Archive for Februar, 2012

Weiterhin hoher Anreiz für Photovoltaik-Eigenverbrauch

Samstag, Februar 25th, 2012

Mit der Novellierung des EEG zum 1.1.2009 wurde die sogenannte Eigenverbrauchsregelung nach §33 Abs. 2 eingeführt. Anlagenbetreiber, die den erzeugten Strom in unmittelbarer räumlicher Nähe zu einer PV-Anlage selbst verbrauchen, können unter bestimmten Voraussetzungen für den selbst verbrauchten Anteil eine im Vergleich zur regulären Einspeisung reduzierte Vergütung erhalten.
Im Rahmen der geplanten Novellierung des EEG gemäß dem Ergebnispapier des BMU „EU Effizienzrichtlinie und EEG“ vom 23.02.2012 sollen die Vergütungssätze zum 09.03.2012 deutlich gesenkt und die Eigenverbrauchvergütung gestrichen werden.

Zusätzlich sollen für Neuanlagen im Rahmen des sogenannten Marktintegrationsmodells die vergütungsfähigen Strommengen für Kleinanlagen unter 10 kW auf 85 % begrenzt werden.

Mit Hilfe der an der Forschungsstelle für Energiewirtschaft entwickelten EEG-Datenbank wurde die installierte Leistung derjenigen PV Bestandsanlagen ausgewiesen, die in den Jahren 2009 bis 2011 die jeweils gültigen Bedingungen zum Eigenverbrauch erfüllen.
In Summe wurden demnach von 2009 bis 2011 knapp 9 GW  installiert, für die eine Vergütung des Eigenverbrauchs über ihre 20-jährige Betriebsdauer gesichert ist. Diese installierte Leistung entspricht in etwa der Hälfte des gesamten Zubaus in genanntem Zeitraum.
Bei zukünftig steigenden Strompreisen ist sogar eine noch stärkere Motivation zum Eigenverbrauch gegeben – völlig unabhängig von der aktuell geplanten Novellierung des EEG, die nur neu installierte PV-Anlagen betrifft.

Bei einem Vergleich der Einspeisevergütung, der Eigenverbrauchvergütung sowie des Strombezugspreises zeigt sich, dass für Anlagen, die von Januar 2009 bis Februar 2012 in Betrieb genommen wurden, eine stetige Zunahme des Kostenvorteils (bis zu 6 ct/kWh) für selbst verbrauchten PV-Strom gegeben ist. Durch den geplanten Wegfall der Eigenverbrauchsvergütung schmälert sich dieser wirtschaftliche Vorteil zwar für Neuinstallationen in den nächsten Jahren – er bleibt aber – nicht zuletzt durch die Deckelung der Einspeisevergütung auf 85 % des erzeugten PV-Stroms – weiter erhalten.

So wird z.B. bei einer angenommen jährlichen Strompreissteigerung von 3 % der wirtschaftliche Anreiz zum Eigenverbrauch in den nächsten Jahren wieder deutlich zunehmen. Somit ist trotz der aktuell geplanten Anpassung des EEG für den wirtschaftlichen Betrieb einer PV-Anlage ein optimiertes Lastmanagement inkl. potenzieller Speichersysteme auch für alle zukünftig installierten PV-Anlagen von steigender Relevanz.

Quelle: Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

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Krebs in Deutschland

Dienstag, Februar 21st, 2012

Nach einer aktuellen Schätzung des Robert Koch-Instituts sind im Jahr 2008 rund 470.000 Menschen in Deutschland neu an Krebs erkrankt, das sind 70.000 bis 80.000 mehr als zehn Jahre zuvor. Für das Jahr 2012 rechnet das Robert Koch-Institut mit knapp 490.000 Erkrankungen.

Der wesentliche Grund für den Anstieg ist die zunehmende Zahl älterer Menschen, da die meisten Krebserkrankungen in höherem Alter auftreten. Hinzu kommt ein erwarteter Anstieg beim Brustkrebs in der ersten Phase des bundesweiten Mammographie-Screening-Programms. Brustkrebs macht bei den Frauen etwa ein Drittel aller Fälle aus, bei den Männern ist Prostatakrebs mit einem Anteil von etwa 25% nach wie vor die häufigste Krebsart. Hochgerechnet auf 2012 leben in Deutschland etwa 1,4 Millionen Menschen, bei denen die Diagnose Krebs innerhalb der letzten fünf Jahre gestellt wurde.

Durch die Therapiefortschritte ist der Anteil der Todesfälle unter den Krebspatienten weiter gesunken. Vor 1980 starben mehr als zwei Drittel an ihrer Krebserkrankung, heute sind es weniger als die Hälfte.
Im Zentrum für Krebsregisterdaten des RKI werden die Daten der Landeskrebsregister auf Bundesebene zusammengeführt, qualitätsgeprüft und ausgewertet. Gemeinsam mit der Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) veröffentlicht das RKI alle zwei Jahre den Bericht „Krebs in Deutschland“. Die 8. Auflage enthält wie gewohnt einleitende Kapitel, unter anderem zur Krebsregistrierung, zur Methodik sowie zur zusammenfassenden Darstellung und Einordnung der Ergebnisse. Danach folgt auf je zwei Doppelseiten ein Überblick über die epidemiologische Datenlage zu den wichtigsten Krebserkrankungen, erstmals auch zu Leberkrebs, zu Krebserkrankungen der Gallenblase und Gallenwege sowie zum Plasmozytom (eine Form von Blutkrebs). Die Krebserkrankungen im Kindesalter werden in einem eigenen Kapitel dargestellt.

