Klimawandel-Weltkarte – Größte CO2-Verursacher sind am wenigsten betroffen

März 5th, 2011

Montreal/Potsdam (pte/05.03.2011/06:10) – Die Bewohner großer Teile Afrikas, Südostasiens, der arabischen Halbinsel und des zentralen Südamerikas werden in Zukunft am meisten unter dem Klimawandel leiden.

Das prognostizieren Forscher der McGill University http://www.mcgill.ca in der „Zeitschrift Journal Global Ecology and Biogeography“. Anhand einer Weltkarte zeigen sie, wie verletzlich Menschen gegenüber den zu erwartenden Folgen des Klimawandels sind.

Anders als für Pflanzen und Tiere sind die Klimawandel-Folgen für den Menschen noch wenig erforscht. Die kanadischen Wissenschaftler verbanden dazu Klimamodelle mit aktuellen Bevölkerungszahlen und deren Prognosen bis 2050. Obwohl laut den Modellen die Temperatur in niederen Breiten weniger als im Norden ansteigt, leidet deren Bevölkerung mehr darunter. „Just die Länder sind verletzlich, die am wenigsten am Klimawandel schuld sind – misst man den CO2-Ausstoß pro Kopf“, so Studienleiter Jason Samson.

Armut verschlimmert Hitze

„Die Verwundbarkeit einer Gesellschaft ergibt sich, indem man ihre zukünftige Entwicklung, die potentiellen Klimaänderungen sowie deren Wirkungen auf unterschiedliche
Sektoren betrachtet“, erklärt Jürgen Kropp vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) http://www.pik-potsdam.de, im pressetext-Interview.

Länder im Süden sind in mehrerer Hinsicht benachteiligt. „In vielen Ländern haben wir heute bereits marginale Umweltbedingungen. Oft fehlt dort auch ökonomische Kraft für Maßnahmen zu konkreter Anpassung. Zurück geht das oft historisch als Folge der Ausbeutung durch den Norden, aber auch durch heutige Korruption in den Staaten“, so Kropp.

Afrika braucht spezielle Klimaanpassung

Wie verwundbar einzelne Regionen sind, haben Forscher am PIK Potsdam jüngst am Beispiel Afrikas gezeigt. Kein Land des Kontinents liegt künftig auf der sicheren Seite, auch da schon heute zuwenig Nahrungsmittel für die Eigenversorgung produziert werden, so ihr Bericht in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Verbesserungspotenzial bestehe jedoch, weshalb man spezielle Formen der Klimaanpassung anpeilen sollte. Dazu zählen in den Augen der Forscher die Wiederherstellung ausgelaugter Böden, effiziente und bodenschonende Anbaumethoden, der integrierten Pflanzenschutz, bessere Infrastruktur und die Überwindung von Hürden für den Eintritt in den internationalen Markt.

Link zu den Studien unter
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1466-8238.2010.00632.x/abstract
sowie
http://www.pnas.org/content/early/2011/02/23/1015078108.abstract

Quelle: pressetext.redaktion

Korruptionsindex bestimmt maßgeblich, ob Staatsanleihen zurückgezahlt werden

März 2nd, 2011

Irland, Griechenland und Co.: Wirtschaftswissenschaftler der TU Chemnitz nutzen den Korruptionsindex als Indikator für die Sicherheit von Staatsanleihen –  Je höher die Korruption ist, desto unwahrscheinlicher wird die Schuldenrückzahlung.
(>>  Korruptionsindex 2010)

„Angesichts der Griechenlandkrise suchen viele nach Indikatoren für die Sicherheit von Staatsanleihen. Wird Griechenland zurückzahlen? Sind portugiesische Anleihen sicher? Was machen die USA mit ihrem riesigen Schuldenberg? Für viele Investoren ist die Beantwortung dieser Fragen essentiell“, sagt Prof. Dr. Friedrich Thießen, Inhaber der Professur Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der TU Chemnitz. Die Professur hat eine Analyse erstellt, die den internationalen Korruptionsindex von Transparency International und die Umschuldungshäufigkeit von Staatsschulden, die beim Pariser Club erfasst werden, in Verbindung setzt. Das Ergebnis: Je mehr Korruption in einem Land herrscht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Staat seine Schulden nicht begleicht und sich auf Kosten der Gläubiger saniert.

„Der Zusammenhang ist statistisch hoch signifikant“, sagt Professurmitarbeiter Johannes Weigl und ergänzt: „Wir waren vollkommen überrascht. Das Bestimmtheitsmaß beträgt 85 Prozent. Jetzt können wir das Umschuldungsrisiko statistisch exakt bestimmen. Das kann den Finanzmärkten nützen, das Risiko von Staatsanleihen zu quantifizieren.“ Der Korruptionsindex zeigt an, wie Geschäftsleute die Korruption in einem Land wahrnehmen. Er nimmt Werte von 0 bis 10 ein, wobei 10 die geringste Wahrnehmung von Korruption bedeutet.

Geringe Korruption in Irland, starke in Griechenland

Irland gehört mit einem Korruptionsindex von 8 zu den korruptionsfreiesten Ländern der Welt. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich die Iren nicht ohne Not auf Kosten der Gläubiger sanieren werden“, konstatiert Thießen. Die irische Krise sei weniger durch Staatsverschuldung, als durch Bankenfehlverhalten verursacht worden. „Die Problemschulden sind überwiegend keine des Staates, sondern der privaten Wirtschaft. Irland sollte deutlich zwischen den staatlichen und den privaten Schulden unterscheiden, um sich seinen Credit zu erhalten“, rät Thießen.

