Archive for April, 2012

Medizingeographie: IfL-Karte zeigt Borreliose-Risiko im deutschlandweiten Vergleich

Montag, April 30th, 2012

Leipzig/Bonn. – In Deutschland erkranken in jedem Jahr etwa 100.000 Menschen an der durch Zeckenstiche übertragenen Lyme-Borreliose. Am größten ist das Infektionsrisiko in Brandenburg, Sachsen und Bayern. In den Ballungsräumen an Rhein und Ruhr tritt die Krankheit deutlich seltener auf. Das zeigt eine jetzt vom Leibniz-Institut für Länderkunde veröffentlichte Karte auf der Grundlage von Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Die Lyme-Borreliose, benannt nach einem Ort im US-Bundesstaat Connecticut, kann zu chronischen Entzündungen des Nervensystems, des Herzmuskels und der Gelenke führen. Die Krankheit verläuft nur sehr selten tödlich, verursacht aber hohe Kosten für das Gesundheitssystem. Allein im dritten Jahresquartal der Jahre 2007 bis 2009 wurden im Schnitt gut 300.000 Behandlungsfälle abgerechnet. Die Zahl der jährlichen kassenärztlichen Abrechnungsfälle in Deutschland liegt inzwischen bei einer Million. Das ergaben aktuelle Auswertungen des Umweltmediziners und Geographen Prof. Dr. Thomas Kistemann vom Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn. Die Ergebnisse seiner Studie sind jetzt auf Nationalatlas aktuell nachzulesen. Die vom Leibniz-Institut für Länderkunde erstellte Karte verdeutlicht die regional unterschiedliche Verbreitung der Erkrankung in Deutschland.

Danach nimmt ihre Häufigkeit von Norden nach Süden zu, gleichzeitig zeichnet sich ein deutliches Ost-West-Gefälle ab. Die höchsten Behandlungsraten finden sich in Brandenburg, Sachsen und Bayern entlang der Grenzen zu Polen und Tschechien. Hier weist die Statistik teilweise über tausend abgerechnete Behandlungen je 100.000 Einwohner im dritten Jahresquartal aus. Wesentlich niedriger ist die Zahl der Erkrankungen dagegen in den Großstädten: Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Borellien, einem spiralförmigen Bakterium, ist hier etwa um den Faktor zehn geringer. Der Grund: Zecken halten sich bevorzugt im Übergangsbereich zwischen Wald und Wiese auf, einem Lebensraum, der sich in den letzten Jahrzehnten durch die fortschreitende Zersiedelung der Landschaft, aber auch durch Brachen und Sturmschäden deutlich ausgeweitet hat.

Kistemann rechnet wie die meisten Experten mit einer Zunahme der Infektionen mit Lyme-Borreliose und steigenden Kosten für das Gesundheitssystem in den nächsten zehn Jahren. Klimaveränderungen gelten als eine der Ursachen für die Ausbreitung der Krankheit. So begünstigen beispielsweise milde Winter die Dichte und Aktivität der Zeckenpopulation.

Der vollständige Artikel ist auf Nationalatlas aktuell abrufbar. In der Online-Zeitschrift veröffentlicht das Leibniz-Institut für Länderkunde regelmäßig Kartenbeiträge zu Ereignissen aus Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Politik und Umwelt. Alle Karten, Diagramme und Fotos sind dort online verfügbar und stehen zusätzlich als PDF-Dokumente zum Download bereit. Auf Wunsch können die Materialien in Druckqualität zur Verfügung gestellt werden. Die PDF-Datei für den Beitrag findet sich >> hier.

Quelle: Leibniz-Institut für Länderkunde

Anmerkung: siehe hierzu auch den Beitrag „Die ganzheitlich-energetische Therapie der chronischen Borreliose beim Pferd

Wie sich die Lebenszufriedenheit im Alter steigern lässt

Freitag, April 20th, 2012

Spätestens wenn das Berufsleben hinter einem liegt, bleibt Zeit, das Alter zu genießen. Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben nun in einer Studie herausgefunden, welche Faktoren die emotionale Gesundheit im Alter beeinflussen und möglicherweise vor Altersdepressionen schützen können. Die Ergebnisse erscheinen am 19. April 2012 in der renommierten Fachzeitschrift „Science“ [VOL.] und in „Science express“.