Krebsregister sind unverzichtbar, etwa für die Suche nach Ursachen von Krebs, für Aussagen zu Überlebensaussichten, als Planungsgrundlage für die onkologische Versorgung oder für die Evaluation von Früherkennungsprogrammen, wie das Mammographie-Screening. Durch das 2009 in Kraft getretene Bundeskrebsregisterdatengesetz sind deutliche Fortschritte in der Analyse und Darstellung des Krebsgeschehens erreicht worden. So sind die Bundesländer seither verpflichtet, dem Robert Koch-Institut flächendeckende und vollzählige Daten aus den Landeskrebsregistern zu übermitteln. Für die aktuelle Ausgabe konnte das Robert Koch-Institut erstmals auf Daten zurückgreifen, die auf der Grundlage des neuen Gesetzes geliefert wurden.

Bislang können die bundesweiten Neuerkrankungszahlen nur geschätzt werden. Die Datengrundlage für die Schätzung hat sich in den letzten Jahren stetig verbessert. Zählen statt Schätzen wird allerdings erst möglich, wenn aus allen Bundesländern flächendeckende und ausreichend vollzählige Daten zu allen Krebslokalisationen übermittelt werden. Für 2008 liegen in Deutschland bereits für eine Bevölkerung von mehr als 50 Millionen Einwohnern belastbare Daten zu Krebsneuerkrankungen vor.
„Krebs in Deutschland“ kann kostenlos bei RKI, GEKID oder den Landeskrebsregistern bestellt werden und ist im Internet unter http://www.krebsdaten.de abrufbar. Das Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut erweitert derzeit das Informationsangebot zum epidemiologischen Krebsgeschehen, insbesondere mit einer überarbeiteten Internetpräsenz.

Quelle: Robert Koch-Institut

siehe auch „Leitfaden für eine naturheilkundliche Brustkrebstherapie“ 

Jeder Schritt zählt: Müßiggang kann Diabetes-Folgen noch verstärken

Dienstag, Februar 21st, 2012

Studie von Sportmedizinern der Uni Münster ergab: Patienten mit peripherer Neuropathie bewegen sich viel zu wenig.

Betroffene beschreiben es als Kribbeln, Stechen oder taubes Gefühl in den Füßen. Von einer peripheren Neuropathie sind zwischen zehn und 20 Prozent aller Diabetiker betroffen. Die Ursache: Durch den dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel werden die Empfindungsnerven geschädigt.

Bewegung ist bekanntlich ein ideales Mittel, um Glukose im Blut abzubauen. „Doch je schwerer ihre Symptome sind, desto inaktiver werden die Patienten“, bedauert Prof. Dr. Klaus Völker, Direktor des Instituts für Sportmedizin der Universität Münster. Seine Feststellung beruht auf einer kürzlich an dem Institut abgeschlossenen Untersuchung.

In Zusammenarbeit mit einer diabetologischen Schwerpunktpraxis führten die Wissenschaftler eine Studie mit insgesamt 73 Testpersonen durch. Die Hälfte davon litt an einer mehr oder weniger starken peripheren diabetischen Neuropathie. Der Schweregrad der Erkrankung wurde mit einem standardisierten Test gemessen: Dabei üben die Wissenschaftler mit verschiedenen, immer dünneren Nylonfäden an bestimmten Stellen des Fußes so weit Druck aus, bis der starre Faden sich biegt. Abhängig davon, welche Fadenstärke der Patient noch spürt, kann bestimmt werden, ob bei ihm die Erkrankung leicht, mittelschwer oder bereits schwer ausgeprägt ist. Als weiteres diagnostisches Instrument kam eine Kraftmessplatte zum Einsatz. Während der Patient auf ihr steht, werden seine Bewegungsschwankungen aufgezeichnet. „Eine schwere Neuropathie beeinträchtigt zugleich den Gleichgewichtssinn. Dadurch erhöht sich die Sturzgefahr“, warnt der Sportmediziner. Anschließend erhielten alle Teilnehmer einen Schrittzähler, mit dem eine Woche lang ihre Alltagsaktivität gemessen wurde.

Das Ergebnis: „Die Patienten mit schwerer Neuropathie waren fast zwei Drittel des Tages völlig inaktiv. Beim Rest der Zeit maßen wir eine nur leichte Aktivität“, berichtet Prof. Völker. „Die Betroffenen sitzen zu viel. Dabei geht es nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern zunächst einmal darum, die Bewegungsangebote, die der Alltag bietet, auch zu nutzen.“

Also: öfter spaziergehen und den Aufzug links liegen lassen. Die gemessenen 5.000 Schritte am Tag seien zu wenig, betont der Experte. Zwischen 7.500 und 10.000 sollten es auf jeden Fall sein. Völker empfiehlt Diabetikern darüber hinaus das Walken oder Schwimmen in einer Gruppe, aber auch ein moderates Krafttraining gehe in Ordnung. Da Diabetes mit einer erhöhten Gefährdung des Herz-Kreislauf-Systems einhergeht, sollten die Patienten jedoch keinesfalls ohne vorherige ärztliche Untersuchung und Beratung mit dem Training beginnen. „In speziellen Diabetes-Sportgruppen werden zudem die sensomotorischen Fähigkeiten trainiert. So dienen Übungen zum Ertasten von verschiedenen Untergründen dazu, den Gleichgewichtssinn zu schulen. Dadurch wird die Sturzgefahr vermindert“, so der Sportmediziner. In Münster bieten Vereine wie der „Verein für Gesundheitssport und Sporttherapie“ spezielle Sportkurse für Diabetiker an; Auskunft erteilt auch der Stadtsportbund.

