bereiche gleich geblieben waren. Diese Gruppen wurden dann mit den jeweiligen Körpertypen in Übereinstimmung gebracht. Die Wissenschaftler identifizierten in der Folge 13 methylierte Gene, die bei übergewichtigen oder fettsüchtigen Teilnehmern eher vorhanden waren als bei normalgewichtigen.

Ernährung in der Kindheit

Diese chemischen Veränderungen könnten als Reaktion auf Umweltbedingungen wie die Ernährung in der Kindheit oder sogar jener der Mutter während der Schwangerschaft entstanden sein. Feinberg erklärte, dass derzeit nicht erforscht sei, in welchem Ausmaß Gene und Umwelt gemeinsam zu diesen permanenten Veränderungen der Methylierung führen. Beide werden jedoch von den Wissenschaftlern für wichtig gehalten.

Details der Studie wurden in Science Translational Medicine veröffentlicht.

Quelle: pressetext.austria

16. Shell Jugendstudie: Jugend trotzt der Finanz- und Wirtschaftskrise

Dienstag, September 14th, 2010
Die heutige junge Generation in Deutschland bleibt zuversichtlich: Sie lässt sich weder durch die Wirtschaftskrise noch durch die unsicher gewordenen Berufsverläufe und -perspektiven von ihrer optimistischen Grundhaltung abbringen.

Tatsächlich ist der Anteil der Optimisten sogar noch gestiegen. Die Zuversicht der Jugendlichen aus sozial schwachen Haushalten ist dagegen weiter gesunken. Die Kluft zwischen den Milieus hat sich mithin noch verstärkt.

Das ist das Ergebnis der 16. Shell Jugendstudie, die heute in Berlin vorgestellt wurde.Die Untersuchung wurde gemeinsam von den Bielefelder Sozialwissenschaftlern Professor Dr. Mathias Albert, Professor Dr. Klaus Hurrelmann und Dr. Gudrun Quenzel sowie einem Expertenteam des Münchner Forschungsinstitutes TNS Infratest Sozialforschung um Ulrich Schneekloth im Auftrag der Deutschen Shell verfasst.

Dazu wurden Anfang des Jahres mehr als 2.500 Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren zu ihrer Lebenssituation, ihren Glaubens- und Wertvorstellungen sowie ihrer Einstellung zur Politik befragt. „Als großes und seit über 100 Jahren in Deutschland erfolgreich tätiges Unternehmen tragen wir die Verantwortung, zur Weiterentwicklung des Gemeinwesens beizutragen. Die Shell Jugendstudien bilden seit nunmehr fast 60 Jahren einen Schwerpunkt unserer Aktivitäten. Ich bin sicher, dass die Ergebnisse der aktuellen Studie erneut die gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Diskussion anregen sowie Entscheider und Praktiker gleichermaßen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen unterstützen“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung Deutsche Shell Holding GmbH, Dr. Peter Blauwhoff.

Anstieg im Optimismus, aber Verstärkung der sozialen Unterschiede

Gegenüber der letzten Shell Jugendstudie hat sich der Anteil der optimistischen Jugendlichen deutlich erhöht. 59 Prozent (2006: 50 Prozent) der Jugendlichen blicken ihrer Zukunft zuversichtlich entgegen, 35 Prozent äußern sich unentschieden und nur 6 Prozent sehen ihre Zukunft eher düster. Dagegen ist die Zuversicht von Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien rückläufig. Hier äußern sich nur noch 33 Prozent zuversichtlich. Diese soziale Kluft wird auch bei der Frage nach der Zufriedenheit im Leben deutlich: Während fast drei Viertel der Jugend im Allgemeinen zufrieden mit ihrem Leben sind, äußern sich Jugendliche aus unterprivilegierten Verhältnissen nur zu 40 Prozent positiv.

Bildung bleibt der Schlüssel in der Biographie 

 

Auch weiterhin bleibt der Schulabschluss der Schlüssel zum Erfolg. In Deutschland hängt er so stark wie in keinem anderen Land von der jeweiligen sozialen Herkunft der Jugendlichen ab. Junge Leute ohne Schulabschluss finden seltener eine qualifizierte Arbeit oder eine Ausbildung. Entsprechend pessimistisch blicken Jugendliche, die sich unsicher sind, ihren Schulabschluss zu erreichen, auch in die Zukunft. Zu Ausbildung und Berufseinstieg hat sich die Einstellung der Jugendlichen klar verbessert. 76 Prozent der Auszubildenden glauben, nach der Ausbildung übernommen zu werden. 71 Prozent der Jugendlichen sind überzeugt, sich ihre beruflichen Wünsche erfüllen zu können. Bei den Jugendlichen aus sozial schwierigen Verhältnissen sind es hingegen nur 41 Prozent.
Ungebrochen ist der geschlechtsspezifische Trend beim Thema Bildung: Wie sich bereits zu Beginn dieses Jahrzehnts gezeigt hatte, haben junge Frauen ihre Altersgenossen bei der Schulbildung überholt und streben häufiger bessere Bildungsabschlüsse an.