Ein gelassener Umgang mit Chancen, die man im Laufe seines Lebens verpasst hat, spielt eine entscheidende Rolle für die Lebenszufriedenheit im Alter. Bislang war ungeklärt, ob es eine neurobiologische Grundlage dafür gibt, warum manche Menschen gelassen reagieren und somit zufriedener altern als andere. Eine Forschergruppe um Dr. Stefanie Brassen vom Institut für Systemische Neurowissenschaften am UKE ist dieser Frage jetzt in einer aktuellen Studie nachgegangen. In der Untersuchung spielten emotional gesunde junge und ältere Probanden sowie Patienten mit Altersdepression mehrere Durchgänge eines Glücksspiels. Bei diesem erhöht sich mit zunehmenden Risikoverhalten zwar der Gewinn, jedoch auch die Wahrscheinlichkeit des Verlierens. Mithilfe funktioneller Kernspintomographie konnten sie Aktivitätsveränderungen im Gehirn der Probanden während des Spiels messen.

Der Umgang mit verpassten Chancen als Schlüssel für gesundes Altern Entscheidend war, dass den Probanden nach einem Gewinndurchgang auch mitgeteilt wurde, wie viel mehr sie hätten gewinnen können, wenn sie in diesem Durchgang mehr riskiert hätten. Eine derartige experimentelle Manipulation löst bei jungen Probanden im Normalfall das Gefühl des Bedauerns und Ärgerns aus. Tatsächlich reagierten junge Probanden – aber auch ältere depressive Patienten – auf die verpasste Chance mit erhöhtem Risikoverhalten im nächsten Durchgang. Entsprechend war auf den Bildern des Kernspintomographen zu sehen, dass das neuronale Belohnungssystem (ventrales Striatum) so wenig aktiv war, als wenn sie verloren hätten. Gesunde ältere Menschen reagierten dagegen auf Gewinndurchgänge immer mit einem Signalanstieg, unabhängig davon, ob sie noch viel mehr hätten gewinnen können oder nicht. Nur ein wirklicher Verlust führte zu einem Signalabfall.

Bereits in einer früheren Studie konnten die UKE-Forscher zeigen, dass das Frontalhirn wahrscheinlich reguliert, ob sich Menschen eher auf die positiven Aspekte des Alterns fokussieren. Das gleiche frontale Areal, der sogenannte rostrale Teil des anterioren Cingulums, war auch in der aktuellen Studie bei gesunden Älteren immer dann aktiv, wenn sie mit einer verpassten Chance konfrontiert waren. In einer unabhängigen Studie konnten die Befunde bei älteren Menschen bestätigt und mit Daten zur autonomen Reaktion gestützt werden.

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, sich an die veränderten Lebensumstände im Alter anzupassen, um emotionale Gesundheit zu erhalten und möglichen Altersdepressionen vorzubeugen. Zukünftige Studien müssen nun prüfen, wie eine solche Adaptation beispielsweise durch den Einsatz verhaltenstherapeutischer Maßnahmen frühzeitig gefördert werden kann.

Die Studie wurde im Rahmen eines von Dr. Brassen geleiteten Projektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) (Kennziffer BR 2877/2-1) durchgeführt. Professor Büchel wurde unterstützt vom Bernstein Fokus „Neuronale Grundlagen des Lernens“ (www.nncn.de). Das Institut für Systemische Neurowissenschaften, das Prof. Dr. Christian Büchel leitet, ist Teil des Zentrums für experimentelle Medizin und erforscht die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden in Kooperation mit klinischen Partnern zur Diagnose, Prognose und Therapie von neuropsychiatrischen Krankheiten angewandt.

Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

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UDE-Forscher finden neue Erbgut-Varianten für Fettleibigkeit

Mittwoch, April 18th, 2012

Dicksein hat viele Ursachen: etwa zu viel oder falsches Essen und wenig Bewegung. Tatsächlich liegt es aber auch in der Familie. Ob jemand übergewichtig wird, bestimmen zu mehr als 50 Prozent die Erbanlagen. Knapp drei Dutzend Gene, die das Körpergewicht regulieren, sind schon bekannt. Ein Forscherteam der Universität Duisburg-Essen (UDE) hat nun gemeinsam mit Kollegen aus aller Welt zwei neue Erbanlagen entdeckt. Die Ergebnisse sind Teil einer großen internationalen Studie.

