Archive for April, 2011

Sonne, Wind und Wellen – natürliche Grenzen erneuerbarer Energien

Donnerstag, April 21st, 2011

Am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena wurden erstmals mit Hilfe der Thermodynamik die natürlichen Grenzen erneuerbarer Energien und die möglichen Klimaauswirkungen bei deren Nutzung untersucht.

Die Analysen legen nahe, dass die Energie aus Wind und Wellen nur begrenzt verfügbar sein könnte und eine großflächige Nutzung dieser Energiequellen möglicherweise negativ auf deren Erzeugung durch das Klimasystem zurück wirkt. Auf Sonnenenergie basierende Energieumwandlungen könnten hingegen den zunehmenden menschlichen Energiebedarf auf der Erde langfristig und klimafreundlich abdecken.

Die Energieversorgung stellt eine der größten Herausforderungen für die Zukunft unserer Zivilisation dar. Während die klimaschonende Atomenergie ein Restrisiko ihrer Sicherheit erneut bestätigt, trägt die Verbrennung fossiler Brennstoffe unweigerlich zum Klimawandel bei. Alternative Energien aus natürlichen Quellen, wie Sonnen-, Wind – und Wellenenergie, sind hingegen risikoarm und werden als erneuerbar und klimafreundlich angesehen. Beide Aspekte, die Erneuerbarkeit und die Klimaverträglichkeit, wurden nun erstmals unter thermodynamischer Betrachtung des gesamten Erdsystems von Forschern des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena genauer untersucht.

Dr. Axel Kleidon, Leiter der unabhängigen Max-Planck-Forschungsgruppe „Biosphärische Theorie und Modellierung“, beruft sich auf die anerkannten Gesetze der Thermodynamik, einer etablierten physikalischen Theorie, um zwischen Wärmeenergie und sogenannter “Freier Energie” zu unterscheiden. „Nur die Freie Energie ist relevant für die Nutzung erneuerbarer Energien“, so Kleidon. Sie bezieht sich auf jenen Anteil einer Energieform, der genutzt werden kann, um physikalische Arbeit zu verrichten, wie zum Beispiel das Hochheben oder Beschleunigen einer Masse, aber auch für die Energieproduktion für die Menschheit. Die natürlichen Grenzen für die Erzeugung von Freier Energie aus natürlichen Quellen auf der Erde wurden bisher kaum beachtet und in der aktuellen Forschung zum Klimawandel und Erneuerbaren Energien stark vernachlässigt. Kleidon und seine Gruppe konnten berechnen, dass die Fähigkeit des Erdsystems, unterschiedliche Formen Freier Energie zu erzeugen, auf ungefähr 1.000 Terawatt begrenzt ist (1 Terawatt entspricht 1012 Watt und ist eine Einheit für den Energieverbrauch). „Nur etwa 0,6 Prozent der immensen Energiemenge von etwa 160.000 Terawatt Sonnenenergie, die als Strahlung die Erde erreicht, kann also als Freie Energie genutzt werden“, bestätigt Kleidon die geringe Effizienz der Umwandlung von Sonnenstrahlung in Freie Energie. Vom Menschen werden derzeit nur maximal 50 Terawatt Freier Energie verbraucht.

Diese thermodynamische Sichtweise für die Nutzung erneuerbarer Energien beinhaltet auch, dass verschiedene Arten erneuerbarer Energien unterschiedlich stark begrenzt sind. Wellen werden im Wesentlichen durch Wind erzeugt; Wind entsteht indirekt durch Wärmegradienten und somit letztlich aus der Sonnenenergie. Durch die schlechte Energieumwandlung der Sonnenenergie und wegen ihrer Abhängigkeiten vom Klimasystem sind die erneuerbaren Energiequellen Wind und Wellen daher nur in begrenzter Stärke produzierbar. Ein deutlich erhöhter Verbrauch dieser Energieformen, im Rechenbeispiel durch eine 1000fache Aufstockung heute existierender Anlagen, könnte nicht aufgefüllt werden und in der Folge sogar zu Rückkopplungen mit dem Klimasystem der Erde führen. Der Verbrauch der begrenzten Wind- und Wellenenergie würde dann über das Klimasystem die Regeneration dieser Energieformen zusätzlich drosseln.