Familienorientierung bei Jugendlichen auch weiterhin hoch im Kurs

Die Bedeutung der Familie für Jugendliche ist ein weiteres Mal angestiegen. Mehr als drei Viertel der Jugendlichen (76 Prozent) stellen für sich fest, dass man eine Familie braucht, um wirklich glücklich leben zu können. In Zeiten, da die Anforderungen in Schule, Ausbildung und den ersten Berufsjahren steigen, findet der Großteil der Jugendlichen bei den Eltern Rückhalt und emotionale Unterstützung. Mehr als 90 Prozent der Jugendlichen haben ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. Auch mit deren Erziehungsmethoden sind die meisten einverstanden. Fast drei Viertel aller Jugendlichen würden ihre eigenen Kinder so erziehen, wie sie selber erzogen wurden. Fast drei Viertel aller Jugendlichen wohnen noch bei ihren Eltern – insbesondere weil es kostengünstig und bequem ist.
Wieder zugenommen hat der Wunsch nach eigenen Kindern. 69 Prozent der Jugendlichen wünschen sich Nachwuchs. Erneut äußern junge Frauen (73 Prozent) diesen Wunsch häufiger als junge Männer (65 Prozent).

Die Jugend ist online

Auch das Freizeitverhalten der Jugendlichen unterscheidet sich je nach sozialer Herkunft. Während sich Jugendliche aus privilegierten Elternhäusern verstärkt mit Lesen und kreativen Tätigkeiten befassen und vielfältige soziale Kontakte pflegen, sind Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien vornehmlich mit Computer und Fernsehen beschäftigt. Allen gemeinsam ist jedoch eines: Fast alle Jugendlichen (96 Prozent) haben mittlerweile Zugang zum Internet. Nicht nur die Zahl der Internetnutzer ist damit gestiegen, sondern auch die Zahl der Stunden, die Jugendliche im Netz verbringen: im Schnitt fast 13 Stunden pro Woche.
Bei der Art der Nutzung des Internets zeigt sich erneut eine soziale Spaltung – insbesondere bei den männlichen Nutzern. Die 

Gamer (24 Prozent der Jugendlichen mit Netzzugang) – vor allem jüngere männliche Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien – verbringen ihre Zeit im Netz hauptsächlich mit Computerspielen. Digitale Netzwerker (25 Prozent) – vor allem jüngere weibliche Jugendliche – nutzen vor allem die sozialen Netzwerke (Facebook, StudiVZ). Für Funktions-User (17 Prozent) – eher ältere weibliche Jugendliche – ist das Internet Mittel zum Zweck: Sie gebrauchen es für Informationen, E-Mails und Einkäufe von zu Hause aus. Die Multi-User (34 Prozent) – eher ältere männliche Jugendliche aus den oberen Schichten – nutzen schließlich die gesamte Bandbreite des Netzes mit all seinen Funktionalitäten. Zum Thema Internet bietet die Shell Jugendstudie seit 2002 kontinuierlich Ergebnisse.

Interesse an Politik steigt wieder leicht an

Auch wenn das politische Interesse bei Jugendlichen weiterhin deutlich unter dem Niveau der 1970er und 1980er Jahre liegt, ist der Anteil der politisch Interessierten wieder leicht angestiegen. Ausschlaggebend dafür sind die mittleren und gehobenen Schichten und die Jüngeren. Bei den 12- bis 14-Jährigen hat sich das Interesse binnen der letzten acht Jahre mit 21 Prozent nahezu verdoppelt, bei den 15- bis 17-Jährigen stieg es von 20 Prozent auf 33 Prozent.
In ihrer politischen Ausrichtung ordnet sich die Mehrheit der Jugendlichen weiterhin links von der Mitte ein. Auch beim Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen hat sich wenig geändert: Hohe Bewertungen gab es für Polizei, Gerichte, Bundeswehr sowie Menschenrechts- und Umweltschutzgruppen, niedrige für die Regierung, die Kirche, große Unternehmen und Parteien. Als Folge der letzten Rezession zeigen Jugendliche neuerdings einen ausgeprägten Missmut gegenüber Wirtschaft und Finanzen. Dabei hat das Vertrauen in Banken am meisten gelitten.
Trotz allgemeiner Politik- und Parteienverdrossenheit sind Jugendliche durchaus bereit, sich an politischen Aktivitäten zu beteiligen, insbesondere dann, wenn ihnen eine Sache persönlich wichtig ist. So würden 77 Prozent aller jungen Leute bei einer Unterschriftenaktion mitmachen. Immerhin 44 Prozent würden auch an einer Demonstration teilnehmen. Hier zeigen sich Mädchen aktivitätsbereiter als Jungen.

Mehr soziales Engagement und Verständnis für Ältere

Im Vergleich zu den Vorjahren sind immer mehr Jugendliche sozial engagiert: 39 Prozent setzen sich häufig für soziale oder gesellschaftliche Zwecke ein. Auch hier zeigen sich soziale Unterschiede. Aktivität und Engagement sind bildungs- und schichtabhängig. Je gebildeter und privilegierter die Jugendlichen sind, desto häufiger sind sie im Alltag aktiv für den guten Zweck.
Die alternde Gesellschaft in Deutschland betrachten Jugendliche auch weiterhin als Problem. Mehr als die Hälfte sehen das Verhältnis zwischen Jung und Alt als eher angespannt an. Dennoch zeigen immer mehr Jugendliche Respekt vor der älteren Generation und Verständnis für deren Lebensweise. Das zeigt sich auch bei der Frage nach der Verteilung des Wohlstands zwischen Jung und Alt. 47 Prozent der Jugendlichen sind der Meinung, diese sei gerecht. Nur noch 25 Prozent fordern, dass die Älteren ihre Ansprüche reduzieren sollen.