Die Wissenschaftler haben zunächst die frühe Adipositas untersucht. Dabei flossen genetische Daten von 5.530 adipösen Kindern und Jugendlichen und von 8.318 normalgewichtigen Kontrollen aus 14 nationalen Studien ein, inklusive der aus Essen. „Später stellt sich heraus, dass die entdeckten Erbanlagen auch bei Erwachsenen dazu führen, dass sie zu viele Kilos auf die Waage bringen“, erklärt Privatdozentin Dr. Anke Hinney. Die Molekulargenetikerin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters ist mit Klinikdirektor Prof. Dr. Johannes Hebebrand und Dr. André Scherag vom Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie den gewichtigen Erbanlagen auf der Spur. Die neuen Varianten tragen sperrige Namen: Die erste, rs9568856, liegt in der Nähe des Gens OLFM4, Nummer zwei, rs9299, nahe des Gens HOXB5.

Dass es sie gibt, hat nicht nur Nachteile. Die Natur war schlau, stellt Hinney klar: „Die gefundenen Erbgutvarianten sind in schlechten Zeiten ein deutlicher Überlebensvorteil, da die wenigen verfügbaren Kalorien gut verwerten werden können.“ Von den Lebensumständen hängt so einiges ab. „Man legt erst stark an Gewicht zu, wenn weitere Genvarianten im Spiel sind und wenn äußere Faktoren hinzukommen, etwa hochkalorische Ernährung und mangelnde Bewegung“, sagt Dr. André Scherag.
Was haben nun adipöse Menschen davon, dass immer mehr Genvarianten entdeckt werden? „An die Entschlüsselung der biologischen Mechanismen knüpfen wir die Hoffnung, Therapien für Menschen mit Übergewicht verbessern zu können“, sagt Professor Hebebrand. Er koordiniert auch das Adipositas-Netz, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Es ist in der Forschung aber wie beim Abnehmen: Es geht in kleinen Schritten vorwärts.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Genetics veröffentlicht: the Early Growth Genetics (EGG) Consortium et al., A genome-wide association meta-analysis identifies new childhood obesity loci. Nat Genet. 2012 Apr 8.

Quelle: Universität Duisburg-Essen

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Social Media: Ein Tweet bringt 0,001 Dollar

Freitag, April 13th, 2012

Experten zweifeln Sinn einfacher Quantifizierungen an.

New York (pte019) – Das US-Unternehmen Backupify https://www.backupify.com hat Berechnungen zum finanziellen Wert von Usern und nutzergenerierten Inhalten in sozialen Medien angestellt (siehe: http://bit.ly/HNgeTt). Dabei wurde der geschätzte Wert eines sozialen Netzwerks durch die Zahl der User geteilt oder der Jahresumsatz durch die Zahl der Nutzergenerierten Einträge dividiert. Experten sehen solche Milchmädchenrechnungen eher skeptisch.

„Das ist bloß eine Spielerei und oft sogar ziemlicher Schwachsinn. Es handelt sich um den krampfhaften Versuch einer Quantifizierung. Messmethoden für den Nutzen sozialer Medien werden 2012 stärker in den Vordergrund treten, allerdings benötigen ernsthafte Versuche komplexere Ansätze. Auch qualitative Faktoren müssen berücksichtigt werden“, sagt Ed Wohlfahrt von edRelations http://edrelations.com gegenüber pressetext. Eine Berechnung des Wertes eines Users wird laut dem Experten eher für Unternehmen möglich sein, die dem finanziellen Aufwand für eine Kampagne die Nutzerinteraktion gegenüberstellen.

Facebook hat wertvollste Nutzer

Laut Backupify hat Facebook die wertvollsten Nutzer. Bei einem geschätzten Unternehmenswert von 100 Mrd. Dollar und rund 850 Mio. Nutzern ist jeder User stolze 118,34 Dollar wert. LinkedIn folgt mit 104,46 Dollar pro Mitglied auf Platz zwei. Dahinter reihen sich Dropbox mit 80 Dollar und Twitter mit 71,43 Dollar pro User ein. An letzter Stelle folgt Path mit einem Nutzerwert von lediglich 12,5 Dollar. Diese Rechnungen basieren jedoch allesamt auf Annahmen. Der Unternehmenswert ändert sich entweder ständig oder ist überhaupt nur eine Schätzung und die Userzahlen sind auch keine belastbaren Größen.

