Archive for Oktober, 2010

Vollkorn schützt vor Bauchfett

Donnerstag, Oktober 21st, 2010
Weniger ungünstige Depots rund um die inneren Organe

Boston (pte/21.10.2010/13:55) – Wer bei der Wahl von Getreideprodukten vorwiegend auf Vollkorn setzt, kann dadurch überschüssiges Fett loswerden. Das berichten Forscher der Tufts University http://www.tufts.edu im „American Journal of Clinical Nutrition“. Sie befragten 2.800 Erwachsene nach ihren Ernährungsgewohnheiten und untersuchten durch spezielle Bildgebung ihr Fettgewebe. Bei jenen, die sich statt von Produkten mit weißem Getreide von solchen aus Vollkorn ernährten, hatte sich deutlich weniger Bauchfett angesammelt. Vollkorn stärkt somit gegen Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Dunkel schlägt Hell

Den positiven Effekt beobachteten die Forscher bei jenen, die mindestens drei Portionen Vollkorn-Produkte pro Tag verzehrten – und weniger als eine mit normalem Getreide. Als eine Portion Vollkorngetreide galt dabei eine Scheibe 100-prozentiges Weizen-Vollkornbrot, eine halbe Tasse Haferflocken oder dieselbe Menge an braunem Reis. Bei jenen, die neben den Vollkorn-Portionen weiterhin viele Produkte mit verarbeitetem Getreide zu sich nahmen, war der Vorteil nicht zu beobachten. „Es ist also wichtig, Teile der Ernährung zu ersetzen und nicht bloß zusätzlich Vollkorn zu essen“, erklärt Studienautor Nicola McKeown.

Konkret war bei den Vollkorn-Essen das Bauchfett rund um die inneren Organe geringer, die sogenannten viszeralen Fettgewebe. Mehr noch als die direkt unter der Haut befindlichen Fettzellen tragen diese eine Mitschuld an Bluthochdruck, hohem Cholesterin und Insulinresistenz, die in Summe zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ 2-Diabetes führen können. Bei Vollkorn-Essern war das Volumen dieser Fettgewebe um zehn Prozent geringer, selbst nachdem die Forscher andere Faktoren wie etwa Rauchen, Alkoholkonsum, Obst- und Gemüseverzehr, Bewegung oder den Fettanteil im Kalorienkonsum berücksichtig hatten.

Langes Kauen hilft beim Abnehmen

„Jedem, der abnehmen oder auf sein Gewicht achten will, kann man den Verzicht auf Weißmehlprodukten zugunsten von Vollkorn nur empfehlen“, betont auch Heinrich von Grünigen, Präsident der Schweizerischen Adipositas-Stiftung SAPS http://www.saps.ch, im pressetext-Interview. Auch das Backen mit Vollkornmehl oder dunkle Nudeln gehörten da dazu. Allerdings rät von Grüningen, auch bei Vollkorn das Maß zu halten und die Portionsgrößen in den Griff zu bekommen. „Nicht deshalb, weil es gesund ist, sollte man beliebig viel davon zu sich nehmen.“

Doch gerade bei der Mäßigung des Hungers bringt Vollkornbrot entscheidende Vorteile gegenüber seinem weißen Pendant. „Der Verdauungsprozess von Vollkornbrot dauert wesentlich länger, wodurch es schneller satt macht.“ Die schnellste Sättigung erreiche man durch bewusst langes Kauen. „Das ermöglicht bei Vollkorn auch eine ganz andere Geschmacksintensität als bei Weißbrot.“ Eine neue Wortschöpfung dafür ist das ‚Schmauen‘ – die Kombination von Schmecken und Kauen. „Kaut man einen Bissen trockenes Vollkornbrot fünf Minuten, gibt dies den Eindruck, man hätte eine ganze Mahlzeit gegessen“, so von Grünigen.