Globalisierung zumeist positiv bewertet

Mit Globalisierung verbinden 84 Prozent der Jugendlichen an erster Stelle die Freiheit, in der ganzen Welt reisen, studieren oder arbeiten zu können. Zunehmend wird die weltweite Verflechtung allerdings auch mit wirtschaftlichem Wohlstand in Verbindung gebracht. Im Jahr 2006, also noch vor der Wirtschafts- und Finanzkrise, haben nur 37 Prozent diese Verbindung hergestellt, 2010 schon 53 Prozent. Gleichzeitig wird Globalisierung jedoch auch viel häufiger mit Umweltzerstörung assoziiert. Generell lassen sich drei unterschiedliche Profile ausmachen:

Globalisierungsbefürworter, Globalisierungsgegner und Globalisierungs-Mainstream. Globalisierungsbefürworter sehen in der Globalisierung vor allem die Chance auf wirtschaftlichen Wohlstand, Frieden und Demokratie.  Globalisierungsgegner erkennen in ihr mehrheitlich Umweltzerstörung, Arbeitslosigkeit, Armut und  Unterentwicklung. Beim kritisch-differenziert bewertenden Globalisierungs-Mainstream halten sich Vor- und Nachteile der fortschreitenden Globalisierung die Waage.

Großes Problem Klimawandel

Ein Thema, das Jugendliche heutzutage besonders stark bewegt, ist der Klimawandel. 76 Prozent halten ihn für ein großes oder sogar sehr großes Problem. Zwei von drei Jugendlichen sehen durch das sich verändernde Klima die Existenz der Menschheit bedroht.

Kritiker des Klimawandels geben den reichen Industrieländern die Schuld für die ökologischen Veränderungen. Die Klimaoptimisten, auch wenn sie den Klimawandel problematisch finden, halten die öffentliche Darstellung jedoch für übertrieben. Die fatalistischen Beobachter gehen fast zur Hälfte davon aus, dass es bereits zu spät sei, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Ein Teil der Jugendlichen zieht inzwischen persönliche Konsequenzen und achtet auf ein umweltbewusstes Verhalten. Immerhin jeder zweite spart im Alltag bewusst Energie, 44 Prozent versuchen, häufiger mit dem Fahrrad zu fahren und das Auto stehen zu lassen, und 39 Prozent entscheiden sich für ein kleineres Auto mit geringerem Verbrauch. Besonders klimakritische junge Leute engagieren sich darüber hinaus zunehmend für den Umweltschutz.

Religion weiter im Abseits

Weiterhin spielt Religion für die Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland nur eine mäßige Rolle. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen drei sehr verschiedenen religiösen Kulturen: Während Religion für junge Menschen in den neuen Bundesländern zumeist bedeutungslos geworden ist, spielt sie in den alten Bundesländern noch eine mäßige Rolle. Mittlerweile ist Gott nur noch für 44 Prozent der katholischen Jugendlichen wichtig. Ganz anders sieht es hingegen bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund aus: Sie haben einen starken Bezug zur Religion, der in diesem Jahrzehnt sogar noch zugenommen hat.

Pragmatisch, aber nicht angepasst

Die Werte und Lebenseinstellungen von Jugendlichen sind weiterhin pragmatisch: Der persönliche Erfolg in einer Leistungs- und Konsumgesellschaft ist für Jugendliche von großer Wichtigkeit. Leistung ist jedoch nicht alles: Auch wenn Fleiß und Ehrgeiz für 60 Prozent der Jugendlichen hoch im Kurs stehen, darf der Spaß nicht zu kurz kommen: 57 Prozent wollen ihr Leben intensiv genießen. Optimistisch und mit ihrer Lebenssituation zufrieden, geht es ihnen nicht nur um ihr persönliches Vorankommen, sondern auch darum, ihr soziales Umfeld aus Familie, Freunden und Bekannten zu pflegen. Viele interessieren sich dafür, was in der Gesellschaft vor sich geht.
Die jungen Leute fordern gerade heute sozialmoralische Regeln ein, die für alle verbindlich sind und an die sich alle halten. Eine funktionierende gesellschaftliche Moral ist für sie auch eine Voraussetzung, ihr Leben  eigenverantwortlich und unabhängig gestalten zu können. 70 Prozent finden, man müsse sich gegen Missstände in Arbeitswelt und Gesellschaft zur Wehr setzen.

Methodik und Tradition der Studie

Bereits seit 1953 beauftragt Shell in Deutschland unabhängige Forschungsinstitute mit der Erstellung von Studien, um Sichtweisen, Stimmungen und Erwartungen von Jugendlichen zu dokumentieren. Die Shell Jugendstudie, die mittlerweile schon zum 16. Mal herausgegeben wurde, präsentiert nicht nur eine aktuelle Sicht auf die Jugendgeneration, sondern gibt auch konkrete gesellschaftspolitische Denk- und Diskussionsanstöße.
Als Langzeitberichterstattung ermöglicht sie es, Entscheidern eine Grundlage für gesellschaftliches und politisches Handeln bereitzustellen. Mit diesem fortwährenden Engagement für die Jugendforschung nimmt Shell in Deutschland seit Jahrzehnten die Möglichkeit wahr, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.
Die 16. Shell Jugendstudie ist im Fischer Taschenbuch-Verlag unter dem Titel „Jugend 2010“ erschienen und ist im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-596-18857-4, € 16,95, sFr. 25,90).

