Archive for März, 2011

Leben aus dem Kräutertopf – Kräuterpapst Franz Fink hinterlässt gewaltiges Wissen über die Heilkraft der Natur

Freitag, März 18th, 2011

Laufen (pts/18.03.2011) – Die Nachricht kam nicht überraschend, das Ende war absehbar. Im hohen Alter von 90 Jahren verstarb Ende Januar der Kräuterpapst Franz Fink aus Anthering bei Salzburg. Seine Hinterlassenschaft ist ein gewaltiges Wissen über die Heilkraft der Kräuter und des Moores.

Seine Gesundheitsfibel „Gesundheit aus dem Kräutertopf“ wurde in den über 20 Jahren ihres Erscheinens in Millionenauflage gedruckt und erlebt jetzt als kostenloses E-Book weitere Verbreitung.

Ein Leben für die Kräuter

Seit über 150 Jahren wird in der Familie Fink das wertvolle Wissen um die gesunden Wirkungen von Kräutern und von Heilmoor von Generation zu Generation weitergegeben und weiterentwickelt. Schon der Urgroßvater von Franz Fink war ein angesehener Naturheiler, der sein Wissen an seine Tochter, die Großmutter von Franz Fink weitergab. Der kleine Franz wuchs bei seiner Großmutter auf und sah zu, wenn sie ihr Wissen anwendete, und lernte. Doch erst nach vielen Jahren als er selbst schwer erkrankte, versuchte er sich selbst an der Herstellung von Tinkturen, Kräutertees und Salben.

Einer seiner größten Erfolge ist das legendäre Gurgelwasser mit Tormentill (Blutwurz), das er zuerst an seiner Frau ausprobierte, die an einer langwierigen schlecht heilenden Angina laborierte. Anna Fink wurde mit dem Gurgelwasser von ihrer Angina befreit. So erforschte der Kräuterheiler in den letzten 40 Jahren seines Wirkens die Kräuter in seiner Salzburger Heimat. Eine der ganz großen Wiederentdeckungen von Franz Fink war das Heilmoor. Mit seinem feinen Gespür fürs Besondere erkannte er sofort, dass in bestimmten Mooren hohes Heilpotential steckt. Und so fand er dann in Salzburg-Leopoldskron das hochwertige Heilmoor für seine Rezepturen. Die Erfolge seiner Kräuter- und Moorprodukte sprachen sich am Lande schnell herum und immer mehr Menschen traten mit der Bitte an ihn heran, seine Kräutermischungen gegen ihre Beschwerden einnehmen zu dürfen.

1972 gründeten Anna und Franz Fink die SonnenMoor Verwertungs- und Vertriebs-GmbH in Anthering. Alle Kräutermischungen von Franz Fink werden noch heute nach seinen Original-Rezepturen hergestellt und unter dem Markennamen SonnenMoor im Gesundheitsfachhandel, Apotheken und Reformhäusern, in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertrieben. Sie zeichnen sich durch die hohe Wirksamkeit und Rohstoffqualität aus. Die Aufarbeitung seines Lebenswerkes und seiner hinterlassenen Rezepturen, an denen er bis zum Schluss gearbeitet und geforscht hat, wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

Auf http://www.sonnenmoor.de/sonnenmoor.html kann die Kräuterfibel von Franz Fink gratis heruntergeladen werden.

Quelle: pressetext.at

Anmerkung: siehe hierzu auch „Einige naturheilkundliche Literatur von Dr.Dr. Peter O. Schneider

Wie Gene am Beginn eines neuen Lebens neu programmiert werden

Dienstag, März 15th, 2011

Epigenetische Markierungen auf dem Erbgut des Menschen bestimmen, ob ein Gen aktiviert wird oder stumm bleibt. Diese zusätzlichen Signale helfen, unsere Gene in jeder spezifischen Zelle des Körpers anders zu interpretieren. Die epigenetischen Markierungen werden kurz nach der Entstehung neuen Lebens in der befruchteten Eizelle völlig neu programmiert. Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Jörn Walter, Professor für Epigenetik an der Universität des Saarlandes, hat nun vollkommen neue Einblicke in die Vorgänge erlangt, die die epigenetische Reprogrammierung am Beginn eines neuen Lebens steuern. Die Ergebnisse der Studie erscheinen im Forschungsmagazin „Nature Communication“.