Quelle: Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

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Neuer Body-Adiposity-Index (BAI) ist nicht aussagekräftiger als altbekannter Body-Mass-Index (BMI)

Dienstag, Februar 21st, 2012

Potsdam-Rehbrücke – Unter Führung von Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke und Norbert Stefan von der Medizinischen Klinik IV der Universität Tübingen haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) verschiedene Methoden zur Einschätzung des Körperfettanteils miteinander verglichen.

Nach den aktuellen Ergebnissen ist eine Messung des Taillenumfangs besser geeignet, den prozentualen Körperfettanteil abzuschätzen, als der neue Body-Adiposity-Index (BAI), der in der Studie auch dem Body-Mass-Index (BMI) nicht überlegen war. Auch das Diabetes-Risiko lässt sich laut Studie präziser anhand des Taillenumfangs beurteilen.

Das Wissenschaftlerteam veröffentlichte nun seine Daten in der Fachzeitschrift Diabetologia (M. Schulze et al., 2012; DOI: 10.1007/s00125-012-2499-z).
Erst im letzten Jahr hatten amerikanische Forscher die neue Gleichung* für den BAI entwickelt, der dazu dienen soll, den prozentualen Körperfettanteil einfach, preiswert und genau abschätzen zu können. Der neue Index berücksichtigt neben der Körperlänge den Hüftumfang einer Person. Mittlerweile hat der BAI weltweit viel Aufmerksamkeit bekommen und wird von vielen Mitarbeitern im Gesundheitswesen verwendet, um die Körperfettmasse zu beurteilen, in der Annahme, dass er aussagekräftiger sei als der BMI.

Da bislang nur wenige wissenschaftliche Daten zum BAI vorliegen, verglichen die Forscher um den Ernährungsepidemiologen Matthias Schulze und den Mediziner Norbert Stefan die Aussagekraft des neuen Index mit der Aussagekraft von Hüftumfangs- und Taillenumfangs-Messungen sowie der Aussagekraft des BMI. Hierfür nutzten sie die Daten von 138 männlichen und 222 weiblichen Studienteilnehmern des „Tübinger Lebensstil-Interventions-Programms“ (TULIP), von 9.729 Männern und 15.438 Frauen, die an der Potsdamer European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC)-Studie teilnehmen, sowie von 5.573 männlichen und 5.628 weiblichen Teilnehmern der „Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg“ (KORA)-Studie. Die gemeinschaftliche Nutzung der drei großen Studien ist vor allem durch die enge Zusammenarbeit im Rahmen des DZD möglich geworden.

Als Goldstandard für den Vergleich der verschiedenen Messmethoden dienten Magnet-Resonanz-Tomographie-Messungen, die den Körperfettanteil sehr genau bestimmen und von der Arbeitsgruppe um Fritz Schick im Rahmen der Tübinger Studie durchgeführt worden waren.

„In der aktuellen Studie konnten wir zeigen, dass der BAI dem altbekannten BMI bei der Einschätzung des prozentualen Körperfettanteils nicht überlegen ist und der BMI sogar in einer engeren Beziehung zur Körperfettverteilung steht als der BAI“, sagt Matthias Schulze. „Insbesondere bei männlichen Studienteilnehmern war die Einschätzung des prozentualen Körperfettanteils mit Hilfe des BAI ungenau.“ Auch bei der Bestimmung des Diabetes-Risikos der Studienteilnehmer sei der BMI dem BAI überlegen. Allerdings besaßen beide Indizes hinsichtlich der Diabetes-Risiko-Einschätzung eine geringere Aussagekraft als der gemessene Taillenumfang.

„Unserer Ansicht nach kommt der BAI somit nicht als Alternative zum BMI in Betracht. Das Messen des Bauchumfangs zusätzlich zum BMI ist dagegen sinnvoll“, sagt Norbert Stefan.

Hintergrundinformation:
– Die Formel für den Body-Adiposity-Index lautet: BAI = Hüftumfang in cm/(Körperlänge in m)1,5 – 18 = prozentualer Körperfettanteil
– Die Formel für den Body-Mass-Index lautet: BMI = Körpergewicht in kg/(Körperlänge in m)2 = prozentualer Körperfettanteil

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung e.V. (DZD).
Die Leibniz-Gemeinschaft vereint 86 Einrichtungen, die anwendungsbezogene Grundlagenforschung betreiben und wissenschaftliche Infrastruktur bereitstellen. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Einrichtungen rund 16.800 Menschen – darunter 7.800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – bei einem Jahresetat von insgesamt knapp 1,4 Milliarden Euro. Die Leibniz-Gemeinschaft zeichnet sich durch die Vielfalt der in den Einrichtungen bearbeiteten Themen und Disziplinen aus. Die Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft bewahren und erforschen das natürliche und kulturelle Erbe. Darüber hinaus sind sie Schaufenster der Forschung, Orte des Lernens und der Faszination für die Wissenschaft. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de.