Quelle: Shell in Deutschland

 

Was Burnout mit Blähungen zu tun hat

Samstag, September 11th, 2010

Ratgeber über körperliche Ursachen des Ausgebrannt-Seins

Stuttgart (pte/11.09.2010/06:00) – Hunderte Bücher gibt es über die Zivilisationskrankheit Burnout bereits. Diese Tatsache bestreitet der Mediziner und Autor Volker Schmiedel in seinem neuen Buch im Trias-Verlag  „Burnout – Wenn Arbeit, Alltag & Familie erschöpfen“ auch gar nicht. „Allerdings werden in den meisten Publikationen nahezu ausschließlich psychosoziale Aspekte abgehandelt“, so der Mediziner von der Kassler Habichtswaldklinik. Körperliche Ursachen – etwa die Frage, welche chronischen Krankheiten vorliegen, die Burnout bedingen oder verstärken – fehlen zumeist. 
(siehe auch den Online-Kurs „Naturheilkundliche Vorbeuge und Behandlung des Burn-Out-Syndroms“ auf www.naturheilseminare.com).

„Burn-out hat mit Blähungen mehr zu tun, als man glaubt“, so der Mediziner im pressetext-Interview. Wenn die Ursache der Bauchprobleme eine Verdauungsstörung ist, durch die die Aufnahme von Fetten oder auch anderen Nährstoffen eingeschränkt ist, kann es zu einem Mangel an Kalium, Magnesium oder Zink kommen. „Dieser kann Symptome eines Burnout verursachen oder verstärken.“ Die Ursachen solcher Verdauungsstörungen können beispielsweise eine Laktoseintoleranz, Nahrungsmittelallergien oder eine Glutenunverträglichkeit sein. In Frage kommen aber auch Blutarmut oder eine Schilddrüsenunterfunktion.

Unfassbares Problem des Ausgebrannt-Seins

„Das große Problem bei Burnout ist, dass es zwar viele einzelne Definitionen dafür gibt, die einige Aspekte sehr treffend widerspiegeln. Allerdings beschreibt keiner das Problem eindeutig und umfassend“, meint Schmiedel. Burnout ist nicht objektiv messbar. Es gibt keinen Marker im Blut. Natürlich gibt es auch manche messbare Faktoren, die verändert sein können, aber nicht müssen. Das Erkennen des Burnout-Syndroms gehe in erster Linie auf eine subjektive Beschreibung zurück.

„In kaum ein Buch zum Thema Burnout wird auf die Möglichkeit der Erschöpfung durch Krankheiten eingegangen. Werden solche Krankheiten jedoch erkannt und adäquat behandelt, löst sich ein Großteil der Erschöpfung in Wohlgefallen auf“, so der Mediziner. Das heißt, dass zunächst wirklich abgeklärt werden soll, ob es solche Grunderkrankungen gibt, oder ob Nährstoffmängel zu diesen Symptomen führen. Auch Genussmittel wie Kaffee, Alkohol und Rauchen, aber auch Medikamente können eine Rolle spielen.

Suche nach den großen Schlapp-Machern

„Die wichtigsten Krankheiten, die uns schlapp machen, sind die Blutarmut beispielsweise durch Ernährungsdefizite oder Blutverluste nach Operationen. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion gehört hier dazu“, so der Mediziner. Wer unter Schlafstörungen leide, dessen Regeneration leide ebenso. „Im Schlafmangel kann keiner Bäume ausreißen“, betont Schmiedel. „Letztlich können alle chronischen Erkrankungen Energie rauben, da der Körper dann auf Hochtouren läuft.“

„Andere Beispiele sind Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Asthma, bei denen die chronische Entzündung an den Energiereserven zehrt“, erklärt der Experte. „Für eine Krebskrankheit ist eine mehr oder weniger starke Erschöpfung oft die Regel. Bei allen diesen Ursachen gilt es, die Grunderkrankung möglichst optimal einzustellen.“

Auch seelische Ursachen spielen gewichtige Rolle

„Es muss kein Rund-um-die-Uhr-Job sein, der hinter dem Burnout steht. Auch Unterforderung oder mangelnde Anerkennung können erschöpfen“, meint Schmidel. Enttäuschungen, angestaute Aggressionen, Perfektionismus, Machtspiele oder Resignation wirken zusammen. „Jede dieser unterschiedlichen psychosozialen Komponenten sollten im Einzelnen angeschaut werden“, rät der Experte.

Quelle: pressetext.deutschland

Verschränkung von Lichtteilchen erstmals experimentell realisiert

Samstag, September 11th, 2010

Die Verschränkung von Lichtteilchen, wie sie 2003 in einem theoretischen Konzept vorgestellt worden ist, hat ein internationales Forscherteam unter Leitung des Physikers Prof. Dr. Jian-Wei Pan von der Universität Heidelberg jetzt erstmals experimentell realisiert. Den Wissenschaftlern aus Deutschland, Taiwan und China ist es als weltweit ersten gelungen, das Auftreten von sogenannten polarisations-verschränkten Photonenpaaren bei der Standardmethode ihrer Erzeugung lediglich durch indirekte Messungen nachzuweisen. Ihre Forschungsergebnisse, die vor allem für Quantenkommunikation und Quanteninformationsverarbeitung von Bedeutung sind, werden in der Zeitschrift „Nature Photonics“ vorgestellt.

