Archive for Juni, 2011

Prognos World-Report 2035: Verschuldungskrise kostet deutsche Wirtschaft 107 Mrd.

Dienstag, Juni 28th, 2011

Deutliche Abschwächung der konjunkturellen Dynamik zu erwarten – Beitrag der „alten“ Industrieländer zum globalen BIP-Wachstum sinkt von 50% auf knapp 30% im Jahr 2035

Basel/Berlin, 27. Juni 2011 – Neuer Prognos World Report „Industrial Countries 1995 – 2035“ vorgelegt: Die Basler Prognos AG gibt mit dem neuen World Report einen Ausblick auf die Entwicklung der Weltwirt­schaft bis zum Jahr 2035. Die zukünftige Entwicklung von 32 Industrieländern und den wichtigen Schwel­lenländern wird auf der Basis eines bewährten Prognosemodells im Detail dargestellt.

Hoch verschuldete Länder drücken das Wachstum in Deutschland

Um die Bedeutung dieser dämpfenden Effekte für die deutsche Wirtschaft bestimmen zu können, wurde in einem Szenario unterstellt, dass es in den vergangenen drei Jahren zu keiner massiven Verschlechte­rung der Haushaltslage in den aktuell hoch verschuldeten Industrieländern gekommen wäre. Der Ver­gleich dieses Szenarios mit unserer Referenzprognose zeigt, dass in diesem Fall das deutsche Brutto­inlandsprodukt im Jahre 2020 um – preisbereinigt – 24 Mrd. Euro höher ausfiele. Kumuliert beträgt die Abweichung zur Referenzprognose im Zeitraum 2010 bis 2020 ca. 107 Mrd. Euro. Dies entspricht einer Abweichung in der durchschnittlichen Wachstumsrate in diesem Zeitraum von knapp 0,1 Prozent-punkten. „Bezogen auf das Pro-Kopf-Einkommen bedeutet dies, dass im Jahr 2020 jeder Ein­wohner in Deutschland allein aufgrund des exorbitant gestiegenen Schuldenstands in zahlreichen Ländern auf ein Einkommen von 300 Euro verzichten muss. In dieser Rechnung bleiben die Effekte unbe­rücksichtigt, die sich ergeben würden, wenn es zu Kreditausfällen einzelner Länder käme“, so Gramke.

Schlechte Wachstumsaussichten in den „Schuldenländern“

Wir erwarten als wahrscheinlichstes Szenario, dass es in den einzelnen aktuell gefährdeten Ländern nicht zu einem Schuldenschnitt oder zu einem Staatsbankrott kommt. Vielmehr werden sich die von ex­ternen Stützungsmaßnahmen abhängigen Länder wie Griechenland bemühen, die auferlegten Sparvor­gaben umzusetzen und weiterhin Kreditmittel auf der Basis kurzfristigen Taktierens erhalten. Als real­wirtschaftliche Konsequenz wird in den verschuldeten Ländern insbesondere der Private Konsum in den nächsten Jahren stagnieren. Die geringen Wachstumsbeiträge werden hauptsächlich durch die Exporte erzielt, die durch die reale Abwertung infolge schwacher Lohn- und Preisentwicklung gepusht werden. „Griechenland und Irland beispielsweise, aber auch Großbritannien werden erst gegen Ende dieses Jahrzehnts wieder ein Niveau des reales Pro-Kopf-Einkommens aufweisen, wie sie es vor Ausbruch der Finanzkrise hatten“, erläutert Böllhoff.

Konjunkturelle Dynamik in Deutschland wird deutlich nachlassen – Wachstum bei 1%

Auch jenseits der Belastungen durch die hoch verschuldeten Länder, die sich unmittelbar auf die deutsche Ex­portwirtschaft auswirkt, wird die starke konjunkturelle Dynamik der deutschen Wirtschaft am aktuellen Rand in den kommenden Jahren deutlich nachlassen. Hierfür sind verschiedene Gründe auszumachen: Die aktuell hohen Zuwächse stellen auch eine technische Reaktion auf den tiefen Einbruch im Jahr 2009 dar. Im weiteren konjunkturellen Verlauf ist eine Annäherung an die längerfristige Wachstumsrate des Bruttoinlandprodukts zu erwarten. Dieser langfristige Wachstumspfad wird nur noch bei rund 1,0% lie­gen. Zudem laufen die weltweit als Reaktion auf die Finanzkrise ergriffenen expansiven Maßnahmen auf Seiten der Fiskal- und Geldpolitik aus. Mittelfristig (2012-2020) wird das BIP-Wachstum der Weltwirtschaft nur noch ca. 3% betragen (gegenüber 4,3% bzw. 4,0% in den Jahren 2010 und 2011). Die ent­sprechenden Prognosen für die USA und für die EU belaufen sich auf 1,8% bzw. 1,5% p.a.