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Spiegeltherapie verringert Phantomschmerz

Dienstag, Februar 21st, 2012

Plastisches Gehirn verschiebt Zuordnung von Arealen.

Wien (pte012) – Die Therapie mit einem Spiegel hilft Bein- oder Armamputierten dabei, chronische Phantomschmerzen zu verringern. Im Gehirn stimuliert diese Behandlungsform neue Regionen, die ursprüngliche Zentren für Motorik ersetzen, berichten Neurologen der Meduni Wien http://meduniwien.ac.at/neurologie im Fachmagazin „Fortschritt Röntgenstrahlen“.

Illusions-Therapie

250.000 Amputierte leben derzeit alleine in Deutschland, und die Zahl nimmt parallel zum Anstieg der Lebenserwartung und der Diabetes-Fälle ständig zu. Drei von vier Arm- oder Beinamputierten spüren im fehlenden Körperglied Kribbeln oder elektrisierende Schmerzen, sogenannte „Phantomschmerzen“. „Die erste Wahl sind hier Medikamente im Reha-Zentrum oder Spital, doch bei einem beträchtlichen Anteil der Patienten gehen die Schmerzen nicht völlig weg“, berichtet Studienleiter Stefan Seidel im pressetext-Interview.

Die Wirkung einer zusätzlichen Spiegeltherapie untersuchte Seidel bei acht Beinamputierten. In zwölf Sitzungen innerhalb von drei Wochen bewegten die Probanden im Langsitz das gesunde Bein, während ein Spiegel zwischen den Beinen vorgaukelte, auch das andere, amputierte Bein sei noch vorhanden und bewege sich mit. „Ein Faktor des Phantomschmerzes geht auf das Missverhältnis zurück, dass man das verlorene Bein noch spürt, es aber nicht sieht. Hier setzt die Spiegeltherapie an“, erklärt der Forscher.

Heilung durch Umlernen

Erwartungsgemäß verringerte sich der mittlere Schmerz im Verlauf der Therapie in der klinischen Messung deutlich. Neue Ergebnisse lieferte zusätzlich die Messung der Gehirntätigkeit per funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) vor und nach der Behandlung. Deutlich erhöht war nun die Aktivität im Stirn- und Schläfenlappen. Die beiden Areale sind ursprünglich nicht primär für die Motorik zuständig, sondern für Planung und Kontrolle von Bewegungen und Abläufen“, so Seidel.

Das lernfähige, plastische Gehirn erlaubt somit, Schmerzwahrnehmung durch Verschiebung der Aufgaben zwischen einzelnen Arealen zu verändern. Das Alter des Patienten dürfte dabei keine wichtige Rolle spielen, wurde der Effekt doch bei 30- und 70-jährigen Probanden gleichermaßen beobachtet. „Allerdings verlief die veränderte Gehirnaktivität nicht bei allen gleich. Wenn man das Motor-Netzwerk durch Spiegeltherapie oder andere ‚Mind-Body-Interventionen‘ ganz individuell aktiviert und trainiert, treten deutlich weniger Phantomschmerzen auf.“

Prothese bringt Vorteile

Ein wichtiges Kriterium für die Heilung von Phantomschmerzen ist auch der Gebrauch der Prothese. Wiesbadener Forscher konnten 2009 erheben, dass der Schmerz umso eher besiegt werden kann, je verschmolzener sich ein Patient mit der Prothese fühlt (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20090827042). Je öfter die Prothese getragen wird, desto eher verschwindet der Schmerz, so auch der Eindruck des Wiener Neurologen.

Quelle: pressetext.com

Anmerkung: siehe hierzu auch den Artikel „Über die Eigenschaften der Quantenhirne (Kopf- und Bauchhirn) und ihre Bedeutung für die Praxis

Kaiserschnitt erhöht das Risiko für Typ 1 Diabetes

Dienstag, Februar 14th, 2012

Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen, haben laut der BABYDIAB-Studie ein mehr als doppelt so hohes Typ 1 Diabetes-Risiko als Kinder, die spontan entbunden wurden.

In der Langzeit-Studie der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München wurde der Einfluss von Umweltfaktoren auf die Entwicklung der Erkrankung bei 1.650 Kindern aus Risikofamilien untersucht. Die Studienteilnehmer wurden von Geburt an durchschnittlich 11 Jahre lang beobachtet. Eine Erklärung sehen die Forscher in der Tatsache, dass eine Entbindung per Kaiserschnitt die Zusammensetzung der kindlichen Darmflora verändert und damit die Entwicklung von Autoimmunität begünstigt.

Laut der Studie haben Kinder, deren Mutter oder Vater an Typ 1 Diabetes erkrankt ist und die per Kaiserschnitt geboren wurden, ein Diabetes-Risiko von 4,8 Prozent, bis zum 12. Lebensjahr daran zu erkranken. Dagegen liegt das Risiko von Kindern mit familiärer Vorbelastung, die vaginal entbunden wurden, bei 2,2 Prozent. Das erhöhte Diabetes-Risiko bei Kaiserschnitt trat unabhängig davon auf, ob es sich um eine Mehrlingsschwangerschaft, Frühgeburt oder um das Erstgeborene handelte. Auch der Geburtsmonat und Rauchen während der Schwangerschaft hatten keinen Einfluss.

