Archive for Januar, 2011

Epilepsie: Neue Untersuchungen zu den Ursachen und verbesserte Behandlung der medikamentenresistenten Formen

Donnerstag, Januar 27th, 2011

Forscher des Krankenhauses Frédéric Joliot (SHFJ: I2BM, CEA/Orsay) in Orsay (Ile-de-France) [1] und der Abteilung für Neurochirurgie des Sainte-Anne Krankenhauses in Paris [2] haben eine Diagnosemethode entwickelt, die es ermöglicht, genau die Hirnareale einzugrenzen, die für epileptische Anfälle verantwortlich sind.

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, bei der die Patienten unter epileptischen Anfällen leiden. Diese Anfälle entstehen durch Störungen im Gehirn, die auf eine kurz andauernde vermehrte Entladung von Nervenzellen zurückzuführen sind. Diese Anfälle können sich durch Krämpfe, Bewusstlosigkeit oder sogar Halluzinationen äußern [3].
In Frankreich leiden rund 500.000 Menschen an Epilepsie, d.h. knapp 1% der gesamten Bevölkerung. Ungefähr 60% dieser Patienten haben eine sogenannte partielle Epilepsie, von der 20-50% medikamentenresistent sind.

Die einzig mögliche Behandlung dieser Patienten ist der chirurgische Eingriff. Jedoch hängt der Erfolg dieser Operation von der Genauigkeit der Eingrenzung des Hirnareals ab, der für die epileptischen Anfälle verantwortlich ist. Aus diesem Grund ist die neue Diagnosemethode von großer Bedeutung. Sie beruht auf der Verbindung von Echoenzephalographie und Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Die PET-Untersuchung wird mit Fluor-Deoxyglucose [4] durchgeführt, die einen geringen Glukosestoffwechsel in den Regionen nachweisen kann, die für die epileptischen Anfälle verantwortlich sind.

Im Rahmen einer Studie werteten die Forscher die Ergebnisse der präoperativen Hirn-Tomographie von mehr als tausend Patienten aus. Diese neue Methode konnte bereits bei Operationen von Jungendlichen und Kindern getestet werden, die unter einer schweren Form der Epilepsie litten und für die keine therapeutische Lösung zur Verfügung stand. In 90% der Fälle führte die Operation zur Heilung. Die Ergebnisse wurden am 14. Dezember 2010 in der Fachzeitschrift Neurologyy veröffentlicht [5].

[1] Internetseite des Krankenhauses Frédéric Joliot: http://www-dsv.cea.fr/dsv/instituts/institut-d-imagerie-biomedicale-i2bm/services/service-hospitalier-frederic-joliot-shfj-p.-merlet/le-shfj
[2] Internetseite der Abteilung für Neurochirurgie des Sainte-Anne Krankenhauses: http://www.ch-sainte-anne.fr/site/soins/soinsNeuro/neurochirurgie/presentation.html
[3] Weitere Informationen über Epilepsie finden Sie auf der Webseite von Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Epilepsie
[4] Fluor-Deoxyglucose ist ein Glucose-Analogon. Der vollständige Name der Verbindung lautet 2-Fluor-2-deoxy-D-glucose. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite von Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Fluordesoxyglucose
[5] Originalpublikation: „FDG-PET improves surgical outcome in negative MRI Taylor-type focal cortical dysplasias“, Neurology – 14.12.2010 – http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21172840

Quelle: Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

 
Eine weitere Epilepsie-Langzeitstudie, die von der Universität Bonn durchgeführt wurde, ergab überraschende Ergebnisse.

In der Epilepsieforschung ist immer noch wenig bekannt darüber, wie und warum es zu epileptischen Anfällen kommt. Forscher der Universität Bonn liefern nun in einer neuen Studie wichtige Erkenntnisse darüber, welche Reaktionen im Gehirn eines Epilepsiepatienten ablaufen. Dabei haben sie nicht nur den Zeitraum, in dem ein Anfall geschieht, sondern auch normale Phasen untersucht und sind zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Die Studie ist in der Zeitschrift Chaos erschienen (doi: 10.1063/1.3504998).