Deutlich besser sieht es bei der Nutzung von Solarenergie aus. Die pflanzliche Photosynthese oder auch Solarkraftwerke können das Sonnenlicht direkt nutzen, um Freie Energie zu produzieren. Trifft die Sonnenstrahlung hingegen ungehindert auf die Erde und erwärmt lediglich den Boden, so ist die Freie Energie der Sonnenergie größtenteils verschwendet. „Damit erhöhen die Photosynthese und Solarzellen die Gewinnung Freier Energie innerhalb des Erdsystems“, erläutert Kleidon. Entscheidend hierbei: nur etwa 5 % der als Freien Energie nutzbaren Sonnenenergie wird bisher vom Mensch verbraucht, es gibt also noch viel Spielraum, diese Energiequelle stärker zu nutzen.

Quelle: Max-Planck-Institut für Biogeochemie, Jena; Forschungsgruppe „Biosphärische Theorie und Modellierung“

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag „Energiestoffwechsel und Milieutherapie

Mütter bestimmen maßgeblich die Fettsucht von Kindern

Dienstag, April 19th, 2011

Zu viele Kohlenhydrate führen zu einer Veränderung der DNA.

Southampton (pte/19.04.2011/11:05) – Die Ernährung einer Frau während der Schwangerschaft kann die DNA ihres Kindes verändern und das Risiko einer Fettsucht erhöhen. Zu diesem Ergebnis ist eine internationale Studie unter der Leitung von Keith Godfrey von der University of Southampton http://www.soton.ac.uk gekommen. Es zeigte sich, dass viele Kohlehydrate Teile der DNA beeinflussten. Kinder mit diesen Veränderungen verfügten in der Folge über ein höheres Körpergewicht.

Es wird angenommen, dass ein sich entwickelndes Kind versucht vorherzusehen, in welche Umwelt es hinein geboren wird. Dafür nutzt es Hinweise seiner Mutter und passt seine DNA entsprechend an. Studien mit Tieren haben ergeben, dass Veränderungen in der Ernährung die Funktion von Genen verändern können. Diese entwicklungsphysiologischen Veränderungen werden immer intensiver erforscht und sollen helfen zu verstehen, wie Umwelt und Gene miteinander interagieren.

Fettsucht als direkte Folge

Für die aktuelle Studie entnahmen die Wissenschaftler Proben von der Nabelschnur und suchten nach epigenetischen Markern. Frauen, die während der Schwangerschaft viele Kohlenhydrate wie Zucker zu sich genommen hatten, hatten in der Folge Kinder, die über diese Marker verfügten. Zwischen diesen Markern und einer Fettsucht der Kinder mit sechs und neun Lebensjahren bestand ein direkter Zusammenhang.

Godfrey erklärte, dass es überraschend ist, dass damit ein Viertel des Unterschieds beim Übergewicht der Kinder sechs bis neun Jahre später erklärt werden kann, berichtet die BBC. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Auswirkungen deutlich größer sind als das Geburtsgewicht. Es spielte dabei keine Rolle wie schlank die Mutter war.

Die Veränderungen zeigten sich in den RXRA-Genen. Sie bilden einen Rezeptor für Vitamin A, der seinerseits eine Rolle dabei spielt, wie die Zellen Fett verarbeiten. Alle Schwangeren erhielten Ernährungsempfehlungen. Sie stünden jedoch nicht immer ganz oben auf der Liste der behandelnden Ärzte. Diese Studienergebnisse legten jedoch nahe, dass diese Empfehlungen befolgt werden sollten, da sie langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit des Kindes haben können.
Details der Studie wurden in den Fachmagazin Diabetes http://diabetes.diabetesjournals.org veröffentlicht.

Quelle: pressetext.at

Honig besiegt resistente Bakterien

Donnerstag, April 14th, 2011

Antimikrobielle Wirkung bei chronischen Wunden bestätigt.

Harrogate/Linz (14.04.2011) – Der Siegeszug von Krankheitserregern, die unempfindlich gegenüber Antibiotika sind, gehört zu den dringendsten Problemen der Medizin. Dass Honig ein geeignetes Mittel gegen Superbakterien und die von ihnen verursachten chronischen Wunden sein könnte, glauben britische Forscher nun belegt zu haben. Rose Cooper vom University of Wales Institute Cardiff http://www3.uwic.ac.uk berichtete am gestrigen Mittwoch beim Treffen der britischen Mikrobiologen http://www.sgm.ac.uk über den möglichen Wirkmechanismus.