Portugal zählt dagegen mit einem Korruptionsindex von 6 nicht mehr zu den korruptionsfreien Ländern. Die Wahrscheinlichkeit, dass Portugal Anstrengungen unternimmt, sich seine Lasten auf Kosten der Gläubiger zu erleichtern, beträgt laut der Analyse etwa 24 Prozent. Griechenland ist mit einem Korruptionsindex von 3,5 ein Land mit starker Korruption. „Damit liegt Griechenland in einer Gruppe von Ländern, die sich in der Vergangenheit mehrheitlich ihrer Lasten durch Umschuldung entledigt haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass die griechischen Abgeordneten zu dem Instrument der Umschuldung greifen und beschließen, sich auf Kosten ihrer Gläubiger zu sanieren, beträgt 52 Prozent“, sagt Thießen und fügt hinzu: „Angesichts dieses hohen Umschuldungsrisikos müssen die Hilfen der EU-Staaten als kritisch angesehen werden. Es muss damit gerechnet werden, dass Griechenland die Umschuldung nur solange aufschiebt, wie frisches Kapital zugeschossen wird.“

Aber auch die hohen Defizite der USA haben Fragen hervorgerufen, wie die Amerikaner ihre Schulden in Zukunft behandeln werden. Der Korruptionsindex der USA beträgt 7,1, die Umschuldungswahrscheinlichkeit laut den TU-Wirtschaftswissenschaftlern 11,8 Prozent.

Die EU ist in Bezug auf Korruption zweigeteilt

Nur wenige Industrieländer sind korruptionsfrei. „Alle die Länder, die derzeit auf die Installierung eines europäischen Rettungsfonds drängen – also vor allem Italien, Spanien und Griechenland – stehen im Korruptionsindex auf bedenklich niedrigen Werten. Es muss vermutet werden, dass der Rettungsfonds in einigen Ländern der EU auch als ein Instrument begriffen wird, sich seiner Lasten auf einfache Weise entledigen zu können“, so Thießen. Die EU ist in Bezug auf die Korruption zweigeteilt. „Es erstaunt, wie viele Transferleistungen in die korrupten Länder die korruptionsfreien Länder der EU zulassen“, urteilt Weigl.

Korruptionsindex als Indikator des „Wollens“

Warum gibt es eine Beziehung zwischen dem Korruptionsindex und der Umschuldungshäufigkeit von Staatsschulden? „In Ländern mit Korruption herrscht ein Klima, in dem man sich nicht den Zwängen der Märkte aussetzen möchte. Man sucht marktfremde Lösungen, seine Ziele zu erreichen. Die Wirtschaftssubjekte sind dahin erzogen, sich Ressourcen anderer leistungslos anzueignen. Es werden tendenziell egoistische und weniger gemeinwohlorientierte Ziele verfolgt“, erklärt Thießen, „die Gruppe, die Familie oder der Clan stehen im Vordergrund.“ Diesen Personen gegenüber sei man verpflichtet, während wildfremde Gläubiger nicht zum eigenen Clan gehörten. „Die Frage, ob man seine Schulden zurückzahlt oder nicht, ist nicht nur eine Frage der verfügbaren Ressourcen, sondern auch eine Frage der Einstellung zu seinen Verpflichtungen. Es ist also mehr eine Frage des Wollens als des Könnens. Der Korruptionsindex kann als Indikator dienen, der dieses Wollen zum Ausdruck bringt“, ergänzt der Wirtschaftswissenschaftler. Das erkläre auch, weshalb es kaum Zusammenhänge gebe zwischen Indikatoren wie der Höhe der Staatsschuld vor der Umschuldung, der Verschuldung pro Kopf oder der Höhe des laufenden Haushaltsdefizits zur Wahrscheinlichkeit, ob ein Staat seine Schulden zurückzahlen wird oder nicht.

Die vollständige Analyse:
http://www.tu-chemnitz.de/wirtschaft/bwl4/interessantes/Korruption_Artikel.pdf

Mikroorganismen schützen Landkinder vor Asthma und Allergien

Februar 24th, 2011

Bauernkinder leiden seltener an Asthma und Allergien, so viel ist bekannt. Und auch die Gründe scheinen für den „Normalbürger“ auf der Hand zu liegen: Die weniger sterile Umgebung schützt Mädchen und Jungen vor Überempfindlichkeiten. „Tatsächlich handelt es sich bei Asthma und Allergien um ein Zusammenspiel von genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen“, erklärt Dr. Jon Genuneit vom Institut für Epidemiologie an der Universität Ulm.

Gemeinsam mit den Ulmer Forschern Dr. Gisela Büchele und Nikolaos Sitaridis hat Genuneit jetzt neue Ergebnisse der sogenannten GABRIEL-Studie im New England Journal of Medicine publiziert. Offenbar schützen Mikroorganismen vor Asthma und Allergien. Die GABRIEL-Studie untersucht Ursachen und den Verlauf von Asthma im ländlichen Umfeld.

Die Geschichte der Erhebung, die von Forschergruppen in Baden-Württemberg und Bayern sowie den deutschsprachigen Regionen Österreichs, der Schweiz und in Polen durchgeführt wird, beginnt vor rund fünf Jahren. Die Wissenschaftler haben 10 000 Bauernkindern sowie Mädchen und Jungen aus der ländlichen Referenzgruppe Blutproben entnommen, außerdem sind die Kinder gemessen und gewogen worden. Von den Eltern ausgefüllte Fragebögen gaben Aufschluss über Aktivitäten der Mädchen und Jungen wie Kühe melken oder misten. Mit den so gewonnenen Daten konnten die Wissenschaftler zunächst bestätigen, dass ein bäuerliches Umfeld vor Asthma und Allergien schützt. Kontakte mit beispielsweise Rindern, Heu und Stroh scheinen diesen Effekt zu begünstigen. Allerdings müssen diese Einflüsse bereits während der Schwangerschaft der Bäuerin und in der frühkindlichen Phase bestehen.

