Archive for Mai, 2011

Mehr Sport – weniger Gewalt

Donnerstag, Mai 12th, 2011

12.05.2011 – Eine aktuelle Studie der Universität Würzburg hat das Bild von Jugendlichen in den Medien untersucht. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt: Gewalt ist kaum noch ein Thema, stattdessen treten Beruf, Sport und Politik in den Vordergrund.

Ob Schlägereien in U-Bahnen, exzessiver Alkoholkonsum oder übermäßige Mediennutzung: Jugendliche haben in der öffentlichen Wahrnehmung nicht den besten Ruf. Umso überraschender ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Lehrstuhls Empirische Bildungsforschung an der Uni Würzburg. Die Analyse von 145 Zeitungsberichten über einen Zeitraum von zwei Wochen hinweg zeichnet ein unerwartet positives Bild Heranwachsender.

Die Ergebnisse der Studie

„Im vergangenen Jahr hatte unsere Medienanalyse gezeigt, dass 49 Prozent aller Berichte Jugendliche negativ dargestellt haben. Dieser Anteil ist in diesem Jahr auf rund 30 Prozent gesunken“, sagt Professor Heinz Reinders, Studienleiter und Inhaber des Lehrstuhls Empirische Bildungsforschung.

Verantwortlich dafür sei vor allem eine geringere Zahl von Berichten über Jugendgewalt. Mehr als ein Viertel aller Zeitungsartikel hatten im Vergleichszeitraum 2010 das Gewaltverhalten von Jugendlichen zum Gegenstand. In diesem Jahr sank dieser Wert deutlich auf nur knapp über zehn Prozent. Auch das Thema Raub hat stark an Präsenz verloren: Während sich 2010 noch 15 Prozent aller Berichte mit diesem Thema beschäftigten, beträgt der Anteil in 2011 gerade mal 7,6 Prozent – eine glatte Halbierung also.

Im Gegenzug dafür seien die Themen Beruf (16,6 Prozent), Sport (13,8 Prozent) und Politik (11,7 Prozent) deutlich in den Vordergrund gerückt, so Reinders. Vor allem Artikel über die Berufsaussichten und Ausbildungsmöglichkeiten von Jugendlichen hätten deutlich zugenommen. Besonders markant sei auch der Anstieg bei den Berichten über sportliche Aktivitäten Jugendlicher. Hier stieg der Anteil an allen Zeitungsartikeln von 2,1 Prozent im Jahr 2010 auf knapp 14 Prozent im Jahr 2011.

„Damit haben wir nicht gerechnet“, kommentiert Reinders die Ergebnisse und zeigt sich vor allem über den Rückgang an Berichten über Jugendgewalt überrascht: „Das ist eigentlich immer ein beliebtes Thema für die Medien. Und die tatsächliche Jugendgewalt ist ja nicht wirklich rückläufig.“

Medienberichte gegen den Trend

Die Bildungsforscher der Uni Würzburg begrüßen diesen Trend allerdings. „Jugend wird vielfach als inaktiv und politisch desinteressiert wahrgenommen, quasi abgeschottet im Cyberspace sozialer Netzwerke“, erläutert Reinders. Da seien Berichte über politisches Engagement und sportliche Aktivitäten von Jugendlichen eine schöne Alternative. Gleichzeitig weiß Reinders, dass es sich hier um eine Momentaufnahme handelt, die sich mit thematischen Konjunkturen wieder ändern könne.

Denn die Medienanalyse wird jährlich in den ersten zwei Aprilwochen durchgeführt, um über mehrere Jahre hinweg vergleichbare Zeiträume betrachten zu können. „Wenn aber in dieser Zeit große Agenturmeldungen über den Ticker gehen, dann bestimmen die natürlich maßgeblich das Medienbild und werden von den Regionalblättern übernommen. Da wird dann schnell ein kleines Thema ganz groß.“

Wären die Analysen etwa direkt nach dem 12. September 2009 erfolgt, als an einem Münchner S-Bahnhof Dominik Brunner durch eine tödliche Attacke zweier Jugendlicher starb, dann wären vermutlich andere Themen als Gewalt bei Jugendlichen nicht zum Tragen gekommen.

Deshalb achten die Würzburger Bildungsforscher darauf, ob in den insgesamt 145 analysierten Zeitungsberichten einzelne Meldungen das gesamte Themenspektrum dominieren. „Wir hatten mit dem Girls Day am 14. April ein solches Thema“, erläutert Reinders. Die gestiegene Zahl an Berichten zu diesem Thema erkläre dies aber nicht, schließlich wurde die Medienanalyse 2010 im gleichen Zeitraum durchgeführt.

Quelle: Universität Würzburg

Jeder Zehnte leidet an Sozialer Phobie

Montag, Mai 2nd, 2011

Deutsche Forscher untersuchen weit verbreitete Angstkrankheit.

Dresden (02.05.2011) – Jeder Mensch war schon einmal aufgeregt oder ängstlich – beispielsweise vor einer Prüfung oder einem Rendezvous. Diese Soziale Angst, bei der Betroffene befürchten, sich peinlich zu verhalten oder einen negativen Eindruck zu hinterlassen, ist Gegenstand von Untersuchungen an der TU Dresden http://psychologie.tu-dresden.de. „Das Kniffelige an der Sozialen Phobie ist, dass jeder sie kennt“, sagt der Psychologe David Bräuer. Er forscht mit seinen Kollegen an der im Fachjargon „Soziale Phobie“ genannten Angst.

Leidende fürchteten sich davor, dass sich Menschen über sie lustig machen oder etwas Komisches über sie denken. Diese Angstkrankheit ist weit verbreitet. Etwa zehn Prozent der deutschen Bevölkerung leiden unter „Sozialer Phobie“, erläutert der Wissenschaftler. „Das kann der Vortrag im Seminar, ein Termin mit dem Chef, aber auch einfach das Gespräch mit Freunden sein“, erklärt Bräuer im Gespräch mit pressetext. Schlimm wird es, wenn Betroffene wegen panischer Ängste gar nicht mehr aus dem Haus gehen.

Entweder kämpfen oder fliehen

Dabei ist Angst selbst eine natürliche und wichtige Reaktion des Menschen. „Ohne Angst werden Menschen nicht alt“, sagt Bräuer. Normale Angst führt dazu, dass sich Menschen Situationen genauer ansehen. Angst bereitet den Körper darauf vor, entweder zu kämpfen oder zu fliehen. „In der Wildnis ist das ein sinnvoller Mechanismus. Diese Angst hat aber keinen Sinn, wenn man vor der Prüfungstür steht“, erklärt Bräuer. Ein Sozialphobiker sei ein Mensch dann, wenn er sich von dieser Angst abhalten lasse, sich auf die Prüfung zu konzentrieren.

Die Dresdner Forscher möchten ermitteln, ob es bei sozialen Phobikern auch körperliche Symptome gibt. „Es gibt eine Vielzahl von Fragen, die wir im Moment noch nicht beantworten können, zum Beispiel ob sich bei Menschen mit Sozialer Angst Veränderungen im Hormonhaushalt oder bei der Herzrate finden“, sagt der Psychologe Stephen Crawcour vom Dresdner Institut. In bestimmten Fällen könne es auch sein, dass es ein Problem mit dem Selbstwertgefühl der Person sei, sagt Bräuer. Dann sei es möglich auf Menschen zu treffen, die souverän wirken, aber vor einem Date panische Ängste bekommen.

Quelle: pressetext.redaktion