Chinas Wachstumstempo ist nicht durchzuhalten – Bedeutung „alter“ Industrieländer schwindet

Angesichts der absehbaren mittelfristigen Wachstumsschwäche vor allem der USA wird die chinesische Regierung unserer Einschätzung zufolge in den nächsten Jahren verstärkt bemüht sein, die entwick­lungsstrategische Abhängigkeit von der Auslandsnachfrage zu reduzieren und mittels struktureller Maß­nahmen die Inlandsnachfrage zu stärken (Stützung des Privaten Konsums z.B. durch den Ausbau der sozialen Sicherungssysteme). Ein zukünftig knapperer Arbeitsmarkt wird das Wachstum des chinesi­schen Lohn- und Preisniveaus beschleunigen und damit zusätzlich die chinesischen Exporte belasten. Insgesamt rechnen wir damit, dass das chinesische Bruttoinlandsprodukt mittelfristig (2012-2020) „nur“ noch mit etwas über 6% p.a. expandieren wird.
Die Bedeutung der alten Industrieländer für die Weltwirtschaft wird bis 2035 deutlich abnehmen: Sie werden im Jahre 2035 nur noch knapp 30% zum weltweiten Wirtschaftswachstum beisteuern, in den letzten Jahren war es die Hälfte. „Allein der Wachstumsbeitrag Chinas fällt mit 19 % im Jahr 2035 höher aus als der der USA mit 15%. Und Indien wird 2035 für das globale Wachstum die gleiche Bedeutung aufweisen wie die Europäische Union“, so Kai Gramke. Diese Verschiebungen dürfen nicht darüber hin­weg täuschen, dass sich die Differenz zwischen den Durchschnittseinkommen in Entwicklungs- und Industrieländern weiter vergrößern wird: Zwar fällt in den ärmeren Länder bis 2035 in der Regel das Pro-Kopf-Wachstum deutlich höher aus, wegen des großen Vorsprungs der „alten“ Industrieländer im Aus­gangsniveau nimmt der Einkommensabstand aber weiter zu. So wird beispielsweise der absolute Vorsprung Deutschlands gegenüber China im Pro-Kopf-Einkommen im Jahr 2035 rund 28‘000 Euro betra­gen. Im Jahr 2010 waren es knapp 25‘000 Euro.

Prognos World Report „Industrial Countries 1995–2035“, Basel, Juni 2011, Englisch, rd. 550 Seiten, EUR 2.500,-
Weitere Informationen/Bestellmöglichkeit: worldreport(at)prognos(dot)com

Quelle: www.prognos.com/worldreport

Die Prognos World Reports, seit 1971 jährlich erscheinend, dienen als Planungs­instrument für internati­onale Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik. Mit rund zwanzig Tabellen und Grafiken pro Land sowie umfassenden Ländervergleichen zeigt der aktuelle Prognos World Report „Industrial Countries 1995–2035“ die demografische und wirtschaftliche Entwicklung von 32 Industrieländern und den wichti­gen Schwellenländern bis 2035 detailliert auf.

Fliegenspray für Pferde selber machen

Mittwoch, Juni 22nd, 2011

So schön der Sommer auch ist, die in dieser Zeit vermehrt auftretenden Insekten werden nicht nur von Reitern und Pferdebesitzern, sondern vor allem von den Pferden als besonders lästig empfunden.

Wer Fliegen und Mücken nicht mit der chemischen Keule zuleibe rücken möchte, der kann ein sehr wirkungsvolles Fliegenspray auch selber herstellen. Dazu wird ein Liter Obstessig mit 12 Tropfen Crab Apple (Bach-Blütenpräparat), einer gehackten Knoblauchknolle, einer Zitrone, einem Päckchen Nelken sowie einem kleinen Fläschchen Niem- oder Teebaumöl gemischt. Diese Flüssigkeit in einen Fünfliterkanister einfüllen und mit Wasser aufgießen. Anschließend sollte der Kanister einige Tage stehen, damit die Mischung ziehen kann. Zu empfehlen ist die portionsweise Umfüllung in eine Sprühflasche; das erleichtert die Anwendung am Pferd. Darüber hinaus lässt sich der kleinere Behälter besser vor jeder Anwendung schütteln, um das enthaltene Öl gut mit den restlichen Inhaltsstoffen zu vermischen.