Bei Hausbesuchen wurden auch Staubproben aus den Kinderzimmern genommen. Dieser Umweltteil der GABRIEL-Studie steht im Zentrum der neuesten Publikation. „Auf diese Weise suchen wir eine Antwort auf die Frage, ob bestimmte Expositionen auf dem Bauernhof, also Bakterien und Pilze, erklären, dass Bauernkinder weniger Allergien und Asthma entwickeln als ihre Klassenkameraden“, so Genuneit. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass Bauernkinder offenbar einer größeren Vielfalt von Mikroorganismen ausgesetzt sind. Nun stellt sich die Frage, welche Mikroorganismen einen besonders positiven Einfluss auf die Entwicklung des Immunsystems haben. „Bisher haben wir dafür Anhaltspunkte, bewegen uns aber noch auf der Ebene von Gruppen“, erklärt Jon Genuneit. Um eigene Ergebnisse zu erhärten, beziehen sich die Forscher auch auf die so genannte PARSIFAL-Studie (Prevention of allergy risk factors for sensitisation in children related to farming and anthroposophic lifestyle), in der Wissenschaftler mit ähnlichem Forschungsinteresse Staubproben aus Matratzen untersucht haben.

In einem nächsten Schritt wollen die Epidemiologen Teilnehmer der GABRIEL-Studie jährlich befragen. Auftakt war im vergangenen Sommer. Die Forschungsfragen lauten unter anderem: Wie entwickeln sich Asthma und Allergien in der Pubertät? Hält der Schutz des bäuerlichen Umfelds an? Und welchen Einfluss hat das Rauchen auf die Entwicklung von Asthma bei Bauernkindern und der übrigen Landbevölkerung?
„Bei den mehr als 2000 kontaktierten Familien war die Bereitschaft, weiterhin an der Erhebung teilzunehmen, erfreulich hoch. Nur so können belastbare Forschungsergebnisse entstehen, die uns im Kampf gegen Asthma und Allergien weiterbringen“, erklärt Genuneit. Wurde die ursprüngliche GABRIEL-Studie noch mit EU-Geldern finanziert, erhält Jon Genuneit für die nächsten zwei Jahre Nachwuchsförderung von der Universität Ulm.

Literatur:
Markus J. Ege, M.D., Melanie Mayer, Ph.D., Anne-Cécile Normand, Ph.D., Jon Genuneit, M.D., William O.C.M. Cookson, M.D., D.Phil., Charlotte Braun-Fahrländer, M.D., Dick Heederik, Ph.D., Renaud Piarroux, M.D., Ph.D., and Erika von Mutius, M.D. for the GABRIELA Transregio 22 Study Group. N Engl J Med 2011; 364:701-709.

Anmerkung: siehe hierzu auch den Artikel „Allergien – Entstehung und Behandlung aus naturheilkundlicher Sicht

Demenz-Report – „Landkarten der Demenz“ für Deutschland, Österreich und die Schweiz

Februar 22nd, 2011

Eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung untersucht, wie sich die Regionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf die Alterung der Gesellschaft vorbereiten können.

Nach dem 65. Lebensjahr steigt die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz zu erkranken. Die Alterung der Gesellschaft bringt es deshalb mit sich, dass der Anteil der Menschen mit Demenz an der Gesamtbevölkerung steigt. In Deutschland liegt er heute bei etwas über 1.600 je 100.000 Einwohner. Er dürfte sich binnen der nächsten dreißig Jahre verdoppeln. Österreich und die Schweiz haben dank anhaltender Zuwanderung noch etwas jüngere Bevölkerungen. Doch auch in diesen beiden Ländern schreitet die Alterung voran, nimmt also auch die Zahl der Menschen mit Demenz zu. Gleichzeitig wachsen immer weniger Junge nach. Es gibt also künftig weniger Menschen, die sich um die steigende Zahl demenziell Erkrankter kümmern können, ob als Kinder, Schwiegerkinder oder als professionell Pflegende.

Allerdings fällt diese Entwicklung regional sehr unterschiedlich aus. Im „Demenz-Report“ legt das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung jetzt „Landkarten der Demenz“ für Deutschland, Österreich und die Schweiz vor. Daraus lassen sich für jede einzelne Region der heutige Stand (auf Grundlage der Daten von 2008) und die Prognose für 2025 ablesen.

So liegt die von Abwanderung geprägte östlichste Ecke Deutschlands, nahe der Grenze zur Tschechischen Republik, derzeit mit geschätzten 2.190 demenziell Erkrankten je 100.000 Einwohner weit über dem gesamtdeutschen Durchschnitt. Hier, wie auch in weiten Teilen Ostdeutschlands, dürfte sich diese Zahl nach den Berechnungen des Berlin-Instituts bereits im Jahr 2025 verdoppelt haben. Die niedersächsischen Kreise Cloppenburg und Vechta hingegen bleiben infolge überdurchschnittlich hoher Geburtenzahlen deutlich unter dem Durchschnitt. Dies gilt auch für den erweiterten Speckgürtel um München, wo das Angebot an Arbeitsplätzen junge Menschen und Familien anzieht.

Warum regionale Demenz-Szenarien? Entscheidungsträger in Kommunen, Kreisen, Kantonen oder Bezirken benötigen diese kleinräumigen Daten, um planen und Vorkehrungen treffen zu können. Denn Demenz stellt Gesellschaft und Politik vor neue Herausforderungen. Diese sind gerade dort am größten, wo die Jungen abwandern und die zurückbleibenden Älteren zum Teil von Armut bedroht sind. In solchen dünn besiedelten Landstrichen ist es schwierig, eine angemessene medizinische Versorgung aufrecht zu erhalten. Und wo die Kommunen heute schon Haushaltsprobleme haben, werden sie in Zukunft deutlich weniger finanzielle Mittel zur Verfügung haben, um etwa Heimplätze und Pflegepersonal bereitzustellen. Dies trifft vor allem auf den Osten Deutschlands zu. Es gilt aber, wenn auch noch in geringerem Ausmaß, ebenfalls für die Gebiete Österreichs, die entlang des ehemaligen Eisernen Vorhanges gelegen sind. Auch manche ländlichen Regionen am Alpenrand, deren Bewohner es in die großen Agglomerationen zieht, haben schon mit einer veränderten Bevölkerungszusammensetzung zu kämpfen.