Photonen werden umgangssprachlich auch als Lichtteilchen bezeichnet. Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften sollen sie für quantenphysikalische Anwendungen wie zum Beispiel optische Quantencomputer nutzbar gemacht werden. Erforscht werden dazu Quantensysteme, die aus mehreren voneinander abhängigen Lichtteilchen bestehen. Die Standardmethode zur Erzeugung dieser verschränkten Photonen, die parametrische Fluoreszenz, hat bislang den Nachteil, dass die Anwesenheit der Teilchen ohne Messung nicht nachweisbar ist. Durch die Messung wird jedoch der Quantenzustand unweigerlich beeinflusst und kann nicht mehr weiterverwendet werden.

Das den Heidelberger Forschungsarbeiten zugrundeliegende theoretische Konzept basiert auf der gleichzeitigen Erzeugung von drei polarisations-verschränkten Photonenpaaren aus einer einzigen parametrischen Fluoreszenzquelle. Vier der sechs erzeugten Teilchen dienen dabei als „Hilfsteilchen“. Sie können mithilfe eines ausgeklügelten Detektionsprotokolls gemessen werden und kündigen damit die Anwesenheit der anderen beiden Photonen an, so dass deren Messung nicht erforderlich ist und der quantenmechanische Zustand unverändert bleibt. Die Experten sprechen hier von einer angekündigten oder auch deterministischen Erzeugung der Verschränkung.

Technisch galt dieses Konzept zunächst als nicht umsetzbar. Zur Messung der Photonen müssten spezielle Detektoren eingesetzt werden, die die Anzahl der gleichzeitig ankommenden Lichtteilchen bestimmen können, kommerziell aber nicht erhältlich sind. Das internationale Wissenschaftlerteam um Prof. Pan stand vor der Herausforderung, durch eine Variation des Versuchsaufbaus das Experiment mithilfe einfacher optischer Bauteile und allgemein verfügbarer Schwellwert-Detektoren zu realisieren. Sie reduzierten dazu die Wahrscheinlichkeit, dass überhaupt Photonen zu den Messgeräten gelangen.

„Wir haben damit zwar eine Verringerung der absoluten Effizienz unserer Quelle in Kauf genommen, konnten aber gleichzeitig die Vorhersagegenauigkeit eines maximal verschränkten Photonenpaares deutlich erhöhen“, betont die Heidelberger Wissenschaftlerin Dr. Claudia Wagenknecht aus dem Team von Prof. Pan. Die Forscher sehen darin einen wichtigen Schritt für eine zukünftige Nutzung der parametrischen Fluoreszenz und die Entwicklung deterministischer Quellen für die Verschränkung von Lichtteilchen, um damit insbesondere Experimente in der Quantenkommunikation und der Quanteninformationsverarbeitung durchzuführen und praktische Anwendungen realisieren zu können.

An den Forschungsarbeiten waren Wissenschaftler des Physikalischen Instituts der Ruperto Carola, der National Cheng Kung University in Tainan/Taiwan und der University of Science and Technology of China in Hefei beteiligt.

Quelle: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Originalveröffentlichung:
C. Wagenknecht, C.-M. Li, A. Reingruber, X.-H. Bao, A. Goebel, Y.-A. Chen, Q. Zhang, K. Chen & J.-W. Pan: Experimental demonstration of a heralded entanglement source, Nature Photonics, August 2010, Volume 4 No 8, pp549-552, doi:10.1038/nphoton.2010.123

Anmerkung: Diese Untersuchungen haben auch für die Naturheilverfahren eine große Bedeutung, wie z.B. die Homöopathie.

Bestimmte Medikamentenallergien sind auf das Erwachen „schlafender“ Viren zurückzuführen

Freitag, September 10th, 2010

Philippe Musette, Leiter der Uniklinik für Dermatologie in Rouen, untersucht seit mehreren Jahren bestimmte Formen von Medikamentenallergien. Nun konnte er aufzeigen, dass bestimmte Medikamentenallergien auf das Erwachen „schlafender“ Viren, wie Herpes-Viren, zurückzuführen sind und nicht wie bislang angenommen das Ergebnis einer Reaktion des Organismus auf das Arzneimittel selbst sind. Diese Arbeit wurde in der amerikanischen Fachzeitschrift Science Translational Medicine vom 25. August 2010 veröffentlicht [1].

Das Überempfindlichkeitssyndrom – starke Reaktion des Immunsystems – tritt erst mindestens drei Wochen nach der Einnahme des Medikaments auf. Die Symptome dieses seltenen Syndroms reichen von Infektionen, über Fieber, geschwollene Lymphknoten, Hautausschlag bis hin zu eventuellen Auswirkungen auf Lunge, Nieren, Leber und Herz. Die Sterblichkeitsrate liegt bei ungefähr 10%. Die Arzneimittel, die das Syndrom auslösen, sind in den meisten Fällen Antiepileptika (Antikonvulsiva) und Antibiotika, aber auch Allopurinol (gegen Gicht).

Prof. Musette zufolge „wecken“ diese Arzneimittel bei bestimmten Personen mit genetischer Veranlagung das Epstein-Barr-Virus (EBV), das normalerweise im „Schlaf-Modus“ im Organismus vorkommt. Das Risiko einer Überempfindlichkeitsreaktion liege für ein Antikonvulsivum wie Tegretal (Carbamazepin) bei 1/8.000.