Erreger purzeln ab

Erforscht wurde der sogenannte Manuka-Honig, den Bienen aus dem Nektar des in Neuseeland wachsenden Manuka-Baumes gewinnen. Einige Wundmittelprodukte verwenden ihn bereits aufgrund seiner antimikrobiellen Eigenschaften, obwohl die genaue Wirkung noch unbekannt ist. Die Forscher nahmen nun die Erreger Pseudomonas aeruginosa, A-Streptokokken und den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) unter die Lupe. Manuka kann das Wachstum dieser Bakterien hemmen, zeigte sich, weshalb der Honig eine gute Alternative bei Medikament-resistenten Wundinfektionen sein könne.

„Honig verhindert den Beginn einer akuten Infektion, indem er die Bakterien daran hindert, sich an das Gewebe zu heften. Zudem verhindert er auch, dass Bakterien einen Antibiotika-Schutz in Form eines Biofilms bilden“, erklärt Cooper. Weiters macht Manuka bestehende MRSA-Keime empfindlicher auf Antibiotika wie etwa Oxacillin, wodurch antibiotische Resistenz rückgängig gemacht werden kann. Die Wirkung existierender Antibotika könnte somit in Verbindung mit Manuka erhöht werden, schließen die Forscher.

Situation des Patienten entscheidet

Die Medizin kennt eine Reihe natürlicher antimikrobieller Wirkstoffe, erklärt Petra Apfalter vom Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin am Linzer Krankenhaus der Elisabethinen http://www.elisabethinen.or.at gegenüber pressetext. „Darunter befinden sich etwa Honig, Schokolade, Kräuterextrakte, Preiselbeersaft, Atemwegssirup oder Blasentee. Doch auch Penicillin ist bloß das Stoffwechselprodukt eines Schimmelpilzes“, so die Expertin. Bei einigen Naturmitteln beschränke sich die Wirkung darauf, den pH-Wert des Körpers zu senken – was in manchen Fällen selbst hochresistenten Bakterien zu schaffen mache.

Ob man ein natürliches Mittel oder ein Medikament verschreibt, hängt eindeutig von der klinischen Situation des Patienten ab, betont die Linzer Medizinerin. „Bei einem unkomplizierten Harnwegsinfekt wird man sicher nicht gleich mit großen Geschützen auffahren. Insgesamt muss man jedoch immer im Auge behalten: Wie krank ist der Patient?“

Quelle: pressetext.at

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag „Bakterien und Pilze

Kurzer Nachtschlaf erhöht Risiko für Typ 2 Diabetes

Dienstag, April 12th, 2011

Stoffwechselerkrankungen durch Schlafhygiene vorbeugen.

Berlin – Unruhiger oder zu kurzer Schlaf erhöht das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Ergebnisse von Studien deuten zudem darauf hin, dass der Nachtschlaf den Stoffwechsel unabhängig von anderen Risikofaktoren wie Körpergewicht oder Ernährung beeinflusst. Damit spielen Schlaf und entsprechende Schlafhygiene eine wichtige Rolle in der Prävention des Typ 2 Diabetes. Darauf weist die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) anlässlich eines kürzlich veröffentlichten Artikels in der Fachzeitschrift Sleep hin.

Übergewicht und Adipositas zählen zu den wichtigsten Angriffspunkten in der Diabetes-Prävention.
Für den Schlaf zeichnet sich derzeit Vergleichbares ab: „Unsere Daten zeigen, dass eine kurze nächtliche Schlafdauer und Schlafstörungen ebenso ein Risiko darstellen“, betont Dr. med. Sebastian M. Schmid von der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck. Weniger als 4,5 Stunden nächtlichen ungestörten Schlafes machen sich bereits bemerkbar: Schlafmangel erzeugt ein Hungergefühl, mindert das spontane Bewegungsverhalten und die Empfindlichkeit der Zellen für das Blutzucker senkende Hormon Insulin.