Wie können die Regionen der Herausforderung begegnen? Modelle dafür gibt es bereits – etwa in der nordrhein-westfälischen Stadt Arnsberg. Dort besteht inzwischen ein ganzes Netzwerk privater und öffentlicher Angebote für Menschen mit Demenz. Der „Demenz-Report“ gibt einen Überblick über Modelle und Initiativen, die zeigen, wie sich die Kommunen auf die Alterung der Gesellschaft einstellen können. >>  Downloadlink der Studie

Quelle: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Chlamydien – Problemkeim und kaum Strategien

Februar 17th, 2011

Chlamydieninfektionen sind mit etwa 300.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste sexuell übertragbare Erkrankung in Deutschland. Schätzungsweise 100.000 Frauen in Deutschland sind wegen einer unentdeckten Infektion mit diesen Keimen unfruchtbar. Maßnahmen zur Früherkennung sind vom Gesetzgeber längst vorgesehen, bis heute aber nicht praktikabel umgesetzt.

Etwa 100.000 Frauen in Deutschland sind unfruchtbar, weil sie beim Geschlechtsverkehr mit Chlamydien angesteckt wurden. Denn die Infektion mit Chlamydien verursacht meist keine spürbaren Symptome, kann aber bei der Frau dazu führen, dass die Eileiter sich entzünden und vernarben. Das Ergebnis ist Unfruchtbarkeit und ein hohes Risiko für Eileiter-Schwangerschaften. Ein Früherkennungs-Programm, das eine rechtzeitige Behandlung ermöglicht und die weitere Ausbreitung der Infektionen verhindern könnte, ist vom Gesetzgeber längst vorgesehen. Aber es ist bis heute kein praktikabler Weg gefunden worden, dieses Screening flächendeckend umzusetzen.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt, dass die Hindernisse auf dem Weg zu einem wirkungsvollen Chlamydien-Screening möglichst schnell beseitigt werden. Dazu gehören folgende Punkte:

• Angebot des Screenings für alle Frauen bis 34 Jahre. Bisher lag die Altersgrenze bei 25 Jahren. Dadurch werden viele Infektionen bei Frauen, die später noch schwanger werden wollen, übersehen.
• Angebot des Screenings auch für Männer, so wie es den Niederlanden und in Großbritannien üblich ist, denn Männer sind ebenso wie Frauen Träger unentdeckter Infektionen.
• Untersuchung des Zell-Abstriches aus dem Gebärmutterhals. Derzeit wird im Labor nur der Urin untersucht, was dazu führt, dass Infektionen der Vagina häufig übersehen werden.
• Wiedereinführung der Meldepflicht, die seit 2001 ausgesetzt wurde. Damit könnte überprüft werden, ob sich die Infektion, an der derzeit schätzungsweise 300.000 Frauen und Männer pro Jahr neu erkranken, weiter ausbreitet, oder ob sie durch Aufklärung, durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen beim Geschlechtsverkehr und durch ärztliche Früherkennung und Behandlung eingedämmt werden kann.

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Eine ausführliche Stellungnahme ist auf der Homepage der DGGG publiziert.
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ANHANG – FAKTEN

KEIM UND ÜBERTRAGUNG

Die Infektion mit Chlamydien (hier gemeint ist immer die Spezies Chlamydia trachomatis) ist die häufigste sexuell übertragbare Erkrankung in Deutschland. Chlamydien werden durch Geschlechtsverkehr übertragen oder bei der Geburt von infizierten Müttern auf ihre neugeborenen Kinder. Bei Frauen ist zunächst der Gebärmutterhals infiziert; der Keim steigt dann durch die Gebärmutter bis in die Eileiter und in Einzelfällen sogar bis in den Bauchraum und bis zur Leber auf. Beim Mann können Harnröhre, Prostata und Nebenhoden infiziert werden. Häufig ruft die Infektion keine spürbaren Krankheitszeichen hervor. Deshalb sind viele Frauen und Männer Überträgerinnen und Überträger der Krankheit, ohne es zu wissen. Bei Neugeborenen ruft der Krankheitserreger Augen- und Lungenentzündungen hervor. In einer nicht repräsentativen Erhebung war etwa jede zehnte junge Frau mit dem Keim infiziert. Für die Infektionshäufigkeit bei Männern gibt es keine Zahlen.

SCREENING

Der Gesetzgeber hat vor vier Jahren beschlossen, dass die jährliche Untersuchung aller jungen Frauen zwischen 17 und 25 Jahren in den Katalog der so genannten „Regelleistungen“ der Krankenkassen aufgenommen wird. Vorgesehen war, dass einmal jährlich eine entsprechende Beratung und Untersuchung beim Frauenarzt-Besuch durchgeführt und dass ein Abstrich aus dem Gebärmutterhals genommen wird. Allerdings sind diese Maßnahmen aus verschiedenen Gründen nicht in die Praxis umgesetzt worden. Das derzeit vorgeschriebene Laborverfahren – die Untersuchung von Urinproben – ist zudem für die Diagnostik nicht optimal.

BEHANDLUNG

Die Behandlung der Chlamydieninfektion ist einfach. Die/derjenige, bei der/dem die Infektion festgestellt wurde, und alle ihre/seine Sexualpartner werden über kurze Zeit mit Antibiotika behandelt. Damit lässt sich die Infektion heilen und eine erneute Ansteckung verhindern, solange die Partnerschaft stabil ist. Bei Partnerwechsel lässt sich eine erneute Chlamydieninfektion durch die Verwendung von Kondomen mit großer Sicherheit verhindern.