Falsche Accounts, Doppelidentitäten, automatisierte Profile und Agentur-Betrügereien lassen die Nutzergemeinde größer erscheinen, als sie tatsächlich ist. „Die einfache Beantwortung komplexer Fragestellungen macht den Reiz solcher Erhebungen aus. Wieviel ein User wirklich wert ist, ist so leicht nicht zu erheben“, so Wohlfahrt. Auch die Einschätzung des finanziellen Werts von Userbeiträgen, die Backupify vorgenommen hat, ist wenig belastbar. Das Teilen der Jahresumsätze der Unternehmen durch die jeweilige Anzahl nutzergenerierter Beiträge führt dank der vielen Inhalte zu sehr geringen Werten.

Billige Tweets

Die wertlosesten Userbeiträge sind bei Twitter zu finden. Ein Tweet ist laut der Berechnung 0,001 Dollar Wert. Ein Posting bei Facebook immerhin 0,024 Dollar. Ein Foursquare Check-in könnte 0,4 Dollar bringen. Am Wertvollsten ist eine Rezension bei Yelp, die mit 9,13 Dollar beziffert wird. Um zehn Dollar zu verdienen, müsste ein Twitter-User theoretisch 8.896 Tweets verfassen. Ernüchternd fällt vor allem für die kleineren Netzwerke eine Aufstellung aus, die zeigen soll, wie viele User ein bestimmtes Netzwerk bräuchte, um eine Bewertung von zehn Mrd. Dollar zu rechtfertigen. Foursqare müsste etwa 20 Mal so viele Nutzer haben.

„Etwas Positives haben solche Zahlenspielereien doch. Sie geben einen Anstoß, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Die Messmethoden für Erfolg in sozialen Netzwerken brauchen verschiedene Anstöße, es wird sich weiter viel bewegen. PR-Fachleute können sich auch bis heute nicht auf eindeutige Messgrößen für Erfolg festlegen. Das bloße Anhäufen von Fans kann jedenfalls nicht die Lösung sein“, erklärt Wohlfahrt.

Quelle: pressetext.com

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Soja lindert Hitzewallungen in Wechseljahren

Freitag, April 6th, 2012

Pflanzenstoff reduziert Beschwerden um ein Viertel.

Newark (pte003) – Frauen, die rund um die Wechseljahre zweimal pro Tag Soja essen, können damit die Häufigkeit und das Ausmaß der Hitzewallungen lindern. Zumindest um ein Viertel geht das typische Menopause-Symptom auf diese Weise zurück, berichten Forscher der University of Delaware http://www.udel.eduin der Fachzeitschrift „Menopause“.

Die Forscher um Melissa Melby werteten 19 Studien bei insgesamt 1.200 Frauen aus, die bisher zur Auswirkung von Soja auf die Wechseljahre durchgeführt wurden. „Kombiniert man alle bisherigen Untersuchungen, zeigt sich ein positiver Effekt“, so das Resümee der Studienleiterin.

Pflanzenstoff ahmt Östrogen nach

Besonders Augenmerk wurde auf die im Soja enthaltenen Pflanzenstoffe Isoflavone gelegt, der eine milde, Östrogen-ähnliche Wirkung entfaltet. In jedem Gramm Sojaprotein von Sojabohnen sowie auch vieler Sojaprodukte sind 3,5 Milligramm dieser Stoffe enthalten. Daneben sind auch Ergänzungsmittel speziell mit dieser Substanz erhältlich.

Frauen, die sechs Wochen oder länger 54 Milligramm davon pro Tag zu sich nahmen, zeigten um 20 Prozent weniger Hitzewallungen und einen Rückgang des Schweregrades um 26 Prozent, so das Ergebnis. Da dies stets im Vergleich zu einem Placebo-Präparat gemessen wurde, dürfte der endgültige Effekt noch darüber liegen.

Geheimnis der Japanerinnen

Bei längerfristigem Verzehr entfalteten die Soja-Isoflavone in den Studien noch eine deutlich stärkere Wirkung. Aufmerksam wurde die Forschung, da Japanerinnen im Wechselalter kaum Hitzewallungen entwickeln: Sojaprodukte begleiten im ostasiatischen Inselstaat schon im Mutterleib und über die gesamte Lebensspanne den Alltag.

„Wenn man mit 50 Jahren nie Soja gegessen hat, ist es noch nicht zu spät. Zwar steigt die Wirkung der Isoflavone mit der Dauer ihrer Einnahme, doch helfen sie auch bei spätem Beginn“, so die Forscher.

Quelle: pressetext.com

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Reizdarm oft Folge von Kindheitstrauma

Montag, April 2nd, 2012

Verdauung hochempfindlich auf psychische Belastungen.