Die Forscher in der Universitätsklinik für Epileptologie haben untersucht, wie Hirnregionen bei Epilepsiepatienten miteinander kommunizieren und wie sich diese Kommunikation bei einem Anfall verändert. Dazu haben sie die Hirnaktivität mit Elektroden im Schädel gemessen. Das Besondere an der Studie: Die Wissenschaftler haben nicht nur, wie bislang üblich, wenige Minuten während des Anfalls gemessen, sondern über mindestens zwei Tage, im längsten Fall sogar über zehn Tage. Diese lange Dauer der Untersuchung ist bislang einzigartig. Zumal die Patienten sich während der Untersuchung verhielten wie in ihrem normalen Alltag auch: Sie schauten fern, lasen oder telefonierten. Insgesamt wurden 13 Patienten untersucht.

Über ihre Messungen konnten die Forscher rekonstruieren, wie die Regionen im Gehirn miteinander kommunizieren. Dabei achteten sie unter anderem darauf, wie sich Aktivitätsänderungen in einer Region auf die Aktivität anderer Regionen auswirkten. Mit Hilfe dieser Netzwerkanalysen hoffen die Forscher in Zukunft, Anfälle besser vorher zu sehen. „Man sollte meinen, dass man mit diesen Methoden Vorboten für Anfälle im Gehirn sieht. Aber das ist bislang nicht der Fall“, erklärt die Leiterin der Untersuchung Marie-Therese Kuhnert. Sie promoviert über dieses Thema.

Tag-Nacht-Wechsel deutlicher als epileptischer Anfall

Tagsüber ist die Kopplung verschiedener Regionen im Gehirn gering, nachts arbeiten sie eher im Gleichklang. Während eines epileptischen Anfalls, so wird angenommen, ist die Gleichschaltung jedoch noch viel stärker. Überraschenderweise zeigten die Netzwerkanalysen aber, dass Veränderungen der Kommunikation zwischen den Hirnregionen durch den Tag-Nacht-Wechsel oder auch durch Medikamente viel deutlicher waren als vor oder sogar während epileptischer Anfälle. „Wir müssen nun die ’normalen‘ Phasen zwischen den Anfällen besser verstehen“, betont Kuhnert. „Wir wollen aber auch die Analysemethoden weiter verbessern, um mögliche Veränderungen vor einem epileptischen Anfall besser zu erkennen.“

Die Untersuchung stößt international auf großes Interesse. Gerade hat Marie-Therese Kuhnert zusammen mit ihrem Doktorvater Professor Dr. Klaus Lehnertz und dem Direktor der Bonner Universitätsklinik für Epileptologie Professor Dr. Christian Elger ihre Ergebnisse im aktuellen Journal „Chaos“ publiziert. Dabei waren die Forscher vom Ausgang ihrer Untersuchung selbst überrascht. „Vor allem hätten wir nicht gedacht, dass die Netzwerkänderungen bei epileptischen Anfällen so gering sind“, erklärt Marie-Therese Kuhnert.

Literatur: Long-term variability of global statistical properties of epileptic brain networks; Marie-Therese Kuhnert, Christian E. Elger, Klaus Lehnertz; Chaos Band 20, Ausgabe 4 (doi: 10.1063/1.3504998)

Quelle: Universität Bonn

Anmerkung: die Epilepsie lässt sich übrigens unterstützend gut naturheilkundlich mit Hilfe der „Liminalen Frequenztherapie“ (LFT) behandeln.

Bakterien als Tumor-Killer

Mittwoch, Januar 26th, 2011

Wissenschaftler erforschen, wie Salmonellen Tumoren abtöten können.

Seit längerem ist bekannt, dass Bakterien und Viren in der Lage sind, Tumoren zu beseitigen (siehe unter anderem den Artikel „Die bakterielle Endosymbiose der Zellen„).

Neuerdings wurde gefunden, dass Salmonellen in der Lage sind, Tumorzellen abzutöten. Andererseits sind Salmonellen gefürchtete Krankheitserreger; sie könnten jedoch zukünftig im Kampf gegen Krebs zu Verbündeten des Menschen werden. 