Anmerkung: aus naturheilkundlicher Sicht gehören Infektionen mit Chlamydien zu den sog. „tuberkulinischen Krankheiten„.  Diese Infektionen lassen sich homöopathisch recht gut regulieren.

Selbstversuch: Akupunkturanästhesie wirkt bei Leistenoperation

Februar 6th, 2011

Berlin – Akupunktur wirkt auch bei Operationen als Anästhetikum. Der Berliner Allgemeinmediziner Dr. Friedrich Molsberger prüfte im Selbstversuch die Wirkung von Akupunkturanästhesie bei einer Leistenbruchoperation. Dabei gewährleistete die Akupunktur mit Elektrostimulation die Anästhesie für einen Hautschnitt von sechs Zentimetern Länge und bis zu einer Tiefe von 15 Millimetern. Für die vollständige Anästhesie der gesamten Operation war die Akupunktur allerdings nicht ausreichend. Es mussten zusätzlich Medikamente zur Lokalanästhesie verabreicht werden, berichtet die Fachzeitschrift Forschende Komplementärmedizin in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 1, 2011).

Der erfahrene Akupunkteur und Dozent der Forschungsgruppe Akupunktur Friedrich Molsberger setzte sich selbst vor der Operation sechs Nadeln in beide Unterschenkel an jeweils drei Akupunkturpunkte. Die Nadeln wurden mit Kabeln verbunden und über eine Stunde lang elektrisch stimuliert. Das Verfahren geht auf den japanischen Chirurg Yamamoto zurück, der bereits chinesische Akupunktur mit Elektrostimulation zur alleinigen Betäubung bei Kaiserschnitten oder Blinddarmoperationen eingesetzt hatte. Doch handelt es sich bis heute um ein medizinisches Gebiet, das noch wenig erforscht ist. Der langjährige Dozent der Forschungsgruppe Akupunktur tolerierte den Schnitt des Skalpells in einer Länge von sechs Zentimetern und das Präparieren in die Tiefe von bis zu 15 Millimetern problemlos und ohne jede weitere Betäubung. Allerdings traten beim weiteren Schneiden in die Tiefe starke Schmerzen auf: „Es war nicht auszuhalten! Ich zuckte vor Schmerz, der Chirurg konnte nicht weiter arbeiten und musste Lokalanästhetikum nachspritzen“, berichtete Molsberger. Auf das Experiment hatte sich der bekannte Berliner Sportchirurg Dr. Jens Krüger eingelassen.

„Mit Akupunktur lassen sich viele Erkrankungen sehr gut behandeln“, erklärte Molsberger. „Der Selbstversuch hat gezeigt, dass man mit Akupunktur auch Hautschnitte ohne Gabe von Medikamenten durchführen kann. Aber eine alleinige Anästhesie bei Operationen kann die Akupunktur nicht leisten. Da müssen wir die Kirche im Dorf lassen und der Schulmedizin für ihre modernen Möglichkeiten dankbar sein.“ Weitere Untersuchungen seien jetzt notwendig, um die Betäubungswirkung von Akupunktur bei Operationen besser zu erforschen und – zum Beispiel durch andere Punktauswahl und Stimulationsverfahren – zu optimieren.

Quelle: Forschungsgruppe Akupunktur

Innovation mit „Risiken und Nebenwirkungen“ – Jeder vierte Manager ist vital erschöpft

Februar 2nd, 2011

Innovation gilt als Lebenselixier für Unternehmen. Doch welche Auswirkungen haben Innovationen auf die Menschen, die sich für neue Produkte und Prozesse in den Unternehmen engagieren? Eine Studie des Instituts für angewandte Innovationsforschung (IAI) Bochum e.V. an der Ruhr-Uni-Bochum in Kooperation mit den Kliniken Essen-Mitte belegt: 24% der befragten Führungskräfte zeigen Symptome von „Vitaler Erschöpfung“. Die Folgen für die Unternehmen können gravierend sein.

Innovationen werden von Menschen gemacht. Was permanenter Druck zur Veränderung und Innovation mit den Menschen „macht“, steht jedoch selten im Mittelpunkt. Risiken und Nebenwirkungen von Innovationen wurden jetzt von Innovationsforschern des IAI und Gesundheitsexperten der Kliniken Essen-Mitte untersucht. 229 Führungskräfte aus der Wirtschaft wurden dazu im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes „PRÄGO“ (www.praego.net) schriftlich befragt.

Jeder vierte Manager, der in Innovationsprozesse eingebunden ist, klagt über Müdigkeit, Energiemangel und Entmutigung. Diese Führungskräfte sind Risikokandidaten für einen Burn-out. Ihre „Vitale Erschöpfung“ geht zudem mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte einher. Nur 28% der Führungskräfte liegen im „grünen Bereich“. 48% der Führungskräfte zeigen eine „mittlere Erschöpfung“. Besonders ausgeprägt sind die Konsequenzen von Innovationsarbeit bei denen, die mit permanenten organisatorischen Veränderungen umgehen müssen.

Welches sind die Ursachen für diese „Nebenwirkungen“? Innovationen werden in den Unternehmen als Projekte zusätzlich zum Tagesgeschäft organisiert. Bei der Umsetzung von Innovationen sind Abstimmungsschwierigkeiten und extensive Arbeitszeiten zu erwarten. Innovationen sind unsichere Prozesse – und genau diese Unsicherheiten zeigen sich in der Analyse des IAI Bochum als stärkste Belastungsfaktoren. Dieser „Innovationsstress“ wird durch Arbeitsverdichtung und eine immer dünner werdende Personaldecke verschärft. Die hohen Anforderungen von Innovationen sind auf zu wenige Schultern und Köpfe verteilt.