Los Angeles/Wien (pte001) – Das häufig verbreitete Reizdarm-Syndrom tritt oft bei Menschen auf, die in der Kindheit Traumatisches erfahren haben – etwa körperlichen, sexuellen oder emotionalen Missbrauch. Das berichten Forscher der University of California http://ucla.eduin der Zeitschrift „Clinical Gastroenterology and Hepatology“. Sie befragten 300 erwachsene Reizdarm-Patienten nach psychologischen, gastrointestinalen und somatischen Symptomen. „Psychische Verletzungen, schlimme Erlebnisse wie auch fehlende Harmonie mit Eltern oder Erziehern erhöhen die Verletzlichkeit für funktionelle Darmstörungen“, sagt Studienautor Lin Chang.

Körper spürt Vernachlässigung

Zwischen zehn und 20 Prozent in westlichen Ländern leiden unter dem Reizdarm-Syndrom, das sich durch Blähungen, Völlegefühl und Übelkeit über Durchfälle und Verstopfung bis hin zu krampfartige Bauchschmerzen äußern kann. Das Leiden ist zwar nicht lebensbedrohlich, beeinträchtigt aber die Lebensqualität. Die Diagnose können Betroffene dank der sogenannten „Rom-III-Kriterien“ relativ unkompliziert selbst vornehmen, wobei die Wiederkehr, Länge und Frequenz der Bauchschmerzen und auch die Besserung der Symptome nach Stuhlgang oder Änderungen der Stuhlfrequenz oder -form eine Rolle spielen.

Während man bisher schon wusste, dass sexueller Missbrauch und Reizdarm oft zusammenhängen, weiteten die US-Forscher dies nun auf andere Traumen aus. Die beforschten Patienten berichteten viel öfter als die Kontrollgruppe von allgemeinem Trauma, körperlicher Bestrafung oder Vernachlässigung, zudem waren Ereignisse wie das Mitansehen von Gewalt oder geistige Krankheiten in der Familie häufiger. Gleiches galt auch für den bereits früher beforschten sexuellen Missbrauch. Am stärksten war der Zusammenhang allerdings beim emotionalen Missbrauch, zudem waren Frauen eher betroffen als Männer.

Löchriger Reizfilter

„Genau wie Migräne, Rücken- oder Blasenschmerz ist Reizdarm ein Ausdruck des Körpers, dass etwas nicht stimmt, wobei auch die Genetik mitspielen kann“, erklärt Harald Vogelsang von der Spezialambulanz für Gastroenterologie und Hepatologie am AKH Wien http://akhwien.at gegenüber pressetext. Nervenzellen im Darm und Gehirn sind eng miteinander verbunden. Üblicherweise wird die Reizweiterleitung gefiltert, damit man nicht jede Blähung spürt. „Stress oder schlimme Erlebnisse können beitragen, dass der Filter zu viele Löcher bekommt, was häufige Bauchschmerzen zur Folge hat“, so der Experte.

Die US-Studienautoren raten Ärzten, frühe Ereignisse und psychologische Symptome bei betroffenen Patienten gezielt anzusprechen, um so eher eine Symptomreduktion zu erreichen und das gesamte Wohlbefinden zu bessern. In der Praxis ist das schwer, stellt Vogelsang fest. „Ärzte sind geschult, auf gefährliche Symptome zu achten und funktionelle Probleme wie etwa Reizdarm zu übersehen oder wegzureden. Die Patienten wenden sich verängstigt ab und wechseln den Arzt. Die einzige Lösung wäre, dass sich jemand eine halbe Stunde Zeit zum Erklären nimmt, was angesichts der Ordinationsrealität jedoch unmöglich scheint.“

Entspannen wirkt Wunder

Behandeln Ärzte Reizdarm, so verschreiben sie meist zunächst Durchfallmittel oder stopfende Medikamente und empfehlen ballaststoffreiche Kost. Um psychische Grundprobleme zu behandeln, eignen sich laut Vogelsang Entspannungsmethoden wie etwa Hypnose gut. In schweren Fällen oder bei Therapieresistenz sind Psychotherapie oder Antidepressiva nötig.

Abstract unter http://www.cghjournal.org/article/S1542-3565%2811%2901333-4/abstract; Quelle: pressetext.com

Anmerkung: siehe hierzu die “Liminale Frequenztherapie (LFT) nach Dr.Dr. Peter Schneider