Quelle: pressetext

Bauernhofeffekt und Allergien

Mittwoch, Oktober 13th, 2010

Immunsystem von Landkindern wird mehr gefordert

(aid) – Kinder auf dem Land und speziell auf Bauernhöfen leben gesünder. Sie haben nachweislich seltener Allergien oder Asthma als Stadtkinder. Wissenschaftler vermuten, dass der Kontakt zu den zahlreichen Keimen in Stall und Scheune das Immunsystem so auf Trab bringt, dass es für Allergien schlicht keine Kapazitäten mehr frei hat.
Eine große Bedeutung wird dabei den Mykobakterien zugeschrieben. Diese Bakterien sind zum Teil auf Wirtsorganismen (neben dem Menschen u. a. Rinder) angewiesen, kommen aber in großer Zahl auch in Gewässern oder im Boden vor. Bei Kontakt mit ihnen kommt es zu einer sehr starken so genannten Th1-Antwort des Immunsystems. Diese spielt auch bei der Bekämpfung von Infektionen eine Rolle. Ihre Aktivierung wirkt sich dämpfend auf die so genannte Th2-Antwort aus, die für Entzündungsreaktionen und Allergien zuständig ist. Beide Stoffwechselwege sind gegenläufig reguliert: Je aktiver der eine, desto unlustiger der andere.
Im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit im Fach Biologie untersuchten zwei Studentinnen der Universität Bayreuth, inwiefern und wo Mykobakterien in einem landwirtschaftlichen Betrieb tatsächlich vorkommen und wo man besonders häufig mit ihnen in Kontakt kommt. Dabei ergaben sich einige überraschende Erkenntnisse. So fanden sich erwartungsgemäß viele Mykobakterien im Staub und auf dem Boden der Stallungen von Kälbern und Rindern (Boxenhaltung), nicht aber bei den Milchkühen (Freilaufstall), obwohl die Ausscheidungen aller Kühe Mykobakterien enthielten. Im Schweinestall kamen die Bakterien nur auf dem Boden vor, nicht aber im Staub aus demselben Stall. Auch aus Felderde, wie man sie z. B. an Kartoffeln findet, konnten Mykobakterien isoliert werden.
Insgesamt konnte gezeigt werden, dass Menschen in der Landwirtschaft tatsächlich sehr häufig mit Mykobakterien in Kontakt kommen. Weitere Untersuchungen müssen nun zeigen, ob dieser Umstand tatsächlich ihr Immunsystem positiv beeinflusst und welche anderen Faktoren dort noch eine Rolle spielen.

Quelle: http://www.aid.de/

siehe hierzu auch den Onlinekurs „Allergiebehandlung mit homöopathischen Mitteln“ auf www.naturheilseminare.com

Faszination Placebo-Effekt

Sonntag, Oktober 10th, 2010

Förderpreis für Schmerzforschung an Forscher aus Hamburg und Zürich

Wie der Glaube „Berge versetzt“, zeigt eindrucksvoll der Placebo-Effekt. Schmerzforscher aus Hamburg und Zürich haben nun neue Erkenntnisse über den faszinierenden Mechanismus gewonnen. Sie konnten mit bildgebenden Untersuchungen zeigen, dass das Rückenmark dabei eine Rolle spielt, und fanden heraus, wo der Placebo-Effekt im Gehirn zu Hause ist.

Für ihre Arbeit wurden sie beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim mit dem Förderpreis für Schmerzforschung 2010 der Kategorie Grundlagenforschung ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).

Das Rückenmark spielt mit

Allein die Erwartung, dass ein Schmerz sich verringern wird, lässt ihn tatsächlich schwinden – auch wenn der schmerzhafte Reiz genauso stark ist wie zuvor. Wie das funktioniert, ist für die Forschung seit langem ein faszinierendes Rätsel. Forscher des Hamburger Universitäts-Klinikums um Dipl.-Psych. Falk Eippert setzten auf die Bildgebung. Sie nutzten die funktionelle Kernspintomografie, um das Rückenmark von Probanden zu beobachten, während diese an einem Placebo-Versuch teilnahmen. Das Rückenmark als „direkter Draht“ ins Gehirn spielt bei der Vermittlung von Schmerz eine wichtige Rolle. Und tatsächlich zeigten die Bilder, dass die Nervenzellen des Rückenmarks bei einem gleich starken Hitzeschmerz weniger aktiv reagierten, wenn die Versuchsperson eine Schmerzlinderung erwartete. „Wir konnten damit zum ersten Mal direkt zeigen, dass Schmerzantworten des Rückenmarks sich durch den Placebo-Effekt abschwächen lassen“, sagt Falk Eippert. „Unsere Ergebnisse zeigen, welch tiefgreifenden Einfluss psychologische Faktoren auf die Schmerzwahrnehmung haben können.“

Wo der Placebo-Effekt im Gehirn zu Hause ist

Wo der Placebo-Effekt im Gehirn zu Hause ist, haben die Forscher vom Collegium Helveticum in Zürich um Dr. Peter Krummenacher ermittelt. Sie setzten dafür ein Magnetstimulationsgerät ein, mit dem sich von außen die Aktivität einzelner Hirnbereiche beeinflussen lässt. Ihr Zielbereich war der Präfrontalkortex, ein Teil des Frontallappens der Großhirnrinde an der Stirnseite des Gehirns. Sie überzeugten die Probanden, dass die Stimulation einen schmerzlindernden Effekt habe, stimulierten sie aber nur zum Schein. Trotzdem stiegen Schmerzschwelle und -toleranz der Versuchspersonen merklich an – das Placebo wirkte. Stimulierten sie die Hirnregion tatsächlich und schalteten ihre Funktion so vorübergehend ab, schwand der Placeboeffekt.

