Archive for Januar, 2016

Das Anthropozän: unbequeme Fakten für ein menschengesteuertes Erdsystem – Studie in „Science“

Freitag, Januar 8th, 2016

Die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf der Erde markieren nach Auffassung einer internationalen Gruppe von Geowissenschaftlern und Vertretern anderer Disziplinen eine neue geologische Epoche: das Anthropozän. Die Forscher, darunter Prof. Dr. Reinhold Leinfelder von der Freien Universität Berlin, stufen als Beginn dieser Epoche die Mitte des 20. Jahrhunderts ein. Das Anthropozän sei charakterisiert durch die Verbreitung von Materialien wie elementarem Aluminium, Beton, Plastik, Flugasche und dem sogenannten Fallout von Kernwaffentests über den gesamten Planeten.

Dies werde begleitet von erhöhten Treibhausgas-Emissionen und in der Erdgeschichte beispiellosen transglobalen Arteninvasionen. Die Studie wurde im renommierten Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht.

In der Arbeit zeigen 24 Mitglieder der internationalen Anthropozän-Arbeitsgruppe, dass die Menschen das Erdsystem in einem dermaßen starken Ausmaß verändert haben, dass inzwischen eine Reihe von Signalen in Sedimenten und Eis zu beobachten sind. Diese Signale seien hinreichend unterschiedlich zur deutlich stabileren Holozän-Epoche der letzten 11.700 Jahre, welche die Entwicklung der menschlichen Zivilisation überhaupt erst erlaubte, um die Etablierung einer Anthropozän-Epoche in der erdgeschichtlichen Zeitskala zu rechtfertigen, heißt es in der Studie. Im Jahr 2016 wird die Anthropozän-Arbeitsgruppe weitere Erkenntnisse über das Anthropozän zusammentragen, die Empfehlungen darüber unterstützen sollen, ob diese neue Zeiteinheit formalisiert werden sollte, und – falls ja – wie sie auch formal definiert und charakterisiert werden könnte.

Hauptautor der Studie ist Colin Waters (Sekretär der Arbeitsgruppe, British Geological Survey). An der Studie beteiligt sind Jan Zalasiewicz (Leiter der Arbeitsgruppe, Leicester University) sowie eine Vielzahl weiterer Autoren, darunter Prof. Dr. Reinhold Leinfelder. Leinfelder ist Leiter der Arbeitsgruppe Geobiologie und Anthropozänforschung am Institut für Geologische Wissenschaften der Freien Universität. Ferner steht er dem Forschungsprojekt „Die Anthropozän-Küche“ am Exzellenzcluster Bild-Wissen-Gestaltung der Berliner Universitäten vor und ist Gründungsdirektor des im Bau befindlichen Berliner Hauses der Zukunft.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen, ob menschliche Aktivitäten die Erde in eine neue geologische Epoche – das Anthropozän – getrieben haben. Ihre Forschungsfragen lauten: In welchem Umfang werden menschliche Aktivitäten als messbare Signale in geologischen Schichten aufgezeichnet, und wie deutlich unterscheidet sich das Anthropozän weltweit von der deutlich stabileren Holozän-Epoche der letzten 11.700 Jahre, welche die Entwicklung der menschlichen Zivilisation überhaupt erst erlaubte.

Das Holozän war eine Zeit, während der sich menschliche Gesellschaften durch die schrittweise Domestizierung von Landschaften zur Nahrungsmittelproduktion, durch den Bau von Städten und durch die Entwicklung von Fertigkeiten zur Gewinnung von Wasser-, Mineral- und Energieressourcen des Planeten weiterentwickelten. Die von den Forschern nun vorgeschlagene Anthropozän-Epoche ist dahingegen als eine Zeit besonders rascher Umweltveränderungen charakterisiert; diese seien verursacht insbesondere durch den extrem raschen Anstieg der menschlichen Bevölkerung und den stark erhöhten Ressourcenverbrauch während der „Großen Beschleunigung“ von Mitte des 20. Jahrhunderts an.

Hauptautor Colin Waters vom Britischen Geologischen Dienst sagte: „Menschen beeinflussen die Umwelt schon lange, aber erst seit Kurzem gibt es diese schnelle, globale Verbreitung von neuen Materialien, darunter Aluminium, Beton und Kunststoffe, welche ihre Spuren in Sedimenten hinterlassen. Die Nutzung fossiler Brennstoffe hat Flugascheteilchen weltweit verbreitet, was mit der zeitlichen Verteilung des Maximums der durch atmosphärische Atomwaffentests erzeugten Radionuklide zusammenfällt.“ All dies zeige, dass das Anthropozän-Konzept auf realen Fakten basiert, unterstrich Jan Zalasiewicz von der University of Leicester, Ko-Autor und Vorsitzender der Arbeitsgruppe.