Dr. Siegfried Weiß und seine Kollegen vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig haben herausgefunden, wie Salmonellen in Tumoren einwandern und diese zerstören. Nun wollen die Forscher die immunologischen Botenstoffe identifizieren, die für diese Mechanismen verantwortlich sind, um die Einwanderung von Salmonellen in das Krebsgewebe gezielt stimulieren zu können. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Forschungsvorhaben mit 245.000 Euro.

Salmonellen haben einen schlechten Ruf: Sie vermehren sich ungehemmt in zu warm gelagerten Speisen und verursachen schwere Darmerkrankungen. Doch die Bakterien besitzen auch eine Eigenschaft, die sie für die Krebsforschung interessant macht: Sie können in einen Tumor einwandern und diesen für sie äußerst nährstoffreichen Ort besiedeln. Das mit den Salmonellen einströmende Blut sammelt sich im kranken Gewebe und es bildet sich eine so genannte Nekrose. Der Tumor stirbt ab – und das Festmahl für die Bakterien beginnt.

Eine Krebs-Therapie mit aktiven Krankheitserregern war bislang undenkbar. Denn eine Infektion mit Salmonellen birgt ein hohes Risiko für den Patienten. Daher wollen die Wissenschaftler die Bakterien so abschwächen, dass sie zwar für die Krebs-Behandlung nutzbar werden – aber ohne eine gefährliche Darminfektion auszulösen. “Im Kampf gegen den Krebs ist die Deutsche Krebshilfe stets darum bemüht, neue und innovative Therapieansätze zu fördern“, betont Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. „Dass Tumoren von Bakterien angegriffen werden, ist schon länger bekannt. Doch dieses Phänomen aktiv zu nutzen, um die Heilungschancen von Krebs-Patienten zu verbessern, wäre ein großer Fortschritt in der Behandlung von Krebs.“

Möglich wird der gesundheitliche Nutzen der Salmonellen durch die Unterstützung des Immunsystems: Sobald patrouillierende Abwehrzellen die Krankheitserreger entdecken, wird Alarm ausgelöst. Um andere Immunzellen an den Ort der Infektion zu locken, senden die Abwehrzellen bestimmte Botenstoffe aus. Diese sorgen jedoch auch dafür, dass die Blutgefäße eines Tumors durchlässig werden. Durch diese Lücke in der Verteidigung können die Bakterien in den Tumor einwandern und diesen abtöten. Mit Hilfe welcher Botenstoffe sich die Bakterien Zutritt zum Tumor verschaffen, wollen die Forscher nun herausfinden. Vor diesem Hintergrund wollen sie zukünftig die Einwanderung der Bakterien in das Krebsgewebe gezielt stimulieren.

Für eine effiziente Therapie reicht nach Meinung der Forscher die Gabe von Salmonellen allein jedoch nicht aus. Denn die Bakterien fressen den Tumor nur von innen heraus auf, dessen äußere Randbereiche bleiben unbeeinträchtigt. Daher wollen die Wissenschaftler noch einen Schritt weiter gehen: „Genetisch veränderte Salmonellen könnten zudem einen Wirkstoff abgeben, der auch die restlichen Krebszellen schnell und effektiv zerstört. Außerdem würde durch diese Methode das umliegende, gesunde Gewebe nicht geschädigt, wie es bei einer herkömmlichen Chemotherapie der Fall ist“, erklärt Weiß. Bei den Versuchen der Arbeitsgruppe handelt es sich noch um Grundlagenforschung. Bis diese Erkenntnisse Krebs-Patienten zu Gute kommen, ist noch umfangreiche Forschungsarbeit nötig.

Quelle: unter Verwendung von Material der Deutschen Krebshilfe e.V.

Vermeidbare Risikofaktoren für Brustkrebs identifiziert

Mittwoch, Januar 19th, 2011

19.01.2011  – Etwa 30 Prozent aller Fälle von Brustkrebs nach den Wechseljahren ließen sich durch mehr Bewegung und den Verzicht auf Hormonersatztherapie vermeiden, errechneten Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum.

Viele Risikofaktoren für Brustkrebs sind gut dokumentiert und erforscht: So sind sich Wissenschaftler heute sicher, dass z.B. eine frühe erste Regelblutung, ein spätes Eintreten der Wechseljahre sowie auch das gehäufte Auftreten von Brustkrebs in der Familie mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko einhergehen.