Literatur:

Falk Eippert, Jürgen Finsterbusch, Ulrike Bingel, and Christian Büchel: Direct Evidence for Spinal Cord Involvement in Placebo Analgesia. In: Science, 16 October 2009 326: 404 [DOI: 10.1126/science.1180142]

Krummenacher P, Candia V, Folkers G, Schedlowski M, Schönbächler G.: Prefrontal cortex modulates placebo analgesia. Pain. 2010 Mar;148(3):368-74, doi:10.1016/j.pain.2009.09.033

Über die Eigenschaften der Quantenhirne (Kopf- und Bauchhirn) und ihre Bedeutung für die Praxis

Fetale Programmierung: Ist die Mutter an allem Schuld?

Donnerstag, Oktober 7th, 2010

Drei Faktoren prägen einen Menschen: seine Gene, Umwelteinflüsse und – darüber war lange sehr wenig bekannt – Einflüsse, die während der Schwangerschaft und nach der Geburt auf ihn einwirken.

Ein Kind wird bereits vor der Geburt geprägt, weil es den Lebensumständen der Mutter passiv ausgesetzt ist. Die Ernährung und der Hormonhaushalt der Mutter und die Leistung des Mutterkuchens haben Einfluss auf die künftige Funktion der sich gerade entwickelnden Organe und damit auf das gesamte spätere Leben des ungeborenen Kindes: Chronische Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes und Bluthochdruck können so vorprogrammiert sein – auch wenn keine genetische Veranlagung dafür besteht. Das erläuterte Professor Ekkehard Schleußner auf dem DGGG-Kongress (5. bis 8. Oktober 2010, München). „Wir müssen aus den aktuellen Forschungsergebnissen Konsequenzen ziehen. Mit Empfehlungen zu Screeninguntersuchungen und Ernährungsempfehlungen beeinflussen Gynäkologinnen und Gynäkologen die Gesundheit der nächsten Generationen“, so Schleußner, Direktor der Abteilung für Geburtshilfe an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.
Die „Fetale Programmierung“ rückt erst seit wenigen Jahren in den Fokus der internationalen Forschung. Die neue entwicklungsmedizinische Fachrichtung untersucht die Prozesse, die in kritischen Entwicklungsphasen auf das ungeborene oder neugeborene Kind einwirken. Dazu gehören Faktoren, die während der Fetalentwicklung indirekt über die Plazenta auf das Kind wirken, aber auch mütterlicher und fetaler Stress vor der Geburt und als Neugeborenes sowie dessen Ernährung. Die fetale Programmierung ist eine bisher wenig bekannte – angeborene, aber nicht ererbte – Ursache für Volkskrankheiten wie Adipositas (krankhaftes Übergewicht), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzinfarkt, die sich als Spätfolgen von Mangel- oder Überernährung des Fetus erst im Erwachsenenalter manifestieren.

Schwangerschaftsdiabetes kann mehrere Generationen krank machen

Zu viel Insulin während der frühkindlichen Entwicklung kann zu einer lebenslang krankhaften Stoffwechselregulation führen. Das ist der Fall bei einem nicht behan-delten Schwangerschaftsdiabetes der Mutter. Die Überproduktion von Insulin als Folge der zu hohen Glukoseversorgung des Fetus durch die Mutter kann dann im Jugend- und Erwachsenenalter Diabetes und Adipositas zur Folge haben.
Mädchen, deren Mütter in der Schwangerschaft an Schwangerschaftsdiabetes leiden, haben ein um das Zehnfache erhöhtes Risiko, später selbst daran zu erkranken – ein Teufelskreislauf, denn diese Mädchen können die Erkrankung an nachfolgende Generationen weitergeben.
Ein Ausdruck für ungünstige Lebensumstände des Ungeborenen ist das Geburtsgewicht. Ein sehr hohes wie auch ein sehr niedriges Geburtsgewicht erhöhen die Gefahr, dass der Mensch später an Stoffwechselerkrankungen leidet. Ein niedriges Geburtsgewicht ist zudem mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit, Arteriosklerose und Bluthochdruck, für mentale Erkrankungen oder Störungen der Fortpflanzungsfähigkeit von Mädchen verbunden. Es erhöht außerdem das spätere Brustkrebsrisiko.