Reinhold Leinfelder, ebenfalls Ko-Autor betonte: „Wir produzieren jährlich fast so viel Plastik, wie es der Biomasse aller auf der Erde lebenden Menschen entspricht. Plastik findet sich bereits in allen Ablagerungsräumen der Erde, vom Gebirgstümpel bis zur Tiefsee und wird so als Technofossil zu einem der wichtigsten Leitfossilen des Anthropozäns werden.“ Neben rein vom Menschen geschaffenen, anthropogenen Sedimentschichten – also etwa Ablagerungen in Stauseen, Müll-Deponien oder Schuttbergen wie dem Berliner Teufelsberg – sei die Signatur des Menschen damit in allen Sedimentschichten nachweisbar, führte Reinhold Leinfelder aus. Deshalb sei eine formale Etablierung des Anthropozäns als Zeiteinhalt der Erdgeschichte geradezu erforderlich. „Das Anthropozän wäre also eine neue geologische Epoche, die als Konsequenz aller Aktivitäten einer technologisierten menschlichen Gesellschaft zu sehen ist und damit in ihrer Bedeutung weit über das Fach Geologie hinausgeht“, konstatierte der Geowissenschaftler Leinfelder

Studie:  Colin Waters et al. (2016) The Anthropocene is functionally and stratigraphically distinct from the Holocene. Science.

Quelle: Freie Universität Berlin

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Verkehrsregeln für Pferd und Reiter

Mittwoch, Januar 6th, 2016

Hoch zu Ross im Straßenverkehr.

(aid) – Sind Ross und Reiter im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs, müssen sie selbstverständlich die geltenden Verkehrsregeln beachten. Grundlage ist Paragraph 28, Absatz 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO), nach der Reiter oder auch Pferde führende Personen allen übrigen Verkehrsteilnehmer gleich zu setzen sind. Denn einen Führerschein für Reiter gibt es nicht. Deshalb sieht das Gesetz vor, dass Pferde nur von geeigneten Personen im öffentlichen Verkehr geritten oder begleitet werden dürfen. Diese müssen über reiterliche Kenntnisse bzw. körperliche Fähigkeiten zum Führen der Vierbeiner verfügen.

Auf der Fahrbahn haben sich Ross und Reiter auf der äußersten rechten Seite zu bewegen. Ist neben der rechten Begrenzungslinie noch ausreichend Platz vorhanden, so sollte dieser Bereich genutzt werden. Die Inanspruchnahme von Fuß- und Radwegen ist Reitern und Pferden jedoch nicht gestattet. Das Abbiegen muss rechtzeitig angezeigt werden, zum Beispiel durch Handzeichen.

Das Reiten in der Gruppe unterliegt besonderen Regeln: Sind mehrere Reiter unterwegs, gelten sie als geschlossener Verband – und damit als ein Verkehrsteilnehmer. Maximal 12 Teilnehmer bilden einen Verband, der jedoch eine Gesamtlänge von 25 Metern nicht überschreiten sollte. Nur in einer solchen Abteilung dürfen die Reiter zu zweit nebeneinander reiten.

Beim Reiten oder Führen in der Dämmerung und in der Dunkelheit ist für Mensch und Tier eine ausreichende Beleuchtung vorgeschrieben (§ 17 Abs. 1 StVO). Für den Einzelreiter gilt mindestens eine weiße, nicht blendende und nach vorne sowie nach hinten gerichtete Lichtquelle gesetzlich als ausreichend. Auch sogenannte Stiefellampen oder Steigbügelleuchten sind zulässig. Ideal ist eine beidseitige Beleuchtung. Sind mehrere Reiter in einer Gruppe unterwegs, muss zusätzlich ein rotes Licht am Ende des Verbandes mitgeführt werden. Allerdings ist die Silhouette eines Pferdes bzw. eines Reiter-Pferd-Paares in dieser gesetzlichen Minimalausstattung für den nahenden und im Verhältnis zum Reiter deutlich tiefer sitzenden Autofahrer häufig nur schwer – und oft nicht rechtzeitig – zu erkennen.

Das wird besonders nachvollziehbar, wenn ein Richtungswechsel erforderlich wird. Denn für das Queren einer Fahrbahn ist diese Ausstattung im Grunde nicht ausreichend. Nicht zwingend vorgeschrieben, aber durchaus empfehlenswert sind deshalb spezielle Reflektoren für das Pferd, wie beispielsweise. fluorisierende Gamaschen oder Leucht-Decken und reflektierende Kleidung, Leuchtwesten sowie Kopflampen für den Reiter. Vor allem im Bereich des Schweifs, der Seiten und des Brustbereichs sollte das Pferd zusätzlich großzügig mit speziellen Reflektoren ausgestattet werden. Blinkende Lichter oder Katzenaugen tragen ebenfalls zur Sichtbarkeit und damit zum Schutz bei.

Letztendlich steht aber vor allem der Pferdebesitzer in der Pflicht, die Verkehrssicherheit seines Vierbeiners schon frühzeitig zu trainieren. Denn auch wenn Pferde in der Dämmerung deutlich besser sehen als der Mensch, so können sie sich doch schnell vor heranrasenden Autolichtern erschrecken.

Quelle: Anke Klabunde, http://www.aid.de/

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