Rebelliert das Pferd gegen das Einsprühen oder soll auch der Kopf ohne Stress behandelt werden, bietet sich die Verwendung eines nicht mehr benötigten Deorollers an. Dieser wird vorher gut ausgespült und anschließend mit dem selbst erstellten Fliegenschutzmittel befüllt. Mit dem zweckentfremdeten Deoroller lassen sich auch empfindliche Stellen am Kopf, wie beispielsweise die Partie um die Augen, gut einreiben.

nach: Anke Klabunde, http://www.aid.de/

EHEC: Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr informiert sich über Forschungsarbeit von Prof. Karch

Samstag, Juni 18th, 2011

Studien in Münster rücken das Umweltverhalten des aktuellen Erregers in den Mittelpunkt.

Münster (ukm/dre/jb). Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr informierte sich am Samstagnachmittag (18.06.) im Institut für Hygiene in Münster über die aktuelle  Forschungsarbeit des Wissenschaftlerteams der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) um EHEC-Experte Prof. Dr. Dr. h. c. Helge Karch am Universitätsklinikum Münster (UKM).

Im vom Robert Koch-Institut (RKI) ernannten Konsiliarlabor für das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS) am Institut für Hygiene laufen derzeit weitere umfangreiche Laboruntersuchungen zum Umweltverhalten des Ausbruchsstamms. Bereits am 25. Mai hatte Prof. Karch den spezifischen EHEC-Erreger identifiziert, der für das aktuelle Ausbruchsgeschehen verantwortlich ist und daraufhin einen schnellen Bestätigungstest entwickelt.

Der Bundesgesundheitsminister lobte die Arbeit der Münsteraner Wissenschaftler: „Die schnelle Identifizierung des Ausbruchsstammes war extrem wichtig für die Bekämpfung der aktuellen Epidemie. Für diesen unermüdlichen Einsatz bin ich dem Wissenschaftlerteam um Prof. Karch ebenso dankbar wie dem Ärzte- und Pflegepersonal in den Krankenhäusern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der beteiligten Gesundheitsinstitute.“

Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Forschungsarbeit im münsterschen Hygiene-Institut sind Studien zum Reservoir und zum Umweltverhalten des EHEC-Erregers. Prof. Karch: „Viele Menschen scheiden derzeit den Erreger aus. Wir können also nicht ausschließen, dass er sich in unserer Umwelt bereits eingenistet hat. Daher müssen wir jetzt auch Strategien entwickeln, wie wir ihn dauerhaft wieder beseitigen können.“

Bereits fest steht, dass der aktuelle Erreger wie ein „klassischer“ EHEC sehr niedrige pH-Werte (2,5 bis 3,5) mindestens zwei Stunden toleriert. Das bedeutet, dass er anders als z.B. Salmonellen die normale Säurebarriere des menschlichen Magens überstehen kann und schon wenige Keime zur Infektion und zur Erkrankung führen können. Der jetzige Ausbruchsstamm und der zehn Jahre alte HUSEC041 zeigen zudem das gleiche „Anheftungsmuster“ an den Darmzellen. „Auch außerhalb des Körpers kleben sie an allen Oberflächen, weil sie ausgezeichnete Biofilmbildner sind. Sie bilden eine Art Schleimschicht, in der sie sich einnisten und auch längere Zeiträume gut überstehen können. Weiterhin ist der Ausbruchsstamm kältetolerant und überlebt seit dem 24. Mai in unserem Labor-Kühlschrank Temperaturen von fünf Grad Celsius“, so EHEC-Experte Karch. Diese und weitere Eigenschaften werden momentan in Münster untersucht.