Primärprävention gegen Spätfolgen der fetalen Programmierung

„Die Ergebnisse der entwicklungsmedizinischen Forschung müssen in präventionsmedizinische Konzepte einbezogen werden, denn sie eröffnen Ärztinnen und Ärzten völlig neue Möglichkeiten, Volkskrankheiten wie Diabetes, Adipositas, Schlaganfall und Herzinfarkt vorzubeugen – bereits beim ungeborenen Kind“, sagte Schleußner auf dem DGGG-Kongress. Er fordert beispielsweise für schwangere Frauen ein Diabetes-Screening, denn von einem Schwangerschaftsdiabetes mit Spätfolgen für das Kind ist etwa jede zwanzigste Frau betroffen. Bei rechtzeitiger Diagnose ist die Erkrankung gut behandelbar und schützt Generationen vor einer gestörten Glukosetoleranz.
Frauenärzte und Kinderärzte tragen eine große Verantwortung: „Wir können die spätere Gesundheit von Kindern mit vorgeburtlichen Risikofaktoren beeinflussen und sind die Weichensteller für die Gesundheit weiterer Generationen. Primärprävention kann außerdem dazu beitragen, die Kosten für das Gesundheitssystem in den nächsten Jahrzehnten zu senken“, so Schleußner.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.

Bessere Milch durch Änderung des Melkrhythmus

Montag, Oktober 4th, 2010

TUM-Physiologen untersuchen den Einfluss des Melkrhythmus auf die Milchqualität

04.10.2010 – Kuhmilch ist gesund. Vor allem ihr Protein, das Milcheiweiß, ist für uns sehr wertvoll, es enthält Phosphor, Calcium und viele lebensnotwendige Aminosäuren. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) haben jetzt herausgefunden, dass man den Proteingehalt durch eine kleine Änderung im Melkrhythmus erhöhen kann. Das ist nicht nur für den Verbraucher vorteilhaft: Das Vorgehen ist sogar gesünder für die Kühe als die herkömmliche Melkmethode, wie Physiologen um den Professor Heinrich Meyer in einer zweijährigen Studie belegen konnten.
Eine moderne Milchkuh gibt bis zu 10.000 Liter Milch und mehr pro Jahr. Doch Menge ist heute nicht mehr alles – der Proteingehalt ist interessanter. Milch ist für uns sehr wertvoll, da sie leicht verdaulich ist und viele essentielle Aminosäuren und Mineralien enthält. Außerdem zahlen die Molkereien dem Landwirt deutlich mehr Geld für proteinreiche Milch. Kurz: Ein hoher Eiweißgehalt in der Milch ist für den Bauern ökonomischer und für den Verbraucher gesünder. Professor Heinrich Meyer vom Lehrstuhl für Physiologie der TUM hat nun herausgefunden, dass man den Proteingehalt über den Melkrhythmus beeinflussen kann. Dies wirkt sich sogar positiv auf die Kühe aus, denn ein hoher Milcheiweißgehalt zeigt an, das dass die Tiere gesund sind.

Besonders in den ersten Wochen nach dem Kalben sind Stoffwechsel und Gesundheit labil, wie Meyer erklärt: „Eine Milchkuh wird besamt und während der neunmonatigen Trächtigkeit die ersten sieben Monate gemolken.“ Knapp zwei Monate bevor das Kalb zur Welt kommt wird die Kuh ‚trocken gestellt‘, damit sich ihre Milchdrüsen regenerieren können. Sobald das Kalb geboren ist, wird die Kuh wieder zweimal täglich gemolken. Anschließend wird die Milchkuh sobald möglich wieder besamt.“ Diese Umstellung von der Trockenphase aufs Melken ist eine große Belastung für den Stoffwechsel – die Kuh muss binnen kurzer Zeit den Stoffwechsel umstellen und wieder sehr viel Milch produzieren. In dieser Phase kann es zur Unterzuckerung kommen, weil die Kuh den Blutzucker für die Milchsynthese heranzieht. Durch den entstehenden Zuckermangel wird zudem weniger Milcheiweiß gebildet, die Milchqualität nimmt ab.