Die Auswirkungen auf den Zucker- oder Glukosestoffwechsel sind messbar: Nach kurzem Schlaf sondert die Bauchspeicheldrüse weniger Glukagon ab – der hormonelle Gegenspieler des Insulins. Außerdem nimmt die Insulinresistenz zu – eine Vorstufe des Typ 2 Diabetes: Obwohl genügend Insulin im Körper vorhanden ist, lässt dessen Wirkung auf die Zellen bei den Betroffenen nach.
Auch die Konzentration von bestimmten ungesättigten Fettsäuren (NEFA) im Blut steigt nach zwei Tagen Schlafentzug von acht auf vier Stunden deutlich an. Erhöhte NEFA-Konzentrationen sind Diabetesmarker beziehungsweise Zeichen für eine Insulinresistenz.
Mit seinen Lübecker Kollegen konnte Dr. Schmid außerdem nachweisen, dass die Auswirkungen auf den Glukosestoffwechsel von den Stadien des Schlafes abhängig sind: Nicht nur ein verkürzter, sondern auch ein ausreichend langer, jedoch gestörter Schlaf wirkt sich negativ aus.

Die Gründe für diese Zusammenhänge sind noch nicht vollständig erforscht. Die Ergebnisse stehen jedoch unabhängig von weiteren Risikofaktoren für Typ 2 Diabetes wie hohem Körpergewicht oder Bewegungsmangel. „Schlaf scheint sich demzufolge als ein bedeutender Risikofaktor neben weiteren zu erweisen“, kommentiert Professor Dr. med. Stephan Matthaei, Vizepräsident der DDG, die interessanten Ergebnisse.

Wichtig sind die neuen Erkenntnisse auch für die Verhinderung weiterer Diabetes-Erkrankungen: Es leben bereits mehr als acht Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland. Mehr als 90 Prozent haben Typ 2 Diabetes, warnt die DDG. „Zur Schlafhygiene gehört ein ausreichender aber auch nicht zu langer Nachtschlaf“, sagt Dr. Schmid.
Die Dauer liegt großen epidemiologischen Studien zufolge individuell verschieden zwischen sieben und acht Stunden. „Gefunden haben Sie die optimale Länge, wenn Sie tags darauf erst zur Schlafenszeit wieder müde werden“, ergänzt der Experte.

Quellen:

S.M. Schmid, M. Hallschmid, K. Jauch-Chara et al. (2011): Disturbed glucoregulatory response to food intake after moderate sleep restriction. Sleep. 2011 Mar 1;34(3):371-7.

S.M. Schmid, B. Schultes: Schlechter Schlaf als Risikofaktor für das metabolische Syndrom; Internist 2011;  Springer-Verlag 2011

Anmerkung: siehe hierzu auch das naturheilkundliche online-Seminar „Burn-Out-Syndrom

Große Krisen an den Finanzmärkten und kurzzeitige Trends gehorchen dem gleichen Gesetz

Mittwoch, April 6th, 2011

Herdentrieb am Finanzmarkt: Crashs und Krisen sind vorprogrammiert.

Dass es an den Finanzmärkten zu Krisen und selbst zu großen Crashs kommen kann, wie etwa im Jahr 2008, ist kein Zufall und auch keine Überraschung, sondern die zwangsläufige Folge der sich auf- und abbauenden Trends an diesen Märkten. Zu diesem Schluss kommt Dr. Tobias Preis in einer Untersuchung, die er am Institut für Physik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) durchgeführt hat und bei der Methoden und Konzepte aus der Physik zur Analyse von Finanzmarktdaten herangezogen wurden. Preis untersuchte dazu knapp drei Milliarden Transaktionen an den Börsenplätzen in Frankfurt und New York.

Sein Fazit: Trends bauen sich auf allen Zeitebenen nach einer ganz bestimmten Gesetzmäßigkeit auf und ab. Während die ökonomische Herangehensweise meist davon geprägt ist, für Modelle des Finanzmarktes ein System im Gleichgewicht anzunehmen, liefert die Physik Werkzeuge, um derart komplexe Systeme wesentlich besser beschreiben zu können.