Im Rahmen dieser Studie wurden 40 Patienten untersucht, die diese Überempfindlichkeit aufwiesen. Bei 76% von ihnen beobachteten die Forscher eine Vermehrung des EBV im Blut. Bei diesen Patienten richteten sich die meisten Immunzellen, insbesondere die T-Lymphozyten CD8+, gegen die Viren-Partikel. Die Forscher um Philippe Musette konnten so beweisen, dass der Körper gegen die vom Arzneimittel verursachte Reaktivierung des Virus kämpft, und nicht gegen das Arzneimittel selbst, wie bislang angenommen. Somit könnte das Überempfindlichkeitssyndrom nicht nur durch das Aussetzen des Arzneimittels behandelt werden, sondern auch mit Kortikoïden, und in den schlimmsten Fällen mit wenig oder teilsweise effizienten Virostatika (wie Ganciclovir).

Quelle: Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

[1] „Drug Reaction with Eosinophilia and Systemic Symptoms (DRESS): A Multiorgan Antiviral T Cell Response“, Picard, Janela, Descamps, […] Joly & Musette – Science Translational Medicine – 25.08.2010 – http://stm.sciencemag.org/content/2/46/46ra62.abstract

„Certaines allergies médicamenteuses dues au réveil de virus dormant“, Artikel aus Les Echos – 25.08.2010
http://www.lesechos.fr/depeches/medecine-sante/afp_00276137-certaines-allergies-medicamenteuses-dues-au-reveil-de-virus–dormant-.htm

Können gefährliche pflanzliche Krankheitserreger in Biogasanlagen überleben?

Montag, September 6th, 2010

Die Humboldt-Universität zu Berlin präsentiert zusammen mit Projektpartnern (Julius Kühn-Institut, Universität Rostock, Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioenergie Beratung Bornim) Ergebnisse auf der 57. Deutschen Pflanzenschutztagung in Berlin.

Immer mehr nachwachsende Rohstoffe werden in Biogasanlagen vergoren. Die Rückstände aus diesen Gärungen, die Gärreste, sind für die Landwirtschaft wertvolle organische Dünger. Die verwendeten Pflanzensubstrate wie Weizen und Mais können mit gefährlichen Viren, Bakterien oder Pilzen infiziert sein. Die Krankheitserreger müssen durch die Gärung abgetötet werden. Sonst besteht das Risiko, dass der Landwirt die Erreger mit den Gärresten wieder auf dem Feld ausbringt und für die neue Aussaat ein hoher Infektionsdruck besteht. Welchen Einfluss die anaerobe Vergärung in Laborbiogasanlagen auf die Abtötung der Schaderreger hat, stellen die Projektpartner während der 57. Deutschen Pflanzenschutztagung in Berlin vor.

Insgesamt zeigen die Laborergebnisse, dass nicht nur die thermische Stabilität des Krankheitserregers selbst eine Rolle spielt, sondern ebenso das Substrat (ganze Pflanze oder Korn) und die Lagerzeit der Gärreste nach der Vergärung. Vor allem an Mais und Getreide als Substrat wurden verschiedene Fusarium-Arten (Taubährigkeit), Claviceps purpurea (Mutterkorn), Tilletia caries (Weizensteinbrand), Alternaria alternata (an Mais und Roggen) oder Sclerotinia sclerotiorum (Weißstängeligkeit an Raps) getestet.

Viele Erreger werden nach einer sechsstündigen Inkubation bei 37 Grad Celsius abgetötet (S. sclerotiorium, R. solani, F. avenaceum (bei Mais), F. verticillioides (bei Mais), T. caries, C. purpurea). Andere getestete pilzliche Erreger benötigten längere Inkubationszeiten und waren erst nach 24 bzw. 138 Stunden komplett abgetötet. Bei den meisten Pathogenen führte die Lagerung der Gärreste zu einer Verringerung der Vermehrungsfähigkeit der Sporen. So wurden nach vierwöchiger Lagerung bei allen getesteten pilzlichen Erregern an Mais und Getreide keine lebensfähigen Schadpilze mehr festgestellt.

Auch Clavibacter michiganensis ssp. sepedonicus, die bakterielle Ringfäule an Kartoffel, ein weltweit gefürchteter, unter Quarantäne stehender Pilz, wurde untersucht. Zwar ist die wirtschaftliche Bedeutung der Kartoffel als „Nachwachsender Rohstoff“ gering, aber das Risikopotenzial, das von dieser Krankheit ausgeht, ist extrem hoch. Aus den bisherigen Ergebnissen lässt sich nicht ableiten, dass die anaerobe Vergärung eine risikofreie Variante zur Verwertung von Kartoffelpartien ist, die mit der bakteriellen Ringfäule befallen sind. Der Kartoffelkrebs, Synchytrium endobioticum, – ebenfalls unter Quarantäne stehend – wurde selbst nach 138-stündiger Vergärung nicht vollständig inaktiviert. Auch eine anschließende Lagerung der Gärreste brachte keinen 100%igen Erfolg im Labor.

Die Überprüfung in Praxisbiogasanlagen steht jetzt an. Werden die Ergebnisse bestätigt, können Anforderungen an den Gärungsprozess formuliert werden, damit Gärreste hygienisch unbedenklich sind und Böden und damit Kulturpflanzen nicht zusätzlich mit Krankheitserregern infiziert werden.