Das kann der Landwirt allerdings umgehen: Er muss dazu den klassischen Melkrhythmus umstellen, wie ein Team vom Lehrstuhl für Physiologie herausfand. Die Wissenschaftler verglichen drei Arten zu Melken im Hinblick auf die Menge und die Inhaltsstoffe der Milch. Insgesamt 36 Kühe der TUM-Versuchsstation Veitshof wurden in die Studie einbezogen, zwölf pro Versuchsgruppe. Dabei gab es eine Kontrollgruppe, die wie üblich zwei Monate vor dem Kalben nicht mehr gemolken wurde und im Anschluss zweimal pro Tag. Die zweite Gruppe wurde langsamer wieder an das Melken gewöhnt: Sie wurde zwar ebenfalls ‚trocken gestellt’, aber in den ersten vier Wochen nach der Geburt nur einmal und erst danach zweimal täglich gemolken. Bei der letzten Gruppe ließ man die Trockenpause komplett aus, die Kühe wurden durchgehend zweimal pro Tag gemolken.

Während der zwei Jahre nahmen die Physiologen regelmäßig Milch- und Blutproben. Außerdem überprüften sie täglich die Gesundheit der Kühe. Die Ergebnisse überraschten auch die Fachleute: Die traditionell gemolkenen Kühe gaben zwar auf die gesamte Melkdauer bezogen mehr Milch als die anderen beiden Gruppen, aber zu einem hohen Preis. Sie hatten mehr Gewicht verloren, ihr Blutzuckerspiegel war niedriger. Auch die Milchqualität war geringer. Zum Vergleich: Die Milch der Gruppe, bei der nach der Trockenpause die Melkroutine langsamer wieder eingestellt wurde, hatte im Schnitt 0,3 % mehr Eiweiß – die der Kühe ganz ohne Trockenpause sogar 0,5 % mehr Milchprotein. Der logische Rückschluss: Die neu getesteten Melkrhythmen vermeiden die Belastungs-Spitzen und lassen den Kühen mehr Energie, um Milch und Eiweiß in bester Qualität herzustellen. Offenbar sind sie also schonender für den Tierstoffwechsel als die herkömmliche Melkroutine.

Landwirte könnten also mit einer Umstellung ihrer Melkgewohnheiten viel bewirken. Ihre Kühe hätten weniger stoffwechselbedingte Gesundheitsprobleme, die Milch würde proteinreicher und damit gesünder. Sogar sich selbst täten die Bauern etwas Gutes, denn: „Der Milcheiweißgehalt macht 60 Prozent des Preises aus, den die Bauern von den Molkereien bekommen, weil diese damit besser arbeiten können“, so Heinrich Meyer. Eine kleine Änderung im Melkrhythmus hätte also positive Folgen für Tier, Landwirt, Molkerei und Verbraucher. Die effektivste Lösung ist dabei das Auslassen der Trockenperiode. Allerdings muss diese Methode noch weiter untersucht werden – so ist zum Beispiel noch nicht klar, wie oft hintereinander die Melkpause ausgelassen werden kann, ohne dass eine Regeneration des Drüsengewebes der Kuh erforderlich ist.

Die TUM-Physiologen planen derzeit eine größere und längere Studie, um die Methode weiter zu optimieren. Dies könnte man zum Beispiel durch Verkürzung der Trockenpause erreichen. Denn die Erholung des Eutergewebes dauert nicht zwingend zwei Monate, sondern kann auch früher abgeschlossen sein. Diese Hypothese werden die Wissenschaftler prüfen und damit die Frage lösen: Wie kurz ist lang genug?

Literatur:

Schlamberger G, Wiedemann S, Viturro E, Meyer HHD and Kaske M: Effects of continuous milking during the dry period or once daily milking in the first 4 weeks of lactation on metabolism and productivity of dairy cows. Journal of Dairy Science (2010) 93(6): 2471-2485. (DOI: 10.3168/jds.2009-2823)

Quelle: Technische Universität München

Rindfleisch ist der Kaviar der Zukunft

Sonntag, Oktober 3rd, 2010

FAO kündigt Konsequenzen der hohen Produktionskosten an

Buenos Aires/Rom (pte/01.10.2010/13:40) – Rindfleisch wird in Zukunft so teuer sein, dass es zum exquisitem Luxusgut für Wohlhabende wird. Das prognostiziert die UN-Welternährungsorganisation FAO http://www.fao.org beim 18. internationalen Fleischkongress in Buenos Aires. „Die Erzeugung von Rindfleisch ist drei- bis fünfmal teurer als jene von Hühner- oder Schweinefleisch und kann nicht mit dem Wachstum der Weltbevölkerung und deren steigenden Rindfleischhunger mithalten. 2050 wird Rindfleisch das sein, was heute Kaviar ist oder Lachs vor 50 Jahren war“, so FAO-Sprecher Henning Steinfeld.