Jedoch haben weder die einzelne Frau noch die Medizin einen Einfluss darauf, ob weibliche Verwandte an Brustkrebs erkranken oder in welchem Alter die Wechseljahre beginnen – diese Risikofaktoren lassen sich nicht beeinflussen. Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum um Privatdozentin Dr. Karen Steindorf und Professor Dr. Jenny Chang-Claude suchten gemeinsam mit Professor Dr. Dieter Flesch-Janys im Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf nach Risikofaktoren, die durch Änderungen im Lebensstil und Verhalten beeinflusst werden können.

„58.000 Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Brustkrebs“, sagt Jenny Chang-Claude. „Da stellt sich die zentrale Frage, ob und welche Verhaltensänderungen dazu beitragen können, die Erkrankungsrate zu senken. Mit unserer Studie wollten wir herausfinden, welchen Anteil an der Zahl der Erkrankungsfälle diese beeinflussbaren Faktoren haben.“

Die Forscher konzentrierten sich auf Aspekte wie die Einnahme von Hormonen zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden („Hormonersatztherapie“), auf körperliche Aktivität, Übergewicht und Alkoholkonsum. All diese Lebensstilfaktoren galten aufgrund vorangegangener Untersuchungen als mögliche Risikofaktoren für die Entstehung von Brustkrebs.

In der von der Deutschen Krebshilfe geförderten MARIE-Studie untersuchten die Epidemiologen 6386 weibliche Kontrollpersonen sowie 3074 Patientinnen, die nach dem Eintritt der Wechseljahre an Brustkrebs erkrankt waren. Anhand dieser Daten wurde der Anteil an Krebsfällen berechnet, die sich auf einen bestimmten Risikofaktor (bzw. auf eine bestimmte Kombination mehrerer Risikofaktoren) zurückführen lassen.

Von den veränderbaren Lebensstilfaktoren steigerten vor allem die Einnahme von Hormonersatztherapie und mangelnde körperliche Aktivität das Erkrankungsrisiko für Brustkrebs. Alkoholkonsum und Übergewicht zeigten einen geringeren Einfluss auf das Brustkrebsrisiko. So sind 19,4 Prozent der Fälle von invasivem Brustkrebs nach den Wechseljahren auf Hormonpräparate zurückzuführen, 12,8 Prozent auf den Mangel an körperlicher Aktivität. Beide Faktoren zusammengenommen sind für 29,8 Prozent der Krebsfälle verantwortlich. Betrachteten die Forscher gesondert die Gruppe der Patientinnen mit Tumoren, die Rezeptoren für Geschlechtshormone ausbilden („rezeptorpositiver Brustkrebs“), so liegt dieser Wert sogar bei 37,9 Prozent. Diese Ergebnisse, so betonen die Studienleiterinnen, spiegeln die Situation in Deutschland mit unseren typischen Lebensgewohnheiten wider und könnten in Ländern mit anderen Lebensstilen von den hier ermittelten Werten abweichen.

Die nicht zu beeinflussenden Faktoren wie Familiengeschichte oder der Zeitpunkt der ersten und der letzten Regelblutung bedingen zusammen 37,2 Prozent aller Fälle von bösartigem Brustkrebs nach den Wechseljahren. „Das heißt, dass zwei Faktoren, die jede Frau selbst in der Hand hat, für vergleichbar viele Fälle von Brustkrebs nach den Wechseljahren verantwortlich sind wie die nicht-beeinflussbaren Faktoren“, sagt Karen Steindorf. „Ließen sich in diesen beiden Bereichen Verhaltensänderungen herbeiführen, könnten fast 30 Prozent aller Fälle von Brustkrebs nach den Wechseljahren verhindert werden.“ Die DKFZ-Forscherinnen raten den Frauen daher zu mehr Bewegung und einem Verzicht auf Hormonersatztherapie, wo sie nicht unbedingt nötig ist.