Jede menschliche Zelle des Körpers enthält die komplette einzigartige genetische Information eines Individuums. Die circa 25000 bis 30000 Gene des Genoms sind in jeder Zelle auf eine ganz spezifische Art und Weise „an- oder abgeschaltet“. Ob die Gene in den verschiedenen Zellen aktiv sind oder stumm bleiben, entscheiden zusätzliche epigenetische Veränderungen, beispielsweise Methylgruppen (CH3-Gruppen), die an die DNS-Bausteine angeheftet werden. Das universelle Genom des Menschen ist in jeder Zelle des Körpers von einem charakteristischen Netz dieser epigenetischen Schalter überzogen.

Zum Beginn eines neuen Lebens werden die Epigenome umprogrammiert, um zunächst einmal das neue Genom auf seine vielen Aufgaben vorzubereiten, aber auch, um sicher zu stellen, dass epigenetische Fehler der Eltern nicht an die Folgegeneration weitergegeben werden. Nach dem Verschmelzen von Eizelle und Spermium werden daher die epigenetischen Markierungen der elterlichen Chromosomen auf eine neue epigenetische Programmstufe gesetzt. Diese umfassende Dekodierung wird als epigenetische Reprogrammierung bezeichnet.

Völlig neue Einblicke in die molekularen Mechanismen, die dabei ablaufen, hat nun ein internationales Wissenschaftler-Team unter der Leitung von Jörn Walter gewonnen. Der Professor für Epigenetik an der Universität des Saarlandes erläutert: „Damit sich ein Embryo normal entwickeln kann, ist eine kontrollierte epigenetische Dekodierung des mütterlichen und väterlichen Erbmaterials kurz nach der Entstehung neuen Lebens von zentraler Bedeutung.“ Die Forscher fanden jetzt heraus, dass bei der Reprogrammierung die Methylgruppen auf der DNA chemisch verändert werden. Hierdurch verändern die Chromosomen schlagartig ihre epigenetische Struktur. Die neuen Erkenntnisse über die molekularen Abläufe haben weitreichende Bedeutungen für viele Fragen der Entwicklungsbiologie und liefern vollkommen neue Ansatzmöglichkeiten, um epigenetisch bedingte Erbgutveränderungen im Verlauf des Lebens und daraus resultierende Erkrankungen zu entschlüsseln.

Kurz nach ihrer Befruchtung beginnt die Eizelle, die in Chromosomen geordneten Strukturen des väterlichen Erbmaterials erst zu „entpacken“ und dann epigenetisch zu dekodieren. Das mütterliche Erbmaterial bleibt dagegen weitgehend geschützt. Diese mütterliche „Dominanz“ über die väterlich vererbten Chromosomen wurde vor über zehn Jahren von den Autoren entdeckt. Das Forscherteam fand nun heraus, wie die epigenetische Dekodierung der väterlichen Chromosomen im frühen Embryonenstadium abläuft: Ein erster Schritt ist das zusätzliche Anhängen einer einfachen Hydroxyl-Gruppe (OH-Gruppe) an die bereits bekannte modifizierte Base 5-methyl-Cytosin. Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler den an diesem Vorgang beteiligten enzymatischen Prozess entschlüsseln. Sie wiesen nach, dass das Enzym Tet3 als ein zentrales Schaltenzym für den Umwandlungsprozess verantwortlich ist. Auch in der Frage, warum nur die vom Vater stammenden Chromosomen dekodiert werden, während die mütterlichen größtenteils geschützt sind, kamen die Wissenschaftler einen wesentlichen Schritt weiter: Sie konnten zeigen, dass die Eizelle ihr eigenes Erbgut vor dem Vorgang der Reprogrammierung durch ein Protein namens Stella schützt. Die mütterliche Eizelle bestimmt also mit sehr ausgeklügelten epigenetischen Werkzeugen über die Interpretation des väterlichen Genoms. Bereits vor zehn Jahren hatten die Wissenschaftler diesen Kampf der Geschlechter beschrieben – aber erst jetzt sind sie den Mechanismen auf die Spur gekommen. Die genauen biologischen Konsequenzen der massiven, einseitigen Umwandlung väterlicher Chromosomen bleiben zwar ein noch zu lösendes Rätsel, die Erkenntnisse der Forscher eröffnen aber vollkommen neue Perspektiven, diese in Zukunft zu lösen.