„Nach ökonomischer Theoriebildung hätte es gar nicht zur Finanzkrise kommen dürfen. In effizienten Märkten sollten wegen deren Selbstorganisation keine Blasen oder Zusammenbrüche entstehen. In der Realität sind Finanzmärkte allerdings wesentlich komplexer“, erklärt Tobias Preis. Er beobachtet seit Jahren die Finanzmärkte mit den Augen des Physikers und nutzt die physikalischen Methoden zur Untersuchung dieser nicht-stationären, dynamischen Prozesse, wie sie in der Physik, aber eben auch in komplexen sozialen und ökonomischen Systemen auftauchen.

Bei seiner Untersuchung von Aktienkursen, Transaktionsvolumina und Zeitintervallen zwischen einzelnen Handelsabschlüssen an den beiden Börsenplätzen in Frankfurt und New York hat Preis eine Gesetzmäßigkeit gefunden, die das Verhalten von Finanzmärkten im Zeitablauf beschreibt: Wenn sich ein Trend oder eine Blase aufbaut, kommt es kurz vor dem Trendwendepunkt – oder im extremen Fall vor dem Crash – zu einem sehr starken Anstieg des Transaktionsvolumens. Dieses Verhalten, das sich durch ein Potenzgesetz beschreiben lässt, findet sich auch bei den Zeitintervallen zwischen den einzelnen Kauf- oder Verkaufstransaktionen. „Wir können messen, dass die Zeitintervalle zwischen den Transaktionen immer kürzer werden, wenn der Trendwendepunkt näher rückt“, erklärt Preis. Immer mehr Anleger folgen dem Herdentrieb und springen auf den Boom auf.

Das Erstaunliche an den Befunden ist, dass diese Potenzgesetzabhängigkeit auf allen Zeitskalen gleichermaßen auftritt: angefangen von Zeitintervallen im Millisekundenbereich – also dem Hochfrequenzhandel, bei dem Computer Kauf- und Verkaufsorders durch die Datenkabel jagen – bis zu den Schwankungen über Wochen und Monate. „In der Praxis verhalten sich große Blasen wie kleine Trends, sodass wir von den kleinen Trends etwas für die großen Krisen lernen können. Katastrophale Crashs sind keine Ausreißer, sondern einzelne dramatische Ereignisse, die durch das skalenfreie Verhalten der auf- und absteigenden Trends auf ganz großen bis ganz kleinen Zeitskalen entstehen.“ Preis plädiert dafür, die Kenntnisse aus der Physik zu nutzen, um ein besseres Verständnis von Finanzmarktprozessen zu erhalten.

Seit Anfang 2011 ist Tobias Preis an der Professur für Soziologie, insbesondere Modellierung und Simulation an der ETH Zürich tätig. Er wird in den nächsten Monaten seine Erkenntnisse auf mehreren internationalen Konferenzen in Asien, Nordamerika und Europa vorstellen. Darüber hinaus engagiert er sich im zugehörigen Fachverband „Physik sozio-ökonomischer Systeme“, dessen Mitglieder ihn im März 2011 zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt haben.

Seinen jüngsten Forschungsresultaten wird eine gesamte Ausgabe des European Physical Journal Special Topics gewidmet, die am 7. April 2011 erscheint.

Veröffentlichungen:
– Tobias Preis: „Econophysics – complex correlations and trend switchings in financial time series“, European Physical Journal Special Topics 194, 5–86 (2011)
– Tobias Preis: „GPU-computing in econophysics and statistical physics “,  European Physical Journal Special Topics 194, 87–119 (2011)

Quelle: Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Neues zur wirtschaftlichen Entwicklung von Uruguay

Dienstag, April 5th, 2011

Uruguay ist ein ideales Reise- und Urlaubsland. Es ist das „warme Herz“ Südamerikas. Es ist etwa halb so groß wie Deutschland mit einer Einwohnerzahl wie Berlin. Das Land hat eine hohe Lebensqualität bei einem relativ günstigen Preisniveau. 

Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Das Wetter ist angenehm warm, aber nicht zu heiß. Das angenehme subtropische Klima ähnelt demjenigen von Südspanien oder den Balearen.

Die Amtssprache ist Spanisch, obwohl besonders in den jüngeren Bevölkerungsteilen auch zunehmend Englisch gesprochen wird.