Population attributable risk of invasive postmenopausal breast cancer and breast cancer subtypes for modifiable and non-modifiable risk factors. Benjamin B.E. Barnes, Karen Steindorf, Rebecca Hein, Dieter Flesch-Janys und Jenny Chang-Claude: Cancer Epidemiology 2010, DOI: 10.1016/j.canep.2010.11.003

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Die über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Krebs überhaupt entsteht. Sie entwickeln neue Ansätze, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
 
Anmerkung: siehe hierzu auch das Buch „Leitfaden für eine naturheilkundliche Brustkrebstherapie

PwC-Studie: Neue Weltwirtschaftsordnung 2050 – China führt, Indien folgt knapp hinter den USA

Donnerstag, Januar 13th, 2011

Frankfurt am Main, 13. Januar 2011 – Nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC wird im Jahr  2050 die Wirtschaftskraft der E7-Staaten die der G7 um über 60 Prozent übertreffen; Deutschland wird von Rang vier auf Rang acht fallen; das Pro-Kopf-Einkommen wird in den Industriestaaten deutlich höher bleiben.

Die Gewichtsverteilung in der globalen Wirtschaftsordnung ändert sich in den kommenden Jahren grundlegend. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird China im Jahr 2050 die mit Abstand größte Wirtschaftsmacht sein, gefolgt von den USA und Indien. Zudem rücken Schwellenländer wie Brasilien, Russland oder auch Mexiko und Indonesien im weltweiten Wirtschaftsranking weit vor, während etablierte Industriestaaten wie Deutschland und Frankreich an Bedeutung verlieren, wie aus der Studie „The World in 2050“ von PwC hervor geht.

Das Bruttoinlandsprodukt der so genannten E7-Staaten (Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland und die Türkei) wird 2050 den Berechnungen der PwC-Experten zufolge um fast zwei Drittel über dem der G7-Staaten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA) liegen. Derzeit erreichen die E7-Staaten nur rund 36 Prozent der Wirtschaftsleistung der führenden Industrienationen. Wird die jeweilige Wirtschaftsleistung der Staaten in Kaufkraftparitäten statt zu Marktwechselkursen bewertet, ist das Bruttoinlandsprodukt der E7-Staaten im Jahr 2050 voraussichtlich sogar doppelt so groß wie das der G7.

Für die G7-Staaten sind die Konsequenzen dieser Entwicklung vielschichtig und schwer zu überblicken. Einerseits dürften mit dem wirtschaftlichen Erstarken der Schwellenländer auch neue Global Player entstehen, die mit Konzernen aus den etablierten Industriestaaten um Märkte und Rohstoffe konkurrieren. Andererseits schafft der wachsende Wohlstand in den E7-Staaten auch neue Absatzmärkte für Unternehmen der G7.

„Die Motoren zum Antrieb des weltweiten Wachstums liegen in Zukunft vor allem in Asien und Lateinamerika. Das Wachstum der Schwellenländer schafft aber auch mehr Wohlstand in den alten Industrienationen“, kommentiert PwC-Partner Alfred Höhn.

Der Aufstieg der E7 setzt die Regierungen der G7-Staaten allerdings unter Druck. Sie müssen möglichen Arbeitsplatzverlusten in nicht mehr konkurrenzfähigen Branchen begegnen und den Strukturwandel vorantreiben, wobei die notwendige Sanierung der Staatsfinanzen die Handlungsspielräume einschränkt.

Wohlstandsgefälle bleibt groß

Gemessen an der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts bis 2050 gibt es auf Ebene der Nationalstaaten klare Auf- und Absteiger (vgl. Tabelle 1). So klettert Indien im Ranking der größten Volkswirtschaften vom elften (Jahr 2009) auf den dritten Platz, China verbessert sich von Rang drei auf Rang eins. Demgegenüber fallen die USA vom ersten auf den zweiten, Japan vom zweiten auf den fünften und Deutschland sogar vom vierten auf den achten Platz zurück. Dennoch bleibt das Wohlstandsgefälle zwischen den Staaten der G7 und der E7 groß. Das deutlich höhere Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern geht nämlich mit einem starken Bevölkerungswachstum einher. Damit steigt das Pro-Kopf-Einkommen wesentlich langsamer als das Bruttoinlandsprodukt insgesamt.