Die Studie zeigt: Innovationen bringen nicht nur Chancen, sondern auch Risiken und Nebenwirkungen. Diese zu ignorieren, gefährdet die Gesundheit der „Innovations- Arbeiter“ – und damit auch die Zukunft der Unternehmen. Problematisch ist, dass sich Führungskräfte lange selbst als fit und belastbar sehen – und häufig sind sie es auch. Jedoch liegt hier auch ein Risiko: Denn „Adrenalinsurfer“ sind für präventives Verhalten meist nur schwierig zu gewinnen – das nächste Projekt erscheint viel reizvoller als Phasen der Entspannung. Doch der Entgrenzung sind Grenzen zu setzen, denn Unternehmen brauchen Fach- und Führungskräfte, die sich auch „übermorgen“ noch für Innovationen engagieren.
Die Studie „Innovation durch Prävention“ ist über das IAI in Bochum zum Preis von EURO 49,00 erhältlich.

Anmerkung: siehe hierzu auch das Online-Seminar „Naturheilkundliche Vorbeuge und Behandlung des Burn-Out-Syndroms

Epilepsie: Neue Untersuchungen zu den Ursachen und verbesserte Behandlung der medikamentenresistenten Formen

Januar 27th, 2011

Forscher des Krankenhauses Frédéric Joliot (SHFJ: I2BM, CEA/Orsay) in Orsay (Ile-de-France) [1] und der Abteilung für Neurochirurgie des Sainte-Anne Krankenhauses in Paris [2] haben eine Diagnosemethode entwickelt, die es ermöglicht, genau die Hirnareale einzugrenzen, die für epileptische Anfälle verantwortlich sind.

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, bei der die Patienten unter epileptischen Anfällen leiden. Diese Anfälle entstehen durch Störungen im Gehirn, die auf eine kurz andauernde vermehrte Entladung von Nervenzellen zurückzuführen sind. Diese Anfälle können sich durch Krämpfe, Bewusstlosigkeit oder sogar Halluzinationen äußern [3].
In Frankreich leiden rund 500.000 Menschen an Epilepsie, d.h. knapp 1% der gesamten Bevölkerung. Ungefähr 60% dieser Patienten haben eine sogenannte partielle Epilepsie, von der 20-50% medikamentenresistent sind.

Die einzig mögliche Behandlung dieser Patienten ist der chirurgische Eingriff. Jedoch hängt der Erfolg dieser Operation von der Genauigkeit der Eingrenzung des Hirnareals ab, der für die epileptischen Anfälle verantwortlich ist. Aus diesem Grund ist die neue Diagnosemethode von großer Bedeutung. Sie beruht auf der Verbindung von Echoenzephalographie und Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Die PET-Untersuchung wird mit Fluor-Deoxyglucose [4] durchgeführt, die einen geringen Glukosestoffwechsel in den Regionen nachweisen kann, die für die epileptischen Anfälle verantwortlich sind.

Im Rahmen einer Studie werteten die Forscher die Ergebnisse der präoperativen Hirn-Tomographie von mehr als tausend Patienten aus. Diese neue Methode konnte bereits bei Operationen von Jungendlichen und Kindern getestet werden, die unter einer schweren Form der Epilepsie litten und für die keine therapeutische Lösung zur Verfügung stand. In 90% der Fälle führte die Operation zur Heilung. Die Ergebnisse wurden am 14. Dezember 2010 in der Fachzeitschrift Neurologyy veröffentlicht [5].

[1] Internetseite des Krankenhauses Frédéric Joliot: http://www-dsv.cea.fr/dsv/instituts/institut-d-imagerie-biomedicale-i2bm/services/service-hospitalier-frederic-joliot-shfj-p.-merlet/le-shfj
[2] Internetseite der Abteilung für Neurochirurgie des Sainte-Anne Krankenhauses: http://www.ch-sainte-anne.fr/site/soins/soinsNeuro/neurochirurgie/presentation.html
[3] Weitere Informationen über Epilepsie finden Sie auf der Webseite von Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Epilepsie
[4] Fluor-Deoxyglucose ist ein Glucose-Analogon. Der vollständige Name der Verbindung lautet 2-Fluor-2-deoxy-D-glucose. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite von Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Fluordesoxyglucose
[5] Originalpublikation: „FDG-PET improves surgical outcome in negative MRI Taylor-type focal cortical dysplasias“, Neurology – 14.12.2010 – http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21172840

Quelle: Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

 
Eine weitere Epilepsie-Langzeitstudie, die von der Universität Bonn durchgeführt wurde, ergab überraschende Ergebnisse.

In der Epilepsieforschung ist immer noch wenig bekannt darüber, wie und warum es zu epileptischen Anfällen kommt. Forscher der Universität Bonn liefern nun in einer neuen Studie wichtige Erkenntnisse darüber, welche Reaktionen im Gehirn eines Epilepsiepatienten ablaufen. Dabei haben sie nicht nur den Zeitraum, in dem ein Anfall geschieht, sondern auch normale Phasen untersucht und sind zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Die Studie ist in der Zeitschrift Chaos erschienen (doi: 10.1063/1.3504998).

Die Forscher in der Universitätsklinik für Epileptologie haben untersucht, wie Hirnregionen bei Epilepsiepatienten miteinander kommunizieren und wie sich diese Kommunikation bei einem Anfall verändert. Dazu haben sie die Hirnaktivität mit Elektroden im Schädel gemessen. Das Besondere an der Studie: Die Wissenschaftler haben nicht nur, wie bislang üblich, wenige Minuten während des Anfalls gemessen, sondern über mindestens zwei Tage, im längsten Fall sogar über zehn Tage. Diese lange Dauer der Untersuchung ist bislang einzigartig. Zumal die Patienten sich während der Untersuchung verhielten wie in ihrem normalen Alltag auch: Sie schauten fern, lasen oder telefonierten. Insgesamt wurden 13 Patienten untersucht.