„Die schnelle Reprogrammierung der epigenetischen Information des väterlichen Genoms erfüllt vermutlich zwei „Aufgaben“: Zum Einen werden die epigenetischen Fehler des Vaters gelöscht und gleichzeitig wird das Genom für die Vielzahl der neuen Aufgaben vorbereitet, die für eine totipotente, also vollständige Entwicklung wichtig sind“, erläutert Jörn Walter. „Unsere Arbeit trägt dazu bei, die molekularen Signale und Schalter zu verstehen, die für die epigenetische Reprogrammierung entscheidend sind. Da epigenetische Programmfehler in unmittelbarem Zusammenhang mit der Entstehung komplexer Erkrankungen wie Krebs, Immun- und Stoffwechselerkrankungen oder Neuronalen Erkrankungen zu sehen sind, haben die von uns gefundenen Mechanismen eine vermutlich viel weitreichende Bedeutung als „nur“ für die Steuerung erster Lebensvorgänge“, sagt der Epigenetiker.

Die aktuelle Studie ist unter folgendem Titel in „Nature Communication“ erschienen: „5-Hydroxymethylcytosine in the mammalian zygote is linked with epigenetic reprogramming“.

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag „ Ursachen und Therapie chronischer Krankheiten aus naturheilkundlicher Sicht

Virotherapie gegen Leberkrebs und Leberfibrose

Dienstag, März 8th, 2011

Forscher des Klinikum rechts der Isar entwickeln einen neuen Therapieansatz.

Forscher der II. Medizinischen Klinik des Klinikums rechts der Isar der TU München (Direktor: Prof. Roland Schmid) haben eine Möglichkeit entdeckt, Leberzellkarzinome und Leberfibrosen gleichzeitig zu behandeln: Dr. Oliver Ebert und Dr. Jennifer Altomonte entwickelten die transarterielle VSV-Onkolyse, bei der ein für den Menschen unschädliches Virus verwendet wird, um Tumorzellen aufzulösen und gleichzeitig die chronisch geschädigte Leber zu behandeln. Die Bayerische Patentallianz stellt die Erfindung am 23. und 24. März 2011 zusammen mit anderen Patenten vor, für die Pharmaunternehmen Lizenzen erwerben können.

Leberzellkarzinome stellen weltweit die fünfthäufigste Krebsart dar und sind in den meisten Fällen die Folge einer chronischen Schädigung der Leberzellen, auch als Leberfibrose bekannt. Die Ursachen können Alkoholmissbrauch, eine Hepatitis, ein Medikamentenschaden oder eine Verfettung der Leber sein.

Die beiden Wissenschaftler der II. Medizinischen Klinik konnten in einer präklinischen Studie zeigen, dass eine Virotherapie mit VSV, dem so genannten Vesikulären Stomatitis Virus, eine sichere und wirksame Bekämpfung von Leberzellkarzinom und Leberfibrose ermöglicht. Der für den Menschen unschädliche Erreger wird gespritzt, vermehrt sich in den Tumorzellen und löst diese schließlich auf. Darüber hinaus führen die antifibrogenen Eigenschaften des Virus zu einer deutlichen Verbesserung der Fibrose, bei der sich das Gewebe der Leber krankhaft vermehrt, anschließend vernarbt und die Leberfunktion beeinträchtigt.

„Aufgrund unserer Ergebnisse können nun Medikamente entwickelt werden, die nach der klinischen Überprüfung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können: Sie bekämpfen die Fibrose als Ursache des Leberzellkarzinoms und gleichzeitig den Tumor“, erläutert Dr. Ebert.
Neuen Medikamenten auf Basis des VS-Virus wird ein großes Marktpotenzial vorhergesagt, da es bislang keine vergleichbaren Therapieansätze gibt.

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag „Die bakterielle Endosymbiose der Zellen

Klimawandel-Weltkarte – Größte CO2-Verursacher sind am wenigsten betroffen

Samstag, März 5th, 2011

Montreal/Potsdam (pte/05.03.2011/06:10) – Die Bewohner großer Teile Afrikas, Südostasiens, der arabischen Halbinsel und des zentralen Südamerikas werden in Zukunft am meisten unter dem Klimawandel leiden.

Das prognostizieren Forscher der McGill University http://www.mcgill.ca in der „Zeitschrift Journal Global Ecology and Biogeography“. Anhand einer Weltkarte zeigen sie, wie verletzlich Menschen gegenüber den zu erwartenden Folgen des Klimawandels sind.