Rechts- und Verkehrssystem entsprechen europäischem Standard. Nach der Economist Intelligence Unit hat Uruguay die einzige „Volldemokratie“ in Südamerika (MercoPress). Landeswährung ist der Peso (UYU), dessen Kurs an den US-Dollar angelehnt ist. US-Dollar, Euro und Schweizer Franken können in Wechselstuben und Banken problemlos in Pesos gewechselt werden (das Verhältnis Peso zu Euro beträgt ca. 26 zu 1; etwas besserer Kurs meist in der Banco Republica = BROU).

Uruguay betreibt auch nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds eine sehr kluge Wirtschaftspolitik. Die Wirtschaft des Landes wurde durch die globale Finanzkrise 2008 kaum beeinträchtigt. Die Staatsverschuldung liegt zur Zeit bei 57,9% des Bruttoinlandsproduktes mit fallender Tendenz (MercoPress). In 2011 wird Uruguay voraussichtlich keine neuen Schulden machen müssen (MercoPress).

In 2012 soll die Mehrwertsteuer von jetzt 23% auf 21% gesenkt und die Basis für die Einkommensteuer angehoben werden (MercoPress).

Zur Schuldentilgung muss Uruguay in diesem Jahr 2,16 Milliarden US-Dollar aufwenden, in 2012 werden es nur noch 1,05 Milliarden USD sein.

Mit Deutschland und der Schweiz gibt es Doppelbesteuerungsabkommen. Von den Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor’s wurde das Rating für Uruguay von „BB“ vor einiger Zeit bestätigt; Moody’s Investors Service hat Uruguay kürzlich jedoch gleich um zwei Stufen auf „Ba1“ hochgestuft. Dieses Rating liegt nur knapp unter dem „Investmentgrade“ (IG). Die Rückkehr zum IG bis zum Jahr 2014 ist eins der Staatsziele (siehe hierzu auch die Analyse von Franco A. Uccelli).

Die Bedingungen für das IG werden jedoch voraussichtlich bereits in 2011 erreicht werden. 

Quelle: Uruguay-Portal.com


Prostata-Screening bringt eigentlich nichts

Montag, April 4th, 2011

Untersuchungen beeinflussen Anzahl der Diagnosen nicht

Stockholm (pte/04.04.2011) – Das Screening gegen Prostatakrebs rettet keine Leben. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie unter der Leitung des Karolinska Institutet http://ki.se gekommen. Diese Ergebnisse beruhen auf den Daten von 9.026 Männern, die 1987 über 50 oder über 60 Jahre alt waren und in Norrkoping lebten. Fast 1.500 dieser Männer wurden ausgewählt und zwischen 1987 und 1996 alle drei Jahre untersucht.

Für die aktuelle Studie wurden die ersten beiden Tests mittels digitaler Rectumuntersuchung durchgeführt, die weiteren mittels PSA-Test. Das Team um Gabriel Sandblom kommt zu dem Schluss, dass nach einem Beobachtungszeitraum von 20 Jahren keine signifikanten Unterschiede bei den Prostatakrebserkrankungen zwischen den untersuchten Männern und der Kontrollgruppe festgestellt werden konnten.

Die beliebteste Screening-Methode ist der PSA-Test. Rund 15 Prozent der Männer mit normalen PSA-Werten erkranken an Prostatakrebs. Zwei Drittel der Männer mit erhöhten Werten leiden jedoch nicht an Prostatakrebs. Eine ältere Studie legte nahe, dass für das Verhindern eines Todesfalls 1.410 Männer untersucht und 48 behandelt werden müssten.

Eine von vier Krebsdiagnosen betrifft die Prostata

Allein in Großbritannien entfällt laut BBC eine von vier Krebsdiagnosen auf Prostatakrebs. Im vergangenen Jahr sprach sich das UK National Screening Committee http://www.screening.nhs.uk gegen ein Routine-Screening aus. Anne Mackie vom UK National vom Screening Committee betonte, dass derzeit die potenziellen Nachteile größer seien als die Vorteile. In Großbritannien sterben rund 10.000 Patienten jährlich an Prostatakrebs. Ein Screening-Programm gibt es nicht. Männer über 50 Jahren können jedoch einen Test verlangen.

Details der Studie wurden im British Medical Journal http://www.bmj.com/content/342/bmj.d1539 veröffentlicht.