Quelle: Julius Kühn-Institut

Forscher knacken das Geheimnis des Fischöls

Samstag, September 4th, 2010

Es stimuliert einen Rezeptor gegen Diabetes und Entzündungen.

Stockholm/Potsdam-Rehbrücke (pte/03.09.2010/17:00) – Fischöl ist schon längere Zeit für seine gesundheitsfördernde Wirkung bekannt. So hemmt es etwa Entzündungen und wirkt Diabetes entgegen. Was die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren dabei genau tun, konnten erst jetzt US-amerikanische und japanische Forscher in einem Experiment zeigen. In der Zeitschrift „Cell“ berichten sie von einem speziellen Rezeptor namens „GRP120“, der von Fettsäuren aktiviert wird. Er hemmt Entzündungen, die Fettzellen und weiße Blutkörperchen auslösen.

Reaktion auf Insulin repariert

Die Forscher ließen Versuchsmäuse durch eine Fettdiät an Gewicht zulegen, was in ihnen chronische Entzündungen auslöste und die Reaktion auf Insulin erschwerte. Das sind zugleich die besten Voraussetzungen für Diabetes Typ 2. Nachdem man ins Futter Omega-3-Fettsäuren mischte, gingen die Entzündungen zurück und die Tiere konnten wieder normal auf Insulin reagieren. Wiederholte man das Experiment mit Mäusen, die aufgrund einer Genmanipulation das Molekül GRP 120 nicht bilden konnten, verfehlte die Omega-3-Aufnahme ihre Wirkung.

Zweimal pro Woche ideal

Das Deutsche Instituts für Ernährungsforschung DIFE http://www.dife.de empfiehlt grundsätzlich die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren. Achten sollte man dabei allerdings auf das richtige Verhältnis zu Omega-6-Fettsäuren. „Dieses beträgt im Idealfall 1:5 oder darunter. Erreicht wird das in etwa beim Öl aus Walnuss oder Raps, jedoch auch bei bestimmten Fischen wie Heringe, Makrele oder Lachs. Aus gesundheitlicher Sicht wäre es günstig, davon zweimal pro Woche zu essen“, erklärt DIFE-Sprecherin Gisela Olias gegenüber pressetext.

Beobachtungen von positiven Wirkungen des Wundermittels gibt es viele, beispielsweise bei schwangeren und stillenden Frauen, bei Alzheimer-Demenz oder auch psychischen Problemen. Viel dünner ist die Reihe der gesicherten wissenschaftlichen Daten. „Als sehr sicher gilt der günstige Effekt erst bei Bluthochdruck, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und beim ischämischen Schlaganfall“, so Olias.

Keine Wirkung nach Herzinfarkt

Manche der bisherigen Erwartungen kann Fischöl jedoch nicht erfüllen. So bleibt etwa nach einem Herzinfarkt trotz seiner regelmäßigen Einnahme die Zahl weiterer Herzinfarkte oder Herzbehandlungen gleich. Das haben niederländische Forscher soeben am europäischen Kardiologenkongress in Stockholm http://www.escardio.org berichtet. Erhoben wurde das bei einer fast einjährigen Untersuchung von 5.000 Herzinfarkt-Patienten, die zum Teil täglich Margarine mit 400 Gramm Omega-3-Fettsäuren verzehrten. Der Grund könnte darin liegen, dass alle Patienten gleichzeitig fettsenkende Statine einnahmen, vermuten die Forscher.

Quelle: pressetext.deutschland

SchülerVZ, MySpace, Wer kennt wen?

Mittwoch, September 1st, 2010

Das soziale Leben Jugendlicher findet zu einem wesentlichen Teil im Netz(werk) statt. Im Rahmen des Medienkonvergenz-Monitoring leitete Prof. Dr. Bernd Schorb eine Untersuchung zum Umgang Jugendlicher mit Sozialen online-Netzwerken, deren Ergebnisse nun vorliegen.

Für Jugendliche und ihr soziales Leben sind Netzwerkplattformen unentbehrlich geworden. Soziale Netzwerkplattformen sind für sie Treffpunkte des Freundeskreises, Kontaktbörsen und Flächen zur Selbstdarstellung.

Prof. Dr. Bernd Schorb, Leiter der Untersuchung und Professor für Medienpädagogik und Weiterbildung am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft (KMW) der Universität Leipzig, bekräftigt: „Soziale Online-Netzwerke haben sich innerhalb kürzester Zeit verbreitet und zu einem zentralen Bestandteil des Medienalltags Jugendlicher entwickelt. Damit einher geht auch eine neue Qualität der Beziehungsarbeit, mit der Jugendliche heute selbstverständlich aufwachsen“. Dabei weist der Medienexperte auch auf Risiken hin: „Die Netzwerkplattformen bieten Heranwachsenden ohne Zweifel viele Möglichkeiten, haben aber auch problematische Seiten, insbesondere, wenn es um Differenzen im sozialen Miteinander oder den Umgang mit persönlichen Daten geht“.

Chancen und Gefahren der sozialen Netzwerke belegen die aktuellen Ergebnisse, die auf Daten einer quantitativen Online-Befragung von 8.382 NutzerInnen sozialer Netzwerkplattformen zwischen 12 bis 19 Jahren im Januar 2009 und auf qualitativen Interviews mit 31 Jugendlichen selben Alters. Die Untersuchung wurde im Rahmen des Medienkonvergenz Monitoring (MeMo) durchgeführt, das von der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) gefördert wird.