Ein größeres Diabetes-Risiko durch Kaiserschnitt war auch nachweisbar bei Kindern mit bestimmten Varianten des Gens IFIH1 (Interferon induced with helicase C domain 1), das die Entwicklung von Typ 1 Diabetes beeinflusst. Das Protein IFIH1 ist für die Erkennung von Virus-RNA zuständig und reguliert somit die angeborene Immunabwehr gegenüber Viren. Man nimmt an, dass eine Virusinfektion das IFIH1 Gen aktiviert und es dadurch zur Ausschüttung des immunstimulierenden Proteins Interferon kommt. Dies hemmt zwar die Virusvermehrung, jedoch lockt es auch die zytotoxischen T-Zellen an, die – so nimmt man an – Betazellen erkennen und zerstören.

Somit scheinen Virusinfektionen die Entwicklung von Typ 1 Diabetes zu fördern. Bei Kindern mit bestimmten Varianten dieses Gens steigt das Risiko für die Autoimmunerkrankung bei einem Kaiserschnitt sogar um etwa das Dreifache (9,1 Prozent gegenüber 2,8 Prozent bei spontaner Entbindung).

Ein Kaiserschnitt beeinflusst jedoch nicht das Risiko für die Entstehung von Inselautoimmunität und die Bildung von Autoantikörpern. Diese sind gegen die Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse gerichtet und sind Vorboten der Manifestation des Diabetes. Allerdings beschleunigt die Geburt per Kaiserschnitt offenbar die Entstehung von Diabetes nach dem Auftreten erster Autoantikörper.
„Eine Erklärung für diese Ergebnisse ist die Tatsache, dass die Entbindung per Kaiserschnitt auf die Beschaffenheit der kindlichen Darmflora und damit auf das Immunsystem einwirkt“, erläutert Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Studienleiterin und Leiterin der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München.

Unter den Mikroorganismen, die den Darm besiedeln, lassen sich bei Kindern, die per Kaiserschnitt auf die Welt kamen, zum Beispiel weniger Bifidobakterien nachweisen. „Somit ähnelt die Darmflora dieser Kinder der gestörten Darmflora von Diabetikern“, so Ziegler weiter. Bei den Bifidobakterien handelt es sich um die wichtigste Gruppe der nützlichen Darmbakterien. Sie sind auch in der Vagina gesunder Frauen zu finden, so dass sie bei einer vaginalen Entbindung vom Säugling aufgenommen werden können. Diese Mikroorganismen erfüllen neben der Bekämpfung von Krankheitskeimen und Schadstoffen vielfältige Aufgaben für das Immunsystem: So versorgen sie unter anderem die Immunzellen im Darm mit wichtigen Informationen zur Bekämpfung von Erregern, bilden Vitamine wie das Vitamin K und fördern den Aufbau der Darmschleimhaut.

Als Folge-Studie zu BABYDIAB läuft derzeit die TEENDIAB-Studie: Sie erforscht bei Kindern mit familiärer Vorbelastung die Entstehung von Typ 1 Diabetes. Teilnehmen können Kinder im Alter von acht Jahren bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, deren Vater oder Mutter beziehungsweise ein Geschwisterkind an Typ 1 Diabetes erkrankt ist. Sie haben somit ein erhöhtes Risiko, später selbst diese Stoffwechselerkrankung zu entwickeln. Bei den Studienteilnehmern wird das individuelle Krankheitsrisiko für Typ 1 Diabetes ermittelt.

Quelle: Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München

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Neue Erkenntnisse zur Entstehung von Epilepsie

Sonntag, Februar 12th, 2012

Forscher identifizieren einen ursächlichen Defekt.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten erstmals entschlüsseln, welche speziellen Störungen der Nervenzellen an der Entstehung von fokalen, therapieresistenten Epilepsien beteiligt sind. Ursächlich ist unter anderem die Verminderung bestimmter zellulärer Transportproteine, welche die korrekte Signalverarbeitung zwischen den Nervenzellen verhindert. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of Physiology* veröffentlicht.

Epilepsie ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Betroffen ist etwa ein Prozent der Bevölkerung. Eine sogenannte Übererregbarkeit der Nervenzellen führt dazu, dass eine zunächst kleine Gruppe von ihnen viel zu oft zu große Impulse weitergeben. Dadurch können größere Nervenzellverbände gleichzeitig erregt werden und ein epileptischer Krampfanfall ist die Folge.

Privatdozent Dr. Rudolf Deisz vom Institut für Zell- und Neurobiologie am Campus Charité Mitte und sein Forschungsteam konnten erstmals einen der ursächlichen molekularen Mechanismen im menschlichen Gewebe aufklären. Sie zeigten, dass in der Ursprungszone des Anfalls die Funktion bestimmter zellulärer Ionentransporter beeinträchtigt ist. Die Konsequenz ist eine Fehlverteilung von Chloridionen an den Nervenzellen, wodurch die korrekte Signalweitergabe durch den hemmenden Überträgerstoff GABA im Zentralnervensystem gestört wird. Letztlich wird also durch die Fehlverteilung von Chloridionen eine gesteigerte Nervenzellaktivität ermöglicht, da der Chloridgradient über der Zellmembran entscheidend für die Effektivität der hemmenden GABA Wirkung ist.