Quelle: Universitätsklinikum Münster

Anmerkung: siehe hierzu auch die Artikel über „Bakterielle Biofilme im lebenden Organismus“ und „Über die Bedeutung zellwandfreier Bakterienformen

Blutschwitzen bei Kälbern – Ursache wahrscheinlich gefunden

Mittwoch, Juni 1st, 2011

01.06.2011 – Die Impfungen mit dem Impfstoff PregSure BVD führen bei Rindern zur Bildung von Antikörpern, die sich an Zellen des Blutes anheften können. Werden diese Antikörper mit dem Kolostrum der geimpften Kuh an das Kalb weitergegeben, können sie dort Blut und Knochenmarkszellen zerstören. In betroffenen Betrieben führt das bei bis zu 15% der Kälber zu der als „Blutschwitzen“ bekannt gewordenen Erkrankung. Eine Arbeitsgruppe der Abteilung „Veterinärmedizin“ des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) um Max Bastian stellt in der Zeitschrift VACCINE nun Untersuchungen zu möglichen Ursachen dieses Phänomens vor. Die Publikation ist online bereits verfügbar

„Unsere Ergebnisse liefern erstmals eine plausible Erklärung für mögliche Ursachen des Krankheitsbildes“, erklärt Prof. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts. „Jetzt werden Schritte möglich, solche Reaktionen zu vermeiden. Damit zeigt sich erneut ein Erfolg der Verbindung von regulatorischer Arbeit mit eigener Forschung im PEI“, so Cichutek weiter.

Beim Blutschwitzen treten im ersten Lebensmonat bei einzelnen Kälbern plötzlich unstillbare Blutungen aus Körperöffnungen und Verletzungen auf. Blutungen aus der scheinbar intakten Haut haben zur Namensgebung geführt. Wissenschaftlich wird die Krankheit mittlerweile Bovine Neonatale Panzytopenie (BNP) genannt.

Im März 2009 hatte es erste Hinweise gegeben, dass betroffene Betriebe oft den Impfstoff PregSure BVD zur Bekämpfung der Bovinen Virusdiarrhöe bei den Muttertieren eingesetzt hatten. Für Deutschland sind mittlerweile über 3.000 Fälle registriert (Stichtag 28. Februar 2011), in Europa sind es insgesamt über 4.500 Berichte. Ab März 2010 verzichtete der Hersteller auf Anraten des PEI auf die Vermarktung von PregSure BVD in Deutschland. Am 16. Juli 2010 folgte der Ausschuss für Tierarzneimittel (CVMP) bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) der Empfehlung des PEI, die Zulassung ruhen zu lassen. Das Ruhen der Zulassung trat im Oktober 2010 in Kraft – entsprechende Chargen wurden zurückgerufen.

Schon vorher, zu Beginn des Jahres 2010, hatten Wissenschaftler des PEI aus den Abteilungen „Veterinärmedizin“ und „Arzneimittelsicherheit“, unterstützt durch den Rindergesundheitsdienst in Nordrhein-Westfalen, begonnen, nach den möglichen Ursachen der BNP zu suchen.

Zunächst wiesen die Forscher bei Labortieren (Meerschweinchen) nach, dass geimpfte, nicht jedoch ungeimpfte Tiere im Blutserum Antikörper enthielten, die an Rinderblutzellen (Leukozyten) binden. Dieses Phänomen zeigte sich dann auch bei PregSure BVD-geimpften Kühen. Bei Rindern, die andere Impfstoffe erhalten hatten, war dieser Effekt nicht nachweisbar. „Der Nachweis, dass diese toxischen Antikörper der Mütter von BNP-Kälbern sich auch an die Zelllinie heften, die zur Herstellung des Impfstoffes verwendet wird, ist für uns ein deutlicher Hinweis, dass der Impfstoff ursächlich am Entstehen der Krankheit beteiligt ist“, so Max Bastian. Auf der Basis dieser Ergebnisse lassen sich viele Besonderheiten der BNP, insbesondere die Übertragung durch das Kolostrum, erklären. Es liegt nun am Hersteller, die Impfstoffproduktion so zu verändern, dass die Entstehung dieser Antikörper sicher vermieden wird. „Besonders wichtig für die Besitzer der Rinder ist der Hinweis, dass das Auftreten der Erkrankung vermeidbar ist, selbst wenn mit PregSure BVD geimpft wurde“, betont Klaus Cußler, Leiter des Fachgebiets ‚Sicherheit veterinärmedizinischer Mittel und Tierschutz‘ im PEI. „Gefährdete Kälber dürfen nicht das Kolostrum ihrer Mutter erhalten, dann ist die Erkrankung sicher zu verhindern“, so Cußler.
>> weitere Informationen

Quelle: Paul-Ehrlich-Institut