Quelle: pressetext.redaktion

Anmerkung: über die Hintergründe der Problematik von Prostatatumoren siehe auch das Buch „Gedanken altern nicht„, ISBN: 978-3-8334-5446-2.

Selbstorganisation in sozialen Netzwerken – Wer nicht kooperiert, wird ausgegrenzt

Montag, April 4th, 2011

Arbeite ich mit meinen Kollegen zusammen oder nutze ich andere aus? Setze ich mich uneigennützig für andere Menschen ein? Welche Bedingungen Kooperation und prosoziales Verhalten fördern, das hat das Team um Juniorprofessor Dr. Dirk Semmann am Courant Forschungszentrum „Evolution des Sozialverhaltens“ der Universität Göttingen untersucht. Er leitet dort die Nachwuchsgruppe „Evolution of cooperation and prosocial behaviour“.

Die Wissenschaftler konnten nun erstmals experimentell nachweisen, dass dynamische soziale Netzwerke kooperatives Verhalten fördern und dass die natürliche Selektion so Kooperation begünstigen kann. Ihre Ergebnisse weichen jedoch teilweise von den Vorhersagen theoretischer Modelle ab. Sie werden heute (Montag, 4. April 2011) in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Ecology Letters“ veröffentlicht. Das Courant Forschungszentrum wird aus Mitteln der Exzellenzinitiative gefördert.

In dem Experiment spielten Studierende am Computer mit verschiedenen Partnern das sogenannte Gefangenendilemma, das ein zentraler Bestandteil der Spieltheorie ist. Dabei treffen zwei sich unbekannte Personen aufeinander, müssen sich für oder gegen eine Zusammenarbeit entscheiden und dabei Geld verdienen. Die Spielpartner müssen dabei abwägen, von welchem Verhalten sie am meisten profitieren, ohne vorab die Entscheidung des anderen zu kennen.

Die Göttinger Evolutionsbiologen simulierten zwei unterschiedliche Szenarien: Zum einen spielten die Probanden in einem statischen Netzwerk mit festgelegten Partnern, die sie nicht austauschen konnten. Dies entspricht der Situation mit Kollegen am Arbeitsplatz. Zum anderen spielten sie in einem dynamischen Netzwerk wie zum Beispiel bei Freundschaften, in dem die Partner ersetzt werden können. Die Probanden erfuhren in den insgesamt 30 Spielrunden nur die Ergebnisse der Entscheidungen mit ihrem jeweiligen Partner; sie erhielten keinen Überblick über das Geschehen im gesamten Netzwerk.

„In dynamischen sozialen Netzwerken wählten die Teilnehmer eine andere Strategie, als dies in theoretischen Modellen vorhergesagt wurde: Sie wählten häufig nicht kooperierende Personen ab und gingen lieber kooperative Langzeitbeziehungen ein“, so Katrin Fehl, Doktorandin in der Nachwuchsgruppe. Bislang war vermutet worden, dass Spieler auch nicht kooperierende Mitspieler behalten und sich auf deren Verhalten einstellen. Denn bei einem neuen, unbekannten Partner besteht die Gefahr, von ihm ausgenutzt zu werden.

Durch konstante Muster der Partnerabwahl veränderten die Teilnehmer ihr soziales Umfeld und beeinflussten die Struktur des dynamischen Netzwerkes: Es bildeten sich stabile Cliquen kooperativer Spieler mit Dreiecksbeziehungen heraus, in denen die eigenen Freunde auch untereinander befreundet waren. „Es besteht also eine enge Wechselwirkung zwischen der sozialen Umgebung und kooperativem Verhalten“, so Prof. Semmann. Im Spielverlauf machten kooperative Teilnehmer in dem dynamischen Netzwerk neue Erfahrungen, die ihre Verhaltenstrategie weiter festigte. Gleichzeitig wurden Spieler mit nicht-kooperativem Verhalten an den Rand des Netzwerks gedrängt. Die Partnerabwahl erzog Teilnehmer dazu, prosoziales Verhalten zu entwickeln.

Originalveröffentlichung:
Katrin Fehl, Daniel J. van der Post, Dirk Semmann (2011). Co-evolution of behaviour and social network structure promotes human cooperation. Ecology Letters. Doi: 10.1111/j.1461-0248.2011.01615.x

Quelle: Universität Göttingen