Bisher wurde angenommen, dass ein Defekt der GABA-Rezeptoren selbst für die gestörte Hemmung verantwortlich ist. Mit der aktuellen Studie konnte das Forscherteam diese weit verbreitete Theorie zur Epilepsieentstehung widerlegen. Gleichzeitig liefern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Erklärung dafür, dass die meist verordneten Medikamente bei vielen Patientinnen und Patienten versagen.

„Unsere Ergebnisse zeigen nicht nur eine entscheidende, ursächliche Störung bei der Epilepsie“, erklärt Privatdozent Dr. Deisz. „Wir sind zuversichtlich, damit auch einen Ansatzpunkt zur Entwicklung wirksamerer Medikamente für die Behandlung der Epilepsie gefunden zu haben.“

Literatur: Rudolf A. Deisz, Thomas-N. Lehmann, Peter Horn, Christoph Dehnicke, Robert Nitsch: Components of neuronal chloride transport in rat and human neocortex. (2011) J Physiol 589.6 1317–1347.

Anmerkung: da aus naturheilkundlicher Sicht der Blasenmeridian an der Entstehung von Epilepsie maßgeblich beteiligt ist, siehe hierzu auch den Beitrag „Energiemeridiane und ihre emotionalen Beziehungen

Der Wirtschaftsraum Lateinamerika weiter auf Wachstumskurs

Donnerstag, Februar 9th, 2012

Der am 17. Januar 2012 veröffentlichte Bericht der Weltbank zu den globalen Wirtschaftsperspektiven geht davon aus, dass 2012 auch in Lateinamerika eine Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik erfolgen wird.

Nachdem sich Lateinamerika erstaunlich rasch von der weltweiten Finanzkrise 2008/2009 erholt hatte, setzte sich die positive wirtschaftliche Entwicklung auch 2011 fort. Negative Auswirkungen der Schuldenkrise in Europa sind in Lateinamerika bislang begrenzt geblieben. 2011 haben sich die Unterschiede in der wirtschaftlichen Dynamik innerhalb Lateinamerikas allerdings weiter verstärkt. Während vor allem in den Ländern Südamerikas die Wirtschaft boomte, waren in den meisten Ländern Zentralamerikas und der Karibik nur moderate Zuwächse ihrer gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung zu verzeichnen.

– Außenwirtschaftlich konnten Rohstoffe exportierende Länder von überdurchschnittlichen Exportzuwächsen profitieren; allerdings sind fast überall auch die Importaufwendungen erheblich gestiegen – mit der Folge sinkender Handelsbilanzüberschüsse.
– Nur noch wenige Volkswirtschaften der Region weisen in ihren Leistungsbilanzen Überschüsse auf. Jedoch können die meisten Länder die Passivsalden ihrer Leistungsbilanzen problemlos mit externen Kapitalzuflüssen finanzieren, wenn auch mit unterschiedlich hohen Risikozuschlägen.
– Für die kommenden Jahre werden die wirtschaftlichen Aussichten für Lateinamerika überwiegend positiv eingeschätzt. Um diese konjunkturell bedingte positive Entwicklung mittelfristig zu verstetigen, muss der erhebliche Produktivitätsrückstand der Region zu den Industrieländern und anderen Schwellenländern abgebaut werden.
– Bei anhaltend positiver wirtschaftlicher Entwicklung sollten die finanziellen Spielräume der öffentlichen Haushalte genutzt werden, um Infrastruktur und Bildungssysteme zu verbessern sowie die soziale Ungleichheit abzubauen.

Kostenloser Download unter: http://www.giga-hamburg.de/giga-focus/lateinamerika

Quelle: GIGA Focus Lateinamerika (1/2012); siehe hierzu auch das Uruguay-Portal

Antibiotikaresistente Bakterien im Stall – welches Risiko besteht für den Menschen?

Mittwoch, Februar 8th, 2012

Resistenzen sind in der Klinik und im Stall gleichermaßen zu bekämpfen.

Nicht nur in den Krankenhäusern, auch in Beständen von Nutztieren nehmen die Resistenzen von Bakterien gegen Antibiotika zu. Resistente Stämme sind dabei sowohl unter krankmachenden Keimen als auch unter nicht krankmachenden Bakterien, sogenannten Kommensalen, zu beobachten.

Diese Entwicklung überrascht nicht. Denn immer, wenn Antibiotika eingesetzt werden, entsteht ein Selektionsdruck, und Bakterienstämme, die Abwehrmechanismen gegen die eingesetzten Antibiotika entwickelt haben, können sich ausbreiten. Das ist in den Tierställen nicht anders als in den Kliniken.