Selbst bei einem Vergleich auf Basis der Kaufkraftparität dürfte das BIP je Einwohner in China bis 2050 nur von heute 14 Prozent auf 45 Prozent des US-Niveaus steigen, Indien kommt auf 28 Prozent (2009: sieben Prozent). Demgegenüber legt das Pro-Kopf-Einkommen in Deutschland von 79 Prozent auf 82 Prozent des Pro-Kopf-Einkommens in den USA zu. „Im Jahr 2050 wäre demnach das durchschnittliche Einkommen eines US-Bürger immer noch doppelt so hoch wie das eines vergleichbaren Bürgers in China“, betont Höhn.

Quelle: PwC

Umweltkontaminanten in Lebensmitteln

Samstag, Januar 8th, 2011

BfR-Forschungsprojekt zur Aufnahme von Schwermetallen und Dioxinen abgeschlossen

Der Abschlussbericht des Forschungsprojektes „Lebensmittelbedingte Exposition gegenüber Umweltkontaminanten“ (LExUKon) liegt vor. In dem Projekt haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des Forschungs- und Beratungsinstituts für Gefahrstoffe (FoBiG) und der Universität Bremen berechnet, welche Mengen Cadmium, Blei, Quecksilber, Dioxine und polychlorierte Biphenyle (PCB) Verbraucherinnen und Verbraucher üblicherweise mit der Nahrung aufnehmen. Hauptquelle für die Cadmiumaufnahme sind demnach Gemüse und Getreide. Blei nehmen Verbraucherinnen und Verbraucher in erster Linie über Getränke und Getreide auf. Methylquecksilber ist hauptsächlich in Fisch enthalten, während für Dioxine und PCB vor allem Milchprodukte und Fleisch ausschlaggebend sind. „Diese Erkenntnisse sind für die Risikobewertung von hoher Bedeutung“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Damit können wir das Ausmaß einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung durch kontaminierte Lebensmittel besser abschätzen.“ Der Projektbericht ist als Broschüre erschienen und beim BfR erhältlich.

Über Lebensmittel nehmen Menschen nicht nur wertvolle Stoffe wie Vitamine und Mineralstoffe auf, sondern auch unerwünschte Stoffe, die in bestimmten Mengen der Gesundheit schaden können, so zum Beispiel sogenannte Umweltkontaminanten. Dazu zählen Schwermetalle und Dioxine, die über Verunreinigungen der Luft, des Wassers und des Bodens in Lebensmittel gelangen können. Um die Risiken solcher Stoffe abschätzen zu können, stellt sich die Frage, in welchen Mengen sie in Lebensmitteln vorkommen und in welchen Mengen Verbraucherinnen und Verbraucher diese Lebensmittel essen. Das stand im Mittelpunkt des Projektes LExUKon. Hier wurden standardisierte Methoden zur Auswertung von Verzehrsmengen und zu Gehaltsdaten von Lebensmitteln mit Umweltkontaminanten entwickelt und angewendet.

Möglich war dies auf der Grundlage von Daten aus der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) des Max Rubner-Instituts (MRI) und dem Lebensmittel-Monitoring des Bundesamtes für Verbraucherschutz (BVL). Dabei wurde die Aufnahme von Umweltkontaminanten über Lebensmittel für die Gesamtbevölkerung unter Berücksichtigung unterschiedlicher Verzehrsgewohnheiten sowie individueller Lebensstile ermittelt. So stellte sich zum Beispiel heraus, dass Verbraucherinnen und Verbraucher mit zunehmendem Alter mehr Fisch essen und damit unter anderem auch mehr Methylquecksilber aufnehmen als jüngere Personen.

Der Abschlussbericht des Forschungsprojektes ist als BfR-Broschüre erschienen. Er enthält Angaben dazu, in welchem Umfang Verbraucherinnen und Verbraucher die Umweltkontaminanten Cadmium, Blei, Quecksilber, Dioxine und PCB über Lebensmittel aufnehmen. Die Broschüre steht auf der Internetseite des BfR kostenlos zum Herunterladen zur Verfügung. Das Heft kann auch per Fax unter 030-18412-4970 und per E-Mail publikationen@bfr.bund.de bestellt werden.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.