Anders als für Pflanzen und Tiere sind die Klimawandel-Folgen für den Menschen noch wenig erforscht. Die kanadischen Wissenschaftler verbanden dazu Klimamodelle mit aktuellen Bevölkerungszahlen und deren Prognosen bis 2050. Obwohl laut den Modellen die Temperatur in niederen Breiten weniger als im Norden ansteigt, leidet deren Bevölkerung mehr darunter. „Just die Länder sind verletzlich, die am wenigsten am Klimawandel schuld sind – misst man den CO2-Ausstoß pro Kopf“, so Studienleiter Jason Samson.

Armut verschlimmert Hitze

„Die Verwundbarkeit einer Gesellschaft ergibt sich, indem man ihre zukünftige Entwicklung, die potentiellen Klimaänderungen sowie deren Wirkungen auf unterschiedliche
Sektoren betrachtet“, erklärt Jürgen Kropp vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) http://www.pik-potsdam.de, im pressetext-Interview.

Länder im Süden sind in mehrerer Hinsicht benachteiligt. „In vielen Ländern haben wir heute bereits marginale Umweltbedingungen. Oft fehlt dort auch ökonomische Kraft für Maßnahmen zu konkreter Anpassung. Zurück geht das oft historisch als Folge der Ausbeutung durch den Norden, aber auch durch heutige Korruption in den Staaten“, so Kropp.

Afrika braucht spezielle Klimaanpassung

Wie verwundbar einzelne Regionen sind, haben Forscher am PIK Potsdam jüngst am Beispiel Afrikas gezeigt. Kein Land des Kontinents liegt künftig auf der sicheren Seite, auch da schon heute zuwenig Nahrungsmittel für die Eigenversorgung produziert werden, so ihr Bericht in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Verbesserungspotenzial bestehe jedoch, weshalb man spezielle Formen der Klimaanpassung anpeilen sollte. Dazu zählen in den Augen der Forscher die Wiederherstellung ausgelaugter Böden, effiziente und bodenschonende Anbaumethoden, der integrierten Pflanzenschutz, bessere Infrastruktur und die Überwindung von Hürden für den Eintritt in den internationalen Markt.

Link zu den Studien unter
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1466-8238.2010.00632.x/abstract
sowie
http://www.pnas.org/content/early/2011/02/23/1015078108.abstract

Quelle: pressetext.redaktion

Korruptionsindex bestimmt maßgeblich, ob Staatsanleihen zurückgezahlt werden

Mittwoch, März 2nd, 2011

Irland, Griechenland und Co.: Wirtschaftswissenschaftler der TU Chemnitz nutzen den Korruptionsindex als Indikator für die Sicherheit von Staatsanleihen –  Je höher die Korruption ist, desto unwahrscheinlicher wird die Schuldenrückzahlung.
(>>  Korruptionsindex 2010)

„Angesichts der Griechenlandkrise suchen viele nach Indikatoren für die Sicherheit von Staatsanleihen. Wird Griechenland zurückzahlen? Sind portugiesische Anleihen sicher? Was machen die USA mit ihrem riesigen Schuldenberg? Für viele Investoren ist die Beantwortung dieser Fragen essentiell“, sagt Prof. Dr. Friedrich Thießen, Inhaber der Professur Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der TU Chemnitz. Die Professur hat eine Analyse erstellt, die den internationalen Korruptionsindex von Transparency International und die Umschuldungshäufigkeit von Staatsschulden, die beim Pariser Club erfasst werden, in Verbindung setzt. Das Ergebnis: Je mehr Korruption in einem Land herrscht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Staat seine Schulden nicht begleicht und sich auf Kosten der Gläubiger saniert.

„Der Zusammenhang ist statistisch hoch signifikant“, sagt Professurmitarbeiter Johannes Weigl und ergänzt: „Wir waren vollkommen überrascht. Das Bestimmtheitsmaß beträgt 85 Prozent. Jetzt können wir das Umschuldungsrisiko statistisch exakt bestimmen. Das kann den Finanzmärkten nützen, das Risiko von Staatsanleihen zu quantifizieren.“ Der Korruptionsindex zeigt an, wie Geschäftsleute die Korruption in einem Land wahrnehmen. Er nimmt Werte von 0 bis 10 ein, wobei 10 die geringste Wahrnehmung von Korruption bedeutet.

