Gehirn limitiert Datenboom im Internet

Grenzen der Verarbeitung zwingen zum Vergessen und Vereinfachen.

Frankfurt (pte022) – Nicht die Speicherkosten, sondern das Gehirn ist die Bremse für den globalen Datenboom im Internet. Das zeigen Forscher der Uni Frankfurt http://www.uni-frankfurt.de im „European Physical Journal“. „Die gesamte Menge an öffentlich verfügbaren Informationen kann nicht schneller wachsen als unsere Fähigkeit, sie zu verarbeiten oder mit ihr umzugehen“, erklärt Studienautor Claudius Gros im pressetext-Interview.

Speicherkosten irrelevant

Die Forscher analysierten 600 Mio. vom Menschen produzierte, über die Suchmaschine Findfiles http://findfiles.net auffindbare Onlinedaten, untersuchten deren Speichergröße und prüften die Gesetzmäßigkeiten. „Man würde erwarten, das die Zunahme der Daten mit den Kosten des Speicherplatzes abfallen, was jedoch nicht der Fall ist. Eine deutlich wichtigere Rolle dürfte die beschränkte Fähigkeit des Gehirns sein, Informationen wahrzunehmen und zu verarbeiten“, so der Physiker.

Hohe Auflösung irritiert

Um das Gehirn als limitierenden Faktor zu verstehen, hilft ein Blick auf seine Arbeitsweise. Unser Denkorgan kann nur einen kleinen Teil der unzähligen Sinneseindrücke und Daten abspeichern, mit denen es täglich bombardiert wird. Dazu führt es ein logarithmisches Herunterskalieren durch. Dieses folgt dem sogenannten „Weber-Fechner-Gesetz„: „Sieht man etwa einen Zehn-Minuten-Film, so speichert das Gehirn dabei nicht zehnmal mehr Informationen als bei einem Ein-Minuten-Film, sondern etwa doppelt so viel“, erklärt Gros.

Was für den Aspekt der Zeit zutrifft, gilt auch für die Auflösung, zeigt der Forscher am Video-Beispiel. „Je detailreicher und je länger ein Video ist, desto mehr muss das Gehirn reduzieren. Kurze, schlechtauflösende Videos werden somit prozentual gleich doppelt so gut wahrgenommen wie lange mit Hochauflösung.“ Bei weiterer technischer Steigerung der Kameraauflösung sei somit ein Trend zu einfachen Videos zu erwarten – wovon auch der Zeichentrick profitiert. In der Werbebranche habe man diese Erkenntnis bereits perfektioniert, so Gros.

Auslagerung statt Verdummung

Während die gesamte Datenmenge im Web weiterhin rasant anwächst – vor allem durch maschinell erzeugte Daten – stagniert die menschliche Verarbeitungskapazität. „Die Folge ist, dass wir immer mehr Daten auslagern. Was früher in Büchern geschah, passiert heute im Internet, wo man Informationen abspeichert oder sucht, statt sie sich zu merken.“ Eine Entwicklung, die Kritiker als Verdummung sehen (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20111020022). Für Gros ist es eine „verbesserte Fähigkeit des Offline-Abspeicherns“.

Quelle: pressetext.com

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