Über ihre Messungen konnten die Forscher rekonstruieren, wie die Regionen im Gehirn miteinander kommunizieren. Dabei achteten sie unter anderem darauf, wie sich Aktivitätsänderungen in einer Region auf die Aktivität anderer Regionen auswirkten. Mit Hilfe dieser Netzwerkanalysen hoffen die Forscher in Zukunft, Anfälle besser vorher zu sehen. „Man sollte meinen, dass man mit diesen Methoden Vorboten für Anfälle im Gehirn sieht. Aber das ist bislang nicht der Fall“, erklärt die Leiterin der Untersuchung Marie-Therese Kuhnert. Sie promoviert über dieses Thema.

Tag-Nacht-Wechsel deutlicher als epileptischer Anfall

Tagsüber ist die Kopplung verschiedener Regionen im Gehirn gering, nachts arbeiten sie eher im Gleichklang. Während eines epileptischen Anfalls, so wird angenommen, ist die Gleichschaltung jedoch noch viel stärker. Überraschenderweise zeigten die Netzwerkanalysen aber, dass Veränderungen der Kommunikation zwischen den Hirnregionen durch den Tag-Nacht-Wechsel oder auch durch Medikamente viel deutlicher waren als vor oder sogar während epileptischer Anfälle. „Wir müssen nun die ’normalen‘ Phasen zwischen den Anfällen besser verstehen“, betont Kuhnert. „Wir wollen aber auch die Analysemethoden weiter verbessern, um mögliche Veränderungen vor einem epileptischen Anfall besser zu erkennen.“

Die Untersuchung stößt international auf großes Interesse. Gerade hat Marie-Therese Kuhnert zusammen mit ihrem Doktorvater Professor Dr. Klaus Lehnertz und dem Direktor der Bonner Universitätsklinik für Epileptologie Professor Dr. Christian Elger ihre Ergebnisse im aktuellen Journal „Chaos“ publiziert. Dabei waren die Forscher vom Ausgang ihrer Untersuchung selbst überrascht. „Vor allem hätten wir nicht gedacht, dass die Netzwerkänderungen bei epileptischen Anfällen so gering sind“, erklärt Marie-Therese Kuhnert.

Literatur: Long-term variability of global statistical properties of epileptic brain networks; Marie-Therese Kuhnert, Christian E. Elger, Klaus Lehnertz; Chaos Band 20, Ausgabe 4 (doi: 10.1063/1.3504998)

Quelle: Universität Bonn

Anmerkung: die Epilepsie lässt sich übrigens unterstützend gut naturheilkundlich mit Hilfe der „Liminalen Frequenztherapie“ (LFT) behandeln.

Bakterien als Tumor-Killer

Januar 26th, 2011

Wissenschaftler erforschen, wie Salmonellen Tumoren abtöten können.

Seit längerem ist bekannt, dass Bakterien und Viren in der Lage sind, Tumoren zu beseitigen (siehe unter anderem den Artikel „Die bakterielle Endosymbiose der Zellen„).

Neuerdings wurde gefunden, dass Salmonellen in der Lage sind, Tumorzellen abzutöten. Andererseits sind Salmonellen gefürchtete Krankheitserreger; sie könnten jedoch zukünftig im Kampf gegen Krebs zu Verbündeten des Menschen werden. 

Dr. Siegfried Weiß und seine Kollegen vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig haben herausgefunden, wie Salmonellen in Tumoren einwandern und diese zerstören. Nun wollen die Forscher die immunologischen Botenstoffe identifizieren, die für diese Mechanismen verantwortlich sind, um die Einwanderung von Salmonellen in das Krebsgewebe gezielt stimulieren zu können. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Forschungsvorhaben mit 245.000 Euro.

Salmonellen haben einen schlechten Ruf: Sie vermehren sich ungehemmt in zu warm gelagerten Speisen und verursachen schwere Darmerkrankungen. Doch die Bakterien besitzen auch eine Eigenschaft, die sie für die Krebsforschung interessant macht: Sie können in einen Tumor einwandern und diesen für sie äußerst nährstoffreichen Ort besiedeln. Das mit den Salmonellen einströmende Blut sammelt sich im kranken Gewebe und es bildet sich eine so genannte Nekrose. Der Tumor stirbt ab – und das Festmahl für die Bakterien beginnt.

Eine Krebs-Therapie mit aktiven Krankheitserregern war bislang undenkbar. Denn eine Infektion mit Salmonellen birgt ein hohes Risiko für den Patienten. Daher wollen die Wissenschaftler die Bakterien so abschwächen, dass sie zwar für die Krebs-Behandlung nutzbar werden – aber ohne eine gefährliche Darminfektion auszulösen. “Im Kampf gegen den Krebs ist die Deutsche Krebshilfe stets darum bemüht, neue und innovative Therapieansätze zu fördern“, betont Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. „Dass Tumoren von Bakterien angegriffen werden, ist schon länger bekannt. Doch dieses Phänomen aktiv zu nutzen, um die Heilungschancen von Krebs-Patienten zu verbessern, wäre ein großer Fortschritt in der Behandlung von Krebs.“

Möglich wird der gesundheitliche Nutzen der Salmonellen durch die Unterstützung des Immunsystems: Sobald patrouillierende Abwehrzellen die Krankheitserreger entdecken, wird Alarm ausgelöst. Um andere Immunzellen an den Ort der Infektion zu locken, senden die Abwehrzellen bestimmte Botenstoffe aus. Diese sorgen jedoch auch dafür, dass die Blutgefäße eines Tumors durchlässig werden. Durch diese Lücke in der Verteidigung können die Bakterien in den Tumor einwandern und diesen abtöten. Mit Hilfe welcher Botenstoffe sich die Bakterien Zutritt zum Tumor verschaffen, wollen die Forscher nun herausfinden. Vor diesem Hintergrund wollen sie zukünftig die Einwanderung der Bakterien in das Krebsgewebe gezielt stimulieren.