Geringe Korruption in Irland, starke in Griechenland

Irland gehört mit einem Korruptionsindex von 8 zu den korruptionsfreiesten Ländern der Welt. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich die Iren nicht ohne Not auf Kosten der Gläubiger sanieren werden“, konstatiert Thießen. Die irische Krise sei weniger durch Staatsverschuldung, als durch Bankenfehlverhalten verursacht worden. „Die Problemschulden sind überwiegend keine des Staates, sondern der privaten Wirtschaft. Irland sollte deutlich zwischen den staatlichen und den privaten Schulden unterscheiden, um sich seinen Credit zu erhalten“, rät Thießen.

Portugal zählt dagegen mit einem Korruptionsindex von 6 nicht mehr zu den korruptionsfreien Ländern. Die Wahrscheinlichkeit, dass Portugal Anstrengungen unternimmt, sich seine Lasten auf Kosten der Gläubiger zu erleichtern, beträgt laut der Analyse etwa 24 Prozent. Griechenland ist mit einem Korruptionsindex von 3,5 ein Land mit starker Korruption. „Damit liegt Griechenland in einer Gruppe von Ländern, die sich in der Vergangenheit mehrheitlich ihrer Lasten durch Umschuldung entledigt haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass die griechischen Abgeordneten zu dem Instrument der Umschuldung greifen und beschließen, sich auf Kosten ihrer Gläubiger zu sanieren, beträgt 52 Prozent“, sagt Thießen und fügt hinzu: „Angesichts dieses hohen Umschuldungsrisikos müssen die Hilfen der EU-Staaten als kritisch angesehen werden. Es muss damit gerechnet werden, dass Griechenland die Umschuldung nur solange aufschiebt, wie frisches Kapital zugeschossen wird.“

Aber auch die hohen Defizite der USA haben Fragen hervorgerufen, wie die Amerikaner ihre Schulden in Zukunft behandeln werden. Der Korruptionsindex der USA beträgt 7,1, die Umschuldungswahrscheinlichkeit laut den TU-Wirtschaftswissenschaftlern 11,8 Prozent.

Die EU ist in Bezug auf Korruption zweigeteilt

Nur wenige Industrieländer sind korruptionsfrei. „Alle die Länder, die derzeit auf die Installierung eines europäischen Rettungsfonds drängen – also vor allem Italien, Spanien und Griechenland – stehen im Korruptionsindex auf bedenklich niedrigen Werten. Es muss vermutet werden, dass der Rettungsfonds in einigen Ländern der EU auch als ein Instrument begriffen wird, sich seiner Lasten auf einfache Weise entledigen zu können“, so Thießen. Die EU ist in Bezug auf die Korruption zweigeteilt. „Es erstaunt, wie viele Transferleistungen in die korrupten Länder die korruptionsfreien Länder der EU zulassen“, urteilt Weigl.

Korruptionsindex als Indikator des „Wollens“

Warum gibt es eine Beziehung zwischen dem Korruptionsindex und der Umschuldungshäufigkeit von Staatsschulden? „In Ländern mit Korruption herrscht ein Klima, in dem man sich nicht den Zwängen der Märkte aussetzen möchte. Man sucht marktfremde Lösungen, seine Ziele zu erreichen. Die Wirtschaftssubjekte sind dahin erzogen, sich Ressourcen anderer leistungslos anzueignen. Es werden tendenziell egoistische und weniger gemeinwohlorientierte Ziele verfolgt“, erklärt Thießen, „die Gruppe, die Familie oder der Clan stehen im Vordergrund.“ Diesen Personen gegenüber sei man verpflichtet, während wildfremde Gläubiger nicht zum eigenen Clan gehörten. „Die Frage, ob man seine Schulden zurückzahlt oder nicht, ist nicht nur eine Frage der verfügbaren Ressourcen, sondern auch eine Frage der Einstellung zu seinen Verpflichtungen. Es ist also mehr eine Frage des Wollens als des Könnens. Der Korruptionsindex kann als Indikator dienen, der dieses Wollen zum Ausdruck bringt“, ergänzt der Wirtschaftswissenschaftler. Das erkläre auch, weshalb es kaum Zusammenhänge gebe zwischen Indikatoren wie der Höhe der Staatsschuld vor der Umschuldung, der Verschuldung pro Kopf oder der Höhe des laufenden Haushaltsdefizits zur Wahrscheinlichkeit, ob ein Staat seine Schulden zurückzahlen wird oder nicht.

Die vollständige Analyse:
http://www.tu-chemnitz.de/wirtschaft/bwl4/interessantes/Korruption_Artikel.pdf