Zu viel Wasser und Treibhausgas

Steinfeld verweist dabei in erster Linie auf die hohen Kosten für die Umwelt, die sich künftig für die Fleischerzeuger bei gleichen Preisen nicht mehr bezahlt machen. Ein Kilo Rindfleisch braucht in der Erzeugung 16.000 Liter Wasser, Schweinefleisch dagegen nur 5.000 Liter und Hühnerfleisch knapp 4.000 Liter (siehe auch den ArtikelEnergiestoffwechsel und Milieutherapie„).
„Bisher ist Wasser im Freien umsonst und im auch Stallbetrieb günstig. Besonders im Süden wird es aber durch den Klimawandel immer knapper und teurer“, betont Josef Schmidhuber, International Policy Analyst bei der FAO, gegenüber pressetext.

Doch auch abseits des Wassers sind steigende Produktionskosten absehbar. „Falls die Welt den Klimaschutz ernstnimmt, wird auch die Rinds- und Schafzucht sowie die Milchproduktion die Preise für die entstehenden Ausstöße an Methan, N2O, CO2 und ähnliche Treibhausgase bezahlen müssen. Bei all diesen Kosten wird man den Konsumenten beteiligen müssen.“ In welcher Form ist noch ungewiss, denn Ideen wie etwa eine Rindfleischsteuer sind bislang noch heftig umstritten.

Vielerorts schon heute zu teuer

„In vielen Ländern ist Rindfleisch ohnehin schon Luxus“, so Schmidhuber. Die Bewohner reicher Ländern könnten sich 20 Kilo pro Jahr mühelos leisten, was in armen Ländern – von Hirtengesellschaften abgesehen – nicht der Fall sei. Europa wird in den Augen des Experten auch in Zukunft zu reich sein, um aus Kostengründen ganz auf Rindfleisch verzichten zu müssen und langfristig weniger als zehn Kilo zu konsumieren. „Hier werden eher andere Gründe zum Fleischverzicht führen, etwa die gesundheitlichen Bedenken oder die hohen Getreidepreise durch die Verfütterung an die Tiere.“ Global werde der Rindfleischkonsum weiter zunehmen, doch deutlich weniger stark als bisher.

Für die Fleischproduktion ist laut FAO-Meinung technischer Fortschritt Gebot der Stunde. „Es geht darum, mit weniger Getreide und sonstigem Input auszukommen“, so Schmidhuber. In Europa habe die Futterverwertung in den vergangenen Jahren bereits enorme Fortschritte gemacht, die in vielen Teilen der Welt noch ausstehen. Auch genetische Maßnahmen hält der Experte für möglich, obgleich man hier in Europa bald an Akzeptanzgrenzen stoße. „Wichtig ist auch die Steigerung der Tierhygiene. Bisher gibt es viele Tierkrankheiten, die einen massiven Antibiotika-Einsatz und bis zu fünfprozentige Verluste mit sich ziehen. Steigt die Tiergesundheit, sinken die Kosten durch derartige Ausfälle.“

Jahreskonsum: Zwölf Kilo

Durchschnittlich verbraucht jeder Erdenbürger derzeit zehn Kilogramm Rindfleisch pro Jahr. Industrieländer kommen auf über 20 Kilo und Entwicklungsländer auf sechs Kilo, wobei nur bei letzteren die Tendenz steigt. Während das Konferenz-Gastgeberland Argentinien mit 56 Kilogramm eindeutiger Rekordhalter ist, beschränkt sich der Verbrauch in Deutschland seit 2002 durchgehend auf zwölf Kilo Rindfleisch pro Jahr und Person.

„Der Verzehr beträgt dabei 68 Prozent des Verbrauchs“, erklärt Heike Harstik, Hauptgeschäftsführerin des Verbands der deutschen Fleischwirtschaft http://www.v-d-f.de, gegenüber pressetext. Für die Situation in 40 Jahren sei vieles denkbar. „Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Rindfleischpreis steigen wird“, so die Fleischexpertin.

Quelle: pressetext.deutschland