Die Ergebnisse

„Ich bin da eigentlich ständig“.Soziale Online-Netzwerke sind zu einem Ritual jugendlicher Internetnutzung geworden, das oft parallel zu anderen Medien- bzw. Internetaktivitäten erfolgt. Dabei zeigt sich ein deutlicher Trend zur Nutzung mehrerer Netzwerkplattformen: insgesamt 70 Prozent der online befragten Jugendlichen sind auf mindestens zwei Online-Netzwerken aktiv. Ein Fünftel der Befragten nutzt drei und ein Zehntel sogar vier soziale Netzwerke. Grund dafür ist, dass sich die Jugendlichen auf verschiedenen Plattformen mit unterschiedlichen Freundeskreisen vernetzen, neue Kontakte zu ‚Gleichgesinnten‘ suchen und spezifische inhaltliche wie funktionale Ausrichtungen der verschiedenen Plattformen schätzen.

„Da spielt sich halt auch außerhalb von der Schule das soziale Leben ab“. Die soziale Beziehungsarbeit ist für Jugendliche das Wichtigste an den Netzwerkplattformen: es geht ihnen darum, Freundschaften zu pflegen, den gemeinsamen Alltag zu organisieren und neue Freunde kennen zu lernen. Die virtuelle Welt ist damit keine, die mit der realen Welt der Jugendlichen nichts gemein hat. Vielmehr stellt sie eine Erweiterung und Fortsetzung des sozialen Raums im Digitalen dar. Das Mitmachen auf Netzwerkplattformen ermöglicht Heranwachsenden auch, sich sozial zu integrieren, über persönlich wichtige Themen zu diskutieren und damit nicht zuletzt an der (Medien-)Gesellschaft teilzuhaben.

„Ich will vor allen Dingen meinen Charakter darstellen.“ Die Mehrheit der Jugendlichen schätzt die Möglichkeiten, sich im sozialen Raum Online-Netzwerke selbst darzustellen und sich anderen damit zu präsentieren, insbesondere im Rahmen der Gestaltung eigener Profilseiten und der Mitgliedschaft in Gruppen. Hier präsentieren die Heranwachsenden die vielfältigen Facetten ihrer Persönlichkeit. Nur für einen kleinen Teil der Befragten ist dabei das Hineinschlüpfen in andere Rollen und damit das mediale Probehandeln bedeutsam. Die meisten Jugendlichen legen vielmehr Wert auf eine (nach subjektiven Kriterien) authentische Selbstdarstellung.

„Weil es für mich eine einfache Kommunikationsmöglichkeit ist.“ Die interpersonale Kommunikation mit Freunden und Bekannten ist die wichtigste Funktion der Netzwerkplattformen für die befragten Jugendlichen. Ausgangspunkt dafür sind die Profilseiten, die neben der eigenen Präsentationsfläche auch einen gemeinsamen Kommunikationsraum darstellen. Dabei findet der Austausch sowohl über Nachrichten, Pinnwände und plattforminterne Instant-Messenger statt, als auch über die Profile und ihre Vernetzungstools (wie Freundeslisten und Gruppen). Auch Bilder sind Mittel der Kommunikation: Die überwiegende Mehrheit der Befragten hat schon selbst Bilder auf Plattformen gestellt, z.B. zu gemeinsamen Erlebnissen mit Freunden, sowie Bilder anderer NutzerInnen kommentiert, was wiederum Anlass für weitere verbale Kommunikation ist. Dieses produktive und kommunikative Mitgestalten des Netzwerkes ist damit eng mit den sozialen Interessen der Jugendlichen verbunden.

Die Nutzung von Netzwerkplattformen hat auch ihre problematischen Seiten:
„Ich wurde gemobbt“: Fast jede/r Vierte der Befragten gibt an, bereits schlechte Erfahrungen bei der Nutzung Sozialer Online-Netzwerke gemacht zu haben. Diese Erfahrungen beziehen sich vor allem auf Probleme im sozialen Miteinander zwischen den Nutzenden. Thematisiert werden insbesondere Beleidigungen, Bedrohungen und Mobbing, aber auch sexuelle Belästigung, von denen vor allem Mädchen betroffen sind. Zugleich gibt jede/r sechste Befragte an, schon selbst in Netzwerkplattformen etwas getan zu haben, das sie/er im Nachhinein bereut hat. Begünstigt wird dieses problematische Handeln durch die Möglichkeit des anonymen bzw. pseudonymen Agierens in den Netzwerken.

„Ich find das blöd, wenn Leute ihre Seite verstecken. Das ist doch dann sinnlos“. Fast alle befragten Heranwachsenden kennen die Privatsphäre-Einstellung und damit die Möglichkeit, den Zugriff Fremder auf das eigene Profil zu unterbinden. Weniger als die Hälfte der Befragten macht von dieser Funktion Gebrauch. Zentrale Gründe, den Zugang auf die eigenen Daten nicht zu beschränken, sind insbesondere der Aufbau neuer Beziehungen und der Wunsch nach umfassender Selbstpräsentation. Zugleich werden Gefahren bei der Preisgabe persönlicher Daten durchaus wahrgenommen. Dieses Spannungsverhältnis führt zu Unsicherheiten im Handeln der Jugendlichen, die auf notwendige medienpädagogische Unterstützung verweisen.

Quelle: Universität Leipzig