Für eine effiziente Therapie reicht nach Meinung der Forscher die Gabe von Salmonellen allein jedoch nicht aus. Denn die Bakterien fressen den Tumor nur von innen heraus auf, dessen äußere Randbereiche bleiben unbeeinträchtigt. Daher wollen die Wissenschaftler noch einen Schritt weiter gehen: „Genetisch veränderte Salmonellen könnten zudem einen Wirkstoff abgeben, der auch die restlichen Krebszellen schnell und effektiv zerstört. Außerdem würde durch diese Methode das umliegende, gesunde Gewebe nicht geschädigt, wie es bei einer herkömmlichen Chemotherapie der Fall ist“, erklärt Weiß. Bei den Versuchen der Arbeitsgruppe handelt es sich noch um Grundlagenforschung. Bis diese Erkenntnisse Krebs-Patienten zu Gute kommen, ist noch umfangreiche Forschungsarbeit nötig.

Quelle: unter Verwendung von Material der Deutschen Krebshilfe e.V.

Vermeidbare Risikofaktoren für Brustkrebs identifiziert

Januar 19th, 2011

19.01.2011  – Etwa 30 Prozent aller Fälle von Brustkrebs nach den Wechseljahren ließen sich durch mehr Bewegung und den Verzicht auf Hormonersatztherapie vermeiden, errechneten Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum.

Viele Risikofaktoren für Brustkrebs sind gut dokumentiert und erforscht: So sind sich Wissenschaftler heute sicher, dass z.B. eine frühe erste Regelblutung, ein spätes Eintreten der Wechseljahre sowie auch das gehäufte Auftreten von Brustkrebs in der Familie mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko einhergehen.

Jedoch haben weder die einzelne Frau noch die Medizin einen Einfluss darauf, ob weibliche Verwandte an Brustkrebs erkranken oder in welchem Alter die Wechseljahre beginnen – diese Risikofaktoren lassen sich nicht beeinflussen. Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum um Privatdozentin Dr. Karen Steindorf und Professor Dr. Jenny Chang-Claude suchten gemeinsam mit Professor Dr. Dieter Flesch-Janys im Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf nach Risikofaktoren, die durch Änderungen im Lebensstil und Verhalten beeinflusst werden können.

„58.000 Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Brustkrebs“, sagt Jenny Chang-Claude. „Da stellt sich die zentrale Frage, ob und welche Verhaltensänderungen dazu beitragen können, die Erkrankungsrate zu senken. Mit unserer Studie wollten wir herausfinden, welchen Anteil an der Zahl der Erkrankungsfälle diese beeinflussbaren Faktoren haben.“

Die Forscher konzentrierten sich auf Aspekte wie die Einnahme von Hormonen zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden („Hormonersatztherapie“), auf körperliche Aktivität, Übergewicht und Alkoholkonsum. All diese Lebensstilfaktoren galten aufgrund vorangegangener Untersuchungen als mögliche Risikofaktoren für die Entstehung von Brustkrebs.

In der von der Deutschen Krebshilfe geförderten MARIE-Studie untersuchten die Epidemiologen 6386 weibliche Kontrollpersonen sowie 3074 Patientinnen, die nach dem Eintritt der Wechseljahre an Brustkrebs erkrankt waren. Anhand dieser Daten wurde der Anteil an Krebsfällen berechnet, die sich auf einen bestimmten Risikofaktor (bzw. auf eine bestimmte Kombination mehrerer Risikofaktoren) zurückführen lassen.

Von den veränderbaren Lebensstilfaktoren steigerten vor allem die Einnahme von Hormonersatztherapie und mangelnde körperliche Aktivität das Erkrankungsrisiko für Brustkrebs. Alkoholkonsum und Übergewicht zeigten einen geringeren Einfluss auf das Brustkrebsrisiko. So sind 19,4 Prozent der Fälle von invasivem Brustkrebs nach den Wechseljahren auf Hormonpräparate zurückzuführen, 12,8 Prozent auf den Mangel an körperlicher Aktivität. Beide Faktoren zusammengenommen sind für 29,8 Prozent der Krebsfälle verantwortlich. Betrachteten die Forscher gesondert die Gruppe der Patientinnen mit Tumoren, die Rezeptoren für Geschlechtshormone ausbilden („rezeptorpositiver Brustkrebs“), so liegt dieser Wert sogar bei 37,9 Prozent. Diese Ergebnisse, so betonen die Studienleiterinnen, spiegeln die Situation in Deutschland mit unseren typischen Lebensgewohnheiten wider und könnten in Ländern mit anderen Lebensstilen von den hier ermittelten Werten abweichen.

Die nicht zu beeinflussenden Faktoren wie Familiengeschichte oder der Zeitpunkt der ersten und der letzten Regelblutung bedingen zusammen 37,2 Prozent aller Fälle von bösartigem Brustkrebs nach den Wechseljahren. „Das heißt, dass zwei Faktoren, die jede Frau selbst in der Hand hat, für vergleichbar viele Fälle von Brustkrebs nach den Wechseljahren verantwortlich sind wie die nicht-beeinflussbaren Faktoren“, sagt Karen Steindorf. „Ließen sich in diesen beiden Bereichen Verhaltensänderungen herbeiführen, könnten fast 30 Prozent aller Fälle von Brustkrebs nach den Wechseljahren verhindert werden.“ Die DKFZ-Forscherinnen raten den Frauen daher zu mehr Bewegung und einem Verzicht auf Hormonersatztherapie, wo sie nicht unbedingt nötig ist.

Population attributable risk of invasive postmenopausal breast cancer and breast cancer subtypes for modifiable and non-modifiable risk factors. Benjamin B.E. Barnes, Karen Steindorf, Rebecca Hein, Dieter Flesch-Janys und Jenny Chang-Claude: Cancer Epidemiology 2010, DOI: 10.1016/j.canep.2010.11.003

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Die über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Krebs überhaupt entsteht. Sie entwickeln neue Ansätze, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
 
Anmerkung: siehe hierzu auch das Buch „Leitfaden für eine naturheilkundliche Brustkrebstherapie