Funde von resistenten Keimen sind keine neue Erkenntnis: Antibiotikaresistente Bakterien wurden sowohl in Nutztierbeständen (Geflügel, Schwein, Rind) als auch auf Lebensmittelproben (Schweinefleisch, Geflügelfleisch und Rohmilch) nachgewiesen. „Sowohl in der Klinik als auch in der Tierhaltung muss der Einsatz von Antibiotika auf das therapeutisch notwendige Maß beschränkt werden“, sagt der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Im Bereich der Nutztierbestände müssen wir durch die Aufzucht robuster Tiere und verbesserte Haltungsbedingungen, zu denen eine gute Impfprophylaxe, eine verbesserte Hygiene und gutes Stallmanagement gehören, dafür sorgen, dass die Tiere insgesamt gesünder sind und möglichst keine Antibiotikabehandlungen benötigen.“

Eine Untersuchung aus Nordrhein-Westfalen zeigt, dass ein genereller Zusammenhang zwischen Behandlungsintensität und Betriebsgröße nicht erkennbar ist.
Durch den Einsatz von Antibiotika entstehen nicht vorwiegend neue Antibiotikaresistenzen bei Bakterien. Vielmehr haben Bakterien, die meist zufällig durch Mutation resistent geworden sind, bei der Anwendung von Antibiotika einen Vorteil gegenüber nichtresistenten Stämmen und vermehren sich stärker als nichtresistente Keime.

Aus dem Resistenzmonitoring ist dem Bundesinstitut für Risikobewertung seit längerem bekannt, dass in den Nutztierbeständen und aus von  ihnen gewonnenen Lebensmitteln wie Fleisch Zoonoseerreger, zum Beispiel Salmonella und Campylobacter, nachgewiesen werden, die auch gegen moderne Antibiotika wie die Fluorchinolone oder Cephalosporine resistent sind. Diese Antibiotika sollten bei der Behandlung von Nutztieren zurückhaltend eingesetzt werden. Untersuchungen von Geflügel-, Schweine- und Rinderbeständen zeigen außerdem, dass in den letzten Jahren das Auftreten von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) und ESBL-tragenden Bakterien zunimmt.

Die bei Nutztieren nachgewiesenen MRSA machen jedoch nur einen sehr kleinen Anteil der Erkrankungen des Menschen aus. Betroffen davon sind überwiegend Personen, die beruflichen Kontakt zu Nutztieren haben. Bei den im Krankenhaus erworbenen Infektionen mit MRSA handelt es sich fast ausschließlich um Stämme, die nur beim Menschen vorkommen. In welchem Umfang die beim Menschen auftretenden Infektionen mit ESBL-bildenden Bakterien ihren Ursprung in der Tierproduktion haben, ist derzeit Gegenstand der Forschung. Bisher gibt es keine Belege für eine direkte Infektionskette. Aus molekularbiologischen Untersuchungen ist aber abzuleiten, dass ein Gesundheitsrisiko für den Menschen von ESBL-bildenden Bakterien aus der Tierhaltung ausgeht. Daher gilt es zu verhindern, dass die antibiotikaresistenten Keime aus dem Tierstall über Lebensmittel oder den Kontakt mit Tieren zum Problem für den Menschen werden.

Aus diesem Grund wurde in einer konzertierten Aktion des Bundesministeriums für Gesundheit, des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bereits 2008 die Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie (DART) initiiert. Ziel ist es, durch ein Bündel von Maßnahmen sowohl in der Humanmedizin als auch in den Nutztierbeständen die Resistenzen gegen Antibiotika einzudämmen. Dazu werden im human- wie im veterinärmedizinischen Bereich Daten zur Antibiotikaresistenzsituation und -entwicklung bei bakteriellen Krankheitserregern erhoben. Auf Basis dieser Erkenntnisse sollen Ärzte und Tierärzte im Falle einer notwendigen Behandlung von Mensch und Tier gezielt die richtigen Wirkstoffe so effizient wie möglich einsetzen.

Im Bereich der Nutztierhaltung und Lebensmittelgewinnung geht es vor allem darum, durch vorbeugende Maßnahmen die Gesundheit der Nutztiere zu erhalten oder zu stärken, so dass Infektionen der Nutztiere verhindert werden. Dazu gehören unter anderem die konsequente Bekämpfung von Zoonoseerregern in den Beständen, eine gute Hygiene im Stall, eine gute Betreuung der Tiere und gezielte Impfprogramme. Durch die verbesserte Tiergesundheit kann die Antibiotikagabe zur Behandlung von Erkrankungen minimiert werden. Zugleich soll eine bessere Erfassung der Anwendung von Antibiotika im Veterinärwesen die Kontrolle des Einsatzes vereinfachen.

Derzeit ist nach Auffassung des Bundesinstituts für Risikobewertung das Risiko für den Verbraucher gering, bei Beachtung der Regeln der Küchenhygiene über Lebensmittel eine Infektion mit antibiotikaresistenten Erregern zu erwerben, die nicht behandelt werden kann. Durch eine gemeinsame Anstrengung von Behörden, Tierärzten und Nutztierbetrieben soll diese noch günstige Situation unbedingt zumindest erhalten bleiben.

Quelle: BfR – Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

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Körperhologramme: Warum der Mittelfinger so eine lange Leitung hat

Mittwoch, Februar 8th, 2012

Jeder Körperteil besitzt im Gehirn einen eigenen Nervenzellbereich – wir haben also eine Karte unseres Körpers im Kopf. Die funktionelle Bedeutung dieser Karten ist aber weitgehend unklar. Welche Auswirkungen sie haben können, haben RUB-Neurowissenschaftler jetzt mit Reaktionszeitmessungen in Kombination mit Lernexperimenten und „computational modeling“ gezeigt. Sie konnten belegen, dass hemmende Einflüsse benachbarter „Fingernervenzellen“ die Reaktionszeit eines Fingers beeinflussen.

Finger am Rand – also Daumen und kleiner Finger – reagieren deswegen schneller als der Mittelfinger, der dem „Störfeuer“ von je zwei Nachbarn pro Seite ausgesetzt ist. Durch gezieltes Lernen lässt sich dieser Geschwindigkeitsnachteil ausgleichen. Die AG von PD Dr. Hubert Dinse (Neural Plasticity Lab am Institut für Neuroinformatik) berichtet in der aktuellen Ausgabe von PNAS.

Daumen und kleiner Finger sind die flottesten

Die Forscher stellten Versuchspersonen eine einfache Aufgabe, um die Entscheidungsgeschwindigkeit zu messen: Sie zeigten ihnen auf einem Monitor eine Grafik, die alle zehn Finger darstellte. Wurde einer der Finger markiert, sollte der Proband so schnell wie möglich mit ebendiesem Finger eine entsprechende Taste drücken. Daumen und kleiner Finger waren dabei am schnellsten. Der Mittelfinger bildete das Schlusslicht. „Man könnte jetzt vermuten, dass das anatomische Gründe hat oder von der Übung abhängt“, so Dr. Dinse, „aber das konnten wir mit weiteren Tests ausschließen. Im Prinzip kann jeder Finger gleich schnell reagieren. Erst bei der Auswahlaufgabe ist der Mittelfinger deutlich benachteiligt.“

Computersimulation bildet Gehirnkarten ab

Um ihre Beobachtung zu erklären, nutzten die Forscher Computersimulationen auf der Basis eines sog. mean field-Modells. Es ist speziell für die Modellierung großer Nervenzellnetzwerke im Gehirn geeignet. Für diese Simulationen wird jeder einzelne Finger durch eine Gruppe von Nervenzellen repräsentiert, die in Anlehnung an die tatsächlichen Verhältnisse im somatosensorischen Cortex des Gehirns in Form einer topographischen Karte der Finger angeordnet sind. „Benachbarte Finger liegen auch im Gehirn und somit auch in der Simulation benachbart“, erläutert Dr. Dinse. Die Kommunikation der Nervenzellen untereinander ist dabei so organisiert, dass die Nervenzellen durch wechselseitige Erregung und Hemmung interagieren.

Hemmende Einflüsse von beiden Seiten verlangsamen den Mittelfinger

Die Computersimulationen zeigten, dass die längere Reaktionszeit des Mittelfingers in einer Mehrfachwahlaufgabe eine Folge der Tatsache ist, dass der Mittelfinger in der Reichweite der Hemmung von jeweils zwei benachbarten Fingern liegt. Daumen und kleiner Finger dagegen erhalten hemmenden Einfluss vergleichbarer Stärke von nur jeweils einem Nachbarfinger. „Mit anderen Worten: Die hohe Hemmung, die die Nervenzellen der Mittelfinger erhalten, sorgt dafür, dass es länger dauert, bis Erregung aufgebaut ist – sie reagieren dadurch langsamer“, verdeutlicht Dr. Dinse.

Gezielte Reduzierung der Inhibition durch Lernen

Aus den Ergebnissen der Computersimulation lässt sich folgern, dass eine schwächere Hemmung durch die Nachbarfinger die Reaktionszeit des Mittelfingers verkürzen müsste. Dazu wäre eine sog. plastische Veränderung des Gehirns notwendig – Spezialgebiet des Neural Plasticity Lab, das sich seit Jahren mit der Entwicklung von Lernprotokollen beschäftigt, welche solche Veränderungen auslösen. Ein solches Protokoll ist die wiederholte Stimulation bestimmter Nervenzellgruppen, die das Labor schon in vielen Experimenten eingesetzt hat. „Wenn man zum Beispiel einen Finger elektrisch oder per Vibration über zwei bis drei Stunden stimuliert, dann verändert sich seine Repräsentation im Gehirn“, erklärt Dr. Dinse. Die Folge sind eine Verbesserung des Tastsinns und eine messbare Verminderung der hemmenden Prozesse in diesem Gehirnbereich. Daraus resultiert auch die Vergrößerung der Repräsentation des stimulierten Fingers.

Zweites Experiment bestätigt die Vorhersage

Die Bochumer Forscher führten nun ein zweites Experiment durch, in dem der rechte Mittelfinger einer solchen Stimulation unterzogen wurde. Das Ergebnis war eine deutliche Verkürzung der Reaktionszeit dieses Fingers in der Auswahlaufgabe. „Dieser Befund bestätigt unsere Vorhersage“, fasst Dr. Dinse zusammen. Die Bochumer Arbeiten stellen somit erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen den sog. lateralen Inhibitionsprozessen und Entscheidungsprozessen her. Sie zeigen, dass Lernprozesse, die kortikale Karten verändern, weitreichende Auswirkungen nicht nur für einfache Unterscheidungsaufgaben, sondern für Entscheidungsprozesse haben können, die bisher sog. „höheren“ kortikalen Arealen zugeschrieben wurden.

Quelle: Ruhr-Universität Bochum; siehe hierzu auch das Buch “Gedanken altern nicht”, 3. erw. Auflage 2010, ISBN: 